Jun 082009
 
Logo des EU-Projekts.
Logo des EU-Projekts.

Der mit rasender Geschwindigkeit voranschreitende technische Fortschritt läßt sich nicht aufhalten. In gleichem Maße veralten Computersysteme und -medien, wodurch die Gefahr besteht, alte digitale Daten für immer zu verlieren. Das EU Projekt KEEP nimmt sich dieses Problems an.

Digitale Daten gehen durch Beschädigung mit der Zeit verloren, oder können einfach nicht mehr gelesen werden, da die dafür notwendigen Technologien verschwinden. Beispielsweise könne man davon ausgehen, „dass man in 25 Jahren keinen funktionierenden C64 mehr haben wird“, erläutert Andreas Lange, der Leiter des Berliner Computerspielemuseums, gegenüber der Futurezone. Der Grund hierfür ist die Korrosion, die den Computerchips zusetzt. Dr. Janet Delve von der Universität Portsmouth bringt es auf den Punkt.


„Frühere Generationen haben uns einen reichen Fundus an Büchern, Briefen und Dokumenten vererbt, die uns darüber berichten, wer diese Menschen waren, wie sie lebten und was sie für Entdeckungen machten. Heute besteht die durchaus reale Gefahr, dass wir einen weißen Fleck in der Geschichte hinterlassen.“

Aus diesem Grund hat die EU das Projekt KEEP (Keeping Emulation Environments Portable) ins Leben gerufen, welches über ein Gesamtbudget von 4,02 Millionen Euro verfügt. Neben den Nationalbibliotheken der Länder Deutschland, Frankreich und den Niederlanden ist auch das Berliner Computerspielemuseum involviert. Aus KEEP soll bis zum 31. Jänner 2012 ein Framework hervorgehen, welches bestehende Emulatoren auf einer gemeinsamen Oberfläche zugänglich machen wird. Auf der Homepage der deutschen Nationalbibliothek habe ich eine schön ausformulierte Zielvorgabe des Projekts KEEP gefunden. Darin heißt es unter anderem:

„Im Projekt KEEP wird eine Emulationsplattform entwickelt, die eine möglichst genaue Wiedergabe von statischen sowie dynamischen Objekten ermöglichen soll: Text, Sound, Bilder, Multimediadokumente, Webseiten, Datenbanken, Videospiele u.a. Ziel des Projektes ist, die Langzeitverfügbarkeit des kulturellen Erbes durch Entwicklung flexibler Zugriffswerkzeuge und Speicherung einer großen Bandbreite von digitalen Objekten zu gewährleisten.“

Einen großen Teil dieser Daten machen auch Computerspiele aus. Seit Februar läuft das Projekt bereits. Welche Spiele werden gesammelt? Welche Probleme gibt es? Und wie geht es nach 2012 weiter?

Im Moment wird gerade an einer juristischen Studie gearbeitet. Darin geht es im großen und ganzen um Urheberrechtsgesetze und welche Möglichkeiten die jeweilige nationale Gesetzgebung bei der Archivierung digitaler Daten bietet. Die Software kann nämlich nicht immer direkt von der Herstellern geholt werden. Andreas Lange dazu:

„…die Hersteller haben nicht unbedingt selbst noch Kopien ihrer Spiele. Das kann man immer wieder in diversen Newsgroups nachlesen, wo Firmenmitarbeiter in der Emulatoren-Community selbst Spiele nachfragen, die ihnen einst gehörten oder immer noch gehören … Oft hat man schon Schwierigkeiten herauszufinden, wer überhaupt der Besitzer eines Spiels ist. Man hat es mit Rechtepaketen zu tun, die mehrmals geschnürt worden sind, oft nur für ein bestimmtes Land oder eine bestimmte Region.“

Die Firmen selbst stünden auch vor einer neuen Situation, da sich plötzlich jemand für ihre Produkte interessiere.

Das Computermuseum selber hat keine Auswahlkriterien – gesammelt wird alles und mehrfach. Magazine, Videoaufzeichnungen, Fernsehdiskussionsrunden etc. Als Bezugsquellen dienen Spenden oder aber auch offizielle Stellen wie beispielsweise die USK. Falls ihr also gamesbezogene Dinge loswerden wollt, wendet euch an das Computerspielemuseum. Aufgrund der großen Sammlung wurde das Museum auch als Content-Provider für das Projekt KEEP angefragt.

Der große Vorteil von KEEP sei es, damit künftig nur noch eine virtuelle Maschine zu haben, auf welche die verschiedenen Emulatoren portiert werden und darüberhinaus noch eine einheitliche Benutzeroberfläche erhalten. Damit muss in Zukunft dann nur noch KEEP als Plattform auf neue Betriebsysteme zu poertieren, die Emulatoren bleiben ohne Änderungen weiterhin nutzbar. Bis 2012 wird man es, so Andreas Lange, nicht schaffen, das Projekt endgültig fertigzustellen. KEEP ist allerdings ein Open-Source-Projekt, was bedeutet, dass Interessierte es künftig selbst weiterentwickeln können.

„Wir werden in den nächsten drei Jahren versuchen, die Basis so weit hinzubekommen, dass sie tragfähig ist und eine eigene Dynamik entsteht, die auch jenseits von geförderten Projekten weiterläuft“,

meint Andreas Lange dazu. Genutzt soll KEEP zuerst in den zuvor genannten und am Projekt beteiligten Instituten werden. Dort wird es dann die Möglichkeit geben, die Games vor Ort spielen zu können. Es soll künftig allerdings auch eine Installation für die Privatnutzung geben.

Ein sehr gutes und vor allem wichtiges Projekt. Hoffen wir, dass wir also in Zukunft nicht auf Softwareperlen der Vergangenheit verzichten müssen. Wobei ich mir durchaus vorstellen kann, dass bis zur endgültigen Fertigstellung von KEEP noch einige Hürden vor allem rechtlicher Natür zu überwinden sind. Schließlich wollen die Hersteller möglichst selber für ihre vor langer Zeit geschaffenen Kunstwerke kassieren. Weitergehende Informationen zum Projekt KEEP findet ihr über unsere Quelllinks.

(via FutureZone, Frauenhofer Institut, Offizielle Seite zu KEEP)

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