Sonys MMO Free Realms hat innerhalb von sieben Wochen über drei Millionen Spieler angezogen. Was ist dran am Fantasy-Abenteuer?
Quizfrage: Wie verdient man Geld mit einem Spiel, das kostenlos verfügbar ist? Antwort: Man schare eine möglichst grosse Anzahl an Spielern um sich, die das Game kostenlos spielen und einige werden dann irgendwann in den Bezahlmodus wechseln, angelockt von coolen Items, die nur von den “echten” Mitgliedern getragen werden. Micropayments sind das neue Zauberwort der Onlinebranche. Im Moment befindet sich eine Flut von Spielen dieser Art in den Startlöchern und selbst namhafte Hersteller wie EA (Battlefield Heroes) springen auf den Free-to-play-Zug auf. Sonys neuster Wurf heisst Free Realms und scheint zumindest in Sachen Nutzerzahlen bereits ein echter Erfolg zu sein. Ist das der Prototyp für den kommenden Massenmarkt?
Kurze Zusammenfassung: Free Realms ist ein MMO, dass vornehmlich eine jüngere Klientel anspricht. Anstatt das Game auf dunkles Mittelalter mit Drachen, Mystik und blitzenden Waffen zu trimmen, wählte Sony einen anderen Ansatz. Zwar entspricht das Spielprinzip nach wie vor dem klassischen MMO, aber der Zugang fällt sehr einfach und selbst Kinder können sich damit problemlos abgeben. Die Welt ist bunt, die Installation schnell und einfach, man kann mit Freunden chatten und nebst klassischen Elementen des Rollenspiels (Quests, Level-Ups) gibt es auch jede Menge Minispiele, in denen man gegeneinander antreten darf. Free Realms ist aber nicht nur ein buntes Kinderspiel, nicht nur ein Kurzvergnügen für ein paar Minuten, wie man es von Browserspielen oder Casual-Titeln oft gewohnt ist. Es hat das Zeug, ganze Familien für lange Zeit zu beschäftigen und letzten Endes auch zu einem Kauf zu bewegen – auch wenn es sich nur um ein paar Euro handelt. “Der Massenmarkt werden die «Free to play»-Titel sein” sagt Stephan Reichart vom G.A.M.E.-Verband – und hat recht.
Der Zugang – einfacher gehts nicht
Im Moment ist Free Realms leider nur auf Englisch verfügbar, eine deutsche Version befindet sich aber in Arbeit. Wer schon jetzt loslegen möchte, kann dies tun: Einfach auf Freerealms.com surfen, und den kaum übersehbaren “Play Now!”-Buttons folgen. Den eigenen Charakter erstellt man gleich online mit Flash, wobei die vorhandene Auswahl an Persönlichkeitsmerkmalen im Vergleich zu “echten” MMOs natürlich stark eingeschränkt ist. Dafür geht es schnell und unkomliziert. Es folgt eine kurze Registrierung mit Name und Passwort, danach der Client-Download (dauerte ca. 2 Minuten) und los gehts. Weitere Inhalte werden während dem Spielen runtergeladen, was bei mir keine Ruckler zur Folge hatte (man würde es gar nicht merken, wenn nicht eine kleine Ladeanimation darauf hinweisen würde). Optisch macht Free Realms eine gute Figur, wenn man bedenkt, wie wenig Daten geladen wurden. Der Spielverlauf ist flüssig, die Grafik sehr bunt und die ersten Lebewesen, auf die man trifft, machen einen freundlichen Eindruck. Das Tutorial zu Beginn des Spiels führt den User in die sehr einfache Steuerung ein und es zeigt sich bereits: Geübte Spieler werden sich hier vermutlich relativ schnell langweilen. Es gibt zwar einiges zu tun, aber die Komplexität der kleinen Quests hält sich zumindest am Anfang sehr in Grenzen.
Abwechslung wird gross geschrieben
Im Gegensatz zu World of Warcraft oder den meisten anderen MMOs versteift sich Free Realms nicht auf eine klassische Fantasy-Welt. Man trifft zwar schon in den ersten zwei Minuten auf sogenannte “robgoblins” und auch vom grafischen Stil her erinnert das Spiel mit seinem Comic-Look etwas an die Welt der Kriegskunst. Inhaltlich aber trifft man auf ganz eigene Ideen: Ein Minigame in Form eines Destruction Derbys mit GoKarts, Zaubertüren wie aus einem Disney-Märchen oder Kochspiele für die Chefs unter den Nutzern. Free Realms wirkt wie ein Pixar-Film, in dem man mitspielen kann – ergänzt durch die Möglichkeit, mit anderen Charakteren zu Spielen, Sprechen und Interagieren.
Upgrade bitte!
Das Prinzip Microtransaction zusammen mit Free-to-Play scheint gut zu funktionieren. Zwar weiss man, dass ein Grossteil der Spieler nie einen Cent für das Game ausgeben wird und damit nur kostet. Vielleicht geben rund 20% Geld für Items aus und davon viellicht 5% regelmässig. Das reicht allerdings schon, um beim Entwickler für klingende Kassen zu sorgen. Beispiel Free Realms: Für 4.99 EUR monatlich hat der Spieler Zugang zu 400 neuen Items und Quests, kann fünf exklusive Berufe erlernen und sich auf den Online-Leaderboards nach oben arbeiten. Fünf Euro sind nicht viel, um in einer Spielewelt tatsächlich wahrgenommen zu werden und genau das wollen die meisten – deshalb spielt man ein MMO, und nicht, weil die Quests so ansprechend oder die Grafik so toll ist.
Free-to-Play hat noch einen Vorteil: Es lockt eine im Vergleich deutlich grössere Kundschaft an, als ein Spiel, dass vom Start weg kostet. Free Realms ist der beste Beweis dafür: Sieben Wochen für drei Millionen registrierte Spieler, das sind erstaunliche Zahlen. Sie stellen sicher, dass trotz des kleinen Anteils an bezahlenden Kunden genug Einkommen generiert wird. Wenn sich das Game gut entwickelt (dank einer kommenden PS3-Version dürften daran nur wenig Zweifel bestehen), wird es in eine Jahr vielleicht 10 Millionen Nutzer haben. Davon liefern 5%, also etwa 500′000 User ihren monatlichen Beitrag ab – nicht schlecht. Natürlich ist das deutlich weniger als 11 Millionen bezahlende Kunden bei WoW, aber die Kosten (Server, Support, Entwicklung, etc.) sind im Vergleich auch nur Peanuts.
Massenmarkt und Randgruppe
World of Warcraft ist zwar mit Sicherheit das bekannteste MMO. Im Vergleich zu den gerade erst startenden Free-to-Play Titeln ist es aber eine Randerscheinung. “Wenn … World of Warcraft als Heroin der MMORPGs gilt, dann übernimmt Free Realms die Rolle der zuckersüßen Alcopops” schreibt heise. Der Satz ist zwar auf die bei MMOs gerne zelebrierte Suchtgefahr gemünzt, trifft aber allgemein auf das Nutzungsverhalten zu. Weltweit spielen in Zukunft ein paar Millionen Eve Online, WoW oder LOTR Online. Aber hunderte von Millionen Spielern werden sich für die leichter zugänglichen und kostenlosen Free Realm & Co. entscheiden – kurz, die Spiele des neuen Game-Massenmarktes im Onlinebereich.
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