The Legend of Zelda: Die überfällige Kurskorrektur


Link und das illusionäre Gefühl von Freiheit
Link und das illusionäre Gefühl von Freiheit
The Legend of Zelda avancierte nicht nur zu einem Kultobjekt. Es trat auch die Rolle eines Fetisches an, das sich durch das über die Jahre heranwachsende, unantastbare Erbe zu einem monolithischen Block verhärtete. Manchmal erheben wir kritische Töne und monieren die schleppende experimentelle Schlagrichtung, aber insgeheim freuen wir uns über jeden Ableger, der in tradtionellem Fahrwasser beheimatet ist und nur wenig Änderungen über sich ergehen lassen musste.

Wir schreckten hyperventilierend auf, als Shigeru Miyamoto zu Beginn des sich anbahnenden Wii-Trendsettings verlauten ließ, Twilight Princess sei das letzte Zelda dieser Art und regen uns zur gleichen Zeit auf, wenn das im Herbst erscheinende Spirit Tracks ein piratenverdächtiges Boot gegen einen Dampf ablassenden Zug austauscht und ansonsten im Vergleich zu Phantom Hourglass viel unverändert lässt. Man sollte diesen paradoxen Sachverhalt als “Die Dialektik der Zelda-Fans” betiteln. Doch aus dieser Verhaltensymptomatik lässt sich die tiefe Verbundenheit von uns Spielern mit dieser Reihe herauslesen, die schon affektive, tief in unser Gemüt eindringende Verbundenheitsgefühle nährt – und was ist der beste Beweis für eine gefühlsdurchtränkte Verhaltensauffälligkeit? Irrationalität.



In Zelda manifestiert sich vielleicht unsere Sehnsucht, niemals älter zu werden. Es ist der Pan der Videospiel-Historie, und an dieser Gestalt leben wir unsere nimmermehr altersmüden Phantasien aus, die dadurch an Attraktivität gewinnen, weil sie sich nur in nuancierten Bandbreiten voneinander unterscheiden. Wer weiß, vielleicht handelt es sich bei The Legend of Zelda nur um ein durchschnittliches Videospiel, das sich durch unser emotionales Reiz-Reaktions-Schema den unnachahmlichen Zauber eines Meisterwerks überwerfen kann. Die maßregelnde Objektivität bei dieser Serie ist schon seit längerem von dannen gezogen.

Aber eigentlich diente der Artikel nur dazu, folgendes, mit Bezug auf das neue Wii-Zelda im Internet kursierende Zitat von Shigeru Miyamoto an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Er sagte: “I don’t think it’s going to be that radically different.” Ein kurzer, lapidar auf uns geplumpster Satz, der sich in seiner Bedeutung zu einem wahren Monstrum auswächst. Es ist so, als ob irgend ein ABC-Prominenter einen irgendwie gearteten Vergleich mit Hitler fallen lässt, der dann im O-Ton ganz Deutschland überrollt. Ein Satz, der mit unseren Gefühlen spielt und eine konnotative Dimension innehat, die kolossale Ausmaße angenommen hat.

Damit möchte ich Link natürlich nicht mit Hitler vergleichen, aber zumindest wird jeder Satz mit Bezug auf The Legend of Zelda auf eine peinlichst exakt arbeitende Goldwaage gelegt. Also, fassen wir zusammen: Shigeru macht einen Rückzieher, und beteuert auf einmal, dass das neue für die Wii entwickelte Zelda doch nicht grundlegend anders ausfällt. Und wir atmen im Stillen beruhigt auf, und freuen uns darüber, dass sich bestimmte Dinge im Leben eben doch nie ändern. Gratulation Nintendo. Lieber ein klassisches Zelda, als ein Experiment, das ein globales Schisma entfachen könnte.

Und im Ernst: Diesmal schwingt wenig Ironie mit. Ich möchte mit Link alt werden, aber nur mit einem Link, der meinem idealisierten Bild von Link gleicht. Die Serie leidet fast schon unter der Fuchtel der Spieler-Gemeinde, weil es keinen Millimeter ohne Leine gehen darf, ohne dass wir gleich die Zuchtrute auspacken und wild drauflos schlagen. Es ist schon keine eigengesetzliche Videospiel-Reihe mehr, sondern der Sklave unserer Gelüste. Der Sklavenhandel feiert also selbst hier eine Renaissance. Denn die Entwickler dürfen sich einer Freiheit erfreuen, die jener gleicht, die mit einer Verfilmung der Kreuzigung Jesu einhergeht (okay, selbst hier darf sich der eine oder andere Nobody einer gewissen Beinfreiheit erfreuen).

(via infendo.com, MTV Multiplayer)

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7 Kommentare zu “The Legend of Zelda: Die überfällige Kurskorrektur”

  1. Ich kenne Zelda leider zu wenig, um die konkreten Änderungen zu kritisieren oder zu feiern. Aber ist es nicht allgemein so, dass wir bei liebgewonnenen Serien (Games, TV) nicht an Neuerungen interessiert sind? Es ist ein Fluch: Wagen die Entwickler nichts Neues, gibt es Haue von denen, die nüchtern Vorgänger und Neuankömmling vergleichen. Versucht man sich mit Änderungen, gibt es mit grosser Wahrscheinlichkeit Schelte von jenen, die die Klassiker vergöttern.
    Übrigens sehr schön gesagt: “… und was ist der beste Beweis für eine gefühlsdurchtränkte Verhaltensauffälligkeit? Irrationalität.”

  2. Nils sagt:

    Bei mir fing alles mit dem N64 und Ocarina of Time an. Das ist und bleibt einer der besten Videospiele der Welt und wie sagt man so schön: Wer Zelda nicht kennt hat die Videospielgeschichte verpennt. Nach Majors Mask war es, wie ich finde, an der Zeit mit einer größeren Änderung nämlich der Comic Grafikstil. Dieser hat einem erlaubt die Zelda-Reihe ein “wenig” anders zusehen. Dann kam Twilight Princess mein erstes und hoffentlich letztes nicht gespielte Zelda Spiel. Ich hoffe das sie es diesmal zu einer motivierenden Änderung bringen so wie es schon einmal war nämlich bei The Wind Waker.

    Mensch mein Text gefällt mir so gut den muss ich doch mal auf meinen Blog platzieren =)

  3. barattolo sagt:

    … einfach nur Danke für diesen Artikel!

  4. Adriano sagt:

    Es liegt vielleicht ein bisschen zu viel Nostalgie…

    Früher, hatten wir viel mehr Fantasie… Mit 3 Pixel, konnten wir Link vorstellen (SNES-Version). Die Melodie, die unlimitierte Aktionen, die Story, alles war einfach perfekt. Heute würde so ein Spiel niemand mehr spielen (aussert die, die es damals schon spielten, aber bleiben trotzdem enttäuscht). Früher waren die Gefühle im Spiel, und nicht vor dem TV! Und wer Zelda spielte, hatte auch “Secret of Mana” oder “Illusion Of Time”… Spiele die einfach 10 Jahre voraus waren, gegenüber alle andere Spiele! Spiele, die bis am Ende gespielt wurden, weil sie so schön waren und im Spiel immer mehr passierte (Heute, ist es oft so, dass das Spiel nach 1 Stunde keine Neuheute mehr hat, nur noch Story oder schwerer wird).

    Diese 2 Spiele (neben Mario natürlich) werden für immer ein MUSS sein, für ein Nintendo-Besitzer:
    - Zelda
    - Tales Of Symphonia

  5. The Sorrel sagt:

    Selten dämlicher Artikel.
    Natürlich möchte man nicht, dass sich nicht alzu viel ändert.
    When it’s not broke, don’t fix it.

    Das hat mit Zelda nichts zutun, das ist völlig normal.

    Irgendwie liest sich der ganze Artikel so, als wär sich der Autor über die Aussage selbst nicht so ganz sicher.

    Und in solchen Situationen sollte man es einfach lassen.

  6. [...] auch Taten in Form eines (zumindest ein wenig) revolutionären Zelda-Games folgen werden. Eine Kurskorrektur kann nicht [...]

  7. [...] darf eine etablierte Serie wie Zelda eben nicht werden, oder? Mehr zum Thema übrigens in diesem Beitrag von Klaus. Und jetzt die Frage an euch: ein sprechender Link im nächsten Zelda-Abenteuer – wär’ [...]

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