Jul 102009
 

Damen und Herren: Herzlich willkommen im Jahre 1943. Es ist wieder einmal Zeit, das Schlachtfeld zu stürmen und mit Gebrüll, Taktik und donnernden Soundeffekten im Pazifik einzufahren. Hereinspaziert!

Angeblich sollen bereits 80'000 Spieler Battlefield 1943 spielen - nur auf der Xbox 360.
Angeblich sollen bereits 80'000 Spieler Battlefield 1943 spielen - nur auf der Xbox 360.
Zugegeben: Das „Hereinspaziert!“ darf mit einem gewissen sarkastischen Unterton verstanden werden, denn nach wie vor werden die spielwütigen Battlefield-Fans von Serverproblemen geplagt – aber dazu später mehr. Back to the roots lautet die Device von Battlefield 1943, dass sich sowohl in Sachen Spielprinzip als auch der vorhandenen Mehrspielerkarten ziemlich genau an den Startkandidaten der Serie (Battlefield 1942) hält. Geboten wird gewohnte Kost, aber aussergewöhnlich gut aufbereitet und, dass soll auch erwähnt sein, zu einem Hammerpreis.

Unser Fazit: Lässt man die Tatsache ausser acht, dass man als zahlungswilliger Kunde mit einem (im Moment immer noch) schlecht funktionierenden Spiel abgestraft wird, bleibt nur eines übrig: pures, unverfälschtes Gameplay. Drei Klassen, drei Karten, 560 MB zum Downloaden und knapp 13 Euro zum Bezahlen. Verpackt ist die ganze Pracht in eine tolle Engine, die zerstörungswütigen Menschen den einen oder anderen Jubelschrei entlocken dürfte. Dazu serviert wird umwerfender Sound, ergänzt mit gutem Force Feedback und einer Steuerung, die selbst ein mittelmässig begabter Goldhamster in ein paar Minuten Effeff beherrschen würde. Abgesehen von der Ausstattung gibt es hier ein Vollpreisspiel für ein paar läppische Euronen – das bedeutet „Kaufen“, sofern man etwas für reine Multiplayer-Spiele im Stil von Battlefield übrig hat.

9/10

Battlefield 1943 (XBLA)
Entwickler: DICE
Publisher: Electronic Arts

[fotostrecke name=“Battlefield 1943 von DICE/EA“ pics=“9 10 11 12″]

Mittwoch, 10.07.09, irgendwann nach dem Mittag. Ich mache mir einen Kaffee, sitze kurz vor den Fernseher. Weil Two and a Half Men auf Kabel1 gerade fertig ist, werfe ich kurz die Xbox an. Könnte ja sein, dass Battlefield 1943 jetzt online ist. Und tatsächlich: Da ist es! Noch schnell ein paar Microsoft Points gekauft (1200 Punkte, das sind… mh… wieviele Franken? Ach egal – kaufen) und los gehts. Der Download geht schnell, ist aber auch kein Wunder: Es sind ja nur 560 Megabyte. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sich darin nicht nur der Surround-Sound oder die Grafikmodelle (Karten, Figuren, Waffen, Pflanzen, usw.) befinden, sondern auch noch die komplette Frostbyte-Engine, bekannt aus Battlefield: Bad Company. Naja, hoffen wir, dass dieses Mal nicht wieder endlose Lags auftreten.

Ab und zu fliegt einen auch mal eine Mauer um die Ohren. Shit happens.
Ab und zu fliegt einen auch mal eine Mauer um die Ohren. Shit happens.

Fail!
Leider treten sie wieder auf, und wie. In den ersten Stunden ist es gar nicht möglich, eine Verbindung zum Server zu bekommen. Ungefähr um 17 Uhr lande ich tatsächlich in einem Spiel, dass aber so grauenhaft lagged, dass der Rausschmiss 20 Sekunden später richtig wohltuend ist. Tja.. immerhin vermeldet @officialbf1943, dass man weitere Server am aufbauen sei und es deshalb zu Disconnections kommen könne. Kann passieren.
Gegen 23 Uhr lande ich dann zum ersten Mal in einem einigermassen stabilen Spiel. Zumindest den Lag scheinen die Entwickler in den Griff bekomme zu haben, um einen Serverplatz zu finden, braucht es aber immer noch sehr viel Glück. Aber das ist mir jetzt egal: Ich befinde mich auf einer wunderschönen Insel namens Wake Island, auf der ein paar nette japanische Gentlemen nicht nur Bunker, sondern auch noch Panzer, Jeeps und Flugabwehrkanonen stehen gelassen haben. Na denn – ab ins Getümmel!

Kennt jeder Battlefield 1943-Spieler: Wake Island.
Kennt jeder Battlefield 1943-Spieler: Wake Island.

Klassisches Battlefield wie man es lieben muss
Schon nach den ersten Minuten ist klar: Es hat sich kaum etwas verändert. Im Gegenteil, die Programmierer legten offenbar Wert darauf, dass sich die altbekannten Karten genau so anfühlen wie vor einigen Jahren. Es gibt zwar kleine Verbesserungen, aber die wirken sich auf das Gameplay kaum aus. Neu hingegen ist, dass es nur noch drei Klassen zur Auswahl gibt. Die unterschieden sich so, dass ihre gezielte Verwendung dem Spiel eine gewisse taktische Note verleiht, sind aber alle drei auch universal einsetzbar. Der Schütze ist für mittlere Distanzen geeignet und kann dank Gewehrgranaten relativ präzise Staub, Dreck und Beton auf die Feinde prasseln lassen. Dann hat es einen Nahkämpfer im Team, dessen MP eigentlich nur auf kurze Distanz erfolgreich ist. Dafür darf er mit Panzerfaust auf Blechbüchsenjagd gehen, mit seinem Schraubenschlüssel gegnerische Helme zerdeppern oder ab und zu auch mal etwas reparieren (wir sind ja durchaus auch konstruktiv veranlagt). Der dritte im Bunde hat ein Scharfschützengewehr und für den Nahkampf eine etwas verzweifelt wirkende Pistole, kann dafür aber Sprengsätze legen – da freuen sich Zerstörungsexperten.

Mit allen drei Klassen spielt sich Battlefield 1943 flott. „Realismus“ wurde dort eingebaut, wo er Sinn macht: Zum Beispiel sind kurze Feuerstösse besser als Dauerfeuer und wer in die Knie geht beim Schiessen, hat grössere Chancen, das avisierte Ziel zu erwischen. In Sachen Munition wiederum hat uns DICE die Sache einfach gemacht: Es wird automatisch nachgeladen, auch die Granaten oder Raketen. Wird man verwundet, kommt das Call of Duty-Prinzip zur Anwendung: Der Bildschirm flackert rot, eine weitere Kugel bedeutet das Ende. Ein paar Sekunden in Deckung ruhen, und schon ist man wieder einsatzbereit.

In Battlefield 1943 tobt der Kampf auch in der Luft.
In Battlefield 1943 tobt der Kampf auch in der Luft.

Da würde ich auch gerne in Urlaub
Wie schon erwähnt, kommt erneut die Frostbyte-Engine zum Einsatz – und zaubert tolle Bilder auf den Screen. Die Präsentation darf sich problemlos mit einem Vollpreisspiel vergleichen lassen – nicht unbedingt alltäglich für ein Arcade-Game. Dasselbe gilt auch für die satten Soundeffekte. Wenn ein Bombengeschwader naht, das Rattern eines Panzers unangenehmen Besuch ankündigt und man mit metallischem Klicken die MP nachladet kommt Stimmung auf. Fast schade, dass die schönen Pazifikinseln nach jeder Runde aussehen, als hätte sie ein Wirbelsturm verwüstet.

So oder so: Einem Panzer weicht man lieber erstmal aus. Egal, was man so dabei hat.
So oder so: Einem Panzer weicht man lieber erstmal aus. Egal, was man so dabei hat.

Was wir mochten:

12,99 EUR? Gekauft. Klar, inhaltlich wird nicht genug geboten, um das Game mit einem „richtigen“ Titel aus dem Ladenregal zu vergleichen. Aber 12,99 ist für das gebotene wirklich verdammt günstig. Angesichts dieses Preises ist man auch eher geneigt, den momentanen Störungen zu verzeihen. Zumal die Entwickler sich offenbar wirklich Mühe geben, die Lage zu beruhigen.

So muss das aussehen! Nicht jedes Arcade-Spiel braucht bombastische Grafik. Bei Battlefield 1943 passt sie aber wie die Panzerfaust aufs Auge. Dass man Palmen, Häuser und Gefährt nach Herzenslust zerstören kann, macht zusätzlich Laune.

Das klassische Gameplay, aufs Wichtigste reduziert. Wieso ein riesen Tamtam veranstalten, wenn dann sowieso jeder nur die gleichen paar Karten spielt, immer und immer wieder? Battlefield 1943 bleibt ehrlich, liefert das, was Spass macht und lässt allen unnötigen Firlefranz aussen vor. Das sorgt für schnelle Downloadzeiten und schnellen Spielstart ab der Harddisk, so wie es sich für ein Arcade-Game gehört. Auch die Steuerung ist intuitiv und entspricht dem Prinzip „einfach“.

Heftiger Sound. Bei den Effekten hat sich DICE nicht lumpen lassen. Sie sind laut, gleichzeitig aber glasklar und könnten dem THX-Kino von nebenan entsprungen sein. Passend dazu wird sehr präzises und kräftiges Force Feedback geliefert – perfekt.

Das genaue Plazieren einer Fliegerbombe will gelernt sein.
Das genaue Plazieren einer Fliegerbombe will gelernt sein.

Nicht gefallen hat uns:

Naja, sind ja trotzdem nur drei Karten… Korrektur: 3.5 Karten. Mit ‚Corals Sea‘ lässt sich nämlich noch eine reine Luftkampf-Karte freischalten, in der sich alle nur mit Flugzeugen Saures geben. Macht riesig Spass und kommt eigentlich einer vierten Karte gleich. Trotzdem wären weitere DLC-Karten später wünschenswert, sonst kehrt dann zu schnell Langeweile ein.

Serverprobleme. Sorry, der musste kommen. Auch zwei Tage nach dem (Xbox 360)-Release ist das Game häufig nicht spielbar, was trotz dem guten Preis einfach enttäuschend ist. Zumal es bei Bad Company auch ein bis zwei Wochen dauerte, bis alle Lags verschwunden waren – und jetzt passiert derselbe Fehler nochmals? Abgesehen davon berichteten bereits gestern einige Medien, EA hätte die Serveranzahl verdoppelt. Habt ihr euch also bei der Nachfrage um 100% verschätzt? Oder ist das Teil des geplanten Hypes…

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Simons Meinung: Ja, ich bin Battlefield-Fan. Seit jeher fasziniert mich der unkomplizierte Einstieg in die Onlineschlachten, die gleichzeitig aber so viel Tiefgang und Taktik offenbaren können. So ist es auch bei Battlefield 1943 problemlos möglich, ein Spiel zu gewinnen, ohne einen Kill gemacht zu haben. Taktik ist das Zauberwort, angreifen über die Flanken die einfache, aber meist effektive Methode. DICE hat mit BF 1943 ein echt tolles Arcade-Spiel geschaffen, dass vor allem technisch, aber auch spielerisch einfach stimmt. Dass alte Karten recyclet wurden, mag den einen oder anderen stören, aber ich empfinde es gar als Pluspunkt. Nicht umsonst sind Iwo Jima, Wake Island & Co. so gerne gespielte Karten: Sie sind einfach gut.
Wer das Game noch nicht hat, der sollte sich schon mal die knapp 13 EUR auf die Seite legen, am besten aber noch etwas zuwarten. Es macht den Anschein, als würden die Entwickler wirklich mit Hochdruck an der Serversituation arbeiten, aber im Moment ist das Spielen eher enttäuschend. Deshalb lieber noch kein Game auf der Festplatte, als eines, dass sich nicht richtig spielen lässt. Von einem Wertungsabzug möchte ich trotz all der Schwierigkeiten absehen – denn auf die Monate voller Spielspass machen die paar Tage auch keinen Unterschied mehr.

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