Jul 112009
 

Rise of Flight von Neoqb.
Rise of Flight von Neoqb.

Früher waren Flugsimulationen und Fliegerspiele allgemein auf dem PC ein grosses Ding. Zahlreiche Titel stritten um die Vorherrschaft und es gab Spiele für alle erdenklichen Realismus-Grade – von reinen Simulationen bis hin zum Dogfight-Spektakel. Ich bin mit diesen Spielen aufgewachsen, habe Comanche, LHX Attack Chopper, Red Baron, Strike Commander oder den Flight Simulator in seinen zahlreichen Ausführungen genossen. Zugegeben, wirklich gut war ich nie, trotzdem gehören diese Games zu jenen Spielen, die bei mir die grossen Nostalgie-Gefühle wecken.
Ein geradezu dominantes Genre damals, das heute nur noch eine sehr kleine Randgruppe regelmässig beschäftigt. IL-2 Sturmovik ist einer der letzten grossen Bastionen und sollte dieses Jahr noch für Konsolen erscheinen – übrig bleiben nur noch Arcade-Flieger wie H.A.W.X., die aber mit richtigem Fliegen eigentlich kaum etwas am Hut haben. Doch aufgepasst, Freunde der Lüfte: Es gibt noch Hoffnung. Sie kommt aus Russland, nennt sich Rise of Flight und versetzt uns ans Steuer von wakeligen Gerüsten aus Holz und Leinwand namens Albatros D.5 oder Royal Air Factory SE. Willkommen in einer Zeit, in der das Einsteigen ins Cockpit der Anfang vom Ende war – nicht nur aufgrund des gegnerischen Feuers.

Rise of Flight wird vom Moskauer Unternehmen Neoqb programmiert und erscheint ausschliesslich für den PC. Der Anspruch ist klar: Eine realistische Umsetzung der fliegerischen Höhepunkte aus dem Ersten Weltkrieg, als sich Flugzeuge zum ersten Mal überhaupt zu einem zentralen Element der Kriegsführung empor schwangen. Rise of Flight hat nur eine einzige Karte – die ist aber mit 125’000 Quadratkilometern (!) gross genug, um Stunden über Stunden neues Terrain zu erkunden (damals flog man auch noch etwas langsamer als heute, remember). Selbstverständlich wurden nur Originalflugzeuge ins Game integriert, die laut den Entwicklern auch über realistische Flugmodelle, Soundeffekte und Waffensysteme verfügen. Zumindest optisch scheinen die Russen sehr erfolgreich gewerkelt zu haben, denn im ersten Review von IGN bezeichnet Steve Butts die Grafik als „graphics that are the best I’ve ever seen in a simulation„. Besonders gefiel offenbar die Skalierung der Landschaft, wenn man von niedriger Flughöhe auf ein paar Tausend Fuss steigt.

[fotostrecke name=“Rise of Flight von Neoqb“]

Neoqb hat aber nicht nur Spitzengrafik verbaut, sondern auch eine dynamische Umgebung. Das betrifft einerseits das Wetter, dessen Ausprägungen sich (das ist jetzt eine Vermutung meinerseits) sicher auch auf das Flugverhalten der Klappermaschinen auswirken. Andererseits soll auch am Boden eine Menge passieren, so dass stets der Eindruck einer lebendigen Umwelt dominiert: Krater vom Artillerie-Feuer, explodierende Granaten, Munitionszüge oder Flakstellungen kreieren scheinbar relativ akurates Bild der Kriegswirren über Frankreich.
In Sachen Gameplay sind Nahdistanz-Luftkämpfe an der Tagesordnung. Damals gab es noch weder Radar noch Raketen, deshalb musste man in Reichweite der schweren Maschinengewehre fliegen und mit Vorteil mit der Sonne im Rücken angreifen – danach entscheidet das Geschick von Pilot (und evtl. Schützen), ob man den Tag überlebt oder nicht. Wenn man will, kann man es auch etwas pathetisch sehen: Damals waren Dogfights noch Kämpfe Mann gegen Mann und gewonnen hat nicht der mit der besseren Technik.

Fliegerbrille und Helm waren empfehlenswert. Fallschirme gabs normalerweise keine.
Fliegerbrille und Helm waren empfehlenswert. Fallschirme gabs normalerweise keine.

Rise of Flight kommt noch dieses Jahr in Europa auf den Markt und zwar sowohl als digitaler Download via Areosoft als auch ins Ladenregal. Bei IGN hat das Game mit 7.9 Punkten ziemlich gut abgeschnitten und wenn die Entwickler jetzt auch noch etwas Zusatzarbeit investieren, dann dürfte im Herbst jedem Fan von anspruchsvollen Flugspielen das Herz aufgehen. Ich jedenfalls bin dabei, schon nur aufgrund der guten, alten Zeiten.

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