Jul 202009
 

SEGA setzt mit Virtua Tennis 2009 erstmals auch auf Wii zum Aufschlag inklusive MotionPlus-Unterstützung an. Serviert uns SEGA damit ein Ass, oder geht der Ball ins Aus?

Spiel, Satz und...?
Spiel, Satz und...?
Unser Fazit: Virtua Tennis 2009 hält den Ball nur mit Mühe im Match. Die Unterstützung von MotionPlus bringt zwar durchaus einen Gewinn, was das Erkennen von Schlägen betrifft, allerdings sind wir von einer präzisen Steuerung noch weit entfernt. Frust und Spielspaß wechseln sich ab, wobei es meiner Meinung nach von der Einstellung des Spielers abhängt, was letztendlich überwiegt. Kritische Gamer, die sich auf eine einigermaßen realistische Umsetzung gefreut haben, werden womöglich enttäuscht den Kopf schütteln. Manche jedoch werden mit Virtua Tennis 2009 durchaus ihren Spaß haben. Dafür sorgt auch der große Umfang des Spiels inkl. lustigen Minispielen, einem Karriere- und Onlinemodus. Vor dem Kauf solltet ihr das Spiel also auf alle Fälle probespielen, um beurteilen zu können, ob Virtua Tennis 2009 euer Fall ist.

6/10

Wir bedanken uns bei SEGA für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsmusters.

Virtua Tennis 2009
Entwickler: Sumo Digital
Publisher: SEGA

Ach waren das noch Zeiten, damals mit meiner Dreamcast im Jahr 2000, als ich stundenlang Virtua Tennis spielte. Das Game bestach damals neben der Grafik vor allem durch seine leichte Zugänglichkeit dank der Arcade-Lastigkeit, gleichzeitig waren jedoch auch spaßige und fordernde Tennismatches möglich. Stundenlang kämpfte ich gegen meinen Cousin um die Herrschaft auf dem Tennisplatz – schön.

Ihr könnt euch jetzt ungefähr vorstellen, wie groß meine Freude war, als ich das erste mal von der Ankündigung von Virtua Tennis 2009 für Wii gehört hatte. Erste Screenshots sahen vielversprechend aus, der Umfang schien zu stimmen und mit MotionPlus-Unterstützung sollte eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. MotionPlus wurde gekauft, und seit zwei Wochen ist Virtua Tennis 2009 beständiger Gast in meinem Wii-Laufwerk. Die Wiedersehensfreude währte allerdings nur kurz und musste bald der Ernüchterung weichen. Was war passiert?

Was ist mit Du?
Was ist mit Du?

Steuerung mit MotionPlus

Um es kurz zu machen: der Zugewinn an Präzision dank MotionPlus ist zwar vorhanden, hält sich aber in Grenzen. Von 1:1 Bewegungserkennung sind wir hier noch Lichtjahre entfernt. Bewegungen des Handgelenks oder Auf- und Abbewegungen der Wiimote lassen unseren Spielcharakter völlig unbeeindruckt zurück. Der virtuelle Tennisschläger rührt sich kein Stück. Gut dachte ich, wir haben es hier eben mit einem Arcade-Titel zu tun. Also erstmal ab zum Trainer und Schläge wie Aufschlag, Vor- und Rückhand, Stoppbälle usw. trainieren. Und siehe da, die ersten einfacheren Schläge gelingen gar nicht mal schlecht. Die Richtung stimmt meist einigermaßen mit der gewünschten Schlagrichtung überein, sieht also gut aus. Bitte legt hier Augenmerk auf die Worte „meist“ und „einigermaßen“. Noch schlimmer wird es, wenn die Schläge präziser werden sollen und Varianten wie Slice oder Stoppbälle hinzukommen. Vor allem Stoppbälle haben mir Kopfzerbrechen bereitet und sind mir quasi nie gelungen.

Nach dem also eher durchwachsenen Training war es an der Zeit, erste Matches zu bestreiten. Und hier kommt Virtua Tennis 2009 seine Arcade-Lastigkeit zugute. Selbst wenn so mancher Ball nicht genau dorthin fliegt, wo man ihn eigentlich haben wollte, entsteht ein Spielfluss und Spaß kommt auf. Hat man kein Problem damit, dass die Schläge nicht immer so ausgeführt werden, wie man sich das vorstellt, dann ist fast alles in Ordnung. Fast nur deshalb, weil es doch immer wieder Probleme gibt. Zum Beispiel erkennt Virtua Tennis 2009 Stoppbälle nur schwer, interpretiert sie ganz anders oder aber unsere Spielfigur führt gar keinen (!) Schlag aus.

Bin ich gar zu blöd, um richtig Tennis zu spielen? Führe ich die Schläge einfach grundsätzlich falsch aus? Ich war also so weit, meinen Freund zu mir zu bitten. Dieser ist ein vom ÖTV ausgebildeter Tennislehrer und für viele Gegner am Platz „too hard to beat“. Über 3 Stunden versuchte er sich an Virtua Tennis 2009, absolvierte ebenfalls die Trainingseinheiten und spielte ein paar Matches. Sein Fazit fiel leider nicht viel besser als meines aus. Freilich gelangen viele Schläge besser, als beispielsweise bei Wii Sports (alles andere wäre auch eine unglaubliche Enttäuschung), allerdings hatte auch er immer wieder Probleme, die Schläge so durchzuführen, dass sein virtuelles Selbst diese wie gewünscht umsetzte.

Was ich übrigens noch nicht erwähnt habe: vor jedem Game muss die Wiimote neu kalibriert werden. Dies äußert sich durch eine große im Bild eingeblendete Eins, zu der man hinzeigen muss, und welche dann nach kurzer Zeit verschwindet. Dies nervt mit der Zeit. Was bleibt also? Zumindest bei mir nach wie vor gemischte Gefühle. Die Steuerung mit MotionPlus ist zwar präziser, allerdings eben auch noch immer weit davon entfernt, einigermaßen perfekt zu sein. Für Simulationsfans ist Virtua Tennis 2009 also einmal sicher nichts. Doch selbst Freunde von schnellen Arcade-Matches könnten mit Virtua Tennis 2009 für Wii schnell frustriert sein, einfach weil die Schläge für meinen Geschmack nicht oft genug so ausgeführt werden, wie man sich das wünscht, was letztendlich den zweifelsohne vorhandenen Spielspaß merklich trübt.

Ohne M+ konzentrieren wir uns auf den Balken...
Ohne M+ konzentrieren wir uns auf den Balken...

Steuerung ohne MotionPlus und weitere Varianten

Standardmäßig wird beim Verzicht auf MotionPlus ein waagrechter Balken eingeblendet, über den ein senktrechter Strich rast. Je nachdem, ab wann die Wiimote bewegt wird, bleibt dieser Strich dann stehen. Je weiter links vom Mittelpunkt des Balkens der Strich zum Stillstand kommt, desto mehr nach links gelangt der Ball; je weiter rechts, desto mehr nach rechts fliegt der Ball. Seid ihr zu früh oder spät dran, und der Strich bleibt außerhalb des Balkens stehen, dann erreicht der Spieler den Ball nicht mehr und ihr habt somit Pech. Willkommen bei der Steuerungsvariante ohne MotionPlus! Übrigens: zum Anhalten des Strichs genügt es, die Wiimote einfach ein wenig zu schütteln. So wollte ich schon immer Tennis spielen! Anstatt wie bisher einen Button zu drücken, muss man jetzt die leichte Verzögerung beim Schütteln einkalkulieren, um den Schlag entsprechend bzw. „wie ungefähr gewünscht“ auszuführen. Immerhin hat man die Möglichkeit, durch Drücken des A-Buttons einen Lob durchzuführen. Alles in allem läßt sich zwar so (Virtua) Tennis spielen, mit Realismus hat das jedoch nicht mal mehr annähernd was zu tun.

Bei beiden Varianten (mit oder ohne MotionPlus) läßt es sich auch ohne Nunchuck spielen. Dann muss man das Laufen allerdings dem Computer überlassen, der seine Sache allerdings nicht immer zufriedenstellend löst. Es ist sogar möglich, dass im Doppel einer mit MotionPlus inkl. Nunchuck und der andere ohne MotionPlus und Nunchuck spielt. Dabei war es manchmal leider der Fall, dass die Spielfigur so weit am Spielrand war, dass der eingeblendete Balken zur Schlagausführung nur halb sichtbar war. Dann die Richtung des Balles zu beeinflussen war endgültig ein reines Glücksspiel. Zur Verteidigung von Virtua Tennis 2009 muss allerdings gesagt werden, dass es nur in den seltensten Fällen dazu gekommen ist, dass der Balken nicht mehr ganz sichtbar war. Ein kleines Ärgernis stellt dieser Umstand trotzdem dar.

Was bleibt also beim Spiel ohne MotionPlus? Der Wunsch, SEGA hätte dem Game eine Standardsteuerung – also Classic- oder GameCube-Controller – spendiert. Das hätte Virtua Tennis 2009 für Wii wahrlich gut getan und macht sicher mehr Spaß (und ist präziser), als die Wiimote dumm zu schütteln, um einen Strich über einen Balken zum Halten zu zwingen.

Was gibt es sonst noch?

Ansonsten kann man SEGA durchaus Lob (und damit ist jetzt nicht der Schlag gemeint ;-) ) aussprechen. Virtua Tennis 2009 für Wii verfügt über den selben Umfang, wie seine Geschwister auf PS3 und Xbox 360. Ein Karriere- sowie Onlinemodus inkl. Onlinerangliste sowie 12 spaßige Minispiele sorgen für Abwechslung und viele Stunden mit den gelben Filzball. Dank der entsprechenden Lizenz sind nahezu alle relevanten Tennisgrößen mit dabei. Diese sehen in Polygongestalt zwar nicht unbedingt überzeugend aus, aber das sind wir von Virtua Tennis ja bereits gewohnt. Generell kann man festhalten, dass sich grafisch im Vergleich zur 9 Jahre alten DreamCast-Version nicht so viel getan hat. Im Gegenteil, es kommt manchmal sogar zu leichten und kurzen Rucklern, was zwar schade ist, aber im Endeffekt nicht wirklich stört. Was wirklich stört ist der Soundtrack, die Musik ist zwar typisch für Virtua Tennis, aber auf die Dauer einfach nur noch nervig. Das Publikum und der Platzsprecher könnten auch ein wenig mehr Dynamik zeigen und so für mehr Atmosphäre sorgen.

Wer wird der neue Sandplatzkönig von Paris?
Wer wird der neue Sandplatzkönig von Paris?

Was wir mochten:

Umfang: Alle Funktionen der anderen Versionen von Virtua Tennis 2009 sind in der Wii-Version vorhanden. Hinzu kommen viele Möglichkeiten, seinen Tennischarakter umfangreich zu gestalten sowie die offizielle Lizenz. Die Minispiele sollen an dieser Stelle nochmals erwähnt werden, da diese für spaßige Unterhaltung sorgen. Zumindest was den Umfang betrifft, lacht das Herz des Tennisfans.

MotionPlus: Bei allen oben genannten Nachteilen liefert MotionPlus dann doch ein wenig mehr Präzision und kann zumindest manchmal für kleine Erfolgserlebnisse sorgen. Für all jene, die über die Schwachpunkte der Implementierung hinwegsehen können, kann sich Virtua Tennis 2009 vielleicht doch rentieren.

Nicht gefallen hat uns:

Technische Schwächen: Nerviger Sound, manchmal vorhandene Ruckler und eine nur minimal verbesserte Grafig gegenüber der DreamCast-Version. Da wäre mit Sicherheit mehr gegangen, schade.

MotionPlus: Des einen Freud, des anderen Leid. Auch wenn die Steuerung durch MotionPlus präziser wird, von einer einigermaßen realistischen Tennissteuerung sind wir noch weit entfernt. Die oben genannten Nachteile werden für so manche Spielernatur unter euch einfach zuviel sein.

MotionMinus: Ohne den neuen Hardwarezusatz verliert Virtua Tennis 2009 nicht einfach nur an Präzision, sondern wird zum schütteligen Glücksspiel. Sicher, man kann sich dem Schütteln widersetzen und trotzdem Schlagbewegungen ausführen, realistischer wirds dadurch allerdings nicht (ihr dürft mir jetzt mangelhafte Einbildungskraft nachsagen).

Willkommen im Tennis-Wohnzimmer.
Willkommen im Tennis-Wohnzimmer.

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Gerhards Meinung:

Ich tue mir wirklich schwer, Virtua Tennis 2009 zu bewerten. Vielleicht bin ich einfach nur zu kritisch oder habe mir zuviel erwartet? Ich kann es nicht zweifelsfrei sagen, alles was ich zweifelsfrei weiß ist jedoch, dass ich in dieser Form viel lieber mit einem klassischen Controller spielen würde, als mich schwingend immer wieder mal zu wundern, weshalb der Schlag denn nun so und nicht anders ausgeführt wurde. Versteht mich aber bitte nicht falsch, Virtua Tennis 2009 macht immer noch Spaß, da das Spiel die interpretierten Schläge gern so umsetzt, dass der Ball im Spiel bleibt. Ernsthaftere und spannendere Ballwechsel mit Aktionen am Netz und Tempowechsel sind durch diese Bewegungssteuerung allerdings nicht immer zufrieden stellend möglich, leider. Hoffen wir, dass es 2010 ein weiteres Virtua Tennis für Wii gibt, bei welchem SEGA ausreichend Zeit hat, die Steuerung zu optimieren.

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Review von GameTrailers