Wer eine gute Spielidee hat, kann diese heute einfacher umsetzen als je zuvor. Preiswerte Entwicklungstools fördern einen starken Indiemarkt und damit spannende Spielideen abseits vom Mainstream. Wir stellen euch Unity 3D vor, dass genau diesen Ansatz verfolgt.
In den letzten Jahren wurden professionell entwickelte Games mehr und mehr zur Kostenfalle. Teure Middleware muss erwartete Standards erfüllen, etwa in Sachen Optik oder physikalischen Berechnungen, Motion-Capturing ist auch nicht eben preiswert und nicht selten übersteigt die Anzahl Entwickler die Grenze von 300 Mann. Nicht jeder kann oder will da mithalten, denn das Entwickeln eines Highend-Games bedeutet durch die finanzielle Last ein grosses Risiko. Es verwundert deshalb nicht, dass sich die “grossen” Publisher und Entwickler an Bewährtes halten und möglichst wenige Risiken eingehen. Die inhaltlich (es gibt sicher Ausnahmen, aber im Grundtenor stimmts) langweiligen Massenproduktionen und der gleichzeitig stark wachsende Spielemarkt haben in den letzten Jahren aber auch einen Gegentrend gefördert: Indie-Games. Unabhängige Entwickler können dank dem Internet als Vertriebskanal, Open Source und einer schnell wachsenden Community auch gewagte Spielkonzepte umsetzen, die oft künstlerischen Anspruch haben und die neu entdeckten Nischenmärkte bedienen. Gleichzeitig sind die Produktionen immer professioneller, was nicht zuletzt auch an Entwicklungstools liegt, die trotz tiefem Preis hoche (technische) Ansprüche befriedigen können. Eines dieser Tools heisst Unity und kostet in die Indie-Version nur knapp $200.
Natürlich gibt es im Internet mittlerweile eine relativ grosse Anzahl an Entwicklungstools, die kostenlos verfügbar (meist unter GPL) und gut dokumentiert sind. Der Grund, weshalb ich euch gerade Unity vorstellen möchte, ist einerseits die rasant ansteigende Popularität des Tools, andererseits seine fast schon universale Einsetzbarkeit. Mit Unity lassen sich nämlich sowohl Browsergames (inklusive anspruchsvoller 3D-Grafik – dazu später mehr) als auch MMOGs für den PC und sogar Wii- oder iPhone-Titel entwickeln. Dazu kommt, dass Unity wirklich eine komplette Entwicklungsumgebung liefert: ein mächtiger Editor, eine Physikengine, in Echtzeit berechnetes Licht, integrierter Netzcode für Mehrspieleroptionen und vieles mehr.
Wieso so preiswert?
Kritische Geister fragen sich jetzt vielleicht, wo der Haken liegt. Profi-Software kostet normalerweise immer eine Stange Geld und die $199 für die Indie-Version ist wirklich spottbillig. Die Antwort ist einfach: Unity Technologies setzt auf Masse. Anstatt sauteure Software für ein paar wenige Kunden zu entwickeln, die je $100′000 dafür bezahlen, verkauft man die Software lieber an eine breite Massen an Entwicklern für einen erschwingbaren Preis. Nicholas Francis von Unity Technologies erklärt im Interview mit Edge, man habe zuerst eigentlich ein Spiel produzieren wollen, sich dann aber nicht auf ein Konzept eignen können. “So we endet up building an engine that could do all of them” meint er. Die existierenden Middleware-Modelle würden alle ein paar wenige Klienten anziehen, die viel Geld bezahlen. “We just decided to get a lot of clients.” Anders als bei anderen Engine-Anbietern will sich Unity auch nicht am Erfolg der produzierten Games beteiligen. Wer die Software kauft, kann sie einsetzen wie Photoshop oder Word – vom Endprodukt sieht Unity keinen Cent. “If you buy a hammer to build a house, that doesn’t mean the hammer manufacturer now owns part of my house” versucht sich Francis mit einer Metapher.
Tatsächlich hat Unity Technologies mit seinem Geschäftsmodell Erfolg. Der tiefe Preis, Trialversionen und einfache Upgrade-Möglichkeiten haben zusammen mit der Qualität der Software dafür gesorgt, dass bereits zahlreiche Projekte damit erstellt und veröffentlicht wurden. Die breite Anzahl an Entwicklern führt zur einer für ein solches Produkt ungewöhnlichen Breite an Produkten: Einfache Indie-Produktionen sind genau so möglich wie Serious Games oder technisch anspruchsvolle Titel. Wer etwas schmöckern möchte, findet auf unity3d.com eine Liste der bisher veröffentlichten Games (viele davon lassen sich anspielen oder sind kostenlos).
Unitys Erfolgsfaktoren
Der Preis ist sicher einer der Faktoren, die Unity populär gemacht haben. Das beinhaltet auch längerfristige Rabatte; in den ersten Jahren nach dem Release war die Software regelmässig mit 50% verbilligt. Entscheidend sind jedoch andere Vorteile, die genau in die heutige Zeit der Diversifikation des Gamings passen.
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Plattform-Vielfalt: Wer in Unity entwickelt, kann Spiele für alle möglichen Plattformen veröffentlichen. Dazu gehören PC und Mac, Wii und iPhone, aber auch der Browser. Richtig: Unity-Projekte funktionieren dank einem Browser-Plugin auch im Internet Explorer oder Firefox. Ähnlich wie beim Flash-Player genügt der Download von ein paar wenigen Megabyte, danach läuft sogar aufwendige 3D-Grafik im Browser. Wer zweifelt, sollte sich dieses Beispiel anschauen: Nach kurzer Ladezeit von ein paar Sekunden darf man eine grafisch opulente Insel durchstreifen. Natürlich kommt die Optik nicht an die Unreal Engine 3 heran, aber es ist trotzdem beeindruckend, was nach solch kurzer Ladezeit im Browser funktioniert.
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Unity unterstützt sowohl DirectX als auch OpenGL. Die Grafik lässt sich natürlich nicht mit der aktuelle Version einer Unreal Engine vergleichen, dafür ist sie dank eingebauter Tricks auch auf älteren PCs lauffähig. Die Engine verfügt über alle grundlegenden Fähigkeiten einer modernen Grafikengine (wenigstens aus meiner Sicht als Laie). Partikeleffekte, Shaders, in Echtzeit berechnete Schatten- und Lichtdarstellungen gehören dazu.
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Ebenfalls integriert ist die Ageia PhysX. Sie unterstützt z.B. Ragdolls, also die realistische Darstellung von Körpern oder lässt einen die Bodenhaftung bei Autorennspielen festlegen.
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Multiplayer: Ein Game für Solospieler lässt sich laut Unity Website mit ein paar wenigen Anpassungen der Scripts Multiplayer-tauglich gestalten – zumindest technisch. Ob der Spieler an einem Mac oder PC sitzt, spielt übrigens keine Rolle.
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Mächtiger Editor: Im eingebauten Editor lässt sich ein Work in Progress jederzeit antesten. Einfach auf den “Play”-Button klicken und schon befindet man sich mitten im Spiel – ohne Ladezeiten. Scripts, Objekte und Grafiken lassen sich in Echtzeit ändern. Drag&Drop wird gross geschrieben. Mit dabei ist auch ein Terrain-Editor, mit dem man einfach komplexe Landschaften aufbaut, die sich mit vielen Optionen in Sachen Texturen und Lightmaps bearbeiten lassen.
Wer Details zu den angesprochenen Punkten nachlesen möchte, kann dies auf der Feature-Seite von Unity tun.
Zu viel Lobgesang?
Ziemlich sicher. Ich habe die Software runtergeladen, aber mich ehrlich gesagt noch nicht tief eingearbeitet – dazu braucht es trotz der oft vereinfachten Arbeitsschritte eine Menge Zeit (die Probierversion ist zeitlich beschränkt). Falls jetzt der Verdacht aufkommt, dass ich Unity als ein Produkt von vielen zu sehr lobe, dann ist der sicher berechtigt (obwohl die Software sicher nicht komplett unberechtigt von Develop in die Top 10 Engines gewählt wurde). Es geht auch nicht darum, Unity als DAS Werkzeug für Indie-Entwickler darzustellen. Sondern es soll aufzeigen, dass man für nur $200 eine Entwicklungsumgebung bekommt, die in vielen Bereichen Projekten mit Millionenbudgets erstaunlich nahekommt. Sofern die richtigen Leute damit arbeiten, versteht sich. Als Laie wird niemand mit Unity innerhalb von zwei Monaten ein tolles Spiel produzieren.
Die Software ist ein Beispiel dafür, welche Möglichkeiten man heute als kleines Entwicklungsstudio, ja gar als Einzelperson hat. Kreative Spielideen, neue Konzepte, Kunstprojekte und vieles mehr lassen sich kostengünstig, aber einigermassen professionell umsetzen, und das auch für das iPhone oder Nintendos Wii. Es gibt noch zahlreiche andere Beispiele, etwa Microsofts XNA, oder die kostenlose Panda3D-Engine, die dafür werben, dass auch Entwickler ohne grosses Budget ihre Ideen umsetzen können.
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