Aug 202009
 

Kann das Arcade-Spiel die vollmundigen Versprechungen erfüllen?

Erst auf der diesjährigen E3 ließ Microsoft überraschend die Katze aus dem Sack und präsentierte eine von den Gears of War-Machern (Epic) produzierten Hommage an 2D-Klassiker wie Castlevania und Metroid. Nur wenige Monate später ist es soweit und Shadow Complex steht als krönender Abschluß des Summer of Arcade zum Download bereit.

In der kurzen Anfangssequenz dürfen wir an den Fähigkeiten schnuppern.
In der kurzen Anfangssequenz dürfen wir an den Fähigkeiten schnuppern.

Unser Fazit: Egal wie viel man über das Spiel im Vorfeld gelesen oder wie viele Videos man gesehen hat, in den ersten Minuten haut einen Shadow Complex dennoch komplett von den Socken. Weil es optisch einfach so opulent in Szene gesetzt ist, die Steuerung wunderbar eingängig ist und perfekt von der Hand geht. Doch auch danach offenbaren sich dem Spieler Schritt für Schritt eine Fülle an tollen Qualitäten. Das Gameplay ist eine Liebeserklärung an Vorbilder wie Super Metroid für das SNES, allerdings mit aufwendig in Szene gesetzter Story, furioser 3D-Optik und etlichen frischen, zeitgemäßen Features. Wer nach dem einmaligen Durchspielen noch nicht satt ist, bekommt eine Reihe interessanter Optionen an die Hand. Und ihr werdet das Hauptspiel mehr als einmal zocken wollen, versprochen!

9/10

Wir bedanken uns bei Microsoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsmusters.

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Shadow Complex (Xbox360)
Entwickler: Chair
Publisher: Microsoft

Alles beginnt damit, dass Jason Fleming und Claire, die er Tags zuvor in einer Bar kennenlernte, eine Klettertour in den Bergen unternehmen. Doch der friedliche Ausflug wärt nur wenige Minuten, bis das Mädel von seltsamen, bewaffneten Gestalten entführt wird. Den Rest des Spiel verbringt ihr damit, die Frau und ganz nebenbei noch die Welt vor finsteren Plänen zu retten. Die Story ist wenig mehr als Rahmenhandlung und reicht hierzu auch völlig aus. Erwartet aber keine großartigen Wendungen oder tiefgründige Charaktere. Die Zwischenszenen sind dafür cineastisch mit der Ingame-Engine prima in Szene gesetzt und die Synchronisation sämtlicher Beteiligten ist gut gelungen.

Der eigentliche Star von Shadow Complex ist aber nicht die vorhersehbare Story, sondern das Gameplay. Die Mischung aus Action, Erkundung und Sprungeinlagen fühlt sich auch mit der Unreal-Engine genau so hervorragend an an, wie zu den besten 16-Bit Tagen. Zu Beginn ist man nur mit einer Taschenlampe und einem einfachen Sprung ausgestattet, doch bessere Ausrüstung wartet in regelmäßigen, relativ kurzen Abständen. Jedes einmal eingeführte Element spielt bis zum Ende eine bedeutende Rolle. Die Taschenlampe etwa offenbart beim anleuchten, mit welchen Waffen sich bestimmte Hindernisse neutralisieren lassen: Orange lässt sich zum Beispiel mit der normalen Schusswaffe beseitigen, alles was blau leuchtet, will mit dem „Friction Dampener“ in Grund und Boden gerannt werden. Ebenso erlaubt jeder neue Gegenstand (außer der Schusswaffenupgrades) das Erreichen von zuvor unzugänglichen Regionen.

Nicht auf die Größe kommt es an
Das gesamte Areal ist nicht unfassbar riesig, aber groß genug um sich darin mehrere Stunden zu tummeln. Verlaufen ist aus zweierlei Hinsicht nicht möglich. Zum einen lässt sich zu jeder Zeit eine Karte aufrufen, auf der alle noch nicht aufgesammelten Power-Ups verzeichnet sind. Zum anderen sind alle Räume derart abwechslungsreich und mit so Liebe zum Detail entworfen worden (von grünen Wäldern, bis hin zu riesigen unterirdischen Fabrikhallen ist alles vertreten), dass keine zwei sich auch nur annähernd ähnlich sehen.

Um 100% der Karte und Gegenstände zu ergattern, braucht ihr beim ersten Mal etwa zehn Stunden, je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad etwas kürzer oder länger. Um das Maximum an Spielspaß herauszukitzeln würde ich euch empfehlen, die blauen Hilfelinien auf der Übersichtskarte zu deaktivieren und auch auf die Aufdeckung der bevorstehenden Regionen durch diverse Terminals zu verzichten. So bleibt der Spaß erhalten, die Gegend nach Goodies und den nächsten Storypunkten zu sondieren.

Erst beim zweiten durchspielen offenbart sich, wie genial die Levelstruktur tatsächlich ist. Neben den „offiziellen“ Achievements gibt es nämlich noch interne „Master Challenges“ zu bestehen, die etwa von euch verlangen, das Spiel mit nur 4% der Gegenstände zu beenden. Hierdurch sieht man das Abenteuer mit völlig anderen Augen, die Suche nach neuen Wegen durch das Spiel motiviert auf’s Neue. Wem das nicht genügt, der kann sich an 21 Herausforderungen versuchen, hier lassen sich Medaillen verdienen und ihr könnt mit dem Rest der Welt und eurer Freundesliste um die schnellsten Zeiten und höchsten Punkte streiten.

Alles fängt so harmlos an...
Alles fängt so harmlos an...

Was wir mochten:

Mund zu, Augen auf – Die Grafik ist wirklich fantastisch, aber der räumliche Eindruck ist nicht nur Fassade: Die Gegner nutzen den verfügbaren Raum wunderbar aus. Da lässt man sich sogar hin und wieder von der 3D-Optik verwirren und vergisst, dass man nicht in die Tiefe laufen kann. Die Räume sind so toll gestaltet, dass nahezu jeder ein Versteck oder alternative Wege zu bieten hat. Wer die Augen offen hält, entdeckt eine Vielzahl Hintergrundobjekte, mit deren Hilfe sich die Gegnerschar ein wenig kreativer bekämpfen lässt. Furiose Bosskämpfe (allen voran der letzte Bosskampf, der einem James Bond-Film entsprungen sein könnte) und das Fehlen von Ladezeiten (außer nach dem Abnippeln) runden die technische Seite perfekt ab.

Die Wurzeln perfektioniert – Ein gut ausgerüsteter Protagonist macht unheimlich Laune und steuert sich auf den Punkt genau. Sobald man im Besitz aller relevanten Upgrades ist, fängt der eigentliche Spaß erst an: Alle bisher verpassten Upgrades auf der Karte wollen gefunden und eingesackt werden. Witzige Rätsel und knifflige Sprungeinlagen versüßen das Unterfangen (Protipp: Die Extrawaffen lassen sich kombinieren, z.B. Schaum plus Granate). Das motiviert bis in die Haarspitzen, auch wenn sie für einen einzigen, popeligen Kampf (s.u.) eigentlich nicht wirklich benötigt werden. Zum Glück gibt es noch die 21 Challenges, in denen die tollen Fähigkeiten wieder exzessiv zum Einsatz kommen.

Wenn ihr so ausseht, dann geht der Spaß so richtig los!
Wenn ihr so ausseht, dann geht der Spaß so richtig los!

Nicht gefallen hat uns:

Shorty Allmächtig – Da verbringt man etliche Stunden in filigraner Kleinarbeit damit, alle Upgrades aus allen Himmelsrichtungen einzusammeln und plötzlich endet das Spiel nach nur einem Endkampf. Hier wäre es wirklich schön gewesen, wenn man mit seinen liebgewonnenen Fähigkeiten noch mehr Unfug hätte anstellen dürfen. Außerdem wird das finale Scharmützel etwas zu leicht, sobald man 100% der Gegenstände gesammelt hat.

Background Check – Je nachdem wo der Protagonist und wo die Gegner in die Tiefen des Raums stehen, ist es manchmal etwas hakelig, diese mit der Zielerkennung zu erfassen. Das kostet dann hin und wieder auch schon mal ein Leben.

(Un)Echte Probleme – An einigen Punkten, vor allem gegen Ende, kommt es doch zu heftigen Rucklern. Wenn es ganz dumm läuft und man genau in diesem Moment den Sprungknopf an einer kniffligen Stelle betätigt, verliert man ein Leben, weil der Tastendruck nicht registriert wurde. In diesem Zusammenhang sind die Ladezeiten nach dem Ableben doch relativ lang, was sich besonders an solchen Punkte bemerkbar macht, die man sehr oft probieren muss und dann nervt es mit der Wartezeit schon etwas.

[box]Jörgs Meinung: Shadow Complex ist keine Revolution und auch nicht das beste Spiel für XBLA, lasst euch von dem Hype der amerikanischen Seiten nicht anstecken. Was es aber ist, ist einer der besten Download-Titel und so ziemlich die beste Huldigung, die sich Fans von Super Metroid wünschen können. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich jederzeit anpassen, so dass auch ungeübte Spieler in die komplexe Untergrundbasis abtauchen können und definitiv ihren Spaß haben werden. Ich hätte mir noch mehr für meinen voll ausgerüsteten Charakter zu tun gewünscht, aber wenn das Spiel so erfolgreich wird, wie es sich bereits nach zwei Tagen abzeichnet, denken die Macher vielleicht über eine Erweiterung nach. Die würde ich mir sicherlich auch kaufen, denn die Zeit die ich mit Shadow Complex verbracht habe, war eine wundervolle.[/box]

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