Aug 232009
 

Die GamesCom 2009, Europas größte Gamingmesse, bot allen Videospielfreunden eine Menge: Von Egoshootern über Jump’n’Runs bis hin zu düsteren Film Noir-Thrillern durfte überall selbst Hand angelegt werden. Zweifler konnten sich so entweder von Sequelbrillanz mitreißen lassen, Ideen neuer Franchises bewundern und Indiegames in den Himmel loben. Auch wir hatten die Gelegenheit auf der GamesCom einige Spiele für euch anzutesten. Mit darunter: Fairytale Fights , das fröhliche Märchen-Beat ‚em up, in dem man seinen Gegnern guten Gewissens die Köpfe abtrennen darf.

Rotkäppchen greift wütend zum Messer.
Rotkäppchen greift wütend zum Messer.
Playlogic haben sich richtig Mühe gegeben, die kindliche Märchenwelt mit der wir aufgewachsen sind, in ein blutrotes, spannendes und lustiges Abenteuer zu übersetzen. In Fairytale Fights schlüpfen wir in die Rollen von Rotkäppchen, Schneewittchen, Bohnenstangen-Hans oder dem nackten Kaiser und können so mit bis zu vier Spielern zeitgleich in das schillernd bunte Leveldesign eintauchen. Doch die völlig überzeichnete Idylle trügt: Unsere Figuren können auf Anweisung sowohl mit ihren Fäusten als auch mit diversen Waffen jede Menge Schaden anrichten. Dabei ist es ganz egal ob wir zum Zirkel, zum Besen oder zur Axt greifen. Besonders schön auch, dass sich die Spieler untereinander die Köpfe nach Belieben einschlagen können. So ersetzt der eigene Kopf zudem unnötige Rucksacktaschen: Um immer eine Ersatzwaffe parat zu haben, lassen wir uns von unseren Mitspielern einfach eine Axt ins Gesicht werfen, die so lang dort hängen bleibt bis wir sie herausziehen.

Der Stil des Spiels ist zwar ziemlich schräg, bereitet aber durch seine Detailverliebtheit jedem Erwachsenen leuchtende Kinderaugen. Unsere Figuren metzeln sich nicht nur durch unzählige Gegnerscharen, sondern müssen auch Hindernisse überwinden und kleine Puzzles lösen. Wer unterwegs vom Zug überfahren wird oder zwischen zwei Stachelwalzen hängenbleibt, darf mitansehen wie der Charakter Stück für Stück plattgewalzt wird, während sein Klon schon zum Weiterspielen bereit steht. Dabei kann es gut passieren, dass der Märchenkörper zerfleddert in der Ecke liegt und der Kopf noch genüsslich in der Walze hängt. Gore Galore!

Schneewittchen möchte sich endlich für den giftigen Apfel rächen.
Schneewittchen möchte sich endlich für den giftigen Apfel rächen.
Eigentlich gestaltet sich Fairytale Fights sehr ähnlich wie viele andere Prügelspiele, mit einem Unterschied: Gekämpft wird hier nicht mit Buttons, sondern mit dem rechten Analog-Stick, der mutig in die Richtung des Gegners gehalten werden muss. Combos setzen sich dann in schneller Fingerarbeit zusammen aus einer Kombination von Richtungswechseln des Sticks, was komplizierter klingt als es im Endeffekt ist. Immerhin ist alles eine Sache der Gewöhnung. Doch warum setzt Playlogic eigentlich auf diese untypische Variante? Die Antwort ist ganz einfach: Die Entwickler legen besonders viel Wert auf artgerechte Körperteiltrennung. Special Moves erlauben eine größere Einblendung von Charakter und Gegner, in der man mitsamt des präzisen Analog-Sticks die Arme abhacken, sich ganz auf den Kopf konzentrieren oder den Feind in zwei Teile separieren kann. Eine durchaus einleuchtende Erklärung, bei der sich die Gebrüder Grimm hoffentlich nicht im Grabe umdrehen werden.

Der Prügler von Playlogic ist bisher zu 70% fertiggestellt und soll laut Entwickleraussage noch diesen Herbst als Retailgame im Laden stehen. Fairytale Fights war defintiv eine der Überraschungen der GamesCom 2009 in Köln und mein persönliches Highlight unter vielen großartigen Titeln. Ich verspreche euch also nicht zuviel, wenn ich sage, dass das Spiel sowohl ein Kracher für ausgiebige Spielstunden als auch ein Spaß für Zwischendurch wird. Zugreifen sollte, wer auf Action zu viert steht, nicht jedes Spiel allzu ernst nimmt, ein Stück seiner Videogameliebe bereits an Castle Crashers verschenkt hat und über 18 Jahre alt ist.