Aug 302009
 

The Dark Knight ist der jüngste und für mich beste Batman-Film. Die düstere Atmosphäre und der unberechenbare, kaum greifbare Wahnsinn des Jokers haben definitiv aufgeräumt mit dem Image von Batman als Witzfigur im hautengen Kostüm. Genau wie der Film präsentiert sich jetzt auch Batman: Arkham Asylum. Erwachsen, düster und in spielerischer Hochform.

Das Meisterwerk von Rocksteady und Eidos: Batman Arkham Asylum.
Das Meisterwerk von Rocksteady und Eidos: Batman Arkham Asylum.

Das Arkham Asylum in Gotham City ist ein Sammelbecken für den kriminellen Abschaum der Stadt. Eine Menge der Insassen sitzen dank dem dunklen Ritter. Durchgeknallte, wahnsinnige Gestalten, deren Werdegang den von Charles Manson wie einen Spaziergang aussehen lassen. Der Schlimmste von allen wird jetzt eingeliefert: der Joker. Batman höchstpersönlich liefert die Knalltüte im farbigen Anzug ein. Innerhalb der dicken Mauern von Arkham startet das Game und gibt dem Spieler erstmals die Kontrolle über Batman. Die ersten Minuten verlaufen ruhig, zu ruhig: Lässt sich der Joker tatsächlich so einfach gefangennehmen? Die Sicherheitsmassnahmen sind überwältigend, trotzdem schwebt über dem Gang durch die zahlreichen Schleusen des Sanatoriums die Gewissheit nur eines: Gefahr. Ein paar Minuten später ertönt das hysterische Lachen des Jokers, am Boden liegen die Leichen der Wächter. Es hat begonnen.

Unser Fazit: Eidos und Rocksteady haben versprochen – und sie liefern. [amazon B001V7U0M4]Batman: Arkham Asylum[/amazon] ist ein sehr gutes Spiel, dass nur wenig Raum für Kritik lässt. Letzten Endes überzeugt vor allem, dass man merkt, wieviel Liebe und Arbeit in die Produktion gesteckt wurde. Jede einzelne Szene vermag zu überzeugen und die Atmosphäre des Spiels trifft die Mischung aus Action, Spannung und Thrill des Films perfekt, auch wenn es keine direkte Umsetzung ist (vermutlich gerade deshalb). Was man dem Spiel vorwerfen könnte, sind die mit der Zeit etwas monoton wirkenden Kämpfe. Hier hätte der eine oder andere herausragende Gegner gut getan. Schade ist auch, dass der Batman aus dem Spiel eine ziemlich gesichtslose Figur bleibt, die nur brav ihren Batman-Part erfüllt, mehr aber nicht. Trotzdem: Fans von Actionspielen sollten unbedingt zugreifen, denn Batman: Arkham Asylum ist ein echtes Juwel geworden.

9/10

Batman: Arkham Asylum (Xbox 360/PS3/PC)
Entwickler: Rocksteady Studos
Publisher: Eidos

Nach dem Entkommen des Jokers wird schnell klar: Das war geplant. Im Asylum wimmelt es nur so von Hilfsleuten des Jokers. Sich Einliefern zu lassen war ein Trick – ähnlich wie im Film, wo sich der Joker Einsperren lässt, um an das Geld der Mafia zu kommen. Batman nimmt sofort die Verfolgung auf und kämpft sich nach und nach durch die weitläufigen Gänge des Sanatoriums. Ein dankbares Szenario, denn in den Zellen häufen sich dubiose Gestalten und die herumstehenden medizinischen Gegenstände und Geräte vermitteln mehr den Eindruck einer Versuchsanstalt denn eines Sanatoriums.

Viele der irren Angreifer sind mit Clownsgesichtern wie der Joker geschmückt.
Viele der irren Angreifer sind mit Clownsgesichtern wie der Joker geschmückt.

Batman zu steuern ist einfach. Das zeigt sich besonders in den ersten Kämpfen mit Muskelprotzen des Jokers. Es gibt nur eine Schlagtaste, mit der man sich der (zu Beginn noch unbewaffneten) Kontrahenten entledigt. Je nach Position des Gegners schlägt Batman selbstständig mit der passenden Attacke zu. Steht einer der Irren hinter ihm, spürt dieser einen Ellbogen oder rückwärtsgerichteten Kick. Aus der Drehung heraus prasselt es weitere Schläge auf den angreifenden Nebenmann – und alles wirkt wunderbar animiert und ohne jegliche Unterbrüche. Als wären die Kämpfe jeweils choreographiert. Die Stösse und Schläge klingen zudem sehr satt und man kann sich vorstellen, dass der Batman keinen Gegner ist, mit dem man es mano a mano aufnehmen möchte.

Vorsicht: Bewaffnete Gegner sind selbst für Batman gefährlich!
Vorsicht: Bewaffnete Gegner sind selbst für Batman gefährlich!

Bat-Gear
Mit der Zeit lernt der Batman weitere Schläge – zum Beispiel Konter oder Finishers, wenn ein Gegner vom Boden wieder aufstehen will. Die Palette bleibt aber übersichtlich, um nicht zu sagen marginal. Trotzdem machen die Kämpfe grossen Spass, denn die Kontrahenten werden mit der Zeit deutlich stärker und sind auch bewaffnet. Gegen Irre mit Schusswaffen hat auch Batman keine Chance, weshalb hier die Stealth-Fähigkeiten des Fledermaus-Mannes zum Zuge kommen. Batman benötigt dazu keine dunklen Ecken oder Schatten wie Sam Fisher, sondern überlebt vor allem dank seines Kletterhakens. Damit zieht er sich an Geländern oder Wasserspeiern in luftige Höhen, wo ihn die Gegner nach zwei, drei Sprüngen im Halbdunkel meist aus den Augen verlieren. Wenig später seilt er sich kopfüber über dem Kopf eines ahnungslosen Bösewichts an oder segelt quer durch den Raum, um einen herumstehenden Komplizen des Jokers mit einem Tritt zu Boden zu werfen. Dem Spieler stehen dabei immer alle Freiheiten offen: Ob man mit Explosiv-Gel Fallen stellt, aus der Luft zu segeln kommt oder mit Batarangs die Gegner verwirrt, alles ist möglich. Ausrüstung darf man sich übrigens selber kaufen, wobei als Währung Erfahrungspunkte zum Einsatz kommen. Diese wiederum gibt es für schöne Kombos in Kämpfen.

Da hängt ne fette Fledermaus über dir...
Da hängt ne fette Fledermaus über dir...

Irr, aber nicht zu unterschätzen
Die Gegner haben einen Vorteil: Sie sind in der Überzahl. Anders als in vielen Games ist das für den Batman tatsächlich ein Nachteil, denn die Gegner arbeiten geschickt zusammen. Sobald sie auf bewusstlose Kameraden stossen (Batman tötet nicht), schauen sie umher, decken verschiedene Richtungen ab oder durchsuchen den Raum. Je mehr Gegner, desto selbstwusster ihre Sprüche. Je mehr man von ihnen ausschaltet, desto verunsicherter werden sie. Die Gegnerschar wirkt herausfordernd und intelligent, zumal gegen ihre Schusswaffen auch für den Batman kein Kraut gewachsen ist. Da hilft nur Schleichen, List und Geduld.

Leider bleibt unser Held während der Geschichte etwas farblos.
Leider bleibt unser Held während der Geschichte etwas farblos.

Der Detektiv-Modus
Auf Knopfdruck schaltet Batman in einen Detektiv-Modus, der optisch ein bisschen wie ein Nachtsicht-Modus wirkt. Damit kann er Spuren aufspüren (etwa Nikotinspuren), erkennt sämtliche Klettermöglichkeiten und erhält Hinweise auf Rätsel. Neben den Herausforderungen des Handlungsstranges haben die Entwickler noch satte 240 Fragezeichen des Riddlers eingebaut. Diese muss man zuerst durch das Aufsammeln eines meist verstecken Symbols aktivieren, bevor man dann das eigentliche Goodie erhält. Batman findet zum Beispiel zahlreiche Tonbänder mit Aufzeichnungen der dort arbeitenden Psychiater im Gespräch mit ihren Patienten. Das Prinzip ist zwar schon aus Bioshock bekannt, funktioniert aber auch hier wieder wunderbar. Es schafft Atmosphäre und verleiht dem Sanatorium eine Geschichte, die weit über die im Spiel zugänglichen Gameplay-Möglichkeiten hinausgehen. Spannend!
Auch Rätsel hat der Riddler für den Batman in den Räumen versteckt. Viele der Aufgaben erfordern einiges an Hirnschmalz – eine tolle Abwechslung, zumal sich die Rätsel meist erst nach einigem Überlegen erschliessen. Meist folgt dann irgendwann der Aha-Effekt: Das war doch eigentlich offensichtlich!

Unheimliche Gestalten finden sich im Arkham Asylum genug...
Unheimliche Gestalten finden sich im Arkham Asylum genug...

Was wir mochten:

Schnelle, harte Fights. Wo Batman zuschlägt, wächst so schnell kein Gras mehr. Die einfache und intuitive Steuerung erlaubt es, eine Vielfalt an Schlägen und Tritten darzustellen, welche die Kämpfe mit dem Joker-Mob zur spannenden Herausforderung machen. Im späteren Spielverlauf ist dann aber häufig taktisches Vorgehen gefragt. Hier trumpft Batman: Arkham Asylum mit gut umgesetzten Stealth-Ideen auf, die genau so viel Spass machen wie die offenen Prügeleien.

Atmosphäre und Szenerie. Das Arkham-Irrenhaus sieht toll aus und trägt viel zur Atmosphäre des Spiels bei. Ob die verwinkelten und unheimlichen Passagen in den Zellentrakten oder die weitläufigen Aussenareale, die Stimmung passt fast immer. Das Asylum wäre auch das perfekte Setting für ein Survival- oder Horrorgame.

Der Joker. Ich war nie ein Heath Ledger-Fan, aber als Joker in The Dark Knight ist er grandios. In Arkham Asylum kämpfen wir zwar gegen einen anderen Joker, aber auch diese Figur ist hervorragend inszeniert. Sie arbeitet mit den gleichen, erpresserischen Methoden, um Gefolgsleute um sich zu scharen und zeigt dieselben, von einem „kalkulierten Wahnsinn“ getriebene Art. Im Vergleich zum Joker hätte man auch dem Batman etwas mehr Gesicht gewünscht.

Dem Riddler seine Rätsel. Fordern, aber nicht zwingend, um das Spiel zu beenden. Der irre Riddler wurde perfekt eingebaut, die Rätsel bringen gekonnt Abwechslung ins Spiel. Ich stand zwar einige Male ziemlich im Schilf, musste aber trotzdem gestehen, dass die Aufgaben eigentlich immer fair konstruiert wurden. Logisches Denken ist wohl nicht so meine Stärke… ebenfalls sehr gelungen sind die zu sammelnden Fragezeichen, die einen wiederum Informationen zu Arkham und seinen Insassen liefern. Sie machen die Anstalt lebendig, auch ohne das man die Verfasser der Audiobotschaften selbst zu Gesicht bekommt.

Herausforderung pur. Batman ist ein Singleplayer-Spiel, wer möchte, kann aber trotzdem online gegen andere antreten, zumindest indirekt. Es gilt zum Beispiel in Kämpfen möglichst viele Kombos und damit Punkte herauszuschinden, um sich weltweit gegen andere Batman-Prügler durchzusetzen – nach Punkten. Trotzdem sehr motivierend.

Tolle Videorückblicke. Die Story reisst einen zugegebenermassen nicht gerade vom Hocker. Aber sie wurde sehr gut inszeniert, was als Motivation bei diesem Gamplay-Feuerwerk genügt. Die Rückblicke in Batmans Leben sind sehr gut umgesetzt, auch wenn sie der Spielfigur leider nur wenig mehr Charakter einhauchen.

Toll animierte Bösewichte und schöne Architektur.
Toll animierte Bösewichte und schöne Architektur.

Nicht gefallen hat uns:

Etwas Monotonie macht sich breit. Langweilig wird Batman: Arkham Asylum nie. Aber mit der Zeit hat man das Spielprinzip intus und dann folgen nur noch kleine Abwechslungen. Was dem Titel zum absoluten Kracher noch fehlt, sind ein oder zwei Abschnitte, die spielerisch mehr Abwechslung bieten. Aber das ist eher Wunsch denn Kritik.

Verzögertes Laden der Texturen: Wer sich schnell von Gargoyle zu Gargolye (die Wasserspeiher) schwingt, der sieht manchmal deutlich, dass Objekte ihre Texturen etwas spät erhalten. Die leichte Verzögerung ist nicht tragisch, aber trübt ein bisschen das Gesamtbild der sonst, bis auf ein paar wenige Clipping-Fehler, sehr sauberen Grafik. Ob man es als störend empfindet, ist Geschmackssache – ich habe mich schnell damit abgefunden und es bald nicht mehr wahrgenommen.

[box]Simon’s Meinung: So muss ein Spiel aussehen. Was mich am meisten fasziniert hat, ist die Atmosphäre, in welche Batmans Abenteuer getaucht ist. Man taucht problemlos innerhalb von kürzester Zeit in das Abenteuer ein, läuft staunend und auch etwas schaudernd durch bereits leergefegte Gänge – nur, weil die alten Mauern des Gebäudes und die komplette Ausstattung der Anstalt einfach so unheimlich sind. Auch abgesehen von der Atmosphäre hat Rocksteady hier ein echt gutes Spiel auf die Beine gestellt, das niemand verpassen sollte, der Actionspiele mag. Ich wünsche mir bereits jetzt mehr davon!

[/box]

Hidden Text

batman9
batman9

batman10
batman10

batman11
batman11

batman12
batman12

batman13
batman13