Sep 172009
 
Anderer Name, selbes Spiel (zum Glück!)
Anderer Name, selbes Spiel (zum Glück!)

Wenn wir bedenken, dass im Bewusstsein der Lehrer die ganzen Kevins da draußen aufgrund ihres Namens in die Nähe von verhaltensauffälligen Kindern gerückt werden, dann muss uns folgende Meldung als weiser Schritt erscheinen. Denn Namen haben viel zu viel Bedeutung, und sollten eigentlich nur der Erleichterung im Alltag dienen, statt darüber hinaus eine unverhältnismäßig große subjektive Größendimension anzunehmen. Erst haben wir uns wegen der lautlichen Nähe zu ICO sehr gut mit TRICO abgefunden, doch plötzlich wurde der indirekte Nachfolger von ICO und Shadow of the Colossus ohne große Erklärungsversuche in The Last Guardian umgetauft. Ein Titelname, der schon eine größere Bandbreite an eingängigen Vorstellungsinhalten mit sich bringt. Nun erklären die Japaner wieso.

Wie Yasuhide Kobayashi von Sonys Japan Studio verriet, lauern hinter dieser Namensänderung ganz pragmatische Überlegungen. Man wolle einfach die Absatzchancen in Europa und den USA erhöhen und nichts dem Zufall überlassen. Auch weil diese zwei Märkte über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Aufgrund der Verkleinerung des japanaischen Marktes und des gleichzeitigen Bedeutungsgewinns der anderen westlichen Verkaufsterritorien, wolle man lieber einen Namen auswählen, der ein globales Zielpublikum im Auge hat.

„But now we’re in the era of the PlayStation 3, and the Japanese market is only one fifth of the global market – when it comes to production costs, those are swelling, so it means that unless we gain success in the overseas market our studio will go bankrupt. It’s a crisis we recognise,“ so Kobayashi im Rahmen der DICE Summit Asia.

Ich fände Trico zwar sympathischer, einfach weil es sich in nachbarschaftlicher Zweisamkeit zu ICO gesellen würde, aber so lange nicht am Inhalt zugunsten einer Verbreiterung des Marktes geschraubt wird – mit der fatalen Konsequenz einer Verwässerung der Grundvision -, kann es uns egal sein. Außerdem äußerte sich Kobayashi auch zu den damaligen Verkaufsszalen der US-Version von ICO. Er zeigt sich überzeugt davon, dass sich bei einer Design-Änderung der US-Verkaufspackung bessere Zahlen ergeben hätten. Wir erinnern uns: während ICO in den USA in wirklich saumäßig unansehnlichen Hüllen ausgeliefert wurde, prangte die Japanische und Europäische Version in einem künstlerisch wertvolleren Verkaufsvehikel, das dem Stil des Spiels erstaunlich maßstabsgetreu gerecht wurde. Unglaublich wer sich in Amerika zu dieser Entscheidung verleiten ließ – wahrscheinlich eine blinde Kuh. Kobayashi machte daneben darauf aufmerksam, dass viele Menschen im Internet die Japanische Version favorisierten. Da zeigt sich, dass sich guter Geschmack dann eben doch durchsetzt. Von dem her brauchen wir nicht mit einer von Amerika aus auf uns überschwappenden Geschmacksverirrung zu rechnen, die jede geschmackliche Sensibilität vermissen lässt. The Last Guardian wird es guttun.

Nur ist es besonders traurig, dass der Markt in Japan aufgrund seines zunehmenden Bedeutungsverlustes eine immer kleinere Rolle einzunehmen scheint. Tragisch wird es dann, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass gerade die in Japan ansässige Spiele-Kultur in ihrer Unverfälschtheit in Mitleidenschaft gezogen wird. Denn gerade Japan ist ein Urquell an innovativen Inhalten und wagemutigen Spielideen, die gerade wegen ihrer unabweisbaren Exotik immer wieder für Begeisterung sorgen.

Links das wunderbare Cover der japanischen und europäischen Verkaufsversion, rechts die saure Variante, ein Todesstoß für jede sensible Zunge
Links das wunderbare Cover der japanischen und europäischen Verkaufsversion, rechts die saure Variante, ein Todesstoß für jede sensible Zunge

(via kotaku.com, GamesIndustry.com)