Okt 112009
 
[Bild nicht gefunden]

Es ist der Traum eines jeden Gamers: Ein Spiel, bei dem man sich jeden erdenklichen Gegenstand herbeizaubern und benutzen kann. Was klingt wie eine Utopie, hat das unabhängige Entwickler-Studio 5th Cell jetzt erschaffen – und nicht etwa für die kraftvolle Cell-Architektur der PS3 oder einen teuren Gamer-PC, sondern für den Nintendo DS. Scribblenauts heisst das innovative Spiel, in dem Held Maxwell sich in über 200 Levels (und einem Leveleditor!) nach sogenannten Starites umsieht, die er so gerne sammelt. Nicht immer das einfachste Unterfangen, sind die Sterne doch oft kaum erreichbar oder erst nach der Lösung eines Rätsels zu erhaschen. Aber keine Bange: Maxwell hat Tausende kleine Helfer mit dabei. Jedes erdenkliche Hilfsmittel kann der Spieler mit dem Stylus herbeizaubern. Es gibt, im wahrsten Sinne des Wortes, nur eine Grenze: die eigene Fantasie.

Unser Fazit:
Scribblenauts ist ein sehr herausforderndes Spiel. Nicht unbedingt, weil die Rätsel so furchtbar kompliziert wären, sondern viel mehr, weil es einen ständig die Grenzen der eigenen Vorstellungskraft aufzeigt. Theoretisch hätte man zwischen 20’000 und 30’000 (die Schätzungen gehen auseinander) Gegenstände zur Verfügung, um ein Rätsel zu lösen und trotzdem kommt einen, etwas überspitzt formuliert, immer nur der Flammenwerfer in den Sinn. Es ist manchmal erbärmlich, wie sehr man in gewohnten Bahnen denkt, und genau deshalb ist Scribblenauts eine Offenbarung. Natürlich: Wer nichts mit Rätseln und Denksport am Hut hat, der wird hier trotz der schier unbegrenzten Kreativität nicht viel Spass haben. Aber darum geht es nicht. Sondern darum, dass Scribblenauts zeigt, was ein Videospiel selbst mit der limitierten Technik eines Nintendo DS anzustellen vermag. Ein Must-Have für jeden ernsthaften Videospieler.
(Anmerkung: Das Review bezieht sich auf die englische Originalversion von Scribblenauts. In der deutschen Ausgabe scheint es einige Übersetzungsfehler zu haben.)

9/10

Scribblenauts (Nintendo DS)
Entwickler: 5th Cell
Publisher: Warner Bros. Interactive

Das Spielprinzip von Scribblenauts wäre damit schon erklärt: Als Maxwell sammelt man in 220 Levels je einen Starite, der gleichbedeutend mit dem Levelende ist. Zur Lösung des Levels muss man sich Gegenstände ausdenken, die man dann per Stylus eingibt – wahlweise via digitaler Tastatur oder auch einer durchaus brauchbaren Schrifterkennung. Im Test hat sich die Tastatur als praktischer erwiesen, da Scribblenauts doch ab und zu Fehler macht beim Erkennen von Buchstaben und man meist auch schneller ist. Was für Gegenstände man sich wünscht, ist eigentlich egal. Das Spiel hat eine immense Datenbank an Objekten. Laut Wikipedia wollen Spieler das Maximum bei 22’800 unterschiedlichen Objekten gefunden haben, die Zahl wurde aber von 5th Cell relativiert. Als einfaches Beispiel: Der Stern ist so hoch angebracht, dass Maxwell nicht hochspringen kann. Er benötigt zum Erreichen also…. eine Leiter? Bingo. Aber das Game wäre ja langweilig, wenn jeweils nur die offensichtlichste Lösung funktionieren würde. Stattdessen kann man sich auch Flügel wünschen, ein Jetpack, den Stern herunterschiessen (mit einem Gewehr? Bogen? Stein?) oder etwa andere Figuren zu Hilfe nehmen.

[Bild nicht gefunden]

Tu es!

Das Spannende an der schier unerschöpflichen Vielfalt an Objekten: Sie haben entsprechende Eigenschaften, die man kombinieren kann. Wer sich zum Beispiel einen Affen „schreibt“ und dann eine Banane, wird nach kürzester Zeit nur noch einen Affen und eine Bananenschale haben. Bereits im Tutorial lernt man auch, wie man mit Klebstoff so ziemlich jeden möglichen Gegenstand an einen anderen pappen darf und so auch einfache Rätsel mit völlig abstrusen Methoden lösen kann. Überhaupt ist das Ausprobieren die ganz grosse Stärke von Scribblenauts. Es hat mich etwas an GTA erinnert, bei dem manche Spieler die Story links liegen lassen und stattdessen nur Ausprobieren, was alles möglich ist. Das ist den Entwicklern von 5th Cell natürlich bewusst: Bereits der Startbildschirm ist eine frei begehbare Landschaft, in der man sich mit herbeigezauberten Objekten austoben darf.

Ollars verdienen

[Bild nicht gefunden]

Es gibt zwei verschiedenen Level-Varianten. Einerseits diejenigen Aufgaben, bei denen man „nur“ den Stern zu sammeln braucht. Dieser ist zu Beginn meist mit nur einem oder vielleicht zwei Gegenständen zu erhaschen, später werden die Levels komplexer und benötigen mehr Hirnschmalz. Variante zwei setzt auf Rätsel: Der Spieler muss mit den herbeigewünschten Gegenständen knifflige Situationen lösen. Etwa einem Mädchen seine Blumen zurückbringen, die aber von einer wütenden Biene und einem agressiven Fisch (Piranha? Noch nicht ausprobiert, unbedingt eingeben) beschützt werden.
Scribblenauts bewertet den Spieler nach jedem geschafften Level. Wer kreativ spielt, bekommt eine höhere Punktzahl, bzw. mehr Talerchen in der Scribblenauts-Währung „Ollars“. Mit diesen wiederum schaltet man Herausforderungen oder sogar Spielemusik frei.

Was wir mochten:

Die Herausforderung ist das eigene Denken.Ein klassisches Rätsel in einem Adventure funktioniert so: Du hast diese Gegenstände und musst damit ein Hindernis überwinden (oder zuerst die passenden Gegenstände im Level finden). Bei Scribblenauts ist es anders rum: Du hast zwar das Hindernis, aber keine Hilfsgegenstände – solange du sie dir nicht wünschst. Man hat also auch keine Anhaltspunkte, wie das Rätsel zu lösen ist. Gefragt ist Vorstellungskraft und Kreativität.

Praktisch unbegrenzt.Was man in der Objekt-Datenbank von Scribblenauts NICHT findet: Rechtlich geschützte Markenzeichen (und -figuren), obszönes Material und abstrakte Begriffe wie „Hoffnung“. Ansonsten kann man wirklich fast alles herzaubern, was man sich vorstellen kann. Das alleine macht extrem viel Spass. Was erscheint wohl, wenn ich „Ozean“ eingebe? Vertragen sich Katze und Hund?

Vielfalt. 220 Level, die man zudem noch mehrfach und verschiedenen Varianten durchspielen kann. Dazu ein Editor, mit dem theoretisch unbegrenzt neue und kreative Herausforderungen erschaffen werden können. So wünscht man sich den Spielumfang für jedes Game.

Knuffig! Die gemalte Scribblenauts-Grafik ist wirklich knuffig. Dazu ertönt ein abwechslungsreicher und angenehmer Soundtrack, den man zudem noch erweitern kann.

Nicht gefallen hat uns:

Argh, geh dort hin!Scribblenauts steuert sich fast ausschliesslich mit dem Stylus (die Buttons werden eigentlich nur zum Verschieben des Sichtfensters benutzt). Das funktioniert in den meisten Fällen, ist aber manchmal sehr hakelig. Besonders kleine Gegenstände, bei denen Maxwell oder ein anders Objekt im Weg stehen, bringen einen gerne auf die Palme.

Nur 12 Levels. Das ist irgendwie verwirrend: Zwar offeriert uns 5th Cell einen einfach zu bedienenden Leveleditor, dann hat es aber nur Platz für 12 eigene Levels. Tauschen darf man die übrigens nur mit Freunden. Sehr schade: LittleBigPlanet hat gezeigt, was für geniale Kreationen Hobby-Levelbastler erbauen. 99.999% davon werdet ihr nie sehen.

 

Simons Meinung:
Scribblenauts ist faszinierend. Die Spielidee ist genial, die Umsetzung bis auf machmal etwas mühsame Steuerung genial und die Datenbank so gross, dass die meisten von uns vermutlich nicht mal einen Zehntel der enthaltenen Viecher und Gegenstände zu Gesicht bekommen. Mit dem Bonus für die originelle Idee reicht es für die 9er-Topwertung, auch wenn das tatsächliche Rätsel-Lösen mit dann nicht mehr so in seinen Bann ziehen konnte, wie das reine Ausprobieren der Möglichkeiten.

 

[Galerie nicht gefunden]