Okt 222009
 
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Konsoleros aufgepasst: Wer gerne taktisch anspruchsvoll und schwer bewaffnet ins Gelände zieht, der hat jetzt endlich die Möglichkeit dazu. Anders als Call of Duty und Co. setzt Operation Flashpoint: Dragon Rising auf Realismus und verzichtet auf eine cineastische Inszenierung. Für die Konsolen ein Novum, gibt es doch mangels Eingabemöglichkeiten kaum ernsthafte Versuche, militärische Simulationen für Xbox 360 oder PS3 umzusetzen. Anders auf dem PC: Dort muss sich Operation Flashpoint: Dragon Rising mit dem vor einigen Monaten erschienenen Armed Assault 2 messen. Wir haben es uns leicht gemacht und die Xbox 360-Version getestet; gelegentliche Seitenblicke auf den PC seien für diesen Test aber mangels Alternative erlaubt.

Unser Fazit: Operation Flashpoint: Dragon Rising macht vieles richtig. Die Steuerung funktioniert nach etwas Einarbeitungszeit tadellos, die Optik ist ansprechend (wenn auch nicht überragend) und auch wenn nicht alle Missionen zu brillieren wissen, entstehen manchmal echte „mittendrin-Gefühle“ und spannende Feuergefechte. Lobenswert ist auch die Möglichkeit, sich zu viert kooperativ durch die Kampagne zu kämpfen. Andererseits enttäuscht Codemasters durch die sehr unspektakuläre Inszenierung: Keine Zwischensequenzen, keine Hintergrundinformationen, gar nichts. Unverständlich auch, wieso dass ich bei einem anspruchsvollen Shooter die Ausrüstung meiner Spielfigur und Mitstreiter nicht ändern kann oder wieso kaum Fahrzeuge integriert wurden – ein Rückschritt im Vergleich zum Vorgänger.
Freunde von militärischen, anspruchsvollen Spielen kommen, zumindest auf der Konsole, trotzdem nicht an diesem Spiel vorbei. Es gibt schlichtweg keine Konkurrenz und wenn man rein die Basis betrachtet, also das nackte Gameplay, dann gebührt Codemasters durchaus Respekt für die Umsetzung.

7/10

Operation Flashpoint: Dragon Rising (Test: Xbox 360)
Entwickler: Codemasters
Publisher: Codemasters

Die Story von Operation Flashpoint: Dragon Rising ist eigentlich ziemlich irrelevant. Sie hat keinen Einfluss auf das Gameplay und, abgesehen von einem Intro- und Schlussfilmchen, kann man höchstens aus Missionsbeschreibungen erahnen, was so abgeht. Kurzversion: Auf der umstrittenen russischen Insel Skira wird Öl entdeckt, die Chinesen annektieren das Stück Land, die USA schreiten ein. Dreimal dürft ihr raten, welchen Part ihr übernehmt.

[Bild nicht gefunden]Operation Flashpoint: Dragon Rising spielt sich aus der First-Person-Perspektive und übergibt dem Spieler die Befehlsgewalt über ein kleines Squad. Die KI-Krieger scheucht man mittels einem verschachtelten Menü (Directional Pad) durch das Gelände, wobei die Befehlsvielfalt für ein Konsolenspiel erstaunlich hoch ist. Man kann Kollegen verarzten lassen, Defensive oder Offensive ansagen, Flankenangriffe, Unterdrückungsfeuer, gewisse Formationen ordern und vieles mehr. Eines sei gesagt: Ohne die Unterstützung durch die Künstliche Intelligenz werdet ihr euch am ziemlich hoch angesetzten Schwierigkeitsgrad die Zähne ausbeissen. Dragon Rising präsentiert sich als herrlich taktisches Spiel, das unüberlegtes Schiessen im Normalfall bestraft.

Dort… ich hab was gesehen! Feuer!
Das Problem bei einem solchen Shooter: Er eignet sich eigentlich überhaupt nicht für den Einsatz auf Konsolen. Nicht nur die limitierten Optionen in Sachen Steuerung sind ein Problem, auch die Optik. Will man Feuergefechte einigermassen „realistisch“ wirken lassen, dann springt die Distanz zwischen den Gegnern von 5-20 Meter (=Standard-Shooter) auf 50-300 Meter. Entsprechend sind die feindlichen Soldaten, vor allem in Deckung, kaum zu erkennen und oft erwischt einen eine Kugel nur, weil man zu lange über die Mauer späht und kaum etwas erkennt. Das ist gewöhnungsbedürftig, zwingt einen aber erneut zu mehr taktischem Vorgehen. Flankenangriffe werden Pflicht, Deckung suchen sowieso und Wehe man liegt nicht flach auf dem Boden, wenn ein feindlicher Kampfhubschrauber seine Runde dreht.

Fehlende Freiheiten
Ausgerüstet wird man in Operation Flashpoint mit dem üblichen, amerikanischen Waffenarsenal: Sturmgewehre, Scharfschützengewehre, C4, Pistolen, usw. Die Pistole wird zwar kaum je einer benötigen, da genügend Munitionskisten herumliegen und man auch erledigten Gegnern die Magazine und Waffen abnehmen darf.
[Bild nicht gefunden]Erstaunlicherweise ist es aber nicht möglich, die eigenen Soldaten vor dem Einsatz auszurüsten. Auch einen Charaktereditor sucht man vergeblich. Letzteres kann ich noch verschmerzen, meistens spiele ich sowieso nur mit vorgegebenen Spielfiguren. Zur Ausrüstungs-Flaute passend gibt es auch keinerlei Infos über das Arsenal und auch fahrbare Untersätze wurden grösstenteils weggelassen. Gerade das Ausprobieren hat doch im Vorgänger so viel Spass gemacht! Einmal Panzer fahren, in der nächsten Mission Hubschrauber-Pilot spielen, dann wieder als ordinärer Soldat durch den Matsch kriechen. Dazu kommt noch, dass sich die wenigen integrierten Fahrzeuge, zum Beispiel Jeeps, nicht unbedingt ideal steuern lassen. Alles in allem eine enttäuschende Leistung in dieser Hinsicht.

Multiplayer: Kooperativ okay, ansonsten nur Durchschnitt
Wie schon erwähnt, darf man lobenswerterweise die Kampagne mit echten Mitspielern durchstehen. Ansonsten sieht es in Sachen Mehrspielermodus eher mau aus. Gerade mal 8 User geben sich im komperativen Modus Saures, wobei man immerhin hier seinen Charakter einer Einheit (z.B. Sanitäter) zuteilen darf. Mit vier Karten und zwei Modi hat man wohl auch hier relativ schnell das Ende des Tunnels in Sicht.

Skira, die langweiligst Insel der Welt
Als ich Operation Flashpoint: Dragon Rising zum ersten Mal angespielt habe, wunderte ich mich etwas ob der grünen Optik. Ist etwa der Nachtsichtmodus an? Nach einem Blick in die Optionen musste ich [Bild nicht gefunden]feststellen: Nein, das Spiel sieht offenbar wirklich so aus. Nicht nur die Hügel und Wälder sind grün, auch Himmel und Wasser haben einen Grün-Stich (zumindest in der ersten Mission). Spätere Aufträge bieten etwas mehr Abwechslung, aber der Eindruck bleibt: Skira ist eine langweilige Insel, in der es entweder düster-neblig, immer etwas dunkler oder zumindest etwas grüner ist. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man auch ziemlich unschöne Texturen, was aber meistens in der Hitze des Gefechts dann auch keine Rolle spielt. Die Landschaften wurde ansonsten schön modelliert und vor allem geniesst man mal wieder ein paar Animationen, die einen nicht schon aus einigen Vorgängern bekannt vorkommen (CoD lässt grüssen).

Was wir mochten:

Soildes Gameplay. Operation Flashpoint: Dragon Rising bietet einfachen, schnelle Zugang und auch wenn man sich an das Befehls-Menü etwas herantasten muss, so erfüllt es seinen Zweck doch ziemlich gut. Die solide Basis ermöglicht den Aufbau von taktischen Varianten und stellt sicher, dass man auch auf der Konsole grösstmöglichen Realismus geboten bekommt. Einige Magazine bemängeln, Operation Flashpoint sei inkonsequenz, weder Fisch noch Vogel; ich sage, es ist die bestmögliche Mischung aus Realismus und Spielbarkeit für die Konsole. Das schwierige Anvisieren von weit Entfernten Einheiten zeigt aber deutlich die Grenzen der Xbox 360 bzw. PS3 auf, HD hin oder her.

Mittendrin statt nur dabei. Sorry für die ausgeluschte Phrase, aber sie trifft halt zu. Über weite Strecken gelingt es Codemasters, dem Spieler glaubhaft zu machen, er befinde sich in mitten einer gross angelegten Operation. Da fliegen Hubschrauber über das Schlachtfeld, Haubitzen donnern in der Ferne und gut koordinierte Aktionen mit anderen Unterstützungsverbänden sorgen für ein Lächeln auf dem Gesicht des erfolgreichen Kommendeurs im Polstersessel. Ausnahmen bilden die ersten zwei, drei Gefechte, die eher etwas dröge wirken.

Mehrere Schwierigkeitsgrade. Eigentlich ist das normalerweise kein eigener Pluspunkt, sondern wird als Standard erwartet. In diesem Falle wendeten Codemasters aber ihre bereits aus den Rennspielen bekannte Methode an: Steigender Schwierigkeitsgrad bedeutet nicht nur stärkere Gegner, sondern vor allem auch fehlende Hilfen. Wer bei Operation Flashpoint: Dragon Rising im höchsten Schwierigkeitsgrad kämpft, erhält keinerlei Informationen per HUD, sondern ist auf sich alleine gestellt. Waffen nachladen oder Richtungsangaben erhalten dadurch eine gänzlich neue Bedeutung.

Gute Effekte und Synchronisation. Musik sucht man in diesem Spiel vergeblich, was aber nicht stört. Bei einem anspruchsvollen Einsatz braucht man kein Gedudel nebenbei. Dafür sind Soundeffekte und insbesondere auch die Synchronisation gut gelungen.

Zu viert unterwegs. Echtes Gefühl für Zusammenarbeit kommt mit einer Künstlichen Intelligenz natürlich (noch) nicht auf. Deshalb tut es echt gut, mit drei anderen Spielern durch die Missionen zu marschieren. Das darf man sowohl online als auch im LAN.

Nicht gefallen hat uns:

Stimmung adé. Operation Flashpoint ist schon fast brutal langweilig ausserhalb der Missionen. Ich weiss nicht, ob Codemasters den über-nüchternen Auftritt mit Absicht so gestaltet haben, um den Anschein einer Simulation zu wahren; was das Game trotz allem nicht ist. Auf jeden Fall hätte es für Stimmung und Motivation unheimlich gut getan, ein paar Filmchen einzubauen, welche die Missionen untereinander verbinden, Hintergründe und Kriegswirren erklären. Oft hat man nämlich keine Ahnung, wieso man dies oder jenes tut – getreu dem Motto des guten Soldaten, „ist so, weil ist so“.

Ausrüstungsdefizite! Kaum Fahrzeuge, keine Waffenwahl, kein Charaktereditor. Schaut man sich da die Fülle an Möglichkeiten auf dem PC mit Armed Assualt 2 an, dann treibt es einen schon fast die Schamesröte ins Gesicht. Minimalismus ist manchmal gut, aber hier fehl am Platz.

Denken ist auch nicht deine Stärke. Zugegeben, meistens arbeitet die KI relativ zuverlässig. Um so schlimmer sind dann bisweilen heftige Aussetzer, welche die komplette, mühsam aufgebaute Immersion wieder zerstören. Beispiel: Ich muss eine Raketenstellung mit Sprengstoff zerstören. C4 gelegt, Jungs zum Folgen aufgefordert. Nach 40 Metern schaue ich zurück, drücke den Auslöser und sehe im selben Moment, dass einer der Idioten neben den Raketen stehen geblieben ist…

Schwacher Mehrspielermodus. Eigentlich sind wir ja heute schon sehr verwöhnt, dass wir zusätzlich zu einer mehrstündigen Einzelspieler-Kampagne mit mehreren Schwierigkeitsgraden auch immer einen gut ausgebauten Mehrspielermodus reklamieren dürfen. Aber der Standard ist nun mal da und Operation Flashpoint erfüllt auch hier die Anforderungen nur minimalst. Immerhin ist Lag-freies spielen möglich, aber bei nur vier Karten und maximal 8 Spielern kommt wenig Vorfreude auf. Wer mit der Kampagne durch ist, sollte sich trotzdem daran versuchen; mit etwas Glück ergeben sich spannende Partien, auch ohne die 32 Spieler der PC-Version ^^.

Grafische Macken in Sicht. Auf der Xbox 360 erfährt man mit diesem Game leider einiges an Tearing. Schon erwähnt wurden die matschigen Texturen; ein Glück, dass meistens alles grün-braun eingefärbt ist, dann fallen die Pixel weniger auf. Toll gemacht hingegen die Landschaften und Animationen.

 

Simons Meinung:
Nach der ersten Stunde mit Operation Flashpoint: Dragon Rising war ich enttäuscht. Irgendwie hat mich das Game, trotz all seiner Fehler, später dann doch wieder an die Konsole gefesselt. Die Missionen sind zum Teil einfach packend inszeniert. Man muss diese Art von Games allerdings mögen, ansonsten ist das Frust-Potenzial hoch und auch der Mehrspielermodus sowie da Drumherum entschädigen nicht. Sollte Codemasters die Serie fortführen, so haben sie einiges zu verbessern. Die Basis stimmt aber – und das ist die Hauptsache.

 

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