Nov 042009
 

Die Panzer General-Serie weilt schon über eine Dekade unter uns. Bereits im Jahr 1994 erschien der erste Teil für MS-DOS PCs, sogar ein offizieller Ableger für den Nintendo DS ist erhältlich. Allen Titeln gemeinsam ist die rundenbasierte Strategie, die in der neusten Inkarnation allerdings gehörig von der bisherigen Formel abweicht.

Allied Assault spielt sich nämlich nicht nur wie ein Brettspiel, im Januar erscheint sogar eins mit gleichem Namen, auf dem der XBLA-Titel basiert, mit nur leicht modifizierten Regeln. Das dieses Konzept funktionieren kann, haben vorher schon viele andere Umsetzungen wie Siedler von Catan, Carcassonne oder Zug um Zug vorgemacht. Panzer General Allied Assault ist allerdings ein Spiel für ganz kleine Runden, denn an einer Konsole darf nur alleine und online nur zu zweit um die Vorherrschaft auf den 6×5 Felder zählenden Spielbrettern gerungen werden. Die hexagonalen Felder weichen dieses Mal rechteckigen.

Unser Fazit: Die Mischung aus Elementen eines Sammelkartenspiels wie Magic the Gathering (ohne den Aspekt des Sammelns) und rundenbasierter Strategie, offenbart erst nach einer langatmigen und für viele langweiligen Eingewöhnungsphase ihr wahres Gesicht. Wenn man sich aber erst mal an das extrem langsame Tempo und die zu Beginn erschlagende Vielfalt an Dingen die es zu beachten gilt gewöhnt hat, will man gar nicht mehr aufhören neue Karten freizuschalten. Auf lange Sicht sind die nur zwei und zudem noch relativ ähnlichen Fraktionen allerdings zu wenig, hier könnte vielleicht mit DLC Abhilfe geschafft werden. Wer sich für beide Genres interessiert, muss einen Blick riskieren und sollte sich nicht von dem anfänglich staubtrocken wirkenden Gameplay abschrecken lassen.

8/10

Wir bedanken uns bei Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsmusters.

Paner General Allied Assault (Xbox 360)
Entwickler: Petroglyph Games, Inc.
Publisher: Ubisoft

Das Herzstück von Panzer General Allied Assault sind die zwölf Missionen der Kampagne, die in zwei Schwierigkeitsgraden zur Verfügung stehen und echten Schlachten nachempfunden wurden. Jede Mission hat mindestens eine und bis zu vier Siegkonditionen (z.B. alle Feinde eliminieren, vier wichtige Territorien kontrollieren usw.), von denen lediglich eine erfüllt werden muss. Zu Beginn der ersten Phase spielt man eine Reihe Einheiten auf die eigenen Grundlinie, die in die drei Kategorien Infantrie, Artillerie und Panzer unterteilt sind. Die erste Besonderheit ist die, dass Ferngeschütze nicht direkt angreifen können, sondern lediglich Unterstürzung bei anderen Gefechten leisten. Wie bei Spielen dieser Art üblich, hat das Terrain einen großen Einfluss auf jedes Scharmützel, ebenso lassen sich alle Einheiten eingraben, was ihnen bei einer gegnerischen Attacke einen Erstschlag verschafft.

Die Aktionen in jeder Runde werden nur durch das vorhandenen Prestige eingeschränkt, das Ausspielen jeder Karte kostet eine gewisse Summe. Verdienen lässt sich Prestige durch kontrollierte Territorien, spezielle Karten und Siege. Die Karten sind nochmals unterteilt in Einheiten, Aktionen und Kampf, die jeweils nur in unterschiedlichen Phasen gespielt werden können. Vor jeder Schlacht darf man sich optional das eigene Set aus den bereits freigeschalteten Karten zusammenstellen. Das Ziehen der Einheiten ist kostenlos, allerdings meist beschränkt auf ein einzelnes Feld, angreifen und ziehen dürfen sogar nur Panzer.

Optischer Minimalismus für die einen, perfekte Übersicht für die anderen.
Optischer Minimalismus für die einen, perfekte Übersicht für die anderen.

Kommt es zu einer Auseinandersetzung, wird es richtig kompliziert, glücklicherweise sind die möglichen Aktionen immer hervorgehoben. Zunächst werden die Stärken der beiden involvierten Parteien miteinander verglichen, wie auch alle Effekte der Territorien, der angrenzenden Einheiten die eingreifen können und der Artillerie. Ist diese Berechnung abgeschlossen, erscheint am oberen Bildschirmrand der aktuelle Ausgang, der sich nun noch durch die Karten auf der Hand beeinflusst lässt. Beide Parteien spielen die Kampfkarten, deren Effekte sofort verrechnet werden, solang bis beide passen. In der nächsten Aktion ist es möglich, eine beliebige Karte für ihren Kampfwert zu opfern, was dem Ausgang nochmals eine enorme Wendung geben kann. Als letztes folgt ein Würfel, der allerdings nur mehr einen sehr geringen Einfluß auf den Kampf hat (und in der Brettspielvariante komplett fehlen soll).

Die im Spiel enthaltenen über 60 verschieden Karten pro Fraktion lassen sich erst nach und nach durch verschiedene Aktionen (Siege, Erfolge etc.) freischalten. Wer also online antreten möchte, sollte zuerst die Einzelspieler-Kampagne, zumindest partiell, erfolgreich absolvieren. Auch um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Karten dem eigenen Spiel entgegenkommen und welche nicht so wichtig sind. Die Größe des Decks ist nach oben hin mit 40 Karten fest begrenzt.

Was wir mochten:

Frische Kombi – Die beiden Genres Sammelkartenspiel und rundenbasierte Strategie gab es in dieser Form zusammen verquickt vorher noch nicht, schon gar nicht als Videospiel. Umso überraschender ist es, wie gut die Kombination im Endeffekt funktioniert. Das langsame Tempo ist für viele sicherlich ein Problem, aber der taktische Tiefgang macht diesen Mangel locker wieder wett.

Ich bau mir ein Deck aus Schweinskopfsülze – Im XBLA-Magic the Gathering noch schmerzlich vermisst, darf hier das komplette Deck von Grund auf selbst gebastelt werden. Insgesamt sechs verschiedene lassen sich speichern. Sechzig unterschiedliche Karten, die in schwankenden Stückzahlen zur Verfügung stehen, erlauben ein ordentliches Maß an Variationen.

Nichts dem Zufall überlassen – Viele der besten Brettspiele kommen komplett ohne Würfel aus, dieser Trend setzt sich schon lange fort. So ist das Zufallselement im Vergleich zu anderen rundenbasierten Titeln in Allied Assault auf ein Minimum reduziert. Wer will, kann sich umfangreiche Statistiken in den Kämpfen anzeigen lassen, die keinen Zweifel daran lassen, wie die aktuellen Werte zustande kommen.

Das Deckbauen geht erfreulich einfach von der Hand.
Das Deckbauen geht erfreulich einfach von der Hand.

 

Nicht gefallen hat uns:

Langatmige Züge – Wer nicht gegen jemanden aus seiner Freundesliste spielt, muss sich ganz auf die Geduld des Mitspielers verlassen (Stichwort: Frühes Aussteigen). Je nach der Anzahl der Karten, der Einheiten im Spiel und dem vorhandenen Prestige, kann ein einzelner Zug schon mal eine gefühlte Ewigkeit dauern, erst recht, wenn man ihn nicht selbst ausführt. Doch dieser Kritikpunkt ist gänzlich dem Brettspiel-Ansatz zu schulden und wiegt unterschiedlich schwer, je nachdem wie gestählt die beiden Teilnehmer im Umgang mit „richtigen“ Brettspielen sind.

Maue Kampagne – Statt nur vierzehn (inklusive Bonus-) Missionen in zwei Schwierigkeitsgraden anzubieten, wäre mehr Abwechslung sicher schön gewesen.

Augenkrebs Ahoi – Die Kartentexte sind doch arg klein geraten. Auf einem Röhrenmonitor wird man sicher erhebliche Probleme mit dem lesen bekommen, denn schon auf einem ordentlich großen LCD muss man sich (je nach Entfernung) manchmal nach vorne beugen, um alles korrekt sehen zu können. Menschen mit Adleraugen oder Fernglas-dicken Brillengläsern, dürfen diesen Punkt ignorieren.

Jörgs Meinung: Ich möchte mich an dieser Stelle bei dem XBLA-Team dafür bedanken, dass auch solche Spiele wie Panzer General Allied Assault mit sehr geringem Massenpotential für den Dienst erscheinen. Endlich kann ich, wenn mir das Fantasy-Thema von Magic the Gathering kurzzeitig langweilig wird, mich in einen ähnlichen Titel flüchten, der neben den Karten zusätzlich ein richtiges Spielbrett und Einheiten zu bieten hat. Allied Assault gefällt mir sogar so gut, dass ich mir auch das Brettspiel zulegen werden. Hoffentlich sind Erweiterungen bereits in Arbeit.
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