Simon Lutstorf

Es gibt keinen Konsolenkrieg


Es können auch alle gewinnen.
Es können auch alle gewinnen.

Nicht erst seit dem Eintritt von Microsoft ins Konsolenbusiness zelebrieren Gamer immer wieder den “Konsolenkrieg”. Während sich in Foren Fanboys die technischen Details mit all ihren Interpretationsmöglichkeiten gegenseitig an den Kopf werfen, argumentieren auf Blogs und Gameportalen viele Autoren gerne mit Verkaufszahlen. Als erfolgreichste Konsole gilt jene, die am meisten Einheiten verkauft und damit den “Krieg” gewinnt. Typischer Ausdruck von Schwarz-Weiss oder Gut-Böse-Denken. Natürlich hat jeder Spieler, auch abhängig von den Konsolen in seinem Wohnzimmer, eine eigene und subjektive Sichtweise auf die Sache und als “Gewinner” geht jenes Gerät hervor, dass einen aus irgendwelchen Gründen ans Herz gewachsen ist. Was man nicht kennt, kann man schliesslich auch nicht einschätzen und Fremdes ist uns Menschen ja sowieso nicht geheuer. Mit den Verkaufszahlen der Konsolen hat diese Hitparade der eigenen Lieblings-Hardware allerdings relativ wenig zu tun. Angenommen, Sony geniesst dank der PS3 Slim und den kommenden Exklusiv-Titeln längerfristig Aufwind und überholt Microsofts Xbox 360 in Sachen weltweiter Verkaufszahlen – gibt Microsoft dann auf und zieht sich aus dem Konsolenbusiness zurück? Hat Sony dann gewonnen, aber eigentlich auch nicht, weil Nintendo ja sowieso schon am weit voraus ist (aber die Wii zählt ja nur halb)?


Natürlich nicht. Das reine Betrachten der abgesetzten Einheiten einer Konsole sagt sehr wenig darüber aus, ob ein Gerät auch wirklich erfolgreich ist. Nebst den Verkaufszahlen beeinflussen noch verschiedene andere, gleichfalls wichtige Faktoren den kommerziellen Erfolg einer Konsole. Natürlich sagt die Anzahl verkaufter Einheiten etwas über den Erfolg aus; dass die Wii (laut VG Chartz) mehr als doppelt so viele Einheiten abgesetzt hat als die PS3, ist ein deutliches Anzeichen für die (noch?) schwächelnde Leistung der Konsole aus dem Hause Sony. Und jede abgesetzte Konsole ist die Basis für weitere Einnahmen durch Spiele. Zudem kann man eher damit rechnen, dass die Käufer rein aus Gewohnheit auch bei der kommenden Konsolengeneration wieder zu dieser Marke greifen. Trotzdem: Verkaufszahlen dürfen nicht als einziges Merkmal herangezogen werden. Folgende Faktoren sind ebenfalls entscheidend:

Kosten und Gewinn bzw. Verlust pro Konsole

Gewinnt Sony gegen Microsoft? Verliert Microsoft dann?
Gewinnt Sony gegen Microsoft? Verliert Microsoft dann?
Das Konsolengeschäft ist etwas kompliziert. Eigentlich müssten die Geräte auf dem Markt deutlich teurer sein, damit die Hersteller damit Gewinn machen. Sony und Microsoft machen mit der PS3 und der Xbox 360 also Verluste. Reingeholt werden diese Ausgaben wieder über die Lizenzgebühren der Spiele.
Wie erfolgreich eine Konsole ist, hängt auch davon ab, wie viel Verlust der Hersteller einfährt. Microsoft hat zwar im Moment die Nase in Sachen verkaufter Einheiten vorne, könnte aber theoretisch damit einen höheren Verlust eingefahren haben als Sony (praktisch dürfte aufgrund der hohen Produktionskosten für Blu-ray-Laufwerk und Cell-Architektur tatsächlich Sony am kürzeren Hebel sein). Eine Ausnahme bildet in der gegenwärtigen Generation übrigens Nintendo. Man nimmt an, dass die Kosten für eine Wii mittlerweile knapp 90$ betragen. Nintendo macht also untypischerweise auch mit dem Verkauf der Geräte Gewinn. Zudem musste Nintendo als einziges Unternehmen den Verkaufspreis der Wii über lange Zeit nicht senken, ohne sinkende Verkaufszahlen fürchten zu müssen.

Nachfolgende Spieleverkäufe
Wie oben erwähnt schieben die Einnahmen aus den Spieleverkäufen die zuvor roten Zahlen der Konsolenhersteller zurück über die Null-Linie in den Gewinnbereich. Entscheidend ist deshalb auch die Frage, welche Spieler sich später wieviele Games kaufen. Beispiel: Nintendo macht zwar mit der Wii Gewinn und verkauft doppelt so viele Konsolen wie Sony mit der PS3. Aber wenn jeder Wii-Spieler im Durchschnitt nur drei (erst noch billigere) Wii-Spiele kauft, jeder PS3-Besitzer aber 9 teure PS3-Games, geht es Sony unter Umständen gar nicht so schlecht dabei. Zumal im konkreten Beispiel die Playstation 3 als Multimedia-Talent auf längerfristigen Einsatz ausgelegt ist und wohl auch abseits von spielerischen Tätigkeiten mehr zum Einsatz kommt, als die Wii.

Nintendo ist am erfolgreichsten, gleichzeitig aber auch am gefährdetsten

Preiswert in der Herstellung: Nintendo macht auch mit der Konsole selbst Gewinn.
Preiswert in der Herstellung: Nintendo macht auch mit der Konsole selbst Gewinn.
Keine Frage: Nintendo hat mit ihrer mutigen Entscheidung, eine preiswerte Konsole ohne HD-Luxus und mit Bewegungssteuerung zu veröffentlichen, den Casual-Markt so richtig zum Erblühen gebracht. Und befindet sich seither in einer finanziell sehr gesunden Phase. Der Schritt ist um so mutiger, als dass Nintendo von den drei konkurrierenden Unternehmen bei einem Misserfolg am meisten zu verlieren gehabt hätte – und es auch in Zukunft hat. Sowohl Microsoft als auch Sony sind breit abgestützt. Sie verkaufen nebst den Konsolen noch zahlreiche andere Produkte und können so Verluste auch über längere Zeit ausgleichen. Das macht es für den japanischen Konzern schwierig, längerfristig zu planen. Eine 10-Jahres-Strategie, wie sie Sony angeblich mit der Playstation 3 verfolgt, wäre für Nintendo ein viel zu grosses Risiko. Entsprechend anders wird geplant: Eine preiswerte Konsole wie die Wii, die viele Einheiten absetzt und keine Verluste verursacht, ist für Nintendo sinnvoller, als ein teures Multimediagerät, dass sich womöglich erst nach Jahren rentiert.

Es hat Platz für alle

Die Xbox war ein finanzielles Desaster. Die 360 schlägt sich wacker.
Die Xbox war ein finanzielles Desaster. Die 360 schlägt sich wacker.
Für einen Weltmarkt, der mittlerweile Milliarden umsetzt, sind drei konkurrierende Unternehmen eigentlich wenig. Die Produkte stehen zwar in starker Konkurrenz zueinander, da die meisten Spieler wohl nur eine oder eventuell zwei Konsolen kaufen. Solange sich die Geräte in ihren Eigenschaften aber genügend stark unterscheiden, finden alle ihre Nische – und können in der Nische, womöglich gut leben, auch wenn der eine deutlich mehr verkauft, als sein Kontrahent. Beispiel Nintendo: Der Gamecube war mit etwas über 20 Millionen verkauften Einheiten sicherlich kein Riesenerfolg. Aber Nintendo hat trotz der fehlenden, eindeutigen Nische und trotz der dominierenden PS2-Konkurrenz und trotz unterdurchschnittlichen Verkäufe einen Gewinn erwirtschaftet. Microsoft verkaufte sogar etwas mehr Xbox-Geräte, fuhr aber einen Verlust von 4 Milliarden ein (was allerdings auch daran lag, dass es Microsofts erste Konsole war, sprich, hohe Marketingkosten usw.).

Die Spiele entscheiden
Den Erfolg einer Konsole an den Verkaufszahlen zu messen, ist nicht vollkommen verkehrt. Und natürlich stehen die Konsolenhersteller in Konkurrenz zueinander; besonders Microsoft und Sony. Aber sich ständig auf einen “Krieg der Konsolen” zu berufen und als einziges Argument Verkaufszahlen ins Feld zu führen, ist Unsinn. Diese Sichtweise vernachlässigt die Kalkulation der Hersteller, sie nimmt keine Rücksicht auf das Lizenzmodell, die Grösse der Unternehmen, kurz: Die wirtschaftlichen Faktoren, die nebst den Verkaufszahlen darüber entscheiden, ob eine Konsole am Markt erfolgreich ist. Und sogar wenn sie ein finanzielles Desaster ist, legt sie vielleicht den Grundstein für einen guten Nachfolger – siehe Xbox und Xbox 360.

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  4. Kaz Hirai sagt: Nintendo ist keine Konkurrenz und die 360 schlagen wir auch noch…
  5. Lauf uns nicht davon, Nintendo!

5 Kommentare zu “Es gibt keinen Konsolenkrieg”

  1. Chris sagt:

    Ich meine, im Moment ist die XBOX360 die beste und erfolgreichte Konsole. Fast alle großen Spielserien sind auf ihr zu haben. Güntiger Preis und fette Multimediausstattung. Wenn Natal hält was verspricht hält Microsoft auch bei den Casualgamern einzug.

  2. Horst sagt:

    Schöner Artikel.
    Genau das erwarte ich, wenn man sich versucht von anderen Gamingblogs abzuheben.

  3. fuddles sagt:

    Ich hatte zuerst die XBOX 360, wurde mir aber schnell langweilig, da ich auch nicht viele Spiele Titel kaufte und ich sonst nix mit dem Ding machen konnte, XBOX Live uninterssant ( für mich ;) ). Verkaufte ich nach einem Monat ( mit Gewinn, was das Beste daran war^^ )
    Danach folgte die Wii. Welche sich wegen des erheblich höheren Spielspaß ganze 3 Monate bei mir hielt. Leider ist auch mit dieser Konsole der Spielspaß nicht unbegrenzt, von den anderen Möglichkeiten mal ganz abgesehen ( gibt ja quasi keine, zb. Discabspieler, Recorder … )
    Nun steht die PS3 bei mir und wird auch eine Weile stehen bleiben. Der Gamefaktor ist ganz nett bei ihr, aber die Zusatzfunktionen machen das Rennen. Blu-Ray Player ( endlich kann ich meinen HD Fernseher wirklich nutzen ), Internetstreaming (schön kostenlos Filmchen gucken ), PS3 Videostore ( Weg zur Videothek gespart ), Mediastreaming ( Musik, Bilder, Video ) über meinen PC… alles kleine Leckerchen wofür eine Konsole endlich einen festen Platz bei mir verdient hat. Mit Fernbedienung und Zusatztasta im WiFi-Format auch sehr komfortabel.

    greetz fuddles

  4. Inc sagt:

    @fuddles
    Fast alle Vorteile die du bei der PS3 genannt hats, hast du auch bei der Xbox. Mit Ausnahme eines Blu Ray Players den du aber heutzutage auch schon sehr günstig bekommst…

  5. Nathaniel sagt:

    beide konsolen sind gut
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    nur das pad der 360 ist der letzte scheiss =)

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