Nov 212009
 
Gutes Spiel, schlechte Verkaufszahlen - Schicksal der Wii
Gutes Spiel, schlechte Verkaufszahlen - Schicksal der Wii
Wir haben auf gamgea.com schon öfter die tiefen Verkaufszahlen von vermeintlichen Hits für die Wii diskutiert. Während einige dieser Spiele sicher an den vollmundigen Versprechen und der danach eher mittelmässigen Qualität scheiterten, gibt es auch genügend Fälle, wo man keine andere Erklärung findet als: Wii Spiele jenseits des Minigame-Sektors für die Familie haben auf dem Markt keinen Erfolg. Oder zumindest zuwenig, um die Entwicklung von weiteren Spielen zu rechtfertigen, die sich an Erwachsene und erfahrene Gamer richten. Natürlich gibt es Ausnahmen wie etwa den Railshooter House of the Dead; insgesamt lassen die Verkaufszahlen solcher Spiele aber meistens nur den Schluss zu, dass anspruchsvolle Spieler für ihre Wii in Zukunft kaum mehr anständige Kost finden werden. Das zeigen auch die finanziellen Turbulenzen von Marvelous Entertainment, das bisher eine der wenigen Bastionen für gute Wii-Games war. Mit Titeln wie No More Heroes, Little King’s Story oder Muramasa – The Demon Blade hat der Publisher gezeigt, dass man auf der Wii wirklich abwechslungsreiche und innovative Spiele entwickeln kann. Traurigerweise ist es jetzt aber auch Marvelous Entertainment, dass beweist, dass man mit der Entwicklung und Veröffentlichung solcher Spiele ein hohes Risiko eingeht. Der aktuellste Bericht des Unternehmens offenbart Verluste bei drei von vier Wii-Games im ersten Halbjahr 2009 – eine miese Bilanz. Im Gegensatz dazu schrieben vier von fünf PSP-Spielen schwarze Zahlen, was aber nicht ausreichte, um den Gesamtverlust auszugleichen.

Man darf nicht ausser acht lassen, dass wir uns immer noch in einer Krise befinden. Die Spiele-Verkäufe sind weltweit gesunken. Insofern bleibt ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass sich Marvelous Entertainment erholt und es auch in Zukunft Studios gibt, die Wii-Games entwicklen, welche das Prädikat „Game“ verdient haben. Aber ich glaube die Realität ist düster: Sogar wenn es gute Wii-Games geben sollte, werden Publisher davon zurückschrecken, diese auch zu veröffentlichen. Das Risiko ist zu gross, trotz guter Kritiken einen Verlust einzufahren. Und auch wenn man sich das wünschen würde, entscheidet nicht (nur) die Qualität eines Games, ob sich ein Publisher findet, sondern die Aussicht auf gute Verkaufszahlen. Und die liegen bei solchen Wii-Spielen leider regelmässig zu tief. Das ist schade, denn innovative Projekte haben damit nur wenig Chancen, jemals spielerisch unsere Herzen zu erobern – nur weil sie auf Nintendos Wii erscheinen. Dabei sollte es doch, schon nur aufgrund der Steuerung, eigentlich umgekehrt sein. Wieviele geniale Anwendungen der Motion Controlls haben wir alleine in Super Mario Galaxy gesehen? Oder in Zack & Wiki: Quest for Barbaros‘ Treasure? Es bleibt die Hoffnung, dass uns Nintendo selbst regelmässig mit Nachschub auf dem Niveau der genannten Perlen versorgt, denn dank Gallionsfiguren wie Mario & Co. schaffen Nintendo-Games als lobenswerte Ausnahmen regelmässig das, woran andere genau so regelmässig scheitern: Passionierte Gamer, Familien, Frauen und Männer gleichermassen zu begeistern.