Dez 102009
 
Wer stört?
Wer stört?
Mit Silent Hill: Homecoming offenbarte die traditionsbewusste Survival Horror-Reihe einige besorgniserregende Abnutzungserscheinungen, die auf einen ernstzunehmenden Krankheitszustand hindeuteten. Ein statisches Korsett, das der Evolution quasi wenig Bewegungsfreiheit zugestand und eine ungesunde Gesichtsfarbe hinterließ. Doch nun scheint sich gerade auf der Wii eine Besserung einzustellen: Silent Hill: Shattered Memories ist seit dieser Woche in den USA erhältlich – wir müssen uns noch bis Anfang des nächsten Jahres gedulden – und bekommt von der internationalen Presse gute bis sehr gute Wertungen zugesprochen. Gerade auf der oft verschmähten Konsole von Nintendo scheint sich ein Serien-Gigant mit Hilfe von innovativen Neuerungsschüben selbst wieder aufzupäppeln und ins Fahrwasser der Erfolgstrunkenheit zurückzukehren.

Die Wii erzwingt eine andere Herangehensweise und verlangt von den Entwicklern kreative Einsprengsel, die im Falle von Shattered Memories eine erfolgsversprechende Summe ergeben. Speziell Silent Hill schlug im Gegensatz zum eher plumpen, oberflächlichen Resident Evil eine pschologische Tonlage an und perfektioniert diese über die Jahre hinweg ausgebaute Erfolgsgeschichte auf der Wii: Als Harry Mason müssen wir uns mit einem analytisch vorgehenden Psychologen auseinandersetzen, der unsere Persönlichkeit durchzuleuchten versucht und uns mit intimen Fragen aus der Ruhe bringt, deren Antworten das Spielgeschehen bis in die mikrostrukturelle Tiefenebene beeinflussen. Shattered Memories zwingt uns also auf die persönlichkeitsanalysierende Klempner-Couch und bittet uns zum Rapport. Der Spieler interagiert nicht nur mittels seiner Physis, sondern auch mit seiner Psyche mit der virtuellen Dystopie namens Silent Hill.

Die Einbindung der Wiimote scheint ebenso fruchtbringend integriert worden zu sein, und auch die Rätsel erweisen sich als Abwechslung spendende Erfrischung. Während die Silent Hill-Interpretationen auf den „großen“ Konsolen noch die Action-Anteile forcierten, geht die Wii-Reinterpration (in Potenz) des ersten Teils einen pazifistischeren, waffenunkundigen Weg und kommt ohne die Nutzung von Kampf-Sequenzen aus, was dazu führt, dass der Überlebenskampf in purer Form zelebriert wird: Surival Horror in Reinform. Ist das der nötige Impuls, der Silent Hill zu neuem Leben erwecken kann? Die Wii als verkappter Retter von hoffnungslos antiquierten Genre-Dinosauriern, die nur deswegen überleben können, weil sie sich anpassen „müssen“? Erst die nicht für möglich gehaltene Renaissance der auf Schienen betriebenen Shooter mit Dead Space: Extraction und Umbrella Chronicles, dann die geglückte Reanimierung des altgedienten Survival Horror-Konzepts. Ob ihr dem zustimmen möchtet, sei euch überlassen. Zur kleinen Einstimmung, und zur indirekten Meinungsbildung das Review von GameTrailers.com:

PS: Das Spiel erscheint parallel auch für die PSP und PS2. Zeigt sich nicht dann umso mehr in der direkten Gegenüberstellung die Superiorität der Wii-Inkarnation? Es dürfte spannend sein, wie die konventionelleren Plattformen das durch die Wii aufgeputschte Gameplay ohne Verluste transponieren können.