Klaus

And the Oscar goes to…2009 im Rückblick (1/3)

von Klaus am 29. Dezember 2009 · 3 Kommentare

Wir haben gewählt...
Wir haben gewählt...
Wir sind der obligatorischen “Spiel des Jahres”-Listen überdrüssig, die sich allen Ernstes dazu aufraffen, die Qualität einer Unzahl von (mehr oder weniger) einzigartigen Produkten mit Hilfe einer numerierten Liste zu quantifizieren. Außerdem entheben wir uns dieser veralteten, beliebten Tradition und küren stattdessen “Gewinner” aus betont persönlich selektierten Kategorien unserer Autoren, die mal mehr, mal weniger ernst zu nehmen sind. Nicht jeder Preisträger wird sich dabei in jedem Feld über die Prämierung freuen dürfen (das Negativ-Äquivalent ist die Goldene Himbeere). Wir bemühen uns keinesfalls um eine falsch verstandene Objektivität, sondern suhlen uns im Schlamm subjektiver Dominanz. Was hat uns im Jahr 2009 aufgeregt? Was beglückt? Wer und was hat uns genervt? Welche Überraschung hielt das dem Ende sich zuneigende Jahr bereit? Wir picken in einem großen Gemeinschaftsartikel der Autorenschaft unsere persönlichen Favoriten heraus und küren in ausgesuchten Kategorien unsere Gewinner. Natürlich seid ihr ebenfalls dazu aufgerufen, euch in den Kommentaren verbalkräftig zu beteiligen. Weil wir intern recht viel zusammentragen konnten, teilen wir die Prämierung in drei Teile auf: Jetzt gibt’s den ersten Teil, morgen den zweiten und pünktlich zum 31.12. den letzten. Ihr seht: Unsere Gamgea-Preisverleihung ist so kolossal, dass wir selbst an einem Abend nicht mit unseren Preis-Vergaben fertig werden. Da kann selbst die Oscar-Verleihung in diesen epischen Ausmaßen nicht mithalten.

Bester Monat zum Spielen: Januar 2009
Bei Temperaturen bis minus 31 Grad in Sohland/Spree (Sachsen) hat es größtenteils wenig Spaß gemacht vor die Türe zu gehen. Außer zum gelegentlichen Glühweintrinken. Ansonsten war das die beste Zeit um es sich im warmen Wohnzimmer gemütlich zu machen, ein heißes Getränk bereitzustellen und den Raum zusätzlich mit den Trafos von Verstärker, Spielekonsole und TV aufzuheizen und dabei stundenlang zu spielen. Insbesondere wo es sowieso ¾ des Tages dunkel war. – Thorben

Ekeligstes Monster 2009: Irving aus Resident Evil 5
Irving mutierte schon nach wenigen Leveln zu einem gigantischen Seemonster. Daraufhin entbrannte ein minutenlanger Kampf auf hoher See, zwischen peitschenden Wellen und heiß laufenden Maschinengewehr-Rohren. Mitten in einem riesigen Wulst aus Tentakeln und seltsamen Auswüchsen hängen die Reste von Irving und wollen erlegt werden. Der Kampf hat mir wirklich einiges abverlangt, ich war danach schweißgebadet. Ekelig. – Thorben

Aufwärmer des Jahres: Wii Fit Plus
Neben dem Casual-Trend zeichnete sich 2009 im verstärkten Maße ein nicht ganz neuer Trend ab: Das Fortführen, Erweitern oder Weiterbeleben altbekannter oder auch unbekannter Spiele-Serien. Doch kann man diesem dank 2009 und Nintendo noch zwei Begriffe hinzufügen: Aufwärmen und Wiederverwursten. Zunächst sah es ja so aus, als würde Nintendo seine beliebtesten Serien in neuem Glanze erstrahlen lassen und diese fortführen, wie eigentliche jede Softwareschmiede. Doch Nintendo war das wohl nicht genug und mit New Play Control wurden alte Klassiker mit der Wiimote Steuerung versehen und nochmals auf den Markt geworfen. Aber damit nicht genug. Mit Wii Fit Plus erblickte ein “Titel” das Licht dieser Welt, der auf allen anderen Plattformen Downloadcontent gewesen wäre. Die Vermarktung möchte uns zwar was anderes ins Ohr flüstern, dennoch wurde lediglich um das bekannte Wii Fit herum etwas Neues gestrickt, dass nun die alten Funktionen mit den neuen Spielchen etwas sortierter wirken lässt. Sozusagen das Plus. Böse Zungen behaupten, dass nun aus der Betaversion (Wii Fit) ein Release Candidate (Wii Fit Plus) geworden ist und uns nächstes Jahr vielleicht dann ein Wii Fit Plus Platinum oder etwas in der Art erwarten könnte. Wie gut, dass wir uns bis dahin die Zeit mit Wii Music Plus vertreiben können. – David

Das Nervigste des Jahres: Gameapps auf Social Network Seiten.
Ja, wer kennt es nicht. Man will auf Facebook, myspace oder irgendeinem VZ nur mal gucken, was die Leute, die man eh den ganzen Tag um sich hatte, zu Mittag hatten und muss sich durch tausende Einladungen zu irgendwelchen Apps wühlen, um die eigentlichen Funktionen der Social Networks wieder auszugraben. Mafia Wars und Brain Buddies laden ein, sich in altbekannten Spielen, die nun in Flashgrafik präsentiert werden, inhaltlich aber kaum etwas Neues bieten, gegeneinander zu behaupten, wer nun der bessere Don ist oder wessen Hirnmasse der Freunde tatsächlich zu unterdurchschnittlich ist, wie man es schon immer vermutet hat. Wie gut, dass wir nur mit unseren persönlichen Daten bezahlen. Oder? Ach ja, da war ja noch was bei den Machern von Mafia Wars, die wohl ihre eigene Firmenstruktur als Flashspielchen umgesetzt haben. Da lob ich mir dann doch die Originale. – David

Provokateur des Jahres: Aaron Greenberg (Microsoft)
Das verbale Geplänkel zwischen Sony und Microsoft verdient eigentlich keinerlei Beachtung: Ressentiments und Eitelkeiten gehören vielleicht gerade noch eben so in einen privat ausgetragenen Disput, aber öffentlich sollte man wenigstens ein Quäntchen Respekt walten lassen. Es ist wahrscheinlich nicht fair, jemanden bei dieser rhetorischen Schlammschlacht unterster Schublade an exponierter Stelle herauszugreifen. Ich tue es trotzdem und versuche mich an Aaron Greenberg, der sich mit einigen vernachlässigenswerten Äußerungen hervorgetan hat. In einem Anfall von Größenwahn mutete er Halo Reach die Führungsrolle im nächsten Jahr zu: “I feel confident that there’s nothing that will compare in size.” Vielleicht der Mut zur Verzweiflung, wenn man angesichts der Sony-Exklusiv-Kanonade schon auf das alte, ausgediente Flaggschiff namens Halo zurückgreifen muss, das nun wirklich nur noch deswegen existiert, um Kapital im Überfluss zu generieren. Im selben Atemzug äußerte er sich abschätzig gegenüber Gran Turismo 5. Sicherlich nur eine herausgepickte Rosine, aber solche Äußerungen stehen stellvertretend für die offen zur Schau getragene Respektlosigkeit untereinander. Der Konsolenkampf ist hässlich, abgeschmackt. Wie jede martialisch ausschweifende Auseinandersetzung, die auf Regionen abzielt, die unter der Gürtellinie zu lokalisieren sind. Nur im Jahr 2009 erreichte sie vielleicht den vorläufigen Klimax. – Klaus

Pixel-Kunst (Art Design) des Jahres: Muramasa: The Demon Blade
Auf der PS3 gab es Uncharted 2, das vielleicht das bis dato grafisch imposanteste Machwerk ist. Auch die 360 geht mit einer gewissen technischen Potenz nicht gerade sparsam um. Umso erstaunlicher ist, dass es gerade die Wii in dieser Kategorie das Siegertreppchen annektiert. Mit wunderschöner 2D-Grafik, die klassische japanische Kunstwerke zum bewegten Leben erweckt. Über die spielerische Substanz von Muramasa: The Demon Blade kann man sicherlich streiten, doch die visuelle Brillanz lässt wohl niemanden kalt. Vanillaware erweckt wie schon auf der PS2 mit Odin Sphere ein grafisches Kunstwerk zum Leben, das im ausgedünnten Videospiel-Sektor seinesgleichen sucht. Grafische Referenz auf der Wii. Unglaublich, aber letztlich doch wahr. Die Ausreizung von zweidimensionaler Kunst ist eben noch lange nicht antiquiert – und vor allem nicht am Ende. Gerade die Wii darf sich hier als Experimentierfeld gerieren, auf dem sich Entwickler losgelöst vom Drang & Zwang nach technischer Perfektion austoben können. Die Zeit auf der Wii tickt glücklicherweise anders und offeriert den um Kreativität bemühten Entwickler-Schmieden eine Plattform zum ausgiebigen Kreativwettbewerb. – Klaus

Sager des Jahres: “Wir nehmen den Spaß aus der Entwicklung von Videospielen.”
Das war die Kernaussage von Activision-Boss Robert Kotick. Viel mehr braucht man dazu gar nicht mehr schreiben; außerdem haben wir das in diesem Beitrag bereits getan. Was ich mich seitdem frage: Hat er sie noch alle? – Gerhard

WTF-Zubehör des Jahres: Vitality Sensor
Im Ernst jetzt, welche großen Spiele haben wir diesbezüglich von Nintendo schon zu erwarten? Wie es aussieht, kommt ein WiiRelax für die Wii Fit-Zielgruppe plus Senioren, aber ein “richtiges” Game? Da wird wohl vorerst eher mal nichts daraus. Und wenn Nintendo weitermacht wie bisher, dann wird mit dem einen Spiel für die neue Hardware vorerst mal genug sein. So war es auch bei Wii Speak und beim Zapper. Alles in allem und vor allem für “richtige Gamer” ist der Vitality Sensor mit Abstand mein WTF-Zubehör 2009. Wird schwer das 2010 zu toppen… – Gerhard

So das war der erste Teil unseres Rückblickes. In den nächsten Tagen folgen die weiteren “Oscar”-Verleihungen in mal mehr mal weniger relevanten Kategorien.

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