Kann die unvermeidliche Fortsetzung zu einem der meist gehypten Spiele der letzten Jahre halten, was die Rezensionen der großen Magazine und Webseiten versprechen? Wir verraten euch die ungeblümte Wahrheit.
Wurde für die Promotion des ersten Teils noch die kanadische Geek-Schönheit Jade Raymond eingespannt, lief beim zweiten Teil alles über virales Marketing mit mysteriösen Botschaften und Symbolen, sowie eine Reihe aufwendig produzierter Kurzfilme, die unter dem Titel “Lineage” die Vorgeschichte der Charaktere beleuchten. Auch das war genug, um die Verkaufszahlen in für Ubisoft bequeme Höhen schnellen zu lassen. Doch ohne Umschweife jetzt zu der Frage, die uns alle am meisten beschäftigt.
Unser Fazit: Ist der zweite Teil besser als das Original? Ja. Und nein. Auf der einen Seite gibt es augenscheinlich mehr zu tun, zu sammeln und freizuschalten, wirklich neu ist bis auf die an den persischen Prinzen angelehnten Katakomben aber nicht wirklich viel. Das Kraxeln an den Fassaden bereitet nach wie vor große Freude, allerdings waren die Gebäude im ersten Teil prunkvoller und den Weg nach oben zu finden war von größerer Abwechslung und Herausforderung geprägt. Das Kampfsystem fühlt sich nach wie vor nicht sonderlich ausgereift an und eine wirkliche Stealthkomponente, wie man sie bei einem Spiel dieser Art vermuten würde, ist leider nur rudimentär vorhanden. Was Assassin’s Creed II aber richtig gut macht ist, dass es eine wahnsinnig tolle Stimmung eines längst vergangenen Italiens vermittelt und ganz nebenbei als interaktive Geschichtsstunde glänzen kann. Es macht wie schon der Vorgänger mal mehr mal weniger Spaß, schafft es insgesamt aber nicht, sich deutlich genug davon abzuheben. Wer bereits am Original viel Freude hat, wird auch hier gut bedient, allerdings darf man keine wirkliche Evolution erwarten.
7/10 – Gut (Eine 7 steht für solide Spiele, die definitiv ihre Freunde finden werden. Lässt Wiederspielwert vermissen, ist zu kurz oder weist andere Mängel auf, die nicht ignoriert werden können. Die Erfahrung bereitet aber insgesamt Spaß.)
Wir bedanken uns bei Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsmusters.
Assassin’s Creed II (Xbox 360 [getestet], PS3, PC)
Entwickler: Ubisoft
Publisher: Ubisoft
Die Hintergrundgeschichte ist schnell erzählt: Ezio Auditore (da Firenze) ist ein Frauenheld und lebt ein unbeschwertes Leben in Florenz, bis er eines Tages zusehen muss, wie sein Vater und seine Brüder verraten und schließlich hingerichtet werden. Im Verlaufe des Spiels kommt er einer groß angelegten Verschwörung auf die Schliche und wird, wie einst Altaïr (ibn La-Ahad), ein Meuchelmörder der gegen die Templer einen Rachefeldzug startet. Natürlich beginnen die Ereignisse wieder in der Gegenwart (bzw. 2012) mit Desmond Miles, der nur durch eine Maschine mit dem Namen “Animus” dazu in der Lage ist, Ereignisse die in seiner DNA gespeichert sind, erneut zu durchleben.
Dieses Mal wird der Spieler in die Zeit der Renaissance zurückversetzt und darf sich wieder in drei großen Städten nach belieben austoben. Er hat die Wahl, ob er die Storymissionen verfolgt, etliche versteckte Federn und Schätze ausfindig macht, sein Arsenal aufstockt, zum Ausbau einer Villa beiträgt und somit alle zehn Minuten ein festes Einkommen erhält oder einige Nebenmissionen in Form von Auftragsmorden oder Wettrennen über die Dächer absolviert. Wenn sich der angehende Assassin in einem Ort zu auffällig verhält, steigt seine Bekanntheit unter den Wachen und er wird schneller bei seinen Streifzügen erkannt und attackiert.
Diesen Bekanntheitsgrad vermindert er, in dem er Poster mit seinem Antlitz abreist oder die Stadtschreier mit einer ordentlichen Summe dazu besticht, gutes über ihn zu erzählen. Er kann sich in einer beliebigen Menschenmenge tarnen und Kurtisanen, Söldner oder Diebe anheuern, um Ablenkungsmanöver in die Wege zu leiten. Nach einer kurzen Zeit trifft Ezio auf Leonardo da Vinci, der in Assassin’s Creed II qunasi die Rolle von Q übernimmt. Er versorgt uns nach und nach mit immer neuen und besseren technischen Spielereien. Direkt an ihn geknüpft sind auch zwei “Minispiele”, da wäre zum einen die Flucht mit einer Kutsche und zum anderen der Flug über Venedig mit Leonardos Flugmaschinen-Prototyp.
Das übrige System hat sich zum Vorgänger kaum gewandelt. Noch immer muss man Türme oder hohe Gebäude erklimmen, damit die umliegende Gegend mit der Erinnerung synchronisiert wird. Noch immer laufen Massenkeilereien nach dem selben Schema ab und nur einer der Angreifer wagt es sich mit Ezio gleichzeitig anzulegen. An der Steuerung wurde auch nichts geändert, jeder Knopf repräsentiert einen der vier Bereiche Kopf, linker und rechter Arm, sowie Beine. Veteranen werden sich sofort wohlfühlen, Neulinge sollten sich nach den kurzen Tutorials wunderbar zurechtfinden. Die Spieldauer beträgt an die zwanzig Stunden, je nachdem wie viele der optionalen Direktiven man erfüllen möchte entsprechend kürzer oder länger.
Was wir mochten:
Geniale Stimmung - Jedes Gebiet hat einen ganz eigenen Look und wirkt durch schön gestaltete Bauwerke und liebevolle Details, als wäre man mittendrin in der damaligen Zeit. Wer sich beispielsweise einfach nur auf einen der viel frequentierten Marktplätze in Venedig stellt, kann sich gänzlich in der Atmosphäre verlieren: Das Stimmengewirr der prachtvoll gekleideten Passanten, die detailreichen Gebäude, die dezente und beruhigende Musikuntermalung. Selten war ein Videogame derart schön in Momenten, in denen der Spieler überhaupt nicht aktiv ist.
Nach wie vor tolles Spielerlebnis - Eine große offene Welt, die man auf unterschiedliche Arten erleben kann, ist noch immer das stärkste Argument von Assassin’s Creed. Die Möglichkeit, sich jederzeit und nahezu überall auf die Dächer der umstehenden Gebäude zu begeben, macht süchtig und man möchte auch in anderen Spielen am liebsten gar nicht mehr darauf verzichten.
Aus den Fehlern gelernt, zumindest teilweise - Die immer gleiche Missionsstruktur aus dem Vorgänger wurde verbannt, stattdessen darf man nun erheblich mehr Attentate verüben. Dass die Spielmechanik einem hierfür wenig Raum für unterschiedliche Herangehensweisen offeriert, ist dagegen eine andere Geschichte. Als Ausgleich gibt es nun immerhin durch das Upgradesystem und die vielen Waffen, Rüstungen und Gegenstände erheblich sinnvolleres zu tun.
Nicht gefallen hat uns:
Ein Meuchelmörder der nicht meuchelt - Wie stellt man sich ein Attentat als gewöhnlicher Mensch idealerweise vor? Der Film Leon, der Profi hat dies glaube ich perfekt skizziert: Unentdeckt bleiben, einen Wächter nach dem anderen ausschalten, das eigentlich Ziel ausschalten und genau so unentdeckt und ohne Spuren wieder entkommen. Den Assassinen in Ubisofts Reihe ist diese Vorstellung jedoch völlig fremd. Statt sich bei so tollen Genrevertretern wie Thief, Arkham Asylum oder Metal Gear Solid zu bedienen und einen ordentlichen Modus für den wichtigsten Part des Spiels zu offerieren, endet nahezu jeder Mord im Schwertkampf gegen eine Übermacht oder man rennt schnurstracks auf das Opfer zu (weil sich sonst keine Möglichkeit bietet) und drückt wie wild auf X für “ermorden”. Ohne Frage die größte Enttäuschung im ganzen Spiel.
Er hätte jemand fragen sollen, der sich damit auskennt - Was das klettern an Fassaden angeht, haben die Assassine die Nase vorne. Wenn es aber in die Katakomben geht, wünscht man sich, Ezio hätte ein paar Nachhilfestunden bei Prince of Persia genommen. So gut die Steuerung insgesamt auch klappen mag, zu oft springt man ungewollt ins Leere. An vielen Stellen verweigert Ezio auch ohne jeden ersichtlichen Grund an einer Wand den Dienst, obwohl man all die richtigen Knöpfe drückt.
Schwer und unverständlich, mit einem Wort: Fail - Der Potpourri aus (teils) komplizierten Rätseleinlagen und pseudo-mysteriösem Gehabe wirkt irgendwie deplatziert und trägt wenig zum Verständnis bei. Etwa nach der Hälfte schaut man sich nur noch gelangweilt die Lösungen im Internet an, versteht trotzdem nichts und macht mit dem eigentlichen Spiel weiter.
Hässliche, hässliche Gesichter - Nanu, was ist denn da passiert? Während die Umgebungsgrafik eigentlich kaum gelitten hat, sehen die Gesichter sämtlicher Beteiligten grauenvoll aus. Allen voran Lucy Stillman, die zwar wieder (im Original) von der tollen Kristen Bell gesprochen wird, dieses Mal aber unfassbar breitmäulig und unsympathisch ausschaut.
Das nutzloseste neue Feature des Jahres 2009: UPlay - Wer hat sich denn diesen Mist ausgedacht? Für insgesamt vier Aktion im Spiel, für die man auch Achievements erhält, bekommt man Uplay-Währung gutgeschrieben. Um diese einzulösen, muss man nur diesen einfachen Schritten folgen: Zum Hauptmenü zurückkehren, Y drücken und einige Minuten warten, bis Uplay geladen hat. Mit den verdienten Punkten z.B. ein Thema (KEIN Premium, wie billig!) oder ein Upgrade für den Messergürtel “kaufen”. Uplay verlassen und zusehen, wie das Spiel wieder komplett von vorne startet. Zurück im Game zu dem entsprechenden Händler gehen und das Upgrade in Empfang nehmen. Wow! Das hat ja nur zehn Minuten gedauert. GENAU so etwas haben wir immer gewollt. Danke, Ubisoft! PS: Sogar die Arcadespiele vom kleinen Entwickler Twisted Pixel (The Maw und ‘Splosion Man) enthalten freischaltbare Premium-Themen.
Ähnliche Artikel:


{ 8 comments… read them below or add one }
habe den ersten teil nie gespielt.
kann man auch mit dem zweiten einsteigen?
oder ist der erste besser?
oder ist es egal? =)
Hol’ dir direkt den zweiten Teil.
yeah, mir hat das spiel ehrlich gesagt auch nicht wirklich gefallen, ich fand es einfach langweilig! …endlich mal ein review, dass kein gutes haar an dem hype-schrott lässt! ;-)
ganz großes Lob an euch!!!
Der Test wirklich sehr objektiv und glaubwürdig. Weiter so.
Ich habe den zweiten Teil gerade gestern durch gespielt (Story). Leider muss ich euch recht geben. Der Hype um den Titel war/ist vollkommen übertrieben. Das Spiel ist meiner Meinung nach schon sehr gut aber sicher bei weitem keine 10/10 oder sowas.
Ich bin ja sowieso der Meinung, dass kein Spiel jemals eine 100% verdient hat oder verdienen wird. Irgendwas ist immer nicht so perfekt wie es sein könnte. Vor allem weil Jeder seine eigenen Vorstellungen vom perfekten Spiel hat.
Im speziellen Fall von AC2 haben mich die vielen Verfolgungsmissionen doch sehr genervt. In Kombination mit der blöden KI und der teilweise recht unpräzisen Steuerung ergibt sich daraus ein ziemlich hohes Frustpotential.
Nichtsdestotrotz hat es dennoch Spaß gemacht und ich kann den 7 von 10 Punkten zu 100% zustimmen. :-)
also meiner meinung nach hat das spiel mindestens 8,5/10 verdient, alleine wegen der story. außerdem fand ich die rätseleinlagen nicht soo schwer und kann somit die meinung über die rätsel nicht teilen, sinnlose manöver sind mir auch so gut wie nie keine passiert, spielspaß und story machen alleine schon diesen mindestwert von 8,5 aus. viele andere aspekte sind auch sehr gut, aber einige (wie die models der gesichter, grafik, noch mehr varietät) auch störend. ich kann die wertung von 7/10 punkten nicht nachvollziehen, aber videospiele werden wie jedes andere kulturelles gut von jedem individuum anders wahrgenommen, daher sag ich einfach: geschmackssache! :D
trotzdem ein sehr gutes und vor allen dingen persönliches review!
Ich freue mich auch sehr, mir die PC-Version des Spiels kaufen zu können, weil ich vom ersten Teil schon so begeistert war.
Wenn das Spiel zu 99% positiv bewertet wurde und von namhaften Magazinen gelobt wird ist das klar, dass Spiele nicht weiterentwickelt werden und Entwickler meinen, sie könnten so weiterfahren. Aber diese Reviews, die hier geschrieben werden sind zwar gut, aber nicht vielleicht etwas deplaziert? Sie müssten bei den Entwicklern eingereicht werden, in der Hoffnung, dass sich was ändert! Wenn hier im geschlossenen Kreis darüber geredet wird, passiert nichts. Deswegen sollte die Diskussion zu den Entwicklern (in diesem Fall Ubisoft) gebracht werden! Und es müssen sich andere User/Gamer anschließen! Vielleicht passiert dann was!
Wir bekommen die Spiele ja direkt von Ubisoft und ich bin mir ziemlich sicher, dass irgend jemand aus der Firma sich den Test auch durchliest.
Immerhin müssen wir einen Beleglink senden und wenn der Praktikant dann die Wertung im System einträgt oder was auch immer sonst passiert, dann sticht unsere vlt. raus und jemand kontaktiert die Entwickler. Die fühlen sich in ihrem Stolz angegriffen und lesen mal etwas genauer, was dieser nichtsnutzige Niemand aus Deutschland da für einen Stuss zusammenschreibt.
Oder so… ;)
{ 1 trackback }