Feb 112010
 
No More Heroes 2 reif für europäisches Festland
No More Heroes 2 reif für europäisches Festland
Die Kultspiele unter der Ägide von Suda 51 und „seiner“ Spieleschmiede Grasshopper Manufacture, die sich bestenfalls mit einer querulanten Punk-Band vergleichen lassen (im positiven Sinne), polarisieren. Genau das zeichnet einen Kult wohl auch aus. Wer sich von der Design-Philosophie in destillierter Form aus diesem Hause überzeugen möchte, der sollte sich mal Flower, Sun and Rain für den Nintendo DS antun (ich rate davon ab). Einfach nur seltsam. Macht nichts. Außerdem schweife ich ab. Seit längerem habe ich den fehlenden Veröffentlichungstermin von No More Heroes 2 vermisst.

Denn nach den exzellenten Testberichten in der amerikanischen Presse (NMH-Spiele genießen in Nordamerika einen gewissen Heimvorteil), die das eigenwillige Action-Adventure mit einer respektablen Schnittmenge von 89 Punkten bei Metacritics.com begossen haben, wurde natürlich europaweit die Vorfreude geschürt – das Original erhielt eine durchschnittliche Wertung von 83, weshalb man von einer spürbaren Verbesserungen reden kann. Jedenfalls freue ich mich zu verkünden, dass Publisher Rising Star Games die PAL-Variante für Ende April angekündigt hat.

Hervorragende Neuigkeiten. Auch wenn No More Heroes in mir bestenfalls eine Hassliebe entfachte, die doch eher zur ersteren Gefühlsregung tendierte. Doch die charismatischen, tollpatschigen, realitätsunkundigen Charaktere, besonders Travis Touchdown in seiner verqueren, liebenswerten Otaku-Mentalität, wussten zu begeistern – im Verbund mit den herrlich durchgedrehten Zwischensequenzen. Nicht zu vergessen die ausgefallen, an zahlreichen Nervenkrankheiten leidenden Endgegnern, an denen sich Travis zum Meuchmörder Nr. 1 hoch hievte. Nur das Open World-Konzept missfiel und verendete in einer Sanddüne aus purer Langeweile. Die Entwickler haben sich dieses Kritikpunktes angenommen und das offene Prinzip durch eine Limitierung der Bewegungsfreiheit ersetzt – was dem Spiel nach landläufiger Meinung gut getan hat.

Übrigens habe ich letztens eine überzeugende Theorie zu No More Heroes gefunden, das durch die grenzdebilen Nebenmissionen zum Geldscheffeln negativ auffiel. Travis lebt in seiner eigenen, versponnenen Welt und alles, was nichts mit seiner schillernden Tätigkeit als Killer zu tun hat, versinkt im alltagsgrauen Schleier der Nichtswürdigkeit und Langeweile. Dementsprechend öde bis nervenstrapazierend sind dann auch die Missionen ausgefallen, in denen wir den Rasen mähen oder Kokosnüsse aufsammeln mussten. Ob das nicht existenten Spielspaß rechtfertigt? Fehlender Spaß zugunsten einer weltbezogenen Botschaft? Realitätssatire heiligt alle Mittel? Vielleicht sollte man weniger dogmatisch den Spielspaß zelebrieren, sonst wird das Medium nie zu einem ernsthaften Zeitvertreib! Achja: in Teil 2 dürfen wir übrigens unsere Hauskatze trainieren. Klingt auch nicht sinniger.

PS: No More Heroes 2 hat gerade eben bei Eurogamer.net eine bravouröse 8 bekommen. Gratulation. Hoffentlich verkauft sich das Ding in Europa ordentlich. Ich gebe dem „Ding“ eine Chance. Schaut euch mal das Review auf GameTrailers.com an. Das Spiel muss einem zum Lachen animieren. Schon allein das Aufladen des Lightsabers.