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Ein PS3-exklusiver Blockbuster, eine neue Art des Geschichte-Erzählens, ein grafisches Meisterwerk sollte es werden: Heavy Rain ist das bisher ambitiöseste Werk des französischen Entwicklers Quantic Dream rund um David Cage. Eine Revolution ist es aber nicht.

Nach den vor allem dank ihrer spannenden Geschichten erfolgreichen Games Fahrenheit und The Nomad Soul wagte sich Quantic Dream an einen dicken Brocken. Heavy Rain sollte nicht nur eine fesselnde Story in atemberaubender Grafik auf den Screen zaubern, sondern dem Spieler auch noch etwas zurückgeben, was ihm viele Games sonst nur sehr selektiv oder gar nicht anbieten: Entscheidungsfreiheit. Make choices. Face the consequences liess auf ein Werk hoffen, dass der in Games möglichen Interaktivität endlich etwas mehr Bedeutung verleiht, als nur die Wahl der Waffe oder des Rennautos.

Heavy Rain
Heavy Rain
Unser Fazit: Noch selten hat mich ein Spiel so sehr an den Bildschirm gefesselt wie Heavy Rain. Die düstere Stimmung, die über weite Strecken aufwühlende Geschichte und die hervorragende musikalische Untermalung sorgen dafür, dass man sich nicht mehr von der Konsole trennen will, bis der Mörder gefunden, das Rätsel gelöst ist. Dabei schafft es Heavy Rain auch, den Spieler zu einigen äusserst unangenehmen, und trotzdem grausam spannenden Entscheidungen zu zwingen – Entscheidungen notabene, bei denen man nicht weiss, wie die Konsequenzen genau aussehen. Wer eine PS3 besitzt, sollte dieses Game spielen, punkt.
Aber: Auch Heavy Rain ist nicht perfekt. Die Geschichte leistet sich gegen Ende einige (zum Teil furchtbar klischee-besetzte) Patzer. Schuld daran sind auch die, etwas distanziert gesehen, ziemlich flachen Darsteller, die nur dank der stetigen Spannung nicht so sehr als solche auffallen. Bemängeln muss man leider auch die Steuerung, die zwar grösstenteils zufriedenstellend funktioniert, an einigen Stellen aber nervige Aussetzer hat. Und, vielleicht der wichtigste Punkt: Auch wenn es Heavy Rain in zahlreichen Situationen gelingt, die Illusion einer Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen aufrecht zu erhalten, merkt man während des Spielens eben doch unweigerlich, dass manchmal etwas mehr Schein als Sein dahinter steckt – und das kann mitunter enttäuschen.

8/10 – Toll (8er sind eindrucksvoll geraten, haben aber ein paar erkennbare Probleme. Werden nicht jeden in erstaunen versetzen, aber sind ihr Geld absolut wert. )

Wir bedanken uns bei Sony für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsmusters.

Heavy Rain (PS3)
Entwickler: Quantic Dream
Publisher: Sony

Heavy Rain war seit seinem erstmaligen Auftauchen für mich ein Spiel, das ich nicht einordnen konnte. Es war mir schleierhaft, wie David Cage und seine Mannen es schaffen wollten, ein Game nur mit simplen Quicktime-Events und Button-Kombinationen zum tiefgründigen und packenden Abenteuer zu machen. Vor meinem geistigen Auge malte ich schon schaudernd Szenen wie in Wing Commander IV aus, wo man sich in langweiligen Videosequenzen höchstens mal für eine Richtung entscheiden konnte – und das schon damals als “interaktiver Film” gehypt wurde.

Die ersten Minuten in Heavy Rain sind geprägt von hohen Erwartungen. Man erwartet einen drammatischen Einstieg, die Bestätigung für die Vermutung, Heavy Rain könnte ein richtungsweisendes Game werden. Stattdessen wacht man als Familienvater Ethan Mars an einem Sonntagmittag auf, putzt sich erstmal die Zähne, liegt im Garten etwas auf den Rücken und trinkt ein Glas Orangensaft aus dem Kühlschrank. Nicht der erhoffte Einstieg und seltsam limitiert: Mehr als ein paar Handlungsoptionen stehen einen kaum je offen, in vielen Situationen gibt die Steuerung sogar nur eine Möglichkeit vor. Trotzdem bleibt man dran. Man weiss, Heavy Rain ist ein Thiller. Man vermutet hinter jeder Handlung einen tieferen Sinn, dass das Glas Orangensaft später im entscheidenen Moment wichtig werden, dass die Familienidylle getrübt werden könnte. Und das Spiel enttäuscht nicht: Nach und nach beginnt der Abstieg des Ethan Mars, die Farben werden düster, das Spiel macht erste Andeutungen über den mysterösen Origami-Killer, der seine Opfer jeweils im Herbst brutal ertrinken lässt. Und da ist auch noch dieser Regen, der nicht mehr aufhören will.

In da Club: Zwielichtige Gestalten findet man auch in der Partyszene.
In da Club: Zwielichtige Gestalten findet man auch in der Partyszene.

Jedem das Seine
Heavy Rain versetzt den Spieler in vier verschiedene Hauptcharaktere, deren Handlungsstränge sich im Laufe der Geschichte unweigerlich treffen. Das Game wechselt geschickt zwischen den Rollen hin und her, so dass parallel spannende Handlungen entstehen. Gesteuert wird meistens mit sehr einfachen Kommandos: Alle möglichen Aktionen werden durch entsprechende Symbole gekennzeichnet, die man wiederum mit dem Controller auslöst. Beispiel: Der Spieler steht vor einer Türe und sieht zwei Symbole: Einen Pfeil nach oben und einen Pfeil im Halbkreis. Obwohl die Möglichkeiten in jeder Szene anders sind (man kann nicht jede Türe so öffnen!) verrät einen der gesunde Menschenverstand, dass der Pfeil nach oben “anklopfen”, der Halbkreis “Türe aufbrechen” bedeutet. Beides führt zum selben Resultat: Die Türe ist dann offen. Die Frage ist nur: Wollen wir, dass der Bewohner es merkt?

Geschossen wird in Heavy Rain fast nie und doch gibt es genug actiongeladene Momente.
Geschossen wird in Heavy Rain fast nie und doch gibt es genug actiongeladene Momente.

Die Illusion zählt
Im Laufe der Geschichte auf der Jagd nach dem Orgami-Killer nimmt die Spannung stetig zu. Man fühlt sich ähnlich wie wenn man einen Thriller à la Se7en schauen würde – nur intensiver, weil die Handlung beeinflusst werden kann, ja diktiert. Dabei macht Heavy Rain einen hervorragenden Job, denn obwohl die Möglichkeiten des Handelns sehr eingeschränkt sind und nicht alle Aktionen auch eine Konsequenz haben, weiss man nie, was eine Entscheidung auslösen wird – und es Game beinhaltet ein paar verdammt harte Entscheidungen. An dieser Stelle soll auch erwähnt sein, dass Spielfiguren durchaus sterben können. Die Wahl des Spielers ist also tatsächlich wichtig, aber nicht immer. Und genau das ist das Problem. Heavy Rain hält die Illusion einer Konseqenz für jede Handlung in den meisten Fällen hervorragend aufrecht, aber es gibt doch Situationen, in denen man merkt, dass das Game eigentlich nicht auf das zutun des Spielers wartet. “Peanuts” könnte man sagen, ist es aber nicht: Schon das Gefühl, dass die getroffenen Entscheidungen nicht oder nur teilweise relevant sind, nehmen diesem Spielprinzip einen grossen Teil der Anziehungskraft.

Charakteranimationen und der Detailgrad von Gesichtern ist auf einem neuen Niveau angelangt.
Charakteranimationen und der Detailgrad von Gesichtern ist auf einem neuen Niveau angelangt.

Atmosphäre ist alles
Heavy Rain lebt einerseits in gewissen Situationen von den Entscheidungen des Spielers, durchwegs aber von der Atmosphäre. Quantic Dream hat mit diesem Spiel ein unglaublich düsteres Erlebnis geschaffen. Natürlich verstärkt der Gedanke an den Serienkiller das Unbehagen, aber auch sonst kann man kaum die Finger lassen von der schaurig-schönen Stimmung. Ständig prasselt Regen an die Fenster und auf die Strassen, hat man das Gefühl, die Regenmäntel der Polizisten auf der Wache zu schmecken, bewegt man sich in unwirtlichen Gegenden. Die gelungene Atomsphäre ist einerseits der Geschichte, grösstenteils aber der hervorragenden optischen Darstellung zu verdanken – und der Musik. Besser hätte man Heavy Rain musikalisch nicht unterlegen können. Um so enttäuschender ist es, dass manche Sprecher leider irgendwie nicht zum Charakter passen wollen. Es sind Details, aber im gesamten Erscheinungsbild dieses atmosphärischen Meisterwerks eben absolut entscheidend.

Was wir mochten:

Nur noch ein Kapitel, ich schwör. - Der langsame Start mag ungeduldigen Naturen sauer aufstossen, aber er ist der perfekte Einstieg. Die glückliche Familie in der Vorstadt als Kontrast zu schäbigen Motels, Privatdetektiven mit Scotch-Flaschen im Schreibtisch und innerlich zerrissenen Charakteren ist genau der Gegensatz, der nach der ersten halben Stunde süchtig macht.

Filmreife Geschichte - Quantic Dream enttäuscht nicht und zeigt uns über weite Strecken eine faszinierende Kriminalgeschichte, von der man sich kaum mehr zu lösen vermag. Mit Genuss erledigt man selbst kleine, auch unnötige Dinge im Alltag der Spielfiguren im Wissen, dass bald wieder Wendungen und Entscheidungen kommen, die einen für kurze Zeit das Blut in den Adern gefrieren lassen. Allerdings, und das sei dann unter den negativen Punkte vermerkt, vermögen die Entwickler den Spannungsbogen nicht über die ganze Länge des Spiels hochzuhalten.

Tod oder Leben - Heavy Rain lässt den Spieler oft entscheiden. Manchmal sind die Weggabelungen nur vorgetäuscht oder unwichtig, manchmal aber treffen sie auch die Moral des Spielers mitten ins Herz. Wie weit gehe ich als Ethan Mars, um meinen Sohn zu retten? Was bin ich bereit zu opfern, von mir selbst, von anderen? Es sind solche Momente, die das Spiel auf die höchste Stufe hiefen. Da Heavy Rain kein Game ist, wo man dieselbe Entscheidung eben nach 10 Minuten nochmals trifft (sondern höchstens beim zweiten oder dritten Mal durchspielen), nimmt man sie ernst. Und das bewegt.

Danke, liebe Sounddesigner - Es wurde schon erwähnt: Heavy Rains Musik ist perfekt. Das Spiel steht und fällt mir ihr, was besonders bei eigentlich unwichtigen Szenen deutlich wird: Selbst eine für die Geschichte völlig unwichtige Handlung eines Charakters wird mit dem Einblenden der düsteren Musik plötzlich in einen anderen Kontext gestellt – hevorragend.

Darum funktionierts. - Ich wüsste nicht, was man grafisch an Heavy Rain noch verbessern kann. Es sind allerhöchstens winzige Details, ansonsten ist das Spiel perfekt ausgearbeitet.

Der Regen hat in Heavy Rain mehrere Rollen.
Der Regen hat in Heavy Rain mehrere Rollen.

Nicht gefallen hat uns:

Das Charakter-Klischee - Es gibt nur einen Umstand, der die leider sehr Klischee-beladenen Charakter in Heavy Rain rettet: die kleinen Handlungen. Ein Rührei kochen, auf Knopfdruck den Gedanken der Person lauschen, die Möglichkeit, sich in gewissen Situationen so oder so zu entscheiden – all diese Punkte geben den Personen in Heavy Rain ein Gesicht. Ansonsten, seien wir ehrlich, bleibt nicht viel: Der Privatdetektiv mit dem Scotch im Bürotisch, die (natürlich umwerfen hübsche und uneigennützig aufklärende) Journalistin, der böse Cop, der bloss einen Sündenbock sucht.

Die Liebestöter - Ihr kennt sicher auch einen Film, in dem Spannung und Atmosphäre vor den Fernseher fesseln – bis eine unnötige und vollkommen unrealistische Romanze, am besten noch zwischen den Hauptdarstellern, die Glaubwürdigkeit des Werkes mit Füssen tritt. Gibts leider, sorry für den Mini-Spoiler, auch bei Heavy Rain.

Schwächen in der Story - Die Geschichte von Heavy Rain bewegt sich grösstenteils auf sehr hohem und fesselndem Niveau. Allerdings nicht durchgehen. Besonders gegen Ende haben sich die Autoren ziemlich in die Nesseln gesetzt.

Links! ICH SAGTE LINKS! - Leider plagen kleine, mühsame Fallstricke die Steuerung. Einerseits wäre da die Verwendung der Motion Controlls des SIXAXIS-Controllers. Zwar meist durchdacht eingesetzt, aber da das Ding nicht eben die Ausgeburt der Präzision ist, muss man ab und an eine Szene mehrmals machen, bis es klappt – das zerstört die Stimmung.
Noch mühsamer ist das Bewegen von Charakteren: Man drückt R2 zum Laufen und gibt mit dem linken Stick die Richtung vor. Oft verfehlt man so die eigentlich geplante Richtung, bleibt an Türrahmen hängen oder muss neu ansetzen, weil die Kameraperspektive geändert hat.

Simons Meinung:
Mit einem Schmunzeln habe ich das Heavy Rain-Review bei 4Players gelesen. Eine Wertung von 94%, kaum Kritik und pure Begeisterung in der Meinungsbox. Genau so hätte ich das Review ebenfalls verfasst, hätte ich in der Hälfte oder nach drei Vierteln der Geschichte damit angefangen. Tatsächlich ist Heavy Rain ein unglaublich attraktives Spiel, dass in dieser Form so noch nie dagewesen ist. Man muss David Cage auch zugestehen, dass er und Quantic Dream hoch gepokert haben: Wäre die Geschichte nicht so unverschämt spannend und böte dem Spieler nicht diese nervenaufreibenden Entscheidungen, dann würde Heavy Rain als gutaussehender, aber leider etwas lahmer Versuch eines interaktiven Films bald aus den Gedanken der Spieler verschwinden. So aber geht das Konzept auf: Wer eine PS3 besitzt, MUSS dieses Game gespielt haben – alles andere wäre schade. Es bleibt sehr zu hoffen, dass in Zukunft noch mehr solcher Werke auftauchen und dabei die Entscheidungsfreude des Spielers noch mehr in den Vordergrund stellen. Denn das ist es schliesslich, was aus Heavy Rain viel mehr macht, als nur einen “interaktiven Film”.

Ähnliche Artikel:

  1. Heavy Rain: Erstes Review und Homepage zum Spiel
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  3. Heavy Rain: Teils kuriose Aussagen von David Cage
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  5. Heavy Rain und der Versuch eines medialen Seitensprungs?

{ 14 comments… read them below or add one }

Gerhard März 1, 2010 um 18:17

"Eine Wertung von 94%, kaum Kritik und pure Begeisterung in der Meinungsbox. Genau so hätte ich das Review ebenfalls verfasst, hätte ich in der Hälfte oder nach drei Vierteln der Geschichte damit angefangen." – Du meinst, hättest Du das Review nach der Hälfte oder drei Vierteln Spielzeit geschrieben – oder?

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Simon Lutstorf März 1, 2010 um 18:33

Richtig. Nicht die schönste aller Formulierungen :)

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Definiendum März 1, 2010 um 18:46

Ob das Spiel wohl heute getestet wurde? :)

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Torni März 1, 2010 um 20:51

Argh, das wollte ich Fragen x)

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Astat März 2, 2010 um 01:13

Ich finde das Spiel genial und hoffe, dass es in Zukunft mehr von Quantic Dream aus dieser Spielerichtung kommt.

Eine kleine Anmerkung zu dem guten Artikel: Der Charakter heißt "Ethan Mars" und sein Sohn "Sean", im Abschnitt -Tod oder Leben- [Wie weit gehe ich als Sean Mars, um meinen Sohn zu retten?]

MFG

Astat

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Darth Sonic März 2, 2010 um 10:40

Das Spiel heißt "Heavy Rain" nicht "Darksiders" wie in den Infos im Text angegeben ;-)

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Gerhard März 2, 2010 um 10:55

Aja – funny! :) Danke für den Hinweis!

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NachtPoet März 2, 2010 um 14:12

Sher gute Review, die sich weitgehend mit meinen Eindrücken deckt. Ein paar Anmerkungen (So Spoiler-Frei, wie es mir möglich ist):

-Prolog: Hab ich geliebt. Ich glaube, wer zu ungeduldig ist, diese zu liebevoll gestaltete Anfangsszene zu genießen, ist insgesamt nicht ideal bedient mit Heavy Rain. Im ganzen Spiel sind immer mal wieder so kleine Mini-Aufgaben wie Omelette machen oder Baby versorgen eingebaut, die recht offensichtlich keinen immensen Einfluss auf die Handlung haben, aber einfach passen, die Verbindung zu den Charakteren stärken und viel zur Atmosphäre beitragen. Heavy Rain basiert darauf, dass man die Geschichte wirklich ein Stück weit mitlebt.

-Spannungsbogen: Hat bei mir von Anfang bis Ende auf gleichbleibendem Niveau angehalten. Was sich bei mir gegen Schluss eher bemerkbar machte, waren ein paar Ungereimtheiten, die nach der Enthüllung des Killers auftauchten und zumindest bei meinem ersten Durchspielen nie auch nur ansatzweise aufgeklärt wurden. Wurde aber letztendlich durch die grandiose Atmosphäre mehr als wett gemacht.

-Handlungsfreiheit und Konsequenz der Entscheidungen: Letztendlich scheint es mir, als würde das Spiel immer auf einen Showdown hinaus laufen, dessen Ablauf sich durch die getroffenen Entscheidungen deutlich ändert. Hätte mir gewünscht, dass das Spiel sich schon vorher mehr verzweigt und gegen Ende vielleicht grundverschiedene Szenarien erlaubt. Hat meinen Drang, es gleich nochmal durchzuspielen, ein wenig gebremst. Auf der anderen Seite sind auch die nicht essentiellen Entscheidungen durch kleine Veränderungen in nachfolgenden Szenen bemerkbar, was das Ausprobieren und Durchleben der einzelnen Akteure so intensiv macht und doch immer wieder zum ausprobieren einlädt.

-Steuerung: Ich war überrascht, wie präzise und durchweg gut die SIXAXIS-Steuerung funktioniert hat. Eines der wenigen Spiele, die sie wirklich gut einsetzt. Auch gut fand ich, dass in hektischen Szenen (Kämpfen) nicht jeder Fehler in der Eingabe gleich fatal ist. Das Wissen, das jeder Charakter wirklich sterben kann, erhöht die Spannung hier ungemein. Das präzise irgendwo hinlaufen in ruhigen Szenen hingegen kann wirklich etwas fummelig sein. In hektischen Szenen (z.B. jemand durch eine Menschenmenge verfolgen) hingegen fand ich es genial, wie man nicht ganz Herr ist über seinen Charakter und sich wirklich irgendwie durch die Massen durchkämpfen muss.

Fazit: Ich bin nun wirklich schon lange ein Computerspieler, aber etwas auch nur ansatzweise vergleichbares Spiel ist mir noch nicht unter gekommen. Die Art, wie Heavy Rain den Spieler in seine Welt zieht und die Geschichte durchleben lässt, ist einmalig. Grafik, Sound, Detailverliebtheit, Dramaturgie und Spielfluss sind grandios. Es ist nicht perfekt, und falls es ein neues Genre gründet, ist für Nacheiferer durchaus noch Platz nach oben. Aber dieser erste Schritt in Richtung interaktiver Film ist ein gewaltiger. Wer eine PS3 hat, sollte es zumindest anspielen. Die meisten werden bis zum Ende nicht davon loskommen.

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Silvio März 14, 2010 um 22:50

Sicher, die Charaktere sind klischeebeladen, aber was ist daran so schlimm? Dadurch, dass sie ihre Klischees haben, hat man schnell einen groben Eindruck von ihnen – ansonsten hätte man den Prolog wohl noch mal ausdehnen müssen. Ansonsten finde ich, dass Heavy Rain eben mehr Film ist als Spiel. Ein Film mit vielen Kameraeinstellungen und Tonspuren.

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Eljoris März 21, 2010 um 15:31

"Heavy Rain" soll ein Videospielerlebnis ermöglichen, das möglichst filmnah wirkt und dennoch Aktionen des Spielers sinnvoll integriert. Diese Kombination ist vor allem aus Gründen der gewöhnungs- wie verbesserungsbedürftigen Steuerung und der Kameraperspektive m.E. nicht gelungen. Die Steuerung ist teilweise nur mit erheblicher Fingerakrobatik zu bewältigen. Ein klares, sachlogisches System existiert vielfach nicht; so werden beispielsweise relativ häufig für die gleichen (oder ähnlichen) Aktionen verschiedene Tasten eingeblendet bzw. Bewegungsabläufe vorgezeichnet. Dies ist allerdings nicht durchgängig der Fall, eine pauschale Kritik wäre daher sicher unangebracht. Gleichwohl wäre zum Teil eine weniger "hakelige" und einfacher zu bedienende, übersichtlichere Steuerung möglich und wünschenswert gewesen. Das filmnahe Erlebnis setzt eine möglichst flüssige Spielweise voraus, die aus genannten Gründen recht häufig nicht gewährleistet ist. Stellenweise wäre auch eine einblendbare "Minimap" durchaus hilfreich, und als bloß optionales Element eines HUD würde sie den Filmcharakter nicht beeinträchtigen. Es ergibt zudem keinen Sinn, z.B. mehrmals vergeblich (!) die Kühlschranktüt öffnen und eine Pizza herausholen zu wollen, wenn dies wegen der teils eigenartigen Bewegungen (vor allem der seltsamen Hakensymbole, die mit dem rechten Stick aufzugreifen sind) nur nach mehrmaligem Scheitern möglich ist. Nicht nur die Finger, sondern auch das Gamepad leidet unter manchen unnötig verkomplizierten Aktionen. Man könnte einwenden, dass Übung den Meister macht, dennoch wird der Spielfluss teils erheblich gestört, und daher ist das cineastische Erlebnis stellenweise stark getrübt! Das Spiel vermag dennoch zu fesseln, und die beachtlichen Qualitäten von "Heavy rain" sind offensichtlich, aber eine beständige Motivation kann ich von meinem Spielerlebnis her nicht feststellen.

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Eljoris März 22, 2010 um 00:43

Meinen ersten Kommentar zum Videospiel "Heavy Rain" habe ich noch einmal überarbeitet und ergänzt, da ich nun definitv weiß, was ich von diesem Spiel zu halten habe; mein abschließender Kommentar lautet wie folgt:

“Heavy Rain” soll ein Videospielerlebnis ermöglichen, das möglichst filmnah wirkt und dennoch Aktionen des Spielers sinnvoll integriert. Diese Kombination ist vor allem aus Gründen der gewöhnungs- wie verbesserungsbedürftigen Steuerung und der Kameraper-spektive m.E. nicht gelungen. Die Steuerung ist teilweise nur mit erheblicher Fingerak-robatik zu bewältigen. Ein klares, sachlogisches System existiert vielfach nicht; so wer-den beispielsweise relativ häufig für die gleichen (oder ähnlichen) Aktionen verschiede-ne Tasten eingeblendet bzw. Bewegungsabläufe vorgezeichnet. Dies ist allerdings nicht durchgängig der Fall, eine pauschale Kritik wäre daher sicher unangebracht. Gleichwohl wäre zu einem beträchtlichen Teil eine weniger “hakelige” und effizienter zu bedienende, übersichtlichere Steuerung möglich und wünschenswert. Das filmnahe Erlebnis setzt eine möglichst flüssige Spielweise voraus, die aus genannten Gründen recht häufig nicht ge-währleistet ist. Stellenweise wäre auch eine einblendbare “Minimap” durchaus hilfreich, wenn man mangels Kenntnis der Örtlichkeiten orientierungslos durch die Gegend oder im Kreis herum läuft, und als bloß optionales Element eines HUD würde sie den Film-charakter nicht beeinträchtigen. Was die Steuerung angeht, ergibt es keinen Sinn, z.B. mehrmals vergeblich die Kühlschranktür öffnen und eine Pizza herausholen zu wollen (!), wenn dies wegen der teils eigenartigen Bewegungen (vor allem bezüglich der seltsa-men Hakensymbole) nur nach mehrmaligem Scheitern möglich ist. Einige schnell aufein-ander folgende Aktionen bzw. Teilsequenzen sind selbst auf dem niedrigsten Schwierig-keitsgrad kaum zu bewältigen, ich erinnere nur an die (von mir endlos oft wiederholte) Auseinandersetzung zwischen Madison und dem „Doc“. Mehrmals sind bei sog. „quick time events“ verschiedene Aktionen blitzschnell hintereinander auszulösen, wobei manchmal nur Bruchteile von Sekunden zur Verfügung stehen. Man mag das für einen integralen Bestandteil des Spiels halten und demjenigen, der sich damit schwer tut, ein anderes Genre und den Verzicht auf dieses Spiel nahe legen. Auch andere Spiele weisen solche Elemente auf, das ist zweifellos richtig, aber kaum in dieser Häufigkeit und spie-lerunfreundlichen Programmierung. Wie auch immer, die Atmosphäre der Spielhandlung wird durch die genannten Schwierigkeiten beeinträchtigt. Nicht nur die Finger und die Nerven, sondern auch das Gamepad leidet unter manchen unnötig verkomplizierten Akti-onen. Insofern kann ich Kommentare nicht nachvollziehen (wie in der „GamePro“), in denen die Integration des Controllers als „äußerst sinnvoll“ bzw. gelungen bezeichnet wird. Das ist nach meiner persönlichen Erfahrung – zumindest größtenteils – schlichtweg nicht der Fall! Man könnte wiederum einwenden, dass Übung den Meister macht, den-noch wird der Spielfluss teils erheblich gestört, und daher ist das cineastische Erlebnis stark getrübt! Das Spiel vermag streckenweise durchaus zu fesseln, und die beachtlichen Qualitäten von “Heavy Rain” sind (vor allem in graphischer Hinsicht) offensichtlich, aber eine beständige Motivation kann ich von meinem Spielerlebnis her beim besten Willen nicht feststellen. Im Gegenteil, spätestens der geradezu aussichtslose K(r)ampf in der Mission „Doc“ hat mich dazu bewogen, das Spiel (nach stundenlangem wiederholten „Scheitern“) zu löschen, den Kauf zu bedauern und die Entscheidung zu treffen, nie wie-der ein Spiel dieser Machart zu erwerben! Ich bin seit vielen Jahren ein Freund von Ad-venture Games, schätze keine Ego shooter oder platte „Action“ ohne Atmosphäre, Verstand und Gefühl, aber dieses überwiegend misslungene Spielkonzept wird mich auf lange Zeit davon abhalten, jemals wieder ein „Adventure“ zu kaufen! Eine Ausnahme könnte darin bestehen, dass, man von einer schwer bedienbaren Steuerung einschließlich der unsinnigen Überbetonung der leidigen „quick time events“ weg zu einem wahrhaft intelligenten und spannenden Gameplay kommt, wie es in vielen bekannten Adventures eine jahrelange Tradition hat, mit einer spielbaren Verbindung aktionsgeladener Elemen-te, die Heavy Rain leider nicht überzeugend bieten kann!

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bratholomew März 14, 2011 um 19:30

Genau meine Meinung und endlich jemand, der mir aus der Seele spricht !

Zusammen mit dem Review und Eljoris` Kommentar muss ich sagen, dass ich "Heavy Rain" eher enttäuschend als großartig empfunden habe. Nach allen Lobpreisungen durch die Presse und die Spielergemeinde kann man aber nur enttäuscht werden.

Die größte Schwäche des Spiels ist meiner Meinung nach das Konzept und die Idee, die es einfach nicht korrekt umsetzen konnte. Wie in diesem Review schon erwähnt, haben mich die teilweise ungenaue Steuerung und ein paar Entscheidungen einfach aus dem Spiel geworfen. Der Steuerung habe ich es übrigens auch zu verdanken, dass bei mir einer der Hauptcharaktere gestorben ist…war sogar mein Lieblingscharakter…

Die Story war für mich zwar größtenteils spannend und packend, zumindest bis das Ende kam, was in meinen Augen einfach nur auf die Logik gespuckt hat und mich richtig verärgerte.

Kurzum: Die Wertung ist vollkommen in Ordnung und verdient. 94 % sind einfach nur lächerlich für ein Spiel, das mehr sein will, als es ist.

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Gerhard März 15, 2011 um 07:21

Ich schätze mich nicht unbedingt als Gamepad-Akrobaten ein – mit der Steuerung von Heavy Rain kam ich jedoch sehr gut zu recht. Hab das Spiel im Schwierigkeitsgrad Normal durchgespielt. Die Doc-Szene hab ich gleich auf anhieb geschafft. Das einzige Problem war bei mir mein Röhrenfernsehr – wenn die Figur weiter weg war, war es sehr schwer zu sehen, welche Symbole welche Aktionen bedeuten.
Mit der Steuerung an sich hatte ich jedoch keine Probleme. Strange, wie unterschiedlich das Spiel bei uns allen ist…

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Gerhard März 14, 2011 um 13:45

Hab Heavy Rain jetzt durchgespielt. Ich finds super und würde dem Spiel 9/10 geben. Und ja, ich muss es nochmals durchspielen!

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