Mrz 232010
 

Fast fünf Jahre nach Erscheinen des letzten großen Teils der Battlefield-Reihe für den PC darf seit dem 4. März 2010 nun auf fast allen aktuellen Plattformen das Kriegsgebiet in Schutt und Asche gelegt werden. Und zum ersten Mal darf die B-Company auch auf dem PC die Welt vor dem dritten Weltkrieg bewahren. Schauten noch beim ersten Teil der Subreihe die PCler neidisch Richtung XBox 360 und PS3, so wartet DICE in der PC-Version des zweiten Teils mit besonderen Leckerbissen, wie DX11, und damit besserer Grafik, sowie einem erweiterten Multiplayererlebnis auf. Doch wird DICEs neues Werk dem großen Hype gerecht?

Erschienen für PS3, Xbox 360 und PC
Erschienen für PS3, Xbox 360 und PC

Unser Fazit: Battlefield: Bad Company 2 hält, was es verspricht. Einen krachenden, wenn auch geradlinigen Singleplayer und einen umso besseren, wie intensiven Multiplayer. Trotz einiger technischer Probleme zum Release, ist Bad Company 2 in der Präsentation und im Spielgefühl hervorragend. Aus meiner Sicht selbst zum Releasezeitpunkt der bessere Shooter in Bezug zu seinem mehr oder weniger direkten Konkurrenten, das Spiel, das nicht genannt werden darf (weil ich es nicht nennen will). Zwar geht auch bei Bad Company 2 die Tendenz hin zu einem eher arcadelastigen Shooter, dennoch handelt es sich hier nicht um eine grafisch aufpolierte Version der Moorhuhnjagd. Bad Company 2 ist aber kein eigentliches Battlefield, da müssen wir dann doch auf Battlefield 3 warten. Dennoch, wer auf intensive Multiplayerschlachten steht, die ein starkes Gewicht auf Infanterie legen, wer eine fast komplett zerstörbare Umgebung will und dabei nicht auf gute Optik verzichten möchte, der ist bei Bad Company 2 genau an der richtigen Adresse.

9/10 – Großartig (Eine 9 ist eine hervorragende Errungenschaft. Es gibt kleinere Ungereimtheiten, die aber vernachlässigbar sind und das Gesamtbild nicht erschüttern können.)

Wir bedanken uns bei Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsmusters.

Battlefield: Bad Company 2 (PC)
Entwickler: DICE
Publisher: Electronic Arts

Dass es einen riesigen Hype um dieses Spiel gab, lässt sich kaum bestreiten. Nicht zuletzt völlig überlastete Download-Server kurz nach Veröffentlichung der Beta-Version für den PC und die damit verbundenen zwei Tage unspielbarer Runden zeugten davon. DICE sprach von einem Ansturm, den sie so nicht erwartet hätten und den wir am Erscheinungstag gleich nochmals erleben sollten. Und so erfolgte schnell Ernüchterung. Die Beta sah nicht besonders aus, die Performance lies selbst auf i7 Rechnern mit aktuellen GraKas zu wünschen übrig und irgendwie wollte es sich nicht wie ein Battlefield anfühlen. Schnell wurde im offiziellen Forum Kritik laut. Aber Moment, war das nicht eine Beta? Die einfache Antwort: Ja. Es war eine Beta, denn das, was knapp einen Monat später das Resultat der Betaphase war, kann sich in Sachen Optik und Performance mehr als sehen lassen und barg so manche neue Überraschung, auch wenn zunächst wieder die Server maßlos überlastet waren.

Singleplayer bei Battlefield? Neuland für PC-Zocker.

Bei Bad Company 2 fällt es mir zwar nicht schwer mich zu entscheiden, ob ich in meinem Review stärkeres Gewicht auf den Singleplayer oder auf den Multiplayer lege. Doch beide haben erstaunlicherweise ihre Stärken und Schwächen. Die Entwickler von DICE bleiben auch mit Bad Company 2 ihrem Multiplayerkonzept treu, wie eigentlich mit allen bisherigen Teilen der Battlefield-Reihe. Doch darf der Singleplayer nicht unerwähnt bleiben. Besonders dann, wenn mal wieder die Server wegen Überlastung streiken. Dank guter KI der Teammitglieder und der Gegner ist auch für erfahrene Spieler auf höchsten Schwierigkeitsgrad eine gewisse Herausforderung geboten. Wie in Bad Company 1 begleiten wir die B-Company bei ihren Spezialaufträgen. Diesmal geht es um eine Geheimwaffen aus dem zweiten Weltkrieg, die gefunden werden soll, bevor die Russen sie in die Finger bekommen. Dabei führt uns die Jagd nach dieser Waffe um die halbe Welt, von der Arktis bis in die Wüste. Und wer den Singleplayer durchgespielt hat wird auch inhaltlich in den Multiplayer eingeleitet. So viel zu Story. Zwar ist der Singleplayer genauso schnell vorbei, wie der des größten Konkurrenzproduktes, kann aber genauso fesseln und ist mindesten ebenso bombastisch inszeniert. Letztendlich ist der Singleplayer aber nur ein nettes Addon für den Mehrspielerpart. Und hier kann Bad Company 2 seine volle Stärke ausspielen.

Weit geht es hinab.
Weit geht es hinab.

Alte Stärken in neuem Gewand?

Alten Battlefield-2-Veteranen mag die Reduzierung auf nur vier Charakterklassen (Sanitäter, Sturmsoldat, Aufklärer und Ingenieur) etwas gewagt vorkommen. Und tatsächlich ist vor allem das Spielen in einem gut organisierten Squad nun nicht mehr ganz so taktisch ausgelegt, wobei nach einiger Spielzeit und dem Freischalten von verschiedenen Waffen, Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenständen die einzelnen Klassen recht gut den taktischen Gegebenheiten (Häuserkampf, Sturmangriff, …) angepasst werden können. Dennoch wird der Taktikeinfluss vor allem durch das Fehlen eines Squadleaders und eines Commanders noch weiter verringert. Es kann direkt bei einem Squadmitglied gespawnt werden, was den Spielverlauf deutlich beschleunigt und damit arcadelastiger macht. Aber wie bereits schon geschrieben, Bad Company 2 ist kein Battlefield 3 und die schnellen Schlachten haben auch ihren eigenen Reiz. Dabei meint Schnelligkeit der Schlacht aber vielmehr die Dynamik während des Spiels, denn die Verweildauer auf einer Map kann bei einer Runde im Rushmodus mit 32 Mitspielern schon einmal eine Stunde und länger dauern. Leider gibt es keine Jets und insgesamt recht wenige Fahrzeuge. Jets jedoch würden auf den im Vergleich zu Battlefield 2 doch recht kleinen Karten bzw. Kartenabschnitten eh wenig Sinn machen und so liegt ein starker Fokus auf dem Infanteriekampf.

Unser pazifistischer Black-Hawk-Pilot.
Unser pazifistischer Black-Hawk-Pilot.

Für Abwechslung sorgen vier verschiedene Spielmodi: Der altbekannte Conquestmodus und der neue Rushmodus (das angreifende Team muss zwei Ziele in einem Abschnitt zerstören, um einen Abschnitt weiter vorzudringen, während das gegnerische Team dieses zu verhindern hat) bilden die beiden großen Modi von Bad Company 2 mit bis zu 32 Spielern pro Karte. Im Squad-Rushmodus, der wie der normale Rushmodus gespielt wird, treten hingegen nur zwei Squads (á 4 Spieler) ohne Fahrzeuge auf kleineren Abschnitten gegeneinander an. Der vierte Modus ist das Squad-Deatmatch (Teamdeatmatch mit vier Teams). Alle Modi, die auch in einem Hardcoremodus (kein HUD, höhere Schaden) spielbar sind, haben ihren eigenen Reiz und eine eigene Dynamik und bringen gerade bei eingespielten Squads eine Menge Spaß. Hierzu bietet der PC eine, wenn sie funktioniert, gute Einbindung einer Freundesliste. Joint man einem Freund hinterher, wird man automatisch zusammen in Squads gesteckt.

300 Stunden und mehr.

Für die Langzeitmotivation bietet Bad Company 2, wie eigentlich jeder Shooter in diesem Segment, ein Ränge- und Errungenschaftensystem. Leider hat man viel zu früh alle freispielbaren Gegenstände, wie Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Spezialfähigkeiten, erspielt und steigt nur noch im Rang. Doch alleine durch die viel beworbene „Destruction 2.0“ ist tatsächlich kaum eine Schlacht wie die andere. Wo vorher noch ein Wald Deckung bot, ist in wenigen Minuten eine von Granatkratern durchzogene, offene Fläche geworden. Mit kommenden neuen Karten via DLC ist Langzeitmotivation garantiert.

Grafisch ist sowohl der Multiplayer, wie auch der Singleplayer, ein Leckerbissen. Dieses liegt gar nicht einmal an einer blitzsauberen Darstellung (einige Sprites sehen doch recht deplatziert aus), dennoch stimmt hier nahezu alles. Die Fernsicht ist atemberaubend und die Partikeleffekte, wenn einem das Haus zur Linken um die Ohren fliegt und sich die Staubwolke langsam lichtet, sind nicht nur schön anzusehen, sondern erzeugen das Feeling, dass ein Shooter braucht. Man schmeckt fast förmlich den Staub, spürt die Funken auf der Haut. Und die Partikeleffekte geben gerade dem Multiplayer eine neue Spieltiefe. So kann eine plötzliche Schneeverwehung einen spontanen Schutz bieten, um ungesehen hinter die feindlichen Linien zu gelangen oder die zusammenbrechende Mauer eines zerstörten Hause einem Sniper im letzten Moment die Sicht auf sein Ziel rauben.

Gehen wir wieder Moorhühner jagen?

Bad Company 2 spielt sich von der Steuerung her sehr flüssig, jedoch wirken die Waffen recht klobig im Vergleich zu anderen Shootern (und zur Größe der Gegner). Dadurch hatte ich eine recht lange Eingewöhnungsphase, da mir das Zielen recht schwer fiel. Dieses Gefühl wird durch eine gewisse Trägheit beim Zielen unterstützt. Dennoch ist gerade dieses etwas, was ich in den letzten Shootern vermisst habe: Das Aiming muss für das Spiel wieder trainiert werden und hat seine eigenen, kleinen Feinheiten. Spielte sich das Konkurrenzprodukt von Beginn an dank viel zu großer Hitboxen wirklich wie ein Ableger der Moorhuhnreihe, so ist genaues Zielen in Bad Company 2 das A und O einer erfolgreichen Runde. Luckshots kommen wie immer vor, sind aber bei weitem nicht so nervig, wie in anderen Vertretern diese Genres, weil auch das Waffenbalancing nicht nur in Bezug der Durchschlagskraft, sondern bei der Entfernung, Rückschlag und Streuung deutlich ausgereifter scheint.

Kurz die schöne Aussicht genießen.
Kurz die schöne Aussicht genießen.

Was wir mochten:

Präsentation – Die gesamte Präsentation ist in sich stimmig. Bad Company 2 hat ein völlig eigenes Flair und spielt dieses gekonnt aus. Für mich die fast schon perfekte Verbindung actionlastiger Elemente mit den Stärken der Battlefield-Reihe. Aber auch die Liebe zu gewissen Details zieht einen in den Bann dieses Spiels. So gibt es fast kaum Stillstand während des Spielens. Irgendwo explodiert immer eine Deckung, rieseln Schuttbrocken auf einen herab, wird man ins Kreuzfeuer genommen. Im Singleplayer wird dieses noch unterstützt durch eine knappe, wenn auch nette Story. Die Charaktere sind zwar eher stereotyp, aber das macht auch den gewissen Humor hinter der Bad Company Reihe aus. Die gesamte Inszenierung braucht sich nicht hinter der Konkurrenz verstecken, wirkt stellenweise sogar ähnlich bombastisch inszeniert.

Sound – Was wäre ein Spiel, wenn die Soundkulisse in einem Hinterhofstudio aufgenommen worden wäre? Nur halb so gut. Und so knallt uns eine brachiale Soundwand entgegen, wenn wir das Schlachtfeld betreten. Aber nicht nur die druckvollen Klänge bei Explosionen und Geschützfeuer können überzeugen. Auch kleine Sounddetails, wie umherfliegende Teile einer zerschossenen Wand, die metallisch-hallenden Umgebungseffekte, wenn man sich in Gebäuden befindet, die kurzfristige Dämpfung, wenn neben einem eine Granate explodiert, tragen zu der Atmosphäre bei, die Bad Company 2 so mitreißend macht.

Physik – Auch wenn man von „Destruction 2.0“ mehr erwartet hat (die Gebäude brechen immer identisch zusammen, wenn ihre „Lebensenergie“ runter ist), hat noch kein Multiplayer solche Einsatzmöglichkeiten durch Zerstörung der Umgebung gehabt. Komplette Wälder können mit Granaten und Mörser geebnet werden. Ist der Eingang zu einem Gebäude zu stark bewacht, sprengt man sich einfach einen neuen auf der Rückseite und fällt dem Gegner in den Rücken.

Skill needed? – Bei vielen aktuellen Shootern, gerade für den PC, ist eine Tendenz zu bemerken, dass vor allem das Aiming immer stärker vereinfacht wird. Dieses führte bei bestimmten Spielen zu Hitboxen mit der gefühlten Größe eines Jumbojets. Verfehlen nahezu unmöglich. Zwar kämpft Bad Company 2 mit der alten Krankheit aus Battlefield 2, dass die Hitbox etwas hinter dem Charakter liegt, wenn sich dieser bewegt. Dennoch reicht ein blindes In-Richtung-Gegner-Schießen nicht mehr, um erster einer Runde zu werden. Auch wirkt sich die Schwerkraft auf nahezu alle Geschosse aus, weswegen auch Scharfschützen besonders auf Distanz genauer zielen und den Abfall der Kugel mit einplanen müssen.

DLC – In der ersten Woche wurden für alle Versionen von Bad Company 2 weitere Multiplayerkarten bereitgestellt, die auf den Konsolen via VIP-Code freigeschaltet werden konnten und für die PCler in dem Day 1-Patch enthalten waren. Beim nächsten DLC soll ähnlich verfahren werden. Besitzer der VIP-Codes, sowie der PC-Version erhalten mit dem zweiten DLC weitere Neuerungen und diese wiederum kostenlos. Bad Comany 2 setzt damit ein positives Zeichen gegenüber der Konkurrenz, die schon fast einen unverschämten Preis für ihr erstes Mappack verlangen werden. Wollen wir hoffen, dass uns noch weitere, kostenlose DLCs ins Haus stehen.

Nicht gefallen hat uns:

Day 1-Patch – Trotz großer Public-Beta für Vorbesteller und findige Leute gab es große Startschwierigkeiten für Bad Company 2, so dass einige arme Seelen die ersten Tage nach Release nicht wirklich spielen konnten. Auch bis heute sind einige Probleme (langsamer Serverbrowser, Probleme mit Punkbuster, Freundesliste, Veteranenunlocks) nicht behoben. Zwar läuft Bad Company 2 im Vergleich zur Konkurrenz „out of the box“ besser und stabiler. Doch sind viele dieser Fehler ärgerlich. Dass DICE und EA erst nach Release mit neuer Hardware für die Hauptserver aufwarten konnten, obwohl die Beta schon das gefühlte halbe Internet lahmgelegt hatte, können und konnten viele nicht ganz nachvollziehen, da ja nach den Erfahrungen mit der Beta irgendwie ein ähnlicher Ansturm zu erwarten gewesen wäre.

Nicht perfekt – Auch wenn DICE mit Bad Company 2 fast alles richtig gemacht hat und das Spielen unheimlich viel Spaß macht, es gibt viele Kleinigkeiten, die den positiven Gesamteindruck doch deutlich stören. So haben die Schatten ein unschönes Flackern und in den Zwischensequenzen scheint unterhalb der Balken, die einem Cinemascope vorgaukeln sollen, auf der breite eines Pixels das dargestellte Bild wieder durch. Auch erinnert der Singleplayer zu stark an Crysis und das Spiel, das ich nicht mehr nennen werde. Leider sind die Level im Singleplayer zu schlauchartig geraten,auch wenn einige Karten riesig sind. Und natürlich sind die vielen kleinen technischen Fehler doch die Dinge, die den eigentlich nahezu perfekten Eindruck trüben. Leider ist DICE seit Battlefield 2 nicht mehr dafür bekannt, mit Patches das supportete Spiel signifikant zu verbessern. Warten wir es ab, seit dem letzten Patch kann ich immerhin meine Veteranenwaffe wieder nutzen.

Davids Meinung:
Bad Company 2 bekommt von mir eine so hohe Wertung, da sich bei mir komischerweise kaum Probleme zeigen. Einmal musste ich Punkbuster manuell aktualisieren. Zwar funktioniert zur Zeit die Freundesliste auch bei mir nicht, dennoch konnte ich immer problemlos spielen. Und wenn der Multiplayer mal wirklich nicht wollte, blieb ja noch der äußerst gelungenen Singleplayer. Da ich von Bad Company 2, auch wegen der Beta, nicht erwartet habe, dass es ein Battlefield 3 wird, bin ich sehr sehr positiv von dem Spielgefühl überrascht worden, dass sich mir bot. Die Lücke bis zu Battlefield 3 ist auf jeden Fall gefüllt, denn dank der Ränge und teilweise recht schwer zu erringenden Auszeichnung ist auch eine Motivation nach dem Freispielen aller Unlocks gegeben, die mich schon an Battlefield 2 gefesselt hat.

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