Treuherzige Leser wissen es: Gamgea-Redakteure haben Fragile Dreams mit viel Vorschusslorbeeren bedacht. Wir haben uns erwartungsvoll in ein melancholisches, postapokalyptisches Untergangsmärchen gestürzt. Exklusives Gefühlskino für die aus dem Dornröschenschlaf geweckte Wii.
In den vergangenen Monaten haben wir den Werdegang des exklusiv für die Wii von tri-Crescendo (Eternal Sonata) und Namco geschmiedete Fragile Dreams – Farewell Ruins of the Moon mit hyperaktiven Argusaugen observiert. Die vorab veröffentlichten Trailer begeisterten uns auf Anhieb und weckten nicht zuletzt durch den grandiosen, gefühlsduseligen Soundtrack unser flammendes Interesse. Das Action-Adventure aus der Third-Person Perspektive vollbrachte nun (mal wieder) dank Publisher Rising Star Games das Husarenstück und ist seit dem 19. März endlich auch auf dem europäischen Festland erhältlich. Wird Fragile Dreams unserem selbstgebrauten Hype gerecht? Oder nur heiße Luft?
Unser Fazit:
Fragile Dreams – Farewell Ruins of the Moon ist ein medial unterbelichtetes, mit wenig Aufmerksamkeit bedachtes, dafür aber ein umso einnehmenderes Produkt, das auf der Wii sonst in homöopathischen Dosierungen rar gesät ist. Es stellt das Gegenteil von seelen- und lebloser, frabrikmäßiger Massenware dar, weil es mit einer strikt individualisierten Persönlichkeit vitalisiert ist. Doch das typische Problem bei solchen Spielen ist oft, dass sie mit einer ordentlichen Portion von defizitären Macken und Unzulänglichkeiten das Licht der Welt erblicken. Es wirkt manchmal wie ein begnadetes, talentiertes Kind, das aber zum autarken Eigenleben mit einer zu schwachbrüstigen Konstitution gesegnet ist. Denn Fragile Dreams ist leider mit einigen Design-Schnitzern und störenden Unannehmlichkeiten durchsetzt.
Aber: Das Sündenregister ist nicht derart kolossal ausschweifend, dass sie das Eigengepräge dieses Spieles bis auf die Grundmauern zerstören. Denn dafür ist Fragile Dreams mit wunderbaren Schätzen gesegnet, die in heutigen Spielen traurigerweise eine Rarität darstellen. Die Atmosphäre verströmt einen unnachahmlichen Charme, die Anime-Charaktere verzaubern und die Geschichte ködert uns mit allerlei Geheimnissen und appetitlichen Stimulanzen. Das selbstredend virtuose Art Design entfacht poetische Bildkompositionen, die auf der Wii seinesgleichen suchen und der bis in die Haarspitzen mit weinerlicher Schwermut angereicherte Soundtrack ist einer der besten, den ich bei Videospielen je gehört habe. Wenn wir Fragile Dreams mit einer Stimmung vergleichen können, dann ist es die der triefenden Melancholie. Ständig spielt es mit dieser traurig-munteren Gefühlslage und der Spieler kann sich dieser Infektion nur mit Hilfe von Kältebädern entziehen. Fragile Dreams ist an manchen Stellen einfach nervtötend und unverschämt unkomfortabel. Wer dem Spiel die (eklatanten!) Schwächen aber verzeiht und sich auf das Wesentliche konzentriert, wird hier einige Schätze höheren Wertes bergen. Kein Spiel für jederman. Wer sich aber hauptsächlich gerne von Stimmungen und einer beklemmenden Atmosphäre in die träumerischen Lüfte tragen lässt, der ist mit Fragile Dreams wirklich bestens bedient. Bringt die Geduld auf, es lohnt sich trotz allem!
8/10 – Toll (8er sind eindrucksvoll geraten, haben aber ein paar erkennbare Probleme. Werden nicht jeden in erstaunen versetzen, aber sind ihr Geld absolut wert.)
Wir bedanken uns mit Kniefällen bei Klaus für die großzügige Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Allein auf weiter Flur
Fragile Dreams erzählt die rührselige Geschichte eines Jungen namens Seto, der nach dem Tod seines Onkels in einer postapokalyptischen Welt auf Entdeckungsreise geht. Seine ihn antreibenden Gedanken zirkulieren um ein silberhaariges Mädchen, das ihn aus seiner nagenden Einsamkeit retten soll. Aus der Third Person-Perspektive führen wir den heranwachsenden Jüngling durch menschenverlassene Ruinen einer verblichenen Industriegesellschaft. Mit Taschenlampen bewaffnet, die sich authentisch mittels der Wiimote steuern lassen, stapfen wir durch triste, leichenhafte Landstriche, streifen durch unterirdische U-Bahn-Stationen, vergnügen uns auf leblosen Jahrmärkten oder inspizieren verlassene Industrie-Komplexe. Immer auf der Suche nach Menschen, die Seto aus seiner ungemütlichen Verlassenheit reißen.
In dieser menschenverlassenen Gegend führt die Einsamkeit das Regiment. Seto ist darauf aus, händeringend nach anderen Menschen zu suchen. Dabei erkundet ihr mit unterschiedlichsten Leuchtquellen (es gibt sogar eine neongrün leuchtende Taschenlampe, die Geheimschriften lesbar macht) die dunkelsten Katakomben, in der eine dezente, subtil angehauchte Gruselstimmung vorherrscht. Neben der Erkundung steht auch das Kämpfen im Mittelpunkt des Geschehens: Mit Nah- und Fernwaffen unterschiedlichsten Typs versucht ihr phantasievoll gestalteten Gegnern (z.B. fluoreszierende Quallen) den Garaus zu machen. Während ihr versucht, letzte Überlebende ausfindig zu machen, hellt sich gleichzeitig die Ursache für die zerstörte, postapokalyptische Szenarie auf.
Die Umstände werden auf eine bewegende, intelligente Weise beleuchtet: ihr trefft auf Hinterlassenschaften von verschollenen Menschen, die persönliche Anekdoten von ihren Besitzern erzählen. Kleine qualitativ schwankende, kurze Erzählungen, die ein Licht auf die Bewohner und die Zivilisation werfen. Auch verstorbene Seelen durchziehen die öden Landstriche und helfen euch durch eure von Einsamkeit geprägte Odyssee.
Was wir mochten:
Gefühl der Vereinsamung Fragile Dreams ist gut darin, ein pulsierendes, stechendes Gefühl der Einsamkeit heraufzubeschwören. Wir laufen durch verkommene, verrostete U-Bahn Schächte und zerbröckelnde Einkaufspassagen, in denen die Überbleibsel der Menschheit wie Relikte anmuten und von einem früheren Leben erzählen, das mit dem jetztigen in keinem Punkt zu vergleichen ist. Als Seto durchstöbern wir die Hinterlassenschaft einer versunkenen Zivilisation und kleine, banale Gegenstände tragen erzählenswerte Erinnerungsfetzen von längst Verblichenem. Eine unscheinbare Milchflasche, an der traurige Gedanken eines todesmüden Mannes hängen, ein Handy, auf das ein Mädchen mit sanfter Stimme ihre letzten Worte aufnahm. Klein portionierte Handlungsstränge werden so eingefädelt und wunderschön in Szene gesetzt. Wie bei Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit sind die alltäglichen, scheinbar bedeutungslosen Gegenstände des grauen Alltags mit Sinninhalten geschwängert und rufen einen Schwall von erinnerungsträchtigen Assoziationen hervor.
Es menschelt in der Kiste Fragile Dreams strahlt hochgradige Isolation aus. Dementsprechend sehnsüchtig irrt Seto auch durch die menschenverlassenen, verrammelten Landschaften. Sein nimmermüder Wunsch ist der Kontakt mit seinesgleichen. Menschen, mit denen er sprechen, lachen, sich austauschen kann. Gleich zu Beginn machen wir die Bekanntschaft mit einem sprechenden Rucksack, der eine freundlich gesinnte KI in sich birgt und uns mit Rat und Tat zur Seite steht. Eine schraubenhaltige Maschine trifft auf einen Menschen aus Fleisch und Blut. Diese pikante Konstellation birgt Brisanz. Ein Beispiel: Früh am Anfang verlassen wir einen U-Bahn Schacht. Uns strahlt die Abenddämmerung mit ihrem rötlich schimmernden Rotstich an. Während Sato sich in romantischen Bewunderungsausrufen ergeht, kramt die KI eine wissenschaftliche Erklärung für dieses idyllische Farbenspiel hervor. Gefühl trifft auf eiskalte Rationalität. Doch diese aufgrund der maschinellen Herkunft dominante Vernunftgelenktheit zerbricht immer mehr und gibt Raum frei für gefühlsgetränkte Wortschwälle. Die KI wird immer menschlicher und in ihren Worten schimmert immer mehr die Freude über das Zusammensein mit Seto hervor. Daraus ergeben sich rührende, herzerwärmende Dialoge. Selbst intelligente Maschinen sehnen sich wie du und ich nach Zweisamkeit, nach Geborgenheit, nach Zärtlichkeit. Beide eint die flammende Sehnsucht nach Freundschaft. Fragile Dreams macht das einfach phantastisch. Es spielt fast auf einer philosophischen Klaviatur: Menschen brauchen Seelenverwandte, Freunde, ohne die sie die Trübsal des Lebens nicht aushalten können. Wenn man sich eines freundschaftlichen Beistandes gewiss sein darf, wird selbst die lebensentzogenste Wüstenei zu einer vegetationsreichen Oase. Aus Rost wird eine schimmernde Glasur. Menschen, die einander die Hand reichen. Darauf kommt es an. Diese universelle Thematik wird von Fragile Dreams aufgegriffen und fast poetisch in Szene gesetzt.
Award für “Best Art” Die vorab veröffentlichten Trailer haben es schon mit blendenden Leuchtreklamen signalisiert: Fragile Dreams ist ein visuelles Schmuckstück. Die Grafik ist für Wii-Verhältnisse zufriedenstellend. Doch das Art Design ist ganz klar der eigentliche Star in der Manege. Manchmal blitzen kleine, kurzatmige, visuell hochgradig bestechende Videos auf, die poetische Bilder evozieren und schätzenswerte Erinnerungen der Protagonisten abrufen. Gerade jene sind besonders famos ausgefallen. Hier waren richtige, ihr Handwerk verstehende Künstler am Werk, die viel Herzblut in die künstlerische Ausrichtung des Spiels investiert haben. Auch der im Spiel immer wieder thematisierte Mondschein trägt viel zur beklemmenden, melancholischen Atmosphäre bei. Fragile Dreams ruft gemäldereife Bilder hervor, die so schnell aufblitzen wie sie wieder verschwinden. Sei es eine vom Mond sanft beschienene Wasserlache, welche mit blühenden, anmutigen Seerosen gesprenkelt ist, oder das silberhaarige, geheimnisumwitterte Mädchen, bei der man oft meint, der immerwährende Schimmer des mondbleichen Lichtes habe ihr langes Haar gebleicht.
Herzerwärmender Soundtrack Das Spiel beeindruckt nicht nur durch seinen ästhetischen Stil. Auch die Musik besticht auf ganzer Linie. Nicht umsonst heißt es auf der Verpackungsrückseite: “Lass dich von dem bewegenden Soundtrack aus der Feder einiger der bekanntesten Komponisten Japans verführen.” Die akustische Begleitung weckt Emotionen gleich eines wärmenden Nieselregens. Gänsehaut-Feeling entsteht, wenn die melancholisch brütenden Klänge mit preisgegebenen Bildern und Inhalten korrespondieren und wechselseitig eine fruchtbringende Kooperation eingehen. Dann entsteht dramatisches Gefühlskino. Menschen mit einem Sinn für Dramen und Herz- und Schmerzgefühlen kommen hier ganz klar auf ihre Kosten.
Gefühlskino auf Japanisch Glücklicherweise ist die PAL-Version mit einem großen Pluspunkt ausgestattet: ihr habt die Wahl entweder die englische oder die original japanische Sprachausgabe erklingen zu lassen. Besonders die japanischen Sprecher hören sich einfach fantastisch an. Als Nichtkenner dieser melodiös anmutenden Sprache regiert zwar das Unverständnis, aber im Zusammenhang mit englischen oder deutschen Untertiteln gewinnt Fragile Dreams dadurch zusätzlich an Bindekraft und Faszination. Behutsame PAL-Anpassungen hinsichtlich der zur Verfügung gestellten Sprachausgabe sind speziell bei Videospielen aus Japan auch nicht gang und gäbe.
Geschichte als Antreiber Fragile Dreams weckt Neugierde. Unser Onkel ist tot und wir kommen in die große weite Welt hinaus. Seto gibt sich unbedarft, wirkt wie ein Wolfskind und kennt die einfachsten alltäglichen Gebräuche der Menschheit nur vom Hörensagen oder eben überhaupt nicht. So muss er sich das Aussehen eines Schwanes erklären lassen, wozu ihm ausgerechnet eine blecherne KI als Aushilfe zur Seite steht. Der junge Mann wurde vom Onkel anscheinend gut gehütet in seinem Observatorium verstaut und kam infolge dieses “Gefängnistraktes” nicht wirklich in Kontakt mit der in Schutt und Asche gelegten Trümmerlandschaft. Warum ist die Welt zu Bruch gegangen? Warum existieren so wenig Überlebende? Was ist überhaupt genau passiert? Als Spieler tappen wir bezüglich dieser elementaren Fragestellung lange im Dunkeln. Nur langsam sickern einige Tatsachenberichte ans schummrige Licht und als Spieler werden wir dazu aufgerufen, uns selbst einen Reim auf das Schicksal dieser Menschen zu machen. Die traurigen, in Schmerz versunkenen Seelen erzählen von ihren letzten Stunden, nur vereinzelt entdecken wir Informationen, welche die nebulöse Szenerie aufhellen. Die Geschichte macht neugierig. Und treibt einen als Hauptmotivation an. Nur so viel sei verraten: Während handelsübliche postapokalyptische Szenarien die übliche atomare Kontaminierung als Prätext aufführen, legt Fragile Dreams einen poetischen Hergang an und zeigt sich infolge dessen als weit erwachsener, gereifter als alle anderen Mainstream-Bombastrollenspiele.
Was wir weniger mochten:
Viele Umständlichkeiten Fragile Dreams hat ein schick designtes Menü. Doch speziell das ansonsten wunderbar handhabbare Inventar bürdet dem Spieler manche Unbequemlichkeiten auf, die auf Dauer etwas zermürbend sind. Der Platz ist limitiert und ihr könnt überzählige, nicht zu brauchende Objekte nur an bestimmten Stellen in Koffern verwahren. Dieser Inventar-Haushalt ist seit Resident Evil verpönt und erfordert manchmal unnötiges, kräftezehrendes Backtracking. Viele Gegenstände können auch nur an Lagerfeuern, die als Rückzugsplatz die Gegend durchziehen, identifziert und kenntlich gemacht werden. Zu allem Überfluss entschlossen sich die Entwickler zu einer seltsamen Entscheidung, was wohl in der Usprungsintention die strategische Tiefe forcieren sollte: die benützbaren Waffen zerbrechen recht schnell und ihr müsst ständig auf Ersatz schielen, was bei dem begrenzten Inventarplatz schwer zu bewerkstelligen ist. Nervig.
RPG-Anteile auf Rohkost-Diät Die RPG-Elemente sind auf ein Minimum reduziert. Eigentlich sind sie so gut wie nicht existent. Nach dem Verkloppen von Gegnern steigt die Stufe abhängig von euren Erfahrungspunkten automatisch an, die Gesundheitsanzeige ebenso wie die Angriffskraft plustern sich auf. Ansonsten ändert sich nicht viel. Fähigkeitspunkte dürfen leider nicht verteilt werden – von einer Charakter-Personalisierung wollen wir erst gar nicht sprechen. Die Entwickler hätten diese dezenten RPG-Anklänge spürbar aufschrauben können. Leider ist das nicht geschehen. Eigentlich schade drum. Dafür punktet das Spiel wenigstens bei der Verfügbarmachung von unterschiedlichsten Waffen, die sich komplett unterschiedlich ausnehmen und andere Herangehensweisen erfordern.
Kämpfen für Arme Dem nüchternen Kampfsystem gebricht es an Substanz und Anspruch. Ohne ein praktisches Lock-On System, das die Gegner fixierend in den Blick nimmt, kommen oftmals vermehrt Schwierigkeiten bei der Bekämpfung der Gegnerscharen auf. Auch fehlt es an taktischen Finessen. Kleine Combo-Attacken versuchen einen Hauch von strategischen Vielfältigkeiten zu erzeugen, aber das Fehlen von komfortablen Ausweichmöglichkeiten im Zusammenhang mit einer mangelnden Variationsbreite von Angriffsmöglichkeiten ruft eher Langeweile als Freude bei Auseinandersetzungen hervor. Das Kämpfen degradiert sich somit zu einer lästigen Pflichtübung. Irgend wann später im Spiel versucht man den Gegnern einfach nur zu entwischen.
Wenig Interaktionsmöglichkeiten: Ihr könnt jederzeit in die Ego-Perspektive schalten und die Umgebung erforschen. Leider gibt es dafür so gut wie keinen Grund. Die Interaktion mit eurer Umgebung ist fast gänzlich auf das Aufheben von blinkenden Objekten beschränkt. Das Spiel hätte spürbar an Reiz gewonnen, wenn es euch frei gestellt wäre, interaktiv mit der Umwelt zu interagieren. Wie wäre es z.B., den Wasserhahn in der Toilette anzudrehen, oder einen geschlossenen Schrank mittels der Wiimote aufzustoßen? Hier wurde viel Potential verschenkt, was den Erkundungsreiz stark eindämmt. Silent Hill: Shattered Memories hat gezeigt, wie es geht.
Haarsträubende Design-Schnitzer: Das spezielle Erlebnis von Fragile Dreams wird von haarsträubenden Schnitzern überschattet. Genau wegen diesen Dingen kann ich das Spiel nicht uneingeschränkt empfehlen. Wir laufen des Öfteren durch immergleich aussehende Korridore, die scheinbar an einem Imitationswettbewerb teilnehmen und mit wenig Abwechslung aufwarten. Wir klettern minutenlang Leitern herunter, so dass man das Gefühl bekommt, die Entwickler wollten die Spielzeit künstlich in die Länge strecken. Vielleicht wollten die Produzenten durch solche ermüdenden Laufpassagen das Gefühl der Isolation bestrickend inszenieren, aber im Endeffekt beschwört das nur einen lähmenden Widerwillen beim Spieler herauf. Auch sind viel zu viele Gameplay-Sequenzen im Spiel teilweise unter aller Sau: Einige Aufgaben im Spiel sind milde gesagt langweilig, repetitiv und zehren an dem Toleranzpotential. Man muss ich in manchen widersinnigen Passagen wirklich durchringen, das Spiel nicht erbost zu ohrfeigen. Doch zum Glück ist das Entzücken über die nächste Soundtrack-Auskopplung und die Preisgabe neuer Story-Enthüllungen am Ende doch größer. Diese nicht von der Hand zu weisenden Defizite haben dem Spiel bei der internationalen Presse schon das Genick gebrochen. Letztlich ist das Spiel in seiner Gesamtkomposition erstaunlich liebenswert, so dass diese Kritikpunkte sonderbarerweise verzeihlich sind.

Fragile Dreams mag kein gutes Spiel im herkömmlichen Sinne sein, dafür punktet es in elementareren Bereichen, die sonst in dieser Branche vernachlässigt werden. Ich kann dem Spiel keine universelle Kaufempfehlung attestieren, aber wer einem stimmungslastigen Gefühlsdrama nicht abgeneigt ist, der wird hier trotz aller Kinderkrankheiten und nervtötenden Defizite ein wunderbares Erlebnis haben. Fragile Dreams spielt einfach mit Themen, die mich persönlich sehr ansprechen. Mit Stimmungen, welche bei mir die richtigen Saiten anzupfen. Wer eine Wii besitzt, sollte als eingefleischter Spiele-Fan Fragile Dreams erlebt haben. Es ist etwas Besonderes, sehr Spezielles. Hier regiert Inhalt über Form. Es ruft eine ganze Palette von Gefühlen hervor in einem dramatischen, elegischem Tonfall. Es macht nicht unbedingt immer Spaß (oft ist es einfach nervig). Aber wichtige Dinge bereiten eben nicht immer Genuss. Ich rate euch: Schaut über die Defizite hinweg und betrachtet das große Ganze. Ein Hoch auf die Wii!
Ähnliche Artikel:
{ 33 comments… read them below or add one }
Wie immer ein sehr guter Artikel!
Macht weiter so …
Für mich die beste Gaming-Seite "am Markt" auch wenn ich eher ein stiller Leser bin!
Herzlichen Dank für deinen Zuspruch Robert!
Wir haben auch stille Lieser lieb ;-)
Danke, für den Bericht! Bevor ich mir ein Wii-Spiel kaufe, lese ich immer solche Berichte, damit ich weiß wie die Spiele so sind :)
Gerade bei Amazon für 16,99 zu haben!!!
http://www.amazon.de/gp/offer-listing/B00311KBBS/...
Verdammt! Wie soll ich mich da jetzt noch zurückhalten?!
Garnicht! Ich habe zwar mein geplanntes Budget für diesen Monat ausgeschöpft aber ich musste einfach zuschlagen. Weihnachten wird eben vorverlegt :-)
PS: vielleciht mal in euren Amazon-Schnäppchen Ticker aufnehmen? ,-)
wie gefällt es dir? kannst du über die eklatanten macken hinweg sehen?
Das wurde leider noch nicht geliefert Klaus, da ich es gestern erst bestellt habe aber wenn die Story wirklich so gut ist, werde ich wahrscheinlich die Eine oder Andere Macke sehr leicht verschmerzen können. Ich melde mich, wenn ich das Spiel an- oder gar durchgespielt habe :-)
Ich freu mich! :) Hoffentlich hast Du es bald.
super. wir warten :-)
Das Spiel wurde geliefert und das WE steht vor der Tür ;-)
Ich mag auch wissen, wie dir das Spiel gefällt. Bin im wigelwagel, ob sich der Kauf (und vor allem die dann zu investierende Zeit) lohnt oder nicht.
Also, auf gehts!
und wofür hab ich das review geschrieben? los kaufen!
Jep, das habe ich mir in dem Moment, als ich den Kommentar abgeschickt auch gedacht. Ist schon ein wenig seltsam, dass ich lieber auf ein, naturgemäß kurzes, Feedback von einem Kommentator warte als das ausführliche Review zu lesen. Hmmm, ich kann das Spiel ja auf meine Amazon Geschenkliste stellen! Eine gute Idee!
Gebe ich dir 100% recht! Wofür hast du dann bitteschön das Review geschrieben?!? :-)
@Stefan: ein KURZES Review also (da ich wenig Zeit habe, kommt später ein längeres). Nun denn:
Ja, Nein, Vielleicht
War das aussagekräftig? ;-) Heute mittag mal n paar mehr Zeilen, dann werde ich alle drei Punkte genauer erklären. I promise!
So, ich versuchs mal:
1tens) Mein Testspiel fand am Sa um 23:30 statt, alles dunkel, draußen Nebel, perfekte Apokalysestimmung
2tens)
JA = Die Grafik ist sehr schön, teilweise bedrückend, die Welt ist verfallstechnisch gut in Szene gesetzt. Die Steuerung ist bis auf ein par Macken sehr bekömlich. Die Fimsequenzen sind wunderschön, teile der Geschichte (habe nur 4 Spielstunden hinter mir, also noch nicht sehr weit) sind sehr gut erzählt, die Emotionen kommen sehr gut rüber und werden auch bei mir hervorgerufen.
(Teil 1)
(Teil 2)
NEIN = Was ist passiert? Weiß ich nicht, erfahre ich (noch?) nicht. Ich fange an und laufe los. Wieso, weshalb, warum? Weiß ich nicht. Außer dass der alte Mann tod ist, gibt es keine Vorgeschichte. Alles tod, alles leer und falls ich jemanden finde, muss ich SPIELE mit ihm spielen? Ich meine, das ganze Spiel soll eine apokalytischen Charakter haben aber falls ich ein Wesen finde, spiele ich mit ihm verstecken oder fangen um voran zu kommen?!? Was soll das? Auf einen Schlag ist die Atmosphäre weg und man ist kurz frustriert. Beim "spielen" wird dann ein so perfektes Timing erwartet, dass die Frustration kurzweilig in Wut umschlägt und man keine Lust hat. So wie ich. Ich mag nicht mehr fangen spielen, ich mag den blöden Katzenmensch nicht mehr fangen, denn ich bin schon ~30mal gescheitert. Und das nur, weil bei diesen Minispielen nur bestimmte Aktionen erlaubt sind und ich ihn nicht angreifen kann, ansonsten wäre er schon längst Geschichte. Schade, Frust pur.
(Teil 3)
Vielleicht = Ich bin ein Sammler. Und kann hier wenig mitnehmen. Und kann nur an bestimmten Stellen zwischen großem und kleinen Koffer die Objekte wechseln. Ärgerlich. Die Steuerung beim Kampf manchmal unübersichtlich, hat mich schon 2x bei schwachen Gegnern das Leben gekostet (dafür sind die Speicherpunkte mehr als Großzügig gesetzt, fast jeder Raum hat einen *freu*). Es gibt viel Geld, aber man kann nur wenig kaufen (bis jetzt zumindest). Und das Leveln hätte man sich fast sparen können. Nach vier Stunden bin ich auf Level10, fast drei mal so stark wie am Anfang und könnte mich hochleveln wie ein Superman, da die Gegner nach jedem Speichern respowned werden und immer an der selben Stelle sind. Achso, das Mädel dass er sucht ist (typisch asiatisch) ist halbnackt, kommt aus dem nichts, ist im nichts verschwunden und hat es ihm eben angetan. Ein bischen zu klischeehaft… ;-)
(Teil 4 / Fazit)
3) Fazit: Das Spiel ist wunderschön und macht Spaß. Solange man die Geduld für die Minispiele mitbringt. Für mich sind diese leider sehr ärgerlich und Störfaktor nummero UNO aber ich hoffe dass die Motivation weiterhin bleibt. Das Spiel hat es definitiv verdient gespielt zu werden, die Welt sollte erkundet werden. Die Verwesung der Welt ist sehr schön und teilweise beklemmend eingefangen. Und ich möchte wissen, was mit dieser passiert ist! Wurmt mich schon, dass ich es nicht weiß… :-)
Leider kann man keine langen Kommentare hinterlassen, deswegen diese Splittung. Und ich musste mich berufsbedingt kurz fassen, weswegen man mir die Rechtschreibfehler verzeihen möge :-)
Vielen Dank für deine Zweitmeinung (neben der von Klaus!). Werde mir das Spiel wohl dann doch kaufen/schenken lassen, stehe ja eigentlich auf japanische Spiele aller Art, und eure beiden Meinungen klingen nicht soo abschreckend, dass ich es nicht mal probieren kann. Finde es aber schade, dass man sich scheinbar gewisse Spieleerfahrungen "erkämpfen" muss.
Danke euch beiden!
boah dieses Versteckspiel ist das Übelste am ganzen Spiel. Ich habe es gehasst. Und das Spiel in diesem Moment auch. Richtig, richtig schlecht designt.
Aber das Versteckspiel wird dir ja von dem Katzenmensch aufgezwungen und entspringt nicht der Intention deiner Spielfigur. War für mich kein Atmosphärekiller.
Na also. Jetzt ist Stefan überzeugt, und wir haben unsere Arbeit gemacht. Haste toll gemacht Malkavianer! :-)
Ich verstehe blos den Sinn nicht. Ich bin alleine, die Welt ist vernichtet, alles tod. Dann finde ich jemanden und muss spielen? Ich verstehe nicht warum. Auch wenn es mir aufgezwungen wird, NEIN, gerade WEIL es mir aufgezwungen wird verursacht dies nur Wut in mir. Mir ist nicht nach fangen spielen, ich muss überleben. Aber es zwingt und lässt keine Wahl. Sehr deprimierend…
"Starship Toopers, der Anfang – kleiner Junge in der ersten Reihe": Auch ich leiste meinen Beitrag! *lach*
Freut mich, ein Käufer mehr. es lohnt sich!
Die Idee an sich fand ich nicht schlecht. Nur die Umsetzung in die Praxis war einfach fürchterlich. Du bist OMEGA-Man, sprich der Einzige Mensch auf der Welt, findest jemand anders, und wirst gezwungen, ihn zu fangen. Find ich eine super spannende Angelegenheit. Gerade weil man nach anderen Menschen dürstet, und mutwillig daran gehindert wird. Super! Aber dann dieser spieltechnische Dreck, der sich daran anschließt. Selten ein Spiel so verflucht wie in dieser Stunde. Vor allem erstreckt sich diese Szene auf eine recht lange Spieldauer. Wie Stefan schon klug erwähnt hat, man muss sich das Spiel "erkämpfen". Die Inhalte, die verzaubern. Vielleicht verzaubern sie gerade deswegen so unheimlich. Wenn man Hunger hat, schmeckt eben alles noch viel köstlicher.
Wenn du das Spiel durch hast, teil' uns deine Gedanken mit. Fand die Story-Auflösung sehr interessant.
Hmmm, ihr kriegt aber keine Prozente oder so? Wobei, bei dem Preis ist diesbezüglich auch nicht mehr viel zu holen…
Neee, keine Prozente. Blos, wenn ich von einem Produkt überzeugt bin, versuche ich andere auch zu überzeugen. Wenn du wüsstest wie viele meiner Kumpels durch mich Fallout3 GotY gekauft haben *lach*
Ich bin noch immer skeptisch. Meine Frusttoleranz ist nicht sehr hoch – und da soll ich diese "Minispiele" mitmachen? *grml* Mal sehen…
Minispiele sind die Ausnahme. Habe jetzt 4 Stunden hinter mir und "nur" 2 Minispiele. Auch wenn zwei in dem Fall zwei zu viel waren… Ach komm, gib dir einen Ruck.
PS: Sex sells –> Das Mädel in das er verliebt ist, läuft halb nackt rum. Na, überzeugt t?!? :-)))
:D Ja – mal sehen… Hab ja noch soviele andere Games, die schon daheim herumliegen – diese sollte ich auch zocken…
Bei meiner nächsten Amazon-Bestellung wird Fragile halt "zufällig" dabei sein…
würde mal gern wissen, ob sich Fragile gut verkauft hat…
{ 1 trackback }