Klaus

Humble Bundle mit Erfolgsbilanz (und “Wermutstropfen”)

von Klaus am 12. Mai 2010 · 8 Kommentare

Pay what you want or pay nothing
Pay what you want or pay nothing

Wir haben ausgiebig über das Humble Bundle berichtet (inklusive eines Lobgesangs auf unseren neuen Liebling Aquaria), das dem Kunden freistellt, wie viel Geld er in ein mit sechs (!) Indie-Spielen angefülltes Paket investieren möchte (Pay-what-you-want). Die Nachricht über dieses einzigartige Angebot verbreitete sich wie ein gut geöltes Lauffeuer und nicht zuletzt aufgrund dieser aktiven Propaganda können die Verantwortlichen einen Erfolg verbuchen: Verteilt über sieben Tage haben sich 124,908 Menschen dazu bereit erklärt, eine stattliche Summe von insgesamt 1,143,919 Dollar beizusteuern. Knapp 31% dieses Betrages wanderte an die karitativen Einrichtungen (Child’s Play & Eletronic Frontier Foundation). Damit haben die Initiatoren wohl nicht gerechnet, die dazugehörige Pressemitteilung zeigt sich nämlich leicht enthusiastisch:

“The Humble Indie Bundle experiment has been a massive success beyond our craziest expectations.“

Erwartungen übertroffen also. Herzlichen Glückwunsch! Feierlaune also? Sollte man meinen, aber…

Dennoch ist wie immer im Leben nicht alles eitel Sonnenschein. Denn ein klitzekleines Wölkchen zeigt sich am sonst strahlend blauen Horizont. Aufgrund der bewusst freizügigen und offenherzigen Politik (nicht die kleinste Beschneidung der digitalen Rechte, alles DRM-frei, freie Verfügungsgewalt über die digital erhältlichen Spiele) und der nicht vorhandenen Download-Beschränkung haben sich ein paar Nutznießer die Freiheit genommen, ohne Bezahlung an die Spiele heranzukommen. Die Download-Links der Spiele sind jederzeit aufrufbar, die Spiele “redownloadbar” und wurden anscheinend in generöser Spendierlaune fröhlich weiter verbreitet.

Wolfire schätzt den Anteil der gekaperten Downloads auf 25% (ohne Berücksichtigung von BitTorrents). In dem verlinkten Blog-Eintrag ergeht man sich in Spekulationen über die möglichen Gründe der Handlungsweise der Piraten und denkt offen über mögliche Konsequenzen nach, technische Hürden zu implementieren, um zukünftig der übermäßigen Inanspruchnahme der Download-Links entgegenzuwirken (warum nicht einfach 0,01$ spenden?)

Da sind wir wieder bei der Frage von DRM-Beschränkungen. Würden wir hier als ehrliche Käufer die Bequemlichkeit einschränkenden Maßnahmen gutheißen, damit die Indie-Entwickler und Charity-Einrichtungen ihr Geld auch wirklich am Ende des Tages bekommen? Oder ist uns Freiheit wichtiger und die paar Fremdgänger werden eben als negativer Nebeneffekt abgetan? Hier zeigt sich gewiss in kleinen Ausmaßen das Problem von DRM und seiner Berechtigung. Wie werden Freiheiten ausgenutzt, wenn die Schranken quasi abmontiert werden und nicht existent sind? Schwarze Schafe gibt es immer. Das sollte nicht das ganze System in Frage stellen, denn das Humble Bundle ist auch trotz dieses kleinen Wermutstropfen ein toller Erfolg gewesen und wird hoffentlich weitere solche Aktionen in Umlauf setzen, die uns mit weiteren herausragenden Indie-Spielen beglücken.

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Pay what you want-Mania: Diesmal Sleep is Death
16. Mai 2010 um 22:34

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1 XfrogX 12. Mai 2010 um 20:11

Also ich tippe das keiner dieser 20% auch nur 0,01 € bezahlen würde. Also würde die gesammt menge nicht steigen eher wären ein paar beleidigt oder gegen drm und würden deswegen auch nicht oder weniger bezahlen, denke viele haben genau um dieses verhalten zu unterstützen mit gemacht und bezahlt. Den die games wird man bestimmt auhc vorher schon gratis bekommen haben wenn man wollte.

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2 Thomas 12. Mai 2010 um 20:23

Das erinnert irgendwie an die Musikindustrie. Also ob auch nur einer von Kopierern irgendeine noch so kleine Summe ausgegeben hätte.
Und wo ist denn nun das Problem? Sie haben doch ihr Ziel erreicht und sogar übertroffen. Es können doch alle glücklich sein. Es muss nun natürlich wieder das Haar in der Suppe gesucht werden.

P.S.: Ich will damit nicht illegales kopieren rechtfertigen. Das ist und bleibt nach wie vor anzuprangern! :-)

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3 Jeremy 12. Mai 2010 um 20:52

Manche Menschen sind und bleiben einfach Arschlöcher. Edler Kampf gegen DRM my ass.

Die Rechnung von Wolfire lässt übrigens multiple Downloads außer acht. Wenn ich also hier mehrere Betriebssysteme laufen habe, oder von mehreren IPs herunterlade, wird das in der Statistik als Raubkopie gezählt. Nur mal so.

Die Macher hinter dem Bundle haben übrigens wegen dem großen Erfolg angekündigt, die Spiele (mit Ausnahme von World of Goo, eigenartig) Open Source zu machen. Also den Quellcode zu veröffentlichen.

Es wird wohl immer raubkopiert werden, egal ob DRM oder nicht. In einer perfekten Welt würden die Entwickler das kapieren, und uns endlich mit ihrem beknackten SecuROM/Liveserver Hodenkrebs in Ruhe lassen.

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4 David 12. Mai 2010 um 21:12

Ich sehe es ehrlich sogar andersrum: Die Aktion hat gezeigt, dass viele Menschen bereit sind für gute Ware und gute Aktion gerne was zu zahlen. Okay, im Schnitt haben die Leute etwas mehr als 9 Dollar gezahlt, was doch recht wenig erscheint, wenn man dagegenrechnet, dass das Paket einen Wert von 80 Euro hat. Aber es wird eben viele geben haben, die vielleicht 4 Dollar bezahlt haben, weil es eben auch Sinn macht und nicht einen Branchenriesen noch fetter macht, sondern Indie-Programmierer und Hilfsorgas unterstützen. Diese Leute hätten sich vielleicht auch diese Spiele nicht gekauft (ich wohl auch nicht). Aber es zeigt, dass ehrliche Arbeit eben doch Erfolg hat und gut ankommt. Dennoch kann ich verstehen, dass den Piraten an dieser Stelle begegnet werden sollte, jedoch mit Maßnahmen, die eben das zu einfache Abgreifen unmöglich machen. Das muss kein DRM-Rotz oder Kopierschutz sein, sondern vielleicht andere Schutzmaßnahmen. Hier sind dann vielleicht auch innovative Kräfte gefragt. Denn ich denke, wenn der Aufwand des illegal Beschaffens nur minimal angehoben wird, so werden deutlich weniger noch versuchen diese Hürde zu nehmen. Und Cracker werden wohl kaum eine solche Aktion bombardieren. Die brauchen ihre Zeit, um DRM und Securom zu knacken.

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5 Jeremy 12. Mai 2010 um 21:48

Die Köpfe hinter dem Bundle haben betont, dass sie absichtlich keine Maßnahmen ergriffen haben, um beispielsweise die URLs der Downloads zu verschleiern, EBEN WEIL es so einfach wie möglich sein sollte. Die bekamen sogar Mails von Leuten, die sich genau deswegen bedankt haben, dass sie mit problemlos mit wget und ohne großes Cookiegehampel herunterladen konnten. Macht schließlich auch sinn, nicht jeder hat einen 100MBit-Glasfaserpenis im Keller und freut sich über jeden Download, den er nicht am Stück zu holen braucht.

Ich mag den Idealismus dahinter, hätte das aber wohl anders gemacht.

Ich glaube allerdings auch, dass auf diese Weise die Macher lediglich ein wenig von ihrem Traffic sparen würden. Jene Menschen wären einfach auf BitTorrent oder One-Click-Hoster umgestiegen.

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6 Sinaria 14. Mai 2010 um 09:06

Wenn ich an die DRM Zeug in die Siedler 7 denke, kriege ich immer noch die Krätze. Ich habe mir das Spiel gekauft, trotz der ganzen Kritik und jetzt ärgere ich mich immer wieder damit herum.

Ich hoffe bloß, dass die Hersteller allgemein, von solchen Methoden absehen, was ich stark bezweifle.

Und Parasiten, die alles für nichts haben wollen, gab es schon immer und wird es immer geben!!! Es ist keine Erfindung der Neuzeit.

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7 Thorben 17. Mai 2010 um 11:51

Ich habe mir das Bundle auch gekauft. Wegen World of goo für PC (für meine Freundin, ich selber hatte es schon vorher gekauft). Und Aquarius ist wirklich cool, ausserdem ist Gish witzig (auch wenn ich es kaum raffe). Für den Rest hätte ich ehrlich gesagt kein Geld ausgegeben, aber auch als illegaler Download hätte sich das dann nicht gelohnt. Ich denke auch, dass einem durch “Raubkopien” nur wenige Käufe verloren gehen, gerade be einer solchen Aktion wo ich das Ganze eh für 1€ hätte kaufen können.

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