Ihr habt es sicherlich schon gehört bzw. gelesen: Mit Lara Croft: The Guardian of Light betreiben Square Enix und Crystal Dynamics eine vehemente Richtungsänderung. Das kündigt sich schon in der Namensgebung an. Statt Tomb Raider heißt es Lara Croft – schon in Namen also eine signifikante Abkoppelung von alten Zöpfen. Parallel zu angegrauten Serientraditionen möchten die Entwickler wohl frische, ungekannte Pfade beschreiten und der Hobby-Archäologin eine neue Visage verpassen: Aus der isometrischen Perspektive erleben wir auf dem PC, der Xbox 360 und der PS3 ein digital zugängliches, im Download-Format gehaltenes arcade-inspiriertes, ungefähr sechstündiges Abenteuer voller Rätsel, Feuergefechte und kooperativen Spielelementen. Denn die als typische Eigenbrötlerin groß gewordene Lara Croft erhält als Eskorte einen stämmigen Begleiter, mit dem sie durch dick und dünn geht (auf Wunsch kann natürlich ein Freund die Kontrolle über diesen übernehmen). Ein brandneuer Trailer vermittelt uns erste Spieleindrücke von der “neuen” Lara Croft. Wir sind positiv überrascht.
Die isometrische Perspektivwahl eröffnet der ehemals auf die Schulterperspektive fixierten Serie eine ganze Bandbreite neuer Möglichkeiten. Offenbar schlagen die Entwickler einen arcadelastigen Stil ein und mischen diesen mit hoffentlich anspruchsvollen Rätseln und knackigen Koop-Einlagen. Als kleine Überraschung stufe ich übrigens den “neuen” Look von Lara Croft ein: ihre Kleidungswahl erinnert frappant an das Outfit vergangener Tage (hoffentlich bleibt es auch dabei – die Modeschauen vergangener Tage gehören in die Mottenkiste). Auch die Erkundung von alten Tempelanlagen verströmt einen guten Eindruck. Vielleicht gewinnt Lara Croft infolge der Begleitung auch selbst an Farbe und Profil, weil sie abseits ihres eigenbrötlerischen Eremitendaseins endlich zur (beredten) Kooperation gezwungen wird. Interaktion mit anderen Menschen – diese soziale Kompetenz traute man der arroganten Tussi nicht immer zu.
Die Frage ist, inwiefern die Entwickler und der Publisher Lara Croft: The Guardian of Light als zweites Standbein positionieren möchten. Die alte Lara firmiert unter dem Namen “Tomb Raider”, während ihr experimentierfreudiges Pendant in ungewohnter Manier ihrem Indiana Jones-Dasein frönt? Durch die Konzeption als Download-Titel darf das Spiel viele Wagnisse eingehen, die ansonsten wohl undenkbar wären. Und ich glaube, diese 180° Drehung wird Lara Croft auch auf Dauer richtig gut tun. Es ist schön, wie die neue Digitaldistribution selbst renovierunfreudigen Hinkelsteinen einen neuen Steinmetz verpasst.
Vielleicht kapituliert man auch in Angsthasen-Attitüde vor der kreativen Übermacht eines Uncharted und versteckt sich daraufhin lieber vor der bissigen Schlange, als sich ihrer zu erwehren. Aber das wäre eine arg böswillige Interpretation, der wir uns geflissentlich verschließen.
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Erinnert mich optisch irgendwie sehr an Baldurs Gate und Konsorten.
Ich bin gespannt.
“Als kleine Überraschung stufe ich übrigens den “neuen” Look von Lara Croft ein: ihre Kleidungswahl erinnert frappant an das Outfit vergangener Tage …”
Neuer Look, der frappant an das Outfit vergangener Tage erinnert? Ist das nicht ein Widerspruch oder bin ich heute nur etwas verdreht?
Der Look erinnert an die alten Teile, unterscheidet sich aber von den aktuelleren. Also ein neuer alter Look. Deshalb nur in Anführungszeichen.
Ah, natürlich. Die Anführungszeichen hatte ich völlig ausgeblendet. ^^