Mai 192010
 

Heute Morgen erhielt ich eine E-Mail von Nintendo mit dem Betreff „Wario ist zurück und braucht Ihre Hilfe!“ Erst dachte ich an eine überraschende Ankündigung eines neuen Wario-Spiels, doch dann erfuhr ich in meiner Unkenntnis von einer niegelnagelneuen Wario Ware-Inkarnation (normalerweise müssen Gamgea-Redakteure, um überhaupt reelle Einstellungschancen haben zu können, jeden kleinsten Winkel der Videospiel-Welt ausleuchten können – mittlerweile weiß ich, dass es sich dabei um das letztes Jahr auf der E3 angekündigte Wario Ware-Spiel handelt). Weil ich die strunzdumme Idiotie und den abgefahrenen Humor dieser verqueren, nonkonformistischen Reihe abgöttisch liebe, verbunden mit dem absurden, minimalistisch verkleinerten Gameplay in Form von mikroskopischen Mini-Spielen, musste ich natürlich in meiner Unwissenheit die nötigen Informationen heranziehen: Wario Ware: D.I.Y heißt das für den Nintendo DS erschienene Spiel.

Erst machte sich ein bisschen Enttäuschung breit, weil sich die Anzahl an Mikrospielen nur in bescheidenen Ausmaßen entfaltet (neunzig vorgefertigte Spielchen), zweitens weil das Spielprinzip offenbar primär auf die Eigenleistung des Spielers abzielt. Nach einem näheren, detaillierteren Blick wich die anfängliche Skepsis aber einem Enthusiasmus: Der spielinterne, integrierte Editor gewährt euch viele Freiheiten, sieht gelungen und witzig aus, ohne ob seines knuffigen Außenbildes der nötigen Komplexität abhold zu sein. Wario Ware: D.I.Y. weckt nämlich im Optimalfall den Spieldesigner in Euch, in dem es euch ein potentes Werkzeug an die Hand gibt, eigene Mikrospiele zu kreieren (schaut euch das Einführungsvideo zum Spielkreationswerkzeug an). Dazu gesellt sich ein scheinbar ebenso tiefgründiger Musik-Editor, mit dessen Hilfe ihr eure Eigenkreationen musikalisch unterfüttert, und (komischerweise) ein Comic-Creator, den ihr hier im Einsatz seht.

Wario Ware: D.I.Y. akzentuiert den Community-Gedanken: Ihr könnt sowohl Mikrospiele downloaden als auch uploaden. Nintendo veranstaltet fantastischerweise in regelmäßigen Intervallen so genannte Themen-Wettbewerbe, wo ihr eure Spiele-Designer Kompetenzen im Wettbewerb mit anderen Spielern unter Beweis stellen müsst (aktuell ist das Thema „Dinos gegen Haie“ ausgegeben, bei dem der Gewinner am 25. Juni bekanntgegeben wird (dessen Spiel könnt ihr dann tollerweise auch gleich austesten). Wer sich des anstrengenden Werkelns nicht befleißigen möchte, kann regelmäßig bereitgestellte Mikrospiele herunterladen. Zum Beispiel auch „Promi-Spiele“, die von namhaften Designern hergestellt wurden (wie z.B. von Mr. Sakurai, der sich bekanntlich mit Super Mario Smash Brothers in die Annalen von Nintendo eingeschrieben hat).

Es gibt mehrere Möglichkeiten Mikrospiele auszutauschen. Parallel zur Veröffentlichung des Nintendo DS Spieles gibt es auf WiiWare den passenden Kanal mit dem Namen Wario Ware D.I.Y. Showcase. Dort könnt ihr eure kreierten Mikrospiele uploaden und auf eurer Wii-Konsole zocken. Oder ihr ladet mit der Konsole Spiele herunter und spielt sie auf euren Handheld rüber. Eine tolle Ergänzung also.

Nintendo verwirklicht mit Wario Ware D.I.Y. eine herausragende Spiel-Idee und reizt die Möglichkeiten des Nintendo DS bezüglich seiner erleichterten Input-Möglichkeiten und seiner Online-Funktionalität straffend aus. Videospiele werden zusehends zu einem Jungbrunnen der Kreativität und das verrückt anmutende, mit skurrilen Ideen vollgestopfte Spiel für den DS scheint euch eine breitgestreute Palette an Möglichkeiten an die Hand zu geben, eurer Kreativität freien Lauf zu lassen. Es muss schwer sein, falls man das Spiel sein Eigen nennt und die Editor-Funktion auszureizen gedenkt, nicht durch die Gegend zu laufen und sich permanent auf Ideen zur Umsetzung von Mikro-Spielen einzulassen. Ich finde die Idee toll und möchte euch das Spiel ans Herz legen, falls ihr es sowieso nicht schon hinlänglich kennt.

Die Spiel-Philosophie eines Little Big Planet, Banjo & Kazooie: Nuts & Bolts, Scribblenauts, Sleep is Death und Wario Ware: D.I.Y. floriert und beginnt sich als kreativitätsförderndes Subgenre auszuweiten. Das ist die besondere Form Interaktivität auszudehnen.