Jun 142010
 

This year at E3 we’ve got even BIGGER announcements to share with you.

Jetzt ist es amtlich: Microsoft hat die Einhaltung dieser Ankündigung mindestens um ein Jahr verschoben. Nur kurz am Ende flammte der ersehnte Zauber auf, der frühere E3-Konferenzen der Big Three in gewissen Jahren begleitete (zuletzt immer seltener): Als angekündigt wurde, dass die neu überarbeitete, für Kinetic aktualisierte Xbox 360 (250 GB, integrierter WLAN-Adapter) schon Ende der Woche (!) im Handel bereitstehen soll – zum Preis von 299$. Der europäische Handel soll am 16. Juli beliefert werden. Genau nach dieser überraschenden Verlautbarung wehte eine euphorisierte, leicht beschwipste Stimmung durch den prall gefüllten Saal. Es haben sich sogar Journalisten klatschend und freudestrahlend von ihren Sitzen erhoben – es wirkte wie ein Dankgebet an Microsoft. Fast fühlte man sich wie auf einer Keynote von Apple, wo die neu gepriesene Ware gleich an den Handel ausgeliefert wird. Die Vorfreude weicht nach einer kurzen Phase der Ungewissheit über den Erscheinungstermin dem nahenden Gefühl der sofortigen Besitzergreifung. Ein wirksamer Schachzug seitens Microsoft. Es fühlte sich wie eine Bescherung an. Ohne Wartezeit. Ohne das dazwischen geworfene Festtagsessen, während dahinter die Geschenke funkelnd und blitzend unterhalb des dichten Kleides des Weihnachtsbaumes warten. Der letzte Eindruck bleibt haften. Auch hier?

Doch das war die einzige Stelle, wo sich in mir ein Fetzen von Überraschung regte. Die Core-Games wurden relativ schnell am Anfang ungebührlich abgehakt. Call of Duty: Black Ops als Geldfabrik zeigt konventionelle, aber wahrscheinlich unter die Haut gehende Shooter-Kost im aufgehübschten Dschungel-Gewand mit viel Explosionen und krawallartigen Einlagen – für mich aufgrund der gebotenen Normalität aber kein Grund zur Euphorie (more of the same). Microsoft handelte auch gleich einen mehrjährigen Deal mit Activision aus, so dass 360-Spieler früher in den Genuss von DLCs und Mappacks kommen. Natürlich musste der Moderator gleich im Anschluss daran siegestrunken nachschieben (nicht wortgetreu): „Wer Call of Duty spielen möchte, muss das auf der 360 tun!“ Nachdem sich CoD zu einem veritablen Publikumsliebling mit eingebauter Gewinngarantie entwickelte, hat sich Microsoft anscheinend gleich diesen Goldesel gepackt und an dessen Zaunpfahl gekettet.

Dann rollte das obligatorische Gears of War 3 an, das Cliff Bleszinski höchstpersönlich mit drei anderen Spielern im Coop-Modus demonstrierte. Ich als Laie konnte keine signifikanten Modifikationen im Vergleich zum Vorgänger diagnostizieren: Rasante, schnell geschnittene Action, blutige Verletzungsorgien und dicke, explosive Wummen, die einen über den Bildschirm sich erstreckenden Bandwurm zu Kleinholz verarbeiten. Gears of War 3 scheint ein Fest für Fans zu werden. Für Fans wohlgemerkt. Wird allem Anschein nach eine souveräne, mit geübter Hand fabrizierte Serienausschlachtung im positiven Sinne. Juhhayy!

Kurz tauchte auch Peter Molyneux auf der Bühne auf, laberte was von nachhaltigen Konsequenzen von Handlungen und versuchte die Vorfreude auf Fable III zu schüren (fast hätte ich gemeint, er hätte eine Kasette abgespielt, die er bei der Präsentation von Fable aufgenommen hat – entschuldigt meinen Kritizismus). Das gelang nur bedingt, einfach weil die Zeit für diesen Auftritt sehr knapp bemessen war. Es wurde ein kurzer Trailer gezeigt, nach dessen Auslaufen Molyneux weit und breit nicht mehr zu sehen war. Es scheint, die Organisatoren wollten die Konferenz mit ausreichend viel Kinect vollstopfen. Diesem strikten Zeitregime mussten sich dann auch die Videospiel-Stars unterordnen.

Metal Gear Solid Rising als Meister in der Zubereitung von Filet

Noch kurz etwas zu den Core-Titeln. Diese beschränkten sich auf eine kleine illustre, allseits geläufige Schar ohne Neuigkeitswert. Keine neu angekündigten Exklusiv-Titel. Offenbar sollen Spiele wie Gears of War 3, Call of Duty und Halo Reach als Dreigestirn die mächtigste, schlagkräftigste Waffe in der Hand der 360 bleiben. Doch die Verfeuerung von Videospiel-Prominenten ging noch weiter: Kojima tauchte kurz auf der Bühne auf, ließ sich im Rampenlicht feiern und verschwand dann wieder, nicht ohne das Wort an einen Mitarbeiter weiter zu geben, der Ausschnitte aus Metal Gear Solid: Rising zeigte. Das einzige was der Trailer an Informationsmaterial hergab war die Tatsache, dass man sowohl Objekte als auch Subjekte nach Lust und Laune zerteilen kann. Das führt dann so weit, dass wir menschliche Gliedmaßen mit chirurgischer Präzision zerteilen können.

Das sieht nicht nur eklig aus, es wirkt auch geschmacklos und unangebracht. Doch ich kann nicht verhehlen, dass manche Szenen eindrucksvoll waren: Wirklich alles ist zerteilbar, was interessante physikalische Möglichkeiten eröffnet. Aber wenn ich an Menschen denke, die ich wie eine Wassermelone in kleine Scheibchen schneide, dann überfällt mich doch ein Würgen. Vielleicht zeichnet sich Rising am Ende auch durch andere Alleinstellungsmerkmale aus. Wir hoffen es.

Bühne frei für Kinect

Endlich hat man sich des drögen Pflichtprogramms entledigt, Molyneux und Kojima in die Kamera gehalten, um dann endlich auf das viel interessantere Kinect umzuschwenken: Die Technik wirkt ziemlich ausgereift und an manchen Stellen beeindruckend, aber inhaltlich bewegte man sich in gewohnten Bahnen: Hürdenlauf, Tanzen, diverse Sportarten. Die üblichen Vorführdemonstrationen für eine bewegungsgestützte Technologie. Ich dachte eigentlich, Microsoft möchte den von Nintendo angestoßenen Trend inhaltlich auspolstern, ihn vertiefen, stattdessen gibt es die gewohnte Kost in technisch verbesserter, controllerungebundener, liberalisierter Form.

Nichts von der Magie von der letzten E3, als Natal noch wie eine zauberkundige Wundertüte wirkte, der man zutraute, wirklich alles zu enthalten. Nur kurz blitzte für mich diese von der letzten Messe entfachte Faszination auf, als ein liebenswürdiges Mädchen mit einem virtuellen Tigerkind (für meinen Geschmack zu künstlich süß wirkend) interagierte, es streichelte und mit ihm spielte. Vielleicht rührte meine Begeisterung auch nur daher, dass ich das Kind einfach total zum Knuddeln fand. Gewiss, Kinect erweitert die Interaktionspalette um ein Vielfaches: Sehr toll fand ich die Szene aus einem Rennspiel, in dem wir ein Ferrari begutachten durften. Wenn sich der Spieler vorbeugt, fährt auch die Kamera näher an das Auto, um die Feinheiten kenntlich zu machen.

Was ich von der Messe erwartet habe? Mehr richtige Spiele. Nicht nur die üblichen Verdächtigen, die man sowieso schon in zig Inkarnationen zum Übelwerden auswendig kennt. Kinect ist derzeit für mich keine Option. Es eröffnet neue, technologisch interessante Möglichkeiten, Spiele intensiver und körperlich schrankenloser erfahrbar zu machen. Diese Spiele kennen wir aber vom inhaltlichen Schwerpunkt her gesehen schon seit vier Jahren dank der Wii. Jedoch: die völlig freihändige Navigation durch die schlanke Benutzeroberfläche wirkt intuitiv und die Sprachsteuerung mutet futuristisch an. Die Xbox als KI. Im Herbst soll der ganze Firlefanz dann in den Startlöchern liegen.

Fazit: Zu viel Kinect, zu wenig Spiele – so empfand ich das jedenfalls. Die für das Bewegungssystem konzipierten Interaktionsformen locken mich nicht aus der Reserve – bis jetzt. Und was war eigentlich mit Rare? Ich hatte den verschwommenen Eindruck, bei der Demonstration von einigen Kinect-Spielchen kurz das neue Logo der Engländer gesehen zu haben. Vielleicht habe ich mich auch nur getäuscht. Vielleicht aber auch nur traurige Realität.

Um auf die Anfangsfrage in der Überschrift zurückzukommen: Nein.

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