Jun 232010
 
So düster und unheilschwanger wird Epic Mickey zwar nicht, aber ein Deut davon bleibt sicherlich vorhanden
So düster und unheilschwanger wird Epic Mickey zwar nicht, aber ein Deut davon bleibt sicherlich vorhanden

Mit dem Fallen des Namens von Warren Spector blühen in mir persönlich immer die buntesten Hoffnungen auf. Zu innig ist meine Leidenschaft für Deus Ex und Thief, die meiner Meinung nach immer noch viel zu wenig Nachahmer gefunden haben und in Zeiten von Action und Zugänglichkeit viel zu selten als spirituelle Vorbilder auftreten. Von mir aus könnten jedes Jahr ein Dutzend Klone dreist auf den Markt geschmissen werden, ich würde jeden einzelnen davon mit Befriedigung verspeisen. Ersten Hands-On Berichten zufolge soll Deus Ex: Human Revolution die im Original vorgelebten Tugenden überraschend authentisch einfangen. Aber wir bleiben vorerst mal lieber skeptisch. Zu oft wurden legendäre Serien gegen die Wand gefahren, weil man sich zu weit von den als Gütekriterien funktionierenden Traditionen entfernte, die in manchen Fällen nicht immer fortschrittshämmend, sondern auch identitätsstiftend sein können.

Was zeichnete diese beiden Spiele aus? Deren Offenheit. Weitläufige Areale suggerierten nicht nur Freiheit, in dem sie ein Schattenwurf von Linearität darstellten, sie lebten sie auch. Heutzutage wird Entscheidungsfreiheit manchmal viel zu eng gesehen, weil sie auf die Geschichte komprimiert wird. Deus Ex oder eben Thief boten den Spielern spielerische statt inhaltliche Freiheiten. Wir können die Erfüllung der Missionen nach eigenem Gusto angehen, nach eigener Facon, wie uns eben der Schnabel gewachsen ist. Vielleicht steht das heute auch dem gängigen Trend entgegen, Inhalte möglichst unkompliziert zu transportieren, sie möglichst ohne Hürden zugänglich machen.

Epic Mickey als Hoffnungsträger

Ich möchte aber nicht über meine Lieblinge wie Thief, Deus Ex oder System Shock reden, die bis heute in deren Qualität nicht im Ansatz touchiert wurden. Das eigentliche Thema ist Epic Mickey, das exklusiv für die Wii erscheint und im Verbund mit Warren Spector einige Hoffnungsfunken stieben lässt, die uns erwartungsvoll stimmen. Auf der E3 überzeugte das Spiel mit einem ansprechenden Look und vor allem, und darauf kommt es mir an, mit viel Freiheiten. Lebt die derzeit im Ruhestand sich befindliche Philosophie alter Locking Glass Studios-Tage, in dem der besagte Designer lange seine Kunst praktizierte, in Gestalt eines cartoonartigen Abenteuers unverhofft wieder auf?

Wie viel Freiheiten bietet Epic Mickey schlussendlich? Geht es über ein konventionelles Action-Adventure hinaus? Mit Farbe und Verdünner als Instrumentarium bewaffnet, können wir innerhalb der Welt an bestimmten Stellen Sachen hinmalen oder entfernen, was Auswirkungen auf die Welt mitsamt seinen Charakteren haben soll. Stelle ich mich gut mit diesen, habe ich davon gewisse Vorteile oder neue Aufträge ergeben sich, die mir inhaltliche neue Dimensionen eröffnen. Auch im Missionsdesign dürften wir bezüglich der Vorgehensweise nicht an Ketten gefesselt sein.

In einer Ersteinschätzung von 4players.de wurde hinsichtlich der Handlungsfreiheit von Warren Spector himself folgendes zu Tage gefördert:

Er ist kurz unter Deus Ex – aber weit, WEIT über dem eines gewöhnlichen Action-Adventures.

Epic Mickey lässt also gewisse Hoffnungen erblühen, welche die Vorfreude schüren. Mit der Expertise von Warren Spector und seinem fortschrittlichen Verständnis von Game Design könnte da für die Wii ein ganz großes Highlight auf uns warten. Ein „Deus Ex Light“ wäre doch ein Traum, oder nicht?