Jun 282010
 

Die Erde beginnt zu wackeln. Donnergrollen aus der Ferne – näherkommend. Dunkle Schatten überziehen die sonnige Ruinenlandschaft. Ich laufe. Der Boden, die ganze Welt scheint um mich zusammenzubrechen. Ich laufe immer weiter, immer schneller aber es scheint kein Entkommen zu geben. Stein für Stein fällt alles um mich zusammen – wo soll ich nur hin? Dort entlang, schneller, schneller….

Über 20 Jahre nach dem ersten Prince of Persia (1989 für so ziemlich alle damals erhältlichen Systeme) schickt sich Ubisoft an unseren Prinzen, passend zum Erscheinen des ersten Prince of Persia-Kinoabenteuers, auf eine weitere kniffelige und spannende Reise zu schicken. Nach Prince of Persia: Rival Swords aus dem Jahr 2007 ist auch Nintendos Wii wieder mit im Boot und soll Dank Wiimote und Nunchuk-Steuerung ein besonderes Spielgefühl vermitteln.

Unser Fazit: Ubisoft hat das neue Abenteuer des persischen Prinzen für die Wii nicht einfach von den HD-Konsolen kopiert, sondern ein völlig eigenständiges Abenteuer, mit eigener Geschichte, entworfen. Hierbei hat man versucht, die Steuerungsmöglichkeiten der Wii ausnutzen, was aber nur ansatzweise gelungen ist. Die Geschichte hat Ihren Reiz und die grafische Umsetzung auf der Wii ist größtenteils gelungen – was man vom Soundtrack leider nicht behaupten kann. Es wurde komplett auf einen fesselnden, spannungsaufbauenden Soundtrack verzichtet. Die meiste Zeit hört man gar keine Musik – und wenn, dann ist nur leises Hintergrundgegudel zu hören. Schade, denn das nimmt dem Spiel einiges an Spielspaß. Animationen und Klettereien wurden schön in Szene gesetzt, sind aber nie wirklich herausfordernd. So bleibt leider das mulmige Gefühl in der Bauchgegend zurück, dass Ubisoft hier noch schnell einen Titel zum Merchandise des Filmes mitgeben wollte und dabei einiges an Qualität hat liegen lassen. Durch den geringen Schwierigkeitsgrad ist das Spiel für eher für Anfänger als für den ambitionierten Gamer geeignet, der sich schnell langweilt und das Spiel nach wenigen Stunden durchgespielt hat.

6/10 – In Ordnung (Die 6 ist ein wenig besser als der Durchschnitt, aber auch nichts besonderes. Fans des Genres könnten ihren Spaß haben, aber der Großteil wird unbefriedigt zurück bleiben.)

Wir bedanken uns bei Ubisoft Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsmusters.

Prince of Persia: Die vergessene Zeit (Wii)
Entwickler: Quebec City Studio
Publisher: Ubisoft Entertainment

Das Spiel startet ungewohnt schnell und trotz Tutorial wird man am Einfang direkt ins kalte Wasser einer im Sand versinkenden Stadt geworfen und muss sein Alter-Ego im Wettrennen gegen die Zeit und einstürzender Wände sicher auf festen Untergrund leiten. Heile angekommen lernen wir unsere Dschinn kennen, die uns ein eigenes Königreich inklusive Prinzessin verspricht. Der Haken an der Sache ist, dass das Königreich eine verfallene Wüstenstadt und von einer geheimnisvollen Pflanze überwuchert ist, die es erst einmal zu vernichten gilt. Und selbstverständlich will auch die Prinzessin zunächst gerettet werden bevor es daran geht nicht mehr nur Statuen zu küssen.

Um nun an die begehrte Prinzessin zu gelangen, laufen, klettern, spurten und springen wir von Level zu Level. Wir überwinden schwindelerregende Abgründe, weichen geschickt herunterfallenden Balken aus, überwinden Speerfallen, verschieben Blöcke von A nach B, lösen kleine Rätsel und ringen zwischendurch ein paar Monster nieder. Hin und wieder stellt sich uns noch ein Bossgegner in den Weg, den wir nur mit der richtigen Strategie niederstrecken können.

Wenn wir einmal nicht weiterwissen, dann werden hilfreiche Tipps eingeblendet und auch unsere Dschinn hilft uns immer wieder weiter – mal verbal und dann auch wieder mit neuen Fähigkeiten, die uns dabei unterstützen die folgenden Herausforderungen zu meistern. So erlernen wir nach und nach neue Fertigkeiten um an bestimmten Stellen Haken in die Wand zu setzen, uns mit Hilfe von Windhosen in die Luft zu befördern, Gegner kurzzeitig einzufrieren oder sogar eine Sphäre um uns zu schaffen, die uns wieder sicher auf den Boden bringt.

Wir können jederzeit vom letzten Speicherpunkt (die gut verteilt sind) weiterspielen wenn wir einmal das Zeitliche segnen. Solange wir aber immer ausreichend Power-Ups sammeln erscheint unser Prinz sogar wieder an der Stelle wieder, an der er gestorben ist. Power-Ups finden sich überall auf dem Weg und auch zerlegte Gegner hinterlassen so immer Lebensreserven für uns.

Arena-Kampft
Arena-Kampft
Um den aktuellen Teil auf der Wii zu spiele benötigen wir zwingend einen Nunchuk-Controller zusätzlich zur Wiimote. Mit dem analogen Stick des Nunchuks steuern wir unseren Prinzen durch die Level, mit dem Z-Knopf lassen wir uns fallen und aktivieren hier und dort Gegenstände. Außerdem lässt sich durch eine Kombination von Nunchuk (C-Taste) und Wiimote auch die Kamera positionieren. Mit der Wiimote (A-Taste) springen wir, mit dem Steuerkreuz können wir schwungvolle Purzelbäume schlagen. Durch hin- und herbewegen der Wiimote schwingen wir unser Schwert gegen die immer wieder auftauchenden Gegner, mit dem Nunchuk können wir unseren Gegnern einen mächtigen Hieb mit dem gerüsteten Handschuh verpassen. Weiterhin ist es möglich mit der Wiimote Gegner anzuvisieren und diese damit kurzzeitig einzufrieren. An Wänden erschaffen wir mit dem Pointer Haken zum Festhalten und auf dem Boden Windhosen zum Abheben.

Eindrucksvolle Effekte
Eindrucksvolle Effekte
Beim Springen und Laufen ist es fast unmöglich daneben zu springen oder runterzufallen. Ein Druck auf A und gleichzeitig Nunchuk-Controller in die gewünschte Richtung drücken und wir erreichen mit 90%iger Wahrscheinlichkeit das anvisierte Ziel. Wenn wir doch einmal runterfallen liegt es entweder daran, dass die Wii einmal die Richtung anders interpretiert hat als wir, oder meistens einfach an der eigenen Schusseligkeit.

Optional kann man Prince of Persia auch zu zweit spielen, wobei der zweite Spieler dann die Funktionen der Wiimote (Haken setzen, Winde platzieren, Gegner einfrieren,..) übernimmt.

Gegen Bosse hilft die richtige Strategie
Gegen Bosse hilft die richtige Strategie
Die Level sind durchgehend hübsch und abwechslungsreich gestaltet, die Animationen des Prinzen allesamt gelungen und butterweich gestaltet. Die Gegner bieten optisch wenig Abwechslung und die Zwischensequenzen können Wii-typisch natürlich nicht mit den anderen Next-Generation-Konsolen mithalten, sind aber stimmig gehalten. Die Kameraführung ist zumeist ordentlich, in den Kämpfen verliert man aber eins ums andere Mal auch den Überblick. Ab und zu passiert es jedoch auch, dass Texturen plötzlich verschwinden oder unsere Spielfigur plötzlich im Nichts zu stehen scheint. Schönes Detail m Rande: Wenn der Prinz gegen eine Wand läuft, läuft er nicht einfach stur weiter gegen die Wand sondern stoppt mit einer schönen Animation.

Was wir mochten:

Einsteigerfreundlich – Vom Schwierigkeitsgrad für Anfänger und Gelegenheitspieler geeignet. Selbst wer noch kein Künstler mit Wiimote und Nunchuk ist findet in Prince of Persia nur selten Frustpunkte, die auf die Steuerung zurück zu führen sind. Anvisieren, drücken und schon springt der Prinz durch die Welt, dass es eine wahre Freude ist. Abstürze sind in aller Regel nicht auf fiese Programmierung sondern wirklich nur auf die Ungeschicklichkeit des Spielers zurückzuführen. Die Steuerung ist wirklich sehr (fast zu) präzise, der Spieler hat  jederzeit die volle Kontrolle über seine Spielfigur.

Fair – Wir können zwar nicht die Zeit zurück drehen, aber dank überall herumfliegender Power-Punkte unser Konto an Leben nahezu jederzeit wieder voll aufladen, so dass ein plötzliches Ableben nicht mehr als eine kurze Schrecksekunde ist. Falls einmal die komplette Wiedergeburts-Energie verbraucht wurde, sind die Speicherpunkte gut verteilt. Dadurch kommt wenig Frust beim (seltenen) Ableben auf.

Animationen – Auch wenn die Wii von den aktuellen Konsolen die geringste Grafikpower hat – bei Prince of Persia wird dem Käufer einiges geboten:  Die Animationen der Spielfigur sind super gelungen und so mancher Effekte, wie z.B. beim Laufen an der Wand, ist optisch eine echte Augenweide geworden. Dadurch wird man ein ums andere Mal dazu verleitet, bestimmte Abschnitte einfach noch ein zweites Mal zu durchlaufen, nur um die tollen Animationen zu genießen.

Nicht gefallen hat uns:

Kämpfe – Die Kämpfe wirken uninspiriert und dazwischen gemogelt. Zumeist landet unser Alter Ego einfach in einem Raum, der dann sogleich durch Pflanzen-Ranken verschlossen wird. Dann kommen zwei bis zehn Monster aus dem Boden und verschwinden dort noch schneller als sie erschienen sind, denn in der Regel reicht artiges rumgehüpfe mit wildem rumgewedel der Wiimote, um alle Gegner zu erledigen ohne selber ein Leben zu lassen. Durch die Steuerung mit der Wiimote ist einfach keine echte Kontrolle möglich. Die meisten Special-Moves kommen eher durch Zufall als wirkliches Können am Controller zustande.

Schwierigkeitsgrad – Das Spiel ist extrem einfach zu spielen (siehe auch „Was wir mochten“). Über Power-Ups und Symbole an Wand und Boden ist es ein leichtes den richtigen Pfad zu finden und es ist fast unmöglich einmal daneben zu springen. Die Kämpfe lassen sich durch wildes Herumfuchteln gewinnen und wenn man einmal nicht sofort weiter weiß, wird man sofort mit Tipps unterstützt. Das führt in der Regel dazu, dass sich fortgeschrittene Spieler schnell langweilen werden, denn echte Herausforderungen hat der Prinz in dieser Ausgabe leider nicht zu bieten.

Soundtrack – Welcher Soundtrack? Die meiste Zeit ist gar keine Musik zu hören. Wenn dann doch einmal was im Hintergrund dudelt wirkt es völlig uninspiriert, langweilig und nicht in der Lage, auch nur einen Hauch von Spannung aufzubauen. Leider passt auch die Stimme der deutschen Synchronisation überhaupt nicht zum optischen Eindruck unserer Spielfigur. Die Stimme ist viel zu jung und piepsig für den sehr maskulinen, ausgewachsenen, raubeinigen Prinzen. Trotz vieler guter Aspekte führt das dazu, dass das Spiel extrem spannungsarm ist. Selbst bei Bosskämpfen kommt keine echte Spannung auf, da die Musik weiter im Hintergrund dudelt, während sie die Spannung eigentlich aufbauen sollte. Dadurch verschenkt das Spiel einiges an Potential.

Thorbens Meinung:
Nach den ersten Videos, Bildern und Vorberichten habe ich mich wirklich auf Prince of Persia – Die vergessene Zeit für die Wii gefreut. Leider ist meine Vorfreude sehr schnell der Ernüchterung gewichen. Klar, Abstriche bei der Optik, den Texturen und Zwischensequenzen waren auf der Wii-Konsole zu erwarten. Wenn das durch Spielmechanik und Steuerung ausgeglichen würde wäre alles in Ordnung. Aber der wirklich geringe Schwierigkeitsgrad, die zum Teil absolut anspruchslosen Klick- und Schieberätsel reißen mich wirklich nicht mehr vom Hocker. Dazu kommt der quasi nicht vorhandene Soundtrack. Dadurch plätschert das Spiel ohne Höhepunkte, ohne Spannungsbogen und ohne jegliche Emotionen vor sich hin. Anfänger sollten trotzdem ein Probespiel starten – Fortgeschrittenen Spielernaturen kann ich das Spiel nicht wirklich ans Herz legen.