Jul 222010
 

Es ist wie verhext. Gerade war es noch knapp 20.00 Uhr. Als ich das nächste Mal auf die Uhr gucke ist es schon 23.50 Uhr. Dabei wollte ich doch nur noch mal eben den einen Level zu Ende spielen. Und jetzt kommt gleich dieser fiese Boss-Gegner – nur noch den und dann geht es ins Bett. Boss gelegt, Epische Waffe gefunden, die muss ich noch kurz mal ausprobieren und schon ist es halb ein Uhr in der Nacht. Verdammt. Dieses Spiel raubt mir den Schlaf – und das ohne Online-Modus.


Die Rede ist von Torchlight. Dem Diablo-Klon aus dem Hause Runic Games, geschaffen von den beiden ehemaligen Blizzard North-Gründern Travis Baldree und Max Schaefer.  Um es vorweg zu nehmen, Torchlight fühlt sich an wie Diablo, es spielt sich wie Diablo und es sieht aus wie Diablo mit dem Grafikstil von WOW. Und das ist eher ein Kompliment als eine Kritik.

Unser Fazit: Torchlight sieht gut aus. Torchlight macht Spaß. Klar, eigentlich bietet Torchlight wenig Neues. Die Ähnlichkeit zu Diablo ist nicht zufällig. Weder optisch noch von der Qualität. Hier passt einfach alles zusammen. Ansprechende Grafik (Comicstil), riesige Dungeons, Items, Waffen, Rüstungen ohne Ende, motivierendes Leveldesign, abwechslungsreiche und fordernde Gegner – RPG-Herz was willst du mehr? – Vielleicht einen Mehrspielermodus, ein paar mehr Charakterklassen oder die eine oder andere Quest mit mehr Tiefgang. Dennoch ist Torchlight absolut gelungen und für jeden Fan des Vorbilds auf jeden Fall einen Kauf wert. Für mich das perfekte Spiel um die Wartezeit auf Diablo 3 zu überbrücken.

8/10 – Toll (8er sind eindrucksvoll geraten, haben aber ein paar erkennbare Probleme. Werden nicht jeden in erstaunen versetzen, aber sind ihr Geld absolut wert.)

Wir bedanken uns bei JoWooD für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsmusters.

Torchlight (PC, MAC [getestet])
Entwickler: Runic Games
Publisher: JoWooD

Zu Beginn des Spieles wählt Ihr Euren Charakter aus. Dabei stellen sich der Destroyer, der Alchemist sowie die Vanquisher zur Wahl. Genretypisch hat dabei jeder Charakter seine entsprechenden Vor- und Nachteile und kann im Laufe des Spiels zu perfekten Kampfmaschine ausgebaut werden. Der Destroyer ist ein Krieger und Nahkampfspezialist, der Alchemyst beherrscht die Mächte der Magie und die Vanquisher ist eine Art Jägerin und spezialisiert auf Fernwaffen. Allen gemein ist ein Begleiter in Form eines Tieres (Hund oder Katze), welches zum Beispiel tatkräftig ins Gemetzel mit eingreift. Euer Begleiter steigt selber im Level auf, kann Gegenstände für Euch tragen und diese sogar mitten im Dungeon in die Stadt zurückbringen und verkaufen, damit sich Eure Geldbörse füllt und der Rucksack leert.

Das Spiel startet in der Minenstadt Torchlight. In den Minen unter der Stadt wird das wertvolle Mineral Ember abgebaut. Aber irgendwas scheint damit nicht ganz koscher zu sein, eine Böse Macht scheint die Bewohner nach und nach zu korrumpieren. Also schließt Ihr Euch mit Eurem Charakter der geheimnisvollen Sly an und versucht so die dunklen Geheimnisse rund um Torchlight zu erkunden. Viel mehr Geschichte ist nicht vorhanden, auch die Quests gehen kaum über „Töte ein Monster und hol‘ einen Gegenstand“ hinaus.

Torchlight sieht aus als wäre es direkt nach dem Handbuch für Action-RPGs erstellt worden. Wenige Minuten nach der Installation habt Ihr Eure erste Quest und steigt herab in die Dungeons unter Torchlight. Die ersten Gegner, Ratten und Spinnen, sind schnell besiegt und wer auch nur einmal Diablo aus der Ferne gesehen hat kommt mit der Steuerung, dem Interface sofort klar. Es gibt 10 Taschenplätze die mit Schriftrollen, Tränken und anderen Items belegt werden können. Linke und rechte Maustaste werden mit verschiedenen Angriffen belegt, wobei mit der Tab-Taste noch zwischen zwei Aktionen auf der rechten Maustaste gewechselt werden kann. Mit der linken Maustaste wird außerdem Euer Charakter gesteuert, sowie Schätze aufgenommen und Schalter umgelegt – klassisches Click&Point wie auch aus Diablo bekannt.

Für das Erfüllen von Quests und das Erlegen von Monstern gibt es Erfahrungspunkte und Ruhm. Mit jedem Stufenanstieg könnt Ihr dann Eure Fähigkeiten verbessern und Talente dazulernen und optimieren. Die Talentbäume könnten direkt aus WOW kommen, sind aber noch sehr übersichtlich und geben Euch die Möglichkeit Eure Charaktere sehr individuell weiter zu entwickeln. Auch offensichtlich von WOW übernommen wurde die Möglichkeit, Items noch mit Edelsteinen zu verbessern. So haben manche Waffen noch einen oder mehrere Steckplätze um solche Steine einzubauen, die diese dann nochmals verbessern.

Wie das bei so einem Spiel nun einmal so ist, kämpft Ihr Euch also durch scheinbar unendlich viele Dungeons immer Tiefer in die Welt von Torchlight. Dabei sollen die Dungeons niemals gleich aussehen, sondern zufällig generiert werden. Das ist natürlich ein guter Motivator um das Spiel noch einmal mit einem anderen Charakter durchzuspielen.

Echte Rätsel gibt es nicht zu lösen, mehr als hin und wieder einen Schalter umzulegen ist nicht notwendig. Das fällt aber kaum auf, bei der schieren Masse an Monstern der unterschiedlichsten Art die die Dungeons bewohnen und ständig darauf aus sind Euch zu erledigen. Hin und wieder gibt es kleine Zwischensequenzen die die Story ein wenig vorantreiben oder weitere Hintergrundinformationen geben.

Das Spiel bietet bislang keinen Mehrspielermodus. Weder online noch im LAN ist es aktuell möglich gemeinsam mit Freunden die dunkle Welt von Torchlight zu erkunden. Das Spiel ist über Steam, die Torchlight-Webseite und als DVD für MAC und PC erhältlich. Getestet habe ich auf einem Core2Dual 2.0 MacBook mit 4 GB RAM. Hier ist das Spiel mit abgespeckten Grafikeinstellungen jederzeit flüssig spielbar.

Für die Windows-Plattform sind derzeit auch schon jede Menge Mods verfügbar, wie wir das u.a. ja auch für WOW kennen. Diese Mods optimieren das Interface, modifizieren die Charaktere, ändern die Geschlechter und vieles mehr.

Was wir mochten:

Der Begleiter – Entweder ein Hund oder eine Wildkatze begleiten unsere Helden durch die Welt von Torchlight. Die Tiere entwickeln sich weiter, können Gegenstände tragen und sogar Spruchrollen bzw. Zaubersprüche benutzen. Aber das Beste daran ist die Mögichkeit, den Tieren nicht benötigte Gegenstände mitzugeben, die diese dann selbständig ins Dorf zurückbringen, verkaufen und dann wieder zu uns zurückkehren. Sowas hat bisher wirklich gefehlt und löst eines der nervigsten Probleme beim Questen und Sammeln von Gegenständen.

Grafik & Sound – Die comichafte Grafik ist wunderbar gelungen. Die Dungeons sind nie eintönig, die Hintergründe laden immer wieder zum zweiten hingucken ein. Die vielfältigen und unterschiedlichen Monster sind abwechslungsreich gestaltet, die Animationen der Zauber und Effekte detailliert und farbenfroh. Der Soundtrack spielt zwar nur im Hintergrund, nervt aber nie und untermalt sehr gelungen die leicht düstere Stimmung in den Dungeons. Sprachausgabe ist nur auf englisch vorhanden und kommt sehr selten vor, klingt dafür aber sehr stimmungsvoll.

Interface – Loslegen und Wohlfühlen. Wer schon einmal Diablo oder WOW oder ähnliches gespielt hat, der wird sich hier sofort zurecht finden. Alle Funktionen sind leicht erreichbar, viele praktische Tastaturkürzel erleichtern das Spiel ungemein. So kann man z.B. mit „TAB“ schnell zwischen zwei Spruchrollen wechseln oder mit „W“ zwischen zwei Ausrüstungsset. So hat man jederzeit die richtigen Items und Sprüche zur Hand. Über die Tasten 1…10 lassen sich Tränke und Spruchrollen direkt auswählen, wer lieber die Maus benutzt kann die Gegenstände auch am unteren Bildschirmrand anklicken. Wie schon in Diablo kann man sich eine Karte direkt über die Dungeon-Ansicht legen um so auch garantiert keinen Raum zu verpassen.

Motivation –: Es ist unklar warum, aber es funktioniert. Von diesem Spiel ist es wirklich schwer wieder loszukommen. Trotz kaum vorhandener Story und einfallslosen Quests gewinnt der Reiz des Jagens und Sammelns. Immer wieder fehlen nur ein paar Erfahrungspunkte um den nächsten Level zu erreichen, ein paar Sekunden mehr an Überlebenswillen oder ein paar Goldstücke um an das begehrte Item zu gelangen. Klingt simpel – ist aber sehr effektiv, wie Spiele wie Diablo und WOW eindrucksvoll beweisen. Ob der Heerscharen an Monstern, Items und Quests kommt wirklich nur sehr selten Langeweile auf und ein Level will schließlich immer noch schnell geschafft werden.

Preis – Torchlight kostet zwischen 7€ und 20€, je nachdem wann und wo man zuschlägt. Für diesen Preis sollte wirklich jeder einen Blick wagen, zumal es auf der Seite des Herstellers auch eine kostenlose Demo zum Download gibt.

Nicht gefallen hat uns:

Story – Tja, eines hat dieses Spiel wirklich nicht: Eine echte Story. Da gibt es dieses Amber, was irgendwas böses bewirkt, da gibt es ein kleines Dorf, viele Dungeons und unglaublich viele Monster. Klar, viel mehr braucht so ein RPG auch nicht unbedingt, aber schaden würde es auch nicht. Ein wenig mehr Hintergrundgeschichte, ein paar mehr Ecken und Kanten unserer Charaktere, ein wenig mehr Abwechslung in den Quests – das würde dem Spiel unglaublich gut tun und aus einem wirklich guten Spiel einen echten Knaller machen.

Spielmodi – Bei Torchlight ist der Spieler einsam. Bis auf das eigene Haustier gibt es keine Mitspieler. Weder per LAN noch übers Internet ist es möglich gemeinsam mit Freunden loszuziehen. Auch gibt es keine Anbindung an soziale Netzwerke. Der Spieler spielt alleine vor sich hin. Und das ist wirklich schade, denn wie auch bei der Story gilt: Ein Mehrspielermodus würde das Spiel zu einem echten Knaller machen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn das Spiel erfolgreich genug ist, vielleicht beschenken uns die Entwickler dann mit einem Mehrspielermodus. Das wäre doch einmal eine wirklich gute Idee.

Charakter-Auswahl – Es stehen nur drei Charaktere zur Auswahl. Zwei davon sind männlich, einer weiblich. Damit ist die Auswahl doch sehr eingeschränkt. Schön wäre es, hier auch etwas mehr individuellen Spielraum zu geben. Entweder durch mehr Charaktere oder vielleicht auch durch die Möglichkeit das Aussehen oder vielleicht auch die Rasse der Charaktere nach eigenen Vorstellungen zu kreieren. Das würde den Reiz des „noch-einmal-spielens“ doch erheblich erhöhen und auch schon von vorn herein die Identifikation mit dem eigenen Spiel-Charakter erhöhen.

Thorbens Meinung:
Es kann wohl noch ein wenig dauern, bis wir Diablo 3 endlich auf unseren Rechnern starten können. Und wenn ich sehe, dass z.B. StarCraft II mein MacBook schon in die Knie zwingt, dann kann ich mir vorstellen, was Diablo damit macht, bzw. was von der Grafikpracht übrig bleiben wird. Torchlight sieht auch auf meinem MacBook toll aus. Torchlight kann süchtig machen. Schon wenige Minuten nach der Installation hat mich das Spiel in seinen Bann geschlagen und ich komme nur noch schwer davon los. Immer auf der Suche nach neuen Gefahr, Gegnern und weiteren Schätzen. Selten habe ich ein Spiel gesehen, dass so schamlos kopiert, dabei aber alles richtig macht und fast genau so viel Spaß macht. So, ich muss hier jetzt mal fertig werden, einen Level wollte ich heute noch schaffen.