Nov 082010
 

In Persona 3 Portable gab es schon einen geschickt versteckten Hinweis: Dort saß ein Mann allein in einer Bar und gab verschlüsselte Einblicke in seine ihn bedrückenden Probleme. Dieser hieß Vincent und wird im neuesten Machwerk von Atlus, die damit erstmals auf dieser Konsolen-Generation ihre Software-Premiere feiern werden, die Hauptrolle in Catherine spielen. Und das für die PS3 und die Xbox 360 im nächsten Jahr hoffentlich auch im Westen erscheinende Action-Adventure spielt die „Sex sells“-Karte aus. Aber allem Anschein nicht auf eine plumpe, in pubertär-unreife Spielarten abrutschende Billig-Methode. Schon Persona 3 und Persona 4 konnten eine erstaunlich tiefgründiges Grundgerüst an philosophisch-psychologischen Einflüssen aufweisen. Jetzt nähert sich die Kult-Schmiede hoffentlich ebenso anspruchsvoll dem Sex an, der in Videospielen zwar vielerlei für Aufsehen sorgt (God of War III, Dragon Age), meistens aber eher unfreiwillige Lacher und Peinlichkeiten hervorruft. Catherine, das geht aus den ersten beiden Trailern hervor, geht das Thema endlich mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und Ambivalenz an.

In der japanischen Gesellschaft hat sich bei den jungen Männern zwischen 20-35 Jahren ein neuer sozialer Subtyp herausgeschält: Der Pflanzenfresser (japanisch: „soshokukei“). In Japan gibt es unzählige, humoristisch anmutende Bezeichnungen für bestimmte Menschen mit bestimmten (oft unfreiwilligen) Lebensstilen. Da gibt es den „Parasite Single“, der die Geduld der Eltern herausfordert und es sich im Elternhaus über Gebühr gemütlich macht. Den „Freeter“, der nach dem Berufs- und Schulabschluss erst einmal im Schwebezustand hängt und unterbezahlte Jobs in Kauf nimmt, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Oder den „Hikikomori“, der sich im Zuge einer Gemengelage von Gründen zurück zieht und ein von der Sozialwelt abgeschiedenes Einsiedlerkrebsleben führt.

Der Pflanzenfresser hingegen entzieht sich dem wettbewerbslastigen japanischen Mainstream, verweigert sich an Langfristigkeit gemahnende Heiratsverbindungen, weist feminine Verhaltenszüge auf und geht, den Outsider-Aufkleber hat er sicher, gerne mit seiner Mutti shoppen. In einem Japan Times Artikel wurde diese soziale Gruppe mit interessanten Satzfetzen umschrieben. Gerade deren abnormale Abneigung gegen geschlechtliche Liebe stößt auf Unverständnis und dürfte gerade für Kondom-Hersteller ein Graus sein. In besagtem Artikel heißt es folgendermaßen:

The young men’s tendency not to have real sex — apparently counterbalanced by their growing reliance on Internet porn sites and „do-it-yourself“ gadgets — is a big headache for the nation’s condom makers, whose shipments have been falling since 1999, the very year that marks the beginning of the Internet revolution.

Was hat das mit Catherine zu tun? Nun, Vincent scheint ein solcher Zeitgenosse zu sein und trifft, was seine Gewohnheiten wohl aus der Bahn wirft, auf die körperlich hyperattraktive 22-jährige Catherine, die ihn in einen Zustand der psychischen Konfusion hineintreibt. Vincent scheint von der sexuellen Anziehungskraft regelrecht erschlagen zu sein, flüchtet sich in Schweiß- und Panikausbrüchen. Seine Träume sind symbolisch konzentriert aufgeladen, sie wimmeln von Lämmern und Widdern – woran Freud sicherlich die reinste Freude hätte. Die ersten zwei Trailer geben euch einen unterhaltsamen Einblick in die Materie.

Trailer 1

Trailer 2

Ist das Spiel mit Persona 4 vergleichbar? Wahrscheinlich nur bedingt. Überhaupt scheinen die Infos nur rar gesät zu sein. Im Wikipedia.com Artikel ist höchst allgemein von einem Action-Adventure die Rede, was auf einen abgespeckten RPG-Anteil vermuten lässt (kein klassisches JRPG also?). Scheinbar ist das Game in einen Action- und einen Adventure-Sektor aufgesplittet. Träume spielen, wie das eben bei Liebesgelüsten der Fall ist, eine überragende Rolle. Anscheinend sollen diese auch Effekte auf die reale Welt im Spiel ausüben. Dem Vernehmen nach wurde mit Catherine schon während der Finalentwicklungsphase von Persona 4 angefangen.

Um die Lust auf das Spiel bei euch noch anzufachen, ein Versprechen vom Charakter-Designer Shigenori Soejima, der einige „exciting adult scenes“ in Aussicht stellt. Abseits von der auf die niederen Triebe anspielenden Rundungen flimmert hier endlich einmal der Ausblick auf, ernsthaft und erwachsengerecht mit dem Thema Sex umzugehen. Und wenn man das einem Studio mit bestem Gewissen zumuten kann, dann ist das sicherlich Atlus.

Vielen Dank an die Kollegen von G-Gorilla.de, durch die ich auf dieses Spiel gestoßen bin!