Nov 102010
 

Shaun White, amerikanischer Snowboarder und Busenfreund von Tony Hawk darf diesmal, im neuen Release von Ubisoft, seinen Namen für ein Skateboard-Spiel hergeben. Schauen wir also mal, ob er auf dem Skateboard eine ähnlich gute Figur macht, wie auf dem Snowboard.

Unser Fazit:Shaun White Skateboarding ist ein kurzweiliger Zeitvertreib und bringt insbesondere Gelegenheitsspielern durchaus ein paar Stunden ordentlichen Spielspaß. Dabei hilft vor allem die leicht zu erlernende Steuerung und das gut zugängliche Gameplay. Es macht durchaus Spaß mit anzusehen, wie die graue Welt sich nach unseren Aktionen wieder in bunte Farben hüllt. Aufgrund der geringen Anforderungen an den Spieler, den fehlenden Tiefgang im Spiel und dem doch recht mageren Online-Modus kommen jedoch Joystick-Profis und ambitionierte Skateboard-Fans eher nicht auf ihre Kosten. Die Hintergrundgeschichte ist interessant und verpasst dem Spiel damit einen ganz eigenen Charme. Dazu kann der gelungene Soundtrack mit kompletter lokalisierter Sprachausgabe über die triste und detailarme Grafik nur wenig hinwegtrösten – Clippingfehler und Popups fallen immer mal wieder störend auf. Die Möglichkeit das Spiel auch in 3D zu spielen ist positiv hervor zu heben, konnte aber wegen fehlender Hardware leider nicht getestet werden.

7/10 – Gut (Eine 7 steht für solide Spiele, die definitiv ihre Freunde finden werden. Lässt Wiederspielwert vermissen, ist zu kurz oder weist andere Mängel auf, die nicht ignoriert werden können. Die Erfahrung bereitet aber insgesamt Spaß.)

Wir bedanken uns bei Ubisoft für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsmusters

Shaun White Skatboarding (PS3 [getestet], Xbox 360, PC)
Entwickler: Ubisoft Montreal
Publisher: Ubisoft

Die Welt im Jahr 2010 ist grau und sieht aus, wie wir sie uns beim Lesen von Orwells 1985 immer vorgestellt haben: Menschliche Roboter, ohne Emotionen bevölkern die Städte, alles ist grau in grau. Der Einzelne geht in der großen Masse unter. Individualität ist verpönt, jeder muss sich einreihen. Das Ministerium hat die perfekte Welt geschaffen und übernimmt alle Entscheidungen für die Bewohner von New Harmony.

Der Spieler ist ein Teil dieser monotonen, gleichförmigen und gefolgsamen Masse. Bis eines Tages etwas geschieht, was sein Leben komplett verändert: Shaun White, der Staatsfeind Nummer 1 wird verhaftet. Denn dieser hat einen Weg gefunden, mittels eines magischen Skateboards, im wahrsten Sinne des Wortes, wieder Farbe in das Leben der Bewohner von New Harmony zu bringen. Und dieses Skateboard übergibt er dem Spieler, bevor er selber in den Tiefen des Ministeriums verschwindet.

Unversehens stürzt der Spieler in ein Abenteuer, in dem es um nichts anderes geht als die graue, monotone Welt wieder farbenfroh zu gestalten und die beeinflussten Einwohner aus ihrem Trott zu befreien. Dabei ist der Spieler aber nicht alleine. Die Widerstandsgruppe, und hier in vorderster Front ein gewisser Jonah, steht dem Spieler von Beginn an zur Seite. Im Laufe des Spiels bringt er ihm die Materie des Spiels näher, und ist dann für das Erklären der Tricks sowie der einzelnen Quests zuständig.

Bevor es dann richtig mit dem Einfärben und Tricksen losgeht können wir noch ein wenig an der Optik des eigenen Charakter feilen: Männlich oder weiblich, Gesichtszüge, Haare und Haarfarbe lassen sich ändern und bringen so ein wenig Individualität ins Spiel.

Dann geht es endlich los: Jonah erklärt uns worum es geht und wie wir unser Skateboard einsetzen müssen um der Welt wieder ein bisschen Farbe zu bringen. Das ist so gut und intuitiv gemacht, dass keine weitere Spielanleitung notwendig ist. Um der Welt die Farbe und die Freude wieder zurück zu geben müssen wir besondere Moves mit unserem Skateboard ausführen und damit unserer Flow-Anzeige auffüllen. Je höher der Flow ist, umso mehr können wir Einfluss auf unsere Umgebung nehmen und damit die Umgebung einfärben und Menschen aufwecken und zum Lächeln bringen. Je nach Flow-Level erscheinen in der Umgebung auch immer wieder grüne Rampen oder Geländer. Diese formen sich, sobald der Spiele selbige befährt zu neuen Wegen um bisher unerreichbarer Gebiete zu erforschen oder zu riesigen Rampen um einzigartige Kunststücke zu vollführen. Einfluss auf die Richtung und Größe hat der Spieler dabei nicht.

Die Steuerung ist dabei betont arcadelastig ausgelegt. Das führt dazu, dass Skateboard-Anfänger sich leicht zu recht finden, alte Hasen aber schnell unterfordert sein könnten. Manchmal ist die Steuerung auch etwas ungenau, was oftmals zu wildem Button-Mashing anstatt zu ausgefeilten Kombinationen führt. Auch die Tatsache, dass es so gut wie unmöglich ist zu stürzen kommt eher Anfängern als gestandenen Joystick-Akrobaten zugute.

Grafik und Sound kommen durchwachsen herüber. Während abwechslungsreiche und stimmungsvolle Melodien keine Langeweile aufkommen lassen, ist die Grafik eher mittelmäßig: Langweilige und immer wiederkehrende Texturen sowie Clipping-Fehler sind eher im Mittelmaß anzusiedeln und nicht wirklich auf dem Stand der Zeit. Es gibt auch die Möglichkeit das Spiel in 3D zu spielen. Mangels entsprechender TV-Hardware können wir zu diesem Feature leider wenig, also gar nichts sagen.

Auch eine Mehrspielermodus darf natürlich nicht fehlen. Zu zweit im Splitscreen oder mit bis zu acht Spielern via PSN können wir uns mit anderen Spielern in drei verschiedenen Modi messen: Im Flow-Duell geht es darum die höchste Punktzahl erzielen, während im Form-Battle möglichst viele Gegenstände zu verformen sind um damit die Flow-Kraft der Gegner zu stehlen. Im dritten Modus geht es darum als Mannschaft die Stadt einzufärben, während das gegnerische Team versucht, dieses zu vereiteln. Leider muss man dazu sagen, dass das Online-Netzwerk momentan nur sehr, sehr spärlich besucht und ist und damit lange Wartezeiten auf Mitspieler die Regel sind.

Was wir mochten:

Einfacher Zugang – Mit X springen, linker Analogstick für Drehungen, rechter für Tricks, dazu noch zwei der Schultertasten – das ist alles, was wir für unsere waghalsigen Skateboard-Aktionen benötigen. Und die lassen sich wirklich sehen und sind häufig sehr spektakulär geraten. Die Steuerung geht sofort ins Blut, das Tutorial tut sein übriges um den Spieler sofort mitten ins Spielgeschehen zu bringen. Auf eine gedruckte Anleitung wurde komplett verzichtet – und zwar zurecht – das sagt schon einiges aus.

Stimmige Atmosphäre – Trotz der Grafik, die absolut nicht mehr dem Stand der Zeit entspricht, ist die Atmosphäre sehr stimmig. Die Welt mit Ihren Bewohnern stagniert grau in grau vor sich hin. Kaum jemand bewegt sich wirklich, alles wirkt zunächst wie ausgestorben. Bis wir dann mit dem Skateboard der Welt neues Leben einhauchen. Plötzlich werden aus betongrauen Gebäuden bunt bemalte Häuser, die Autos werden in knallige Farben gehüllt, Skater bevölkern die Straßen und die Menschen können wieder lachen und leben. Das ist sehr hübsch gemacht und sorgt eine Weile immer wieder für Motivation um weiter zu machen.

Online-Modus – Vom Umfang her ist der Online-Modus nichts besonderes, aber die vorhandenen Modi haben absolut Ihren Reiz und Ihre Daseinsberechtigung. Spätestens nach einigen Stunden einsamen Herumfahrens in New Harmony werden die meisten Spieler den Online-Modus entdecken und lieben lernen. Es ist eine echte Gaudi im Team gegeneinander die Straßen einzufärben bzw. im Gegenzug dieses zu vereiteln. Hier setzt auch beim letzten Spieler das “Eine runde mache ich noch”-Syndrom ein.

Nicht gefallen hat uns:

Wenig Abwechslung – Hier einen Poller entfernen, dort einen Straßenzug einfärben und dann mal wieder eine andere Barriere wegräumen. Das ist auf Dauer etwas wenig. Immerhin, es gibt Nebenquests, aber diese sind schon nach einiger Zeit viel zu abwechslungslos. Und so geht es dem gesamten Spiel – es fehlt einfach an Abwechslung. Wenn erst einmal ein Großteil der Tricks gelernt wurde ist fast jede Aufgabe zu meistern. Trotz der recht großen und im Grunde sehr abwechslungsreichen Spielwelt wirkt diese sehr monoton und scheint sich ständig zu wiederholen. Da hätte man einiges mehr daraus machen können.

Grafikfehler – Grafikfehler, verwaschene Texturen, das geht auch hübscher. Shaun White Skateboarding ist grafisch leider absolut nicht auf der Höhe der Zeit. Auch wenn die Animationen tadellos gelungen sind, kann die Hintergrundgrafik da leider nicht mithalten. Wer hier einen Augenschmaus erwartet, wird leider enttäuscht nach Hause gehen müssen. Zu viele Clipping-Fehler und immer wieder kehrende Texturen stören den Gesamteindruck doch nachhaltig.

Lange Ladezeiten – Vom Klick auf “Neues Spiel” bis zur ersten Aktion vergehen gefühlte fünf Minuten in denen wir nur durch mehr oder weniger stimmungsvollen Hintergrundbilder mit Propaganda-Slogans des Ministeriums “unterhalten werden. Das ist im ersten Moment durchaus interessant, spätestens nach dem zehnten Slogan fragt man sich aber, was die PS3 denn da so lange lädt. Und das ist leider bei jedem Ladevorgang so und nervt auf Dauer doch gewaltig.

Thorbens Meinung:
Shaun White Skateboarding ist ein Arcade-Skateboard-Spiel, fernab von jedem Realismus. Genau das richtige für Zwischendurch. Durch die simpel gehaltene Steuerung und den geringen Frustfaktor macht es durchaus immer mal wieder Spaß ein paar Runden durch New Harmony zu drehen und Häuser einzufärben. Spätestens nach einer Stunde ist das ganze dann aber doch ziemlich langweilig, da einfach nichts Neues dazu kommt. Immer neue, sehr ähnliche Aufgaben, die gleichen monotonen Texturen, keine wirklichen Herausforderungen. So wandert das Spiel wieder für einige Tage in den Schrank, bis mich die Lust auf ein paar tolle Kunststücke wieder überkommt.