Nov 112010
 

Alle Jahre wieder ein ähnlich pompöses Theater mit allen Nebengeräuschen. Activision hat mit Call of Duty eine eigendynamische Traummarke für Hornbrillen tragende Bilanzbuchwürmer geschaffen, die sich von ihrem schillernden Namen, einige inhaltliche Redundanzerscheinungen kaschierend, Botox spritzen lässt. Die neueste Ausgabe, Black Ops, ist kommerziell erwartungsgemäß immens erfolgreich. Doch selbst die von Modern Warfare 2 aufgestellten Rekordzahlen werden übertrumpft – und die waren schon recht eindrucksvoll. Den Titel des am flottesten sich verkaufenden Spieles hat es schon in seiner Ruhmeshalle: Gleich am ersten Tag verkaufte sich das Spiel VGChartz zufolge sage und schreibe sieben Millionen mal.

Doch nicht nur kommerziell macht das Spiel Schlagzeilen. Das wäre eines Call of Duty auch unwürdig…

Das ist eine Steigerung von 16% gegenüber Modern Warfare 2. Am besten verkaufte sich das Game übrigens für die Xbox 360 – kein Wunder, zeigte sich Black Ops doch besonders in Nordamerika verkaufsmächtig. Activision ist natürlich überglücklich. Thomas Tippl, Chief Financial Officer, haute die üblichen Sprüche raus, die sich hörbar am Erfolg weiden:

There has never been another entertainment franchise that has set opening day sales records two years in a row, which represents the pop culture phenomenon that Call of Duty has become.

Black Ops zeigt sich wieder skandalumwittert

Das sind die erwarteten positiven Signale, die Black Ops ausstrahlt. Doch das Spiel schafft es nicht in die Marktregale, ohne Kontroversen zu erregen und zu provizieren.

Offenbar müssen sich solche Spiele eine Bad Ass-Mentalität überstülpen. Schon Medal of Honor erregte aufgrund des Afghanistan-Szenarios Kritik und Schelte. Solche Provokationen gehören zur geschickt taktierenden Marketing-Strategie. Hauptsache Aufregung verursachen – das steigert den Bekanntheitsgrad und darunter leiden die Verkaufszahlen sicherlich nicht. Nach Modern Warfare 2 und der einen Sturm der Empörung erregenden Flughafen-Szene ist nun auch Black Ops mit umstrittenen Inhalten gefüttert worden, die besonders in Kuba für Aufreger sorgen.

Der Ärger der Kubaner entzündet sich vor allem an einer Szene, in welcher der Spieler während der Invasion in der Schweinebucht in Kuba Fidel Castro zur Strecke bringen muss. Das gelingt auch. Auf ziemlich anstößige Weise. Der virtuelle Castro, der sich später, so viel Spoiler-Einzug sei erlaubt, als abgefeimter Doppelgänger erweisen wird, sucht in ziemlich feiger Arschloch-Manier Schutz hinter einer leicht bekleideten, femininen, natürlich gut aussehenden Geisel. Speziell inszenatorisch haben die Dramatiker in die Trickkiste gegriffen: Die sich einen Weg zum Kopf des Schutzsuchenden bahnende Kugel wird mit pathetischer Musik und Zeitlupen-Effekten stilvollendet untermalt – bis dann schließlich das Blut aus dem Kopfe quillt. Als Krönung der „Leistung“ erhält der Spieler ein Achievement mit dem Namen „Death to Dictators“.

Die kubanische Website cubadebate.cu merkte in einem Artikel kritisch an:

What the United States government did not manage to do in 50 years, now it attempts to accomplish by virtual means.

Außerdem stimuliere das Spiel, so heißt es dort weiter, soziopathisches Verhalten unter Jugendlichen und erwachsenen Spielern. Das sitzt. Das Spiel wird also nicht nur aufgrund seines realistisch gehaltenen Brutalitätgrades weltweit kritisiert, es eckt auch inhaltlich an. Fidel Castro sah sich im Laufe seiner Amtszeit unzähligen Attentanten ausgesetzt. Fabian Escalante, kubanischer Ex-Geheimdienstchef, zählte gar 638 Mordversuche. Teils initiiert von der CIA, die sich bisher, laut Wikipedia, zu acht Attentatsversuchen bekannte. Schlussendlich haben sich die Entwickler von Black Ops als weniger kreativ erwiesen. Mit unzähligen Mitteln versuchte man dem Machtherrscher damals den Garaus zu machen: Gift. Bomben. LSD. Chemikalien.

Also: Black Ops setzt die Tradition der Reihe fort und erregt eine Menge Aufsehen. Das gehört ebenfalls zum mythosumrankten Markennamen „Call of Duty“. Wir brauchen keine Kristallkugel um zu erahnen, dass die nächsten Rekorde schon bereitstehen. Es wird sich auch bestimmt jemand finden, der sich über die eine oder andere Stelle öffentlichkeitswirksam echauffieren wird.

(via gamrFeed.com, Spiegel-Online, Gamasutra.com, Dailymail.co.uk)