Dez 222010
 

Warum sich mit etwas Schlechtem begnügen, wenn es auch besser geht? Warum im Restaurant etwas Neues probieren, wenn das Altbewährte den Gaumen schon immer befriedigend streichelte? Dann sitzen wir am Tisch, ärgern uns über unsere exotische Wahlspontanität, kritisieren bei jedem verschluckten Bissen unsere Experimentierfreudigkeit und wünschen uns das gute alte Wiener Schnitzel mit Pommes und Salat wieder zurück. Da wissen wir wenigstens, was uns erwartet: Das gewohnt Gute! Doch zu spät. Das Geld ist verbraucht und der Appetit unwiederbringlich verloren – schon aufgrund der sich aufstauenden Wut. Unzufrieden gehen wir aus der Mittagspause und verdammen unsere notleidende Existenz. Das nächste Mal gehe ich wieder auf Nummer sicher! Doch alle guten Vorsätze erweisen sich als vorläufig…

Doch beim nächsten Besuch landet dann wieder nicht das Schweineschnitzel mit brauner Sauce auf dem Teller. Warum tappen wir auch immer in dieselbe Bärenfalle? Wir verpassen nicht gerne etwas. Wir wollen alles ausprobieren und unser Leben bereichern. Wer weiß, vielleicht stoßen wir zufällig auf etwas, das das Risiko wert ist. Es gibt da draußen eben die Risiko- und die Gewohnheits-Gamer. Das Leben der Letzteren verläuft zwar routinemäßig in gewohnteren Bahnen, dafür sind sie meist glücklicher und zufriedener. Der Risiko-Gamer dagegen ist ständig auf der Suche…und tappt oft in stinkenden Kot. Doch er ist unrettbar verloren und macht sich das Leben bewusst schwer. Seine Gewohntheit ist der sprunghafte, Launen entspringende Konsum. Ungewöhnlichkeit als Gewohnheit.

Fall 1: Die Risikowahl

Welcher Spezies gehört ihr an? Meine Entscheidungsfindung bei Spielekäufen entspringt immer mehr irrationaleren Kritierien. Zum Beispiel wollte ich seit der Veröffentlichung von Red Dead Redemption das Western-Open World Spiel unbedingt einmal ausprobieren. Mir bot sich die Chance: Die Zeit war da (Ferien). Und das Geld (staatliche Subventionsszuschüsse). Die Gelegenheit war also günstig. Die Planeten wiesen laut meiner Stamm-Wahrsagerin eine günstige Konstellation auf. Jetzt ist endlich die Zeit gekommen. Was mache ich? Ich kaufe mir natürlich NIER. Einfach darum, weil ich mir davon ein ausgefallenes Spielerlebnis verspreche, das mir genau das bietet, was ich will: Das Besondere. Doch das ergibt sich bekanntlich selten. Erzwingen kann man es nicht. Ich möchte eben nicht einfach Spaß. Ich will mehr. Nach zehn Stunden NIER habe ich die Wahl bereut. Obwohl das Game alles andere als schlecht ist. Und im gewissen Sinne hat es mir auch das gegeben was ich schließlich insgeheim wollte. Aber ich hatte irgendwie nie richtig Spaß. Meistens schlich sich Langeweile und Überdruss über das monotone Gameplay ein. Dann rede ich mir ein, Story, Musik und Atmosphäre seien mir wichtiger als alles andere, während ich mich durch monotone, simpel gestrickte Horden prügele. Ich habe es ja so gewollt…

Fall 2: Die Risikowahl zum Zweiten

Wieder ist die Konstellation mehr als günstig: Zeit (Ferien) und Geld (Erspartes). Was warten für Spiele auf mich? Fallout: New Vegas, Red Dead Redemption. Ich weiß, wenn ich mir diese Titel kaufe, werde ich genügend Unterhaltung für Wochen haben. Spaß garantiert. In diesen Welten kann man sich verlieren. Aber ich wollte wieder mehr als nur Spaß und Unterhaltung. Ich wollte einen Mehrwert. Einen über diese plumpen Befriedigungsgefühle hinausgehenden Wert. Diese Namen stehen für das Erwartungsgemäße. Sie sind das Wiener Schnitzel der Gaming-Landschaft. Der Geschmack ist altbekannt. Wir wissen, dass wir uns nach dem letzten Bissen zufrieden zurück lehnen. Ich will aber kein Schnitzel. Ich nehme jetzt mal das Seelachsfilet mit asiatischer Orangensauce garniert mit artenschutzbedrohten Hummelfledermäusen. Übersetzt in die Gaming-Fachsprache: Ich greife zu Deadly Premonition. Schließlich bin ich ein ewig Suchender. Und Twin Peaks ist das Beste was es auf dieser Welt gibt. Fortsetzung folgt…

Risiko- oder Gewohnheitsgamer? Was seid ihr?