Jan 272011
 
Die Zukunft?
Die Zukunft?

Es wundert mich ja, dass die Politiker in Bayern noch nicht daran gedacht haben! Die USA sind jedenfalls wieder einen Schritt voraus, denkt doch das Kongressmitglied Joe Baca daran, Videospiele künftig mit Warnhinweisen auf den Verpackungen auszuweisen. Er und die sogenannte Consumer Product Safety Commission haben sich sogar schon einen Text überlegt (kein Scherz):

“WARNING: Excessive exposure to violent video games and other violent media has been linked to aggressive behavior.”

Ab dem Teen-Rating soll es solche Warnhinweise geben.

Joe Baca weiter zur Thematik:

“Research continues to show a proven link between playing violent games and increased aggression in young people. American families deserve to know the truth about these potentially dangerous products.”

Ist doch totaler Schwachsinn, oder? Einerseits gibt es jetzt schon genügend Hinweise auf den Verpackungen wie die Altersfreigabe oder die Art des Inhaltes (Violence, Pervasive Language), andererseits gibt es genügend Studien (hier ein Beispiel), die besagen, dass Videospiele mit Gewaltinhalten KEINEN größeren Einfluss als andere Medien auf den Konsument haben.

Aber scheinbar sind Videospiele einfach nur das Werk des Teufels (wenn die Welt doch nur so einfach wäre).

So tragen Videospiele natürlich auch Mitschuld an den Anschlägen am Moskauer Flughafen. Zumindest wenn es nach so manchen russischen Medien geht, die damit natürlich auf die Flughafenszene von Modern Warfare 2 anspielen.

Alles in allem ist die Forderung nach Warnhinweisen auf den Verpackungen für Videospiele ein weiteres Kuriosum aus einem mittlerweile endlos scheinenden Kuriositätenkabinett. Viele Politiker scheinen dermaßen in der Vergangenheit stecken geblieben zu sein – ein Wahnsinn. Andererseits ist es natürlich einfach, schnell einen Schuldigen für diverse Probleme in der Gesellschaft zu finden. Mal sind es die Ausländer, in diesem Fall sind es eben die pösen, pösen Videospiele.

(via Forbes)

  19 Antworten zu “USA: Kommen Warnhinweise auf Videospielen?”

  1. Tja, wenn es denn so einfach wäre, dass eine Sache mit exakt einer anderen zusammenhängt und daraus im Umkehrschluss dann die andere Sache ursächlich für die eine Sache ist. Zwar gibt es tatsächlich messbare Effekte von Videospielen auf Aggression oder Gewalttätigkeit, diese sind aber schon gering. Betrachtet man diese nun nicht isoliert (was nahezu ALLE Forscher, die bisher einen Zusammenhang gefunden haben, auszeichnet), sondern im Vergleich zu anderen sozialen Faktoren, die in einem Zusammenhang mit Gewalttätigkeit stehen können, so sind Videospiele als Wirkfaktor äußerst gering. Statistisch heißt das: maximal 1-4% der Gewalttätigkeit und auch aggressiven Grundverhaltens kann durch das Spielen von Videospielen überhaupt nur erklärt werden. Dabei ist aber noch nichteinmal klar, ob diese Zusammenhänge tatsächlich so zu deuten sind. Zusätzlich ist zu vermuten, dass in einer Kopplung mit anderen Wirkfaktoren Teile dieser 4% noch eben durch diese weiteren Wirkfaktoren miterklärt werden können. Sowas nennt man in Kennerkreisen auch Aufteilung der Varianz. Dieses kann es bei bivariaten Zusammenhängen, auf Basis die meisten Studien den Zusammenhang zwischen dem Spielen und der Gewalttätigkeit bewerten, nicht geben. Ergo: Lieber Warnhinweise auf Alkoholprodukte kleben, denn diese fördern sehr wahrscheinlicher eher Gewalttätigkeit, also Videospiele. Und bitte auch Warnhinweise auf Lehrer pappen, denn auch diese können einen deutlich größeren Einfluss auf Gewalttätigkeit haben.

  2. Du machst dich darüber lustig, und dabei sind wir diejenigen die fette FSK-Siegel auf unseren Spieleverpackungen haben. Auch wenn Österreich und Schweiz da mehr oder weniger Opfer sind. ;-)

  3. Habt ihr keine Spielecover mit Fetten USK Logos, obwohl in Österreich die PEGI Freigaben gelten?

  4. hier in der schweiz – habe wir langsam aber sicher auch nur noch spiele mit usk logos; obwohl bei uns pegi die freiwillige alterskontrolle übernimmt; dies weil anscheinend usk spiele billiger zu beziehen sind. der kunde hat das nachsehen, er darf sich mit hässlichen covern herumschlagen.

    • Es ist wirklich eine Schande, dass solche halbgaren, sinnlosen Entscheidungen die in Deutschland getroffen werden auch über die Landesgrenzen hinaus noch wirken.

    • Wenn die Spiele billiger zu beziehen sind, muss ich ehrlich sagen, dass ich durchaus auf ein schönes Cover verzichten kann. ABER: Import aus UK, da sind die Spiele NOCH billiger zu beziehen UND auf dem Cover ist kein USK-Hinweis.

  5. Hinweise auf der Packung stören mich eigentlich nicht. Es stören mich vielmehr die gefühlten 1000 Warnhinweise während des Spielstarts! NBA 2k11 auf PS3 ist die Hölle!!! – Warnhinweis Hersteller, Logo, NBA, etc, Warnhinweis 3D, MOVE, DTS Support – > Spiellogo, Download von aktuellen Daten aus dem Internet -> nach gefühlten 10 Minuten endlich Spielstart – echt zum brechen!

  6. FoxNews hat nicht alles abgedruckt bzw. verwendet:
    http://www.play.tm/news/32942/exclusive-bulletsto

    Dort heißt es am Ende recht schön: "On how to solve the problem of making sure kids were playing games appropriate for their age group Steinberg was also pretty clear: 'The answer, as ever, lies in education: Being acutely aware of what and how your children play, and the manner in which they do so, which requires maintaining an open-minded perspective and taking the time to spend time with your kids, their games and the systems which play these titles.'"

    • Sas liegt wohl daran, dass Fox News gezielt parteische Desinformation betreibt, das war kein Versehen, weil es zu oft passiert. Nicht nur bei Spielen, auch in der Politik und Wirtschaft. Sehr oft lügen sie einfach dem Publikum direkt ins Gesicht.

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