Mrz 072011
 

Die Games Developer Confernce genießt verständlicherweise natürlich nicht die Popularität wie eine E3, dafür hat sie aber eine weit nachhaltigere Wirkung, da sich hier Fachmänner und Entwickler untereinander austauschen, sich gegenseitig Visionen zuwerfen und versuchen, eine mögliche Zukunft für das Medium zu skizzieren. Auch dieses Jahr zeigte sich aber wieder eine Kontroverse um die Richtung und Tendenz von Videospielen mit einem Einhergehen eines bipolaren Lagerdenkens. Immer mehr „traditionelle“ Entwickler, welche mit „klassischen“ Spielen auf den althergebrachten System ihre Brötchen verdienen, sehen in dem Florieren und der Erfolgswelle der Social Games über Facebook & Co. eine ernstzunehmende Gefahr. Auch Apple birgt für den einen oder anderen ein schwelendes Gefahrenpotential.

Iwata betrachtete im Rahmen seiner Keynote auf der GDC mit Sorgen die Entwicklung der Smartphones, die mit billigen Spielen den Markt überschwemmen und das Bewusstsein für kostenträchtigere Spiele umkrempeln könnten. Natürlich wittert Nintendo hier Gefahr. Der 3DS ist kurz vor seinem Marktstart in Europa und pflegt eine klassischere Distributionssystematik als die mit billigen Download-Spielchen hausieren gehenden App-Stores. Dort sind die Verdienstmöglichkeiten beschränkt und beispielsweise lässt sich mit Spielen in Apples Store durchschnittlich pro Spiel recht wenig verdienen. Natürlich schrillen da die Alarmglocken bei Iwata & Co.

Immer auffälliger ist jedenfalls die neue Dichotomisierung. Früher zeigte sich eine Aufsplitterung in „Core“ und „Casual“. Jetzt tun sich diese beiden „Sparten“ zusammen zum Feldzug gegen die „Social Games“. Da kann es leicht passieren, dass die Sachlichkeit flöten geht und einer Polemik weicht. Viele sehen die Gefahr, dass Big Budget-Titel, landläufig auch als AAA-Titel bezeichnet, in Zukunft nicht mehr profitabel oder lukrativ sind, einfach weil viel billgere Spiele viel zahlreicher Abnehmer finden. Natürlich spielt da auch der Schutzreflex eine Rolle, der zu schreckhaften und ruckartigen Abwehrhaltungen motiviert. Kann man hier schon vor Existenzängsten sprechen? Fakt ist jedenfalls, dass sich diese finanzkräftigen Blockbuster weiterhin gut schlagen und keine irgendwie geartete Schwächephase vermuten lassen. Vor einem Jahr fasste David Hayward in einem Artikel auf Gamasutra die Lage pointiert zusammen:

Zynga is not a threat to traditional videogame development, but it is most definitely a threat to developers‘ sense of identity.

Eine das traditionelle Verständnis von Spielen angreifende Marschroute der Social Games? Einige sehen darin eine Gefahr für die Identität ihrer Arbeit und scheinen die Entwicklungsphilosophie derartiger Social Games Entwickler zu verschmähen. Mit „billigen“ Design-Konzepten eine Milliardenschar von neuen Spielern anlocken. Das, was viele andere Studios mit weit aufwändigeren Mitteln in den letzten Jahren nicht zu schaffen schienen, wird hier mit ein paar Griffen bewerkstelligt. Klar dass da Frust und Besorgnis mitschwingt. Gerade manche Indie-Entwickler, die dem Medium größte intellektuelle Aufmerksamkeit widmen, wollen sich nicht in einem Atemzug mit diesen Entwicklern genannt wissen. Diese emotional besetzten Ängste lassen sich mit einem nüchternen Blick wahrscheinlich weitgehend austreiben. Doch auch dieses Jahr schwelt der Konflikt weiter. Nintendo zeigt sich ob der Entwicklung besorgt und fürchtet womöglich eine „Ramsch-Kultur“. Natürlich ist das eine extrem subjektiv verzerrte, aus persönlichen und firmenbezogenen Interessen geleitete Ansicht. Doch sie steht eben im Raum.

Auf der GDC 2011 appellierte Brenda Brathwaite, Mitgründerin von des Social Games Entwicklers Loot Drop, an die versammelte Schar von Game-Entwicklern das Lager-Denken zu unterlassen und zusammenzustehen.

Apropos Nintendo: Die teilen nicht nur aus, sondern müssen auch gehörig etwas einstecken. Trip Hawkings, Gründer von EA, kritisierte Nintendo ob ihrer Lizenzauflagen bei Spielen. Auch Apple verdient kräftig bei der Publikation von Spielen mit. Außerdem sei die Überpopulation von Apps ein Problem, da viele gute Spiele so unverdientermaßen wenig Aufmerksamkeit einheimsen.

Wer will, kann sich übrigens die ganze Keynote von Iwata online zu Gemüte führen.

(via CNNtech, Gamasutra, Eurogamer.net)