Mrz 152011
 

Die zur Zeit in Japan immer akutere Ausmaße annehmende Katastrophe mitsamt Erdbeben, Tsunami und atomaren Bedrohungsszenarien wirft natürlich auch einen groß dimensionierten Schatten auf die Spiele-Industrie im von Schicksalsschlägen zermarterten Land. Die wichigste zu meldende Botschaft betrifft natürlich den menschlichen Aspekt. Zu Schaden kam niemand von den in Japan ansässigen Entwicklern. Square Enix (Tokyo), Nintendo (Kyoto), Capcom (Osaka, Tokyo)), SEGA (Tokyo), Namco (Tokyo), Bandai (Tokyo) oder Konami (Tokyo) befinden sich mit ihren Zentren weit genug weg von den Gefahrenstellen. Es grassierte über Twitter zudem das Gerücht, der Gründer von Pokémon, Satoshi Tajiri, sei durch die japanische Naturkatastrophe ums Leben gekommen. Das erwies sich glücklicherweise als kapitale Falschmeldung bar jeder Rechtfertigung. Ein Sprecher von der Pokémon Company, J.C. Smith, gab gegenüber Kotaku die Entwarnung:

False. Everyone at the Pokemon Company and Gamefreak is fine.

Viele spieleinteressierte Menschen machten sich natürlich auch Sorgen um die gesundheitliche Verfassung der Mitarbeiter von Nintendo – in Kyoto ca. 482 km von der vom Tsunami verwüsteten Katastrophengegend entfernt. Über Twitter versuchten die Japaner alle Sorgen mit einem Wisch auszuräumen:

Thanks for your concern! During the earthquake no one at Nintendo in Japan was injured and there was no apparent structural damage.

Nintendo versicherte mit Blick auf den bevorstehenden Release des 3DS auch, dass künftige Produktlieferungen keinerlei Einschränkungen unterliegen werden. Wie T-Online berichtete, werden die Konsolen, auch der 3D-fähige Handheld, sowieso in China, Korea und Taiwan produziert. Square Enix DLG twitterte mit Dank an die Anteil nehmenden Spieler:

The earthquake. We are OK. Thanks for your messages!

Es gibt also auch einzelne gute Nachrichten inmitten dieser katastrophalen, ernüchternden Chaos-Zustände im für uns gar nicht mehr fernen Japan. Überhaupt erweist sich Twitter als optimales Sprachrohr. Kotaku.com berichtete z.B. auch über die Situation von Grashopper Manufacture in Tokyo. John Davis von besagtem Entwicklerteam sprach als Augenzeuge von wackelnden, taumelnden Gebäuden und über die Reaktionen seiner Kollegen, die sich teils zum Gehen entschlossen teils an ihren Schreibtisch verharrten. Goichi Suda, No More Heroes, war zum Zeitpunkt des Erdbebens am Freitag übrigens nicht im Büro. Relativ schnell verbreitete sich die Nachricht der körperlichen Unversehrtheit aller Entwickler, so Davis:

On Saturday we had all of the staff check-in via email and phone to let us know they got home safely.

Konsequenzen für die Spieler

Auch die Spieler bekommen die Notsituation zu spüren. Vorsorglich wurden aufgrund von Energiesparmaßnahmen die Stecker von Servern gezogen. Square Enix deaktivierte seit gestern für mindestens eine Woche die Online-Server für die MMORPGs Final Fantasy XI und Final Fantasy XIV und auch Konami kam den Appellen der japanischen Energieversorger nach und knipste vorübergehend Metal Gear Online das Licht aus. Irrelevante Energieschlucker werden also vom Netz genommen. Inzwischen wurde auch bekannt, dass Sony mehrere Fabriken schließen musste, in denen Blu-Ray Discs hergestellt wurden.

Ein Spiel, das ursprünglich in diesem Frühjahr erscheinen sollte, ist aufgrund der schrecklichen Ereignisse des Inselstaates von der Bildfläche verschwunden: Disaster Report 4 von Irem wurde aus Rücksicht auf die Opfer und die verheerende Gesamtsituation eingestellt – dessen Vorverkaufszahlen stiegen aber im Laufe der Katastrophentage zynischerweise an. In dem Survival-Spiel mussten sich die Spieler in graphisch realistischer Darstellung Naturkatastrophen wie Erdbeben inmitten einer Metropole erwehren. Wer sich den Trailer zum Spiel einmal näher anschaut, fühlt sich unweigerlich an die letzten Tage erinnert. Auch ein namhafter Japan-Release wurden aus Rücksichtnahme nach hinten terminiert: Motostorm 3: Apokalypse ist erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Setting spielte sich in zerstörten Städten ab.

Anlauf zu solidarischen Hilfsaktivitäten

Auch die Spiele-Industrie rüstet sich für humanitäre Hilfe. Der Social Game Entwickler Zynga will eine Reihe seiner finanziell enorm erfolgreichen Spiele mit Spenden-Anreizen austatten. So geht die Firma eine Zusammenarbeit mit „Save the Children“ ein. Der Kaufpreis für extra für diesen Anlass generierte virtuelle Güter fließt in seiner Gesamtheid in einen eigens für die japanische Notlage eingerichteten Hilfsfonds. In FarmVille kann jetzt z.B. Daikon-Rettich angebaut werden. Auch andere Videospiel-Firmen wie Nintendo, Namco oder Sony signalisierten Spendenbereitschaft.

Am Rande: Eine kleine, im Zusammenhang mit Japan sich ereignende Anekdote erzählt Kevin Rose, der die Rolle der Apple Stores als Übernachtungs- und Verpflegungsstätte während der katastrophalen Zustände in Japan beleuchtete. Eine interessanter Mittendrin-Bericht aus nächster unmittelbaren Nähe.

(via 4players.de, Gamasutra.com, Konami.com, Twitter.com, Play3.de, T-Online.de, gamesaktuell.de, areagames.de, www.vg247.com)