Mai 072011
 

Ja, liebe Shooter-Freunde. Er liegt vor uns, einer der beiden wohl am meisten erwarteten Shootertitel des Jahres 2011. Viele von uns haben auf Grund der Erfolge von Far Cry und Crysis nicht mehr und nicht weniger als einen neuen Meilenstein erwartet. Doch wird Crysis 2 diesen Erwartungen gerecht? Wie sich das neue Actionspektakel spielt und anfühlt, erfahrt ihr wie gewohnt direkt nach dem Fazit.

Unser Fazit: Dieses Mal ist das Ziehen des Fazits wirklich nicht leicht. Crysis 2 hat wirklich sehr viele lichte Momente und kann in sehr vielen Punkten absolut überzeugen, dennoch gibt es auch gravierende Mängel und, auch irgendwie logisch bezogen auf die hohen Erwartungen, Enttäuschungen. Von der Quasi-Freiheit der nahezu offenen Spielwelt bzw. dem offenen Leveldesign von Far Cry und Crysis ist in Crysis 2 kaum noch etwas übrig geblieben. Zwar haben wir noch immer die Wahl uns den Weg durch New York zu schießen oder dank Nanosuit 2.0 getarnt und unentdeckt an den feindlichen Soldaten und den Außerirdischen vorbeizuschleichen, doch sind die Möglichkeiten sehr begrenzt. Schade, denn einige von uns haben sich schon während der ersten Vorankündigungen darauf gefreut das ganze verwüstete Manhattan zu erkunden. Auf der anderen Seite hat Crytek es geschafft die bereits guten spielerischen Elemente, wie die Funktionen des Nanosuit, die nun erweitert werden können, und der Anpassbarkeit der Waffen aus Crysis beizubehalten und zu verbessern. Die Steuerung geht auf dem PC wirklich sehr gut von der Hand, auch wenn in der Standardtastenbelegung statt dem Nachladen gerne mal der Tarnmodus aktiviert wird. Und Crysis sieht trotz der bisher ausschließlichen Nutzung von DirectX 9 hervorragend aus und kann Titel wie Call of Duty: Black Ops oder Battlefield: Bad Company 2 in die Schranken weisen. Alles in allem ist Crysis 2 ein, bis auf die technischen Mängel in der PC-Version, runder und solider Titel.

8/10 – Toll (8er sind eindrucksvoll geraten, haben aber ein paar erkennbare Probleme. Werden nicht jeden in erstaunen versetzen, aber sind ihr Geld absolut wert.)

Wir bedanken uns bei Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsmusters.


Crysis 2 (PC [getestet], PS3, Xbox 360)
Entwickler: Crytek
Publisher: EA

Im Frühjahr 2004 erblickte das legendäre Far Cry, das Erstlingswerk der damals unbekannten Softwareschmiede Crytek, das Licht der Welt. Die neuentwickelte Cryengine lieferte in Sachen Grafik und Physik besonders beim Ragdoll, das ein Mitgrund für die spätere Indizierung war, eine bis dato nie dagewesene Qualität. Drei Jahre später erschien Crysis und setzte, wie sein Vorgänger, ebenso Maßstäbe besonders in Sachen grafischer Präsentation, aber auch durch die teilweise zerstörbare Umgebung. Kein Wunder also, dass dem zweiten Teil der Crysis-Trilogie recht hohe Erwartungen entgegenschwappten.

Au Scheisse, Spaceballs. Da ist der ganze Planet der Affen im Arsch!
Au Scheisse, Spaceballs. Da ist der ganze Planet der Affen im Arsch!

Story? Ja, sicher!

Tatsächlich kann Crysis 2 an einem völlig unerwarteten Punkt sehr positiv überzeugen. Es gibt sowas wie eine sinnvolle und spannende Story, die zwar linear und damit nicht durch unser Handeln an sich beeinflusst wird, aber doch sehr passend rüberkommt. In Bezug zu Far Cry und Crysis ein gewaltiger Schritt. Crysis 2 knüpft an die Geschehnisse von Crysis an. Wie erinnern uns: Nach der finalen Schlacht auf dem Flugzeugträger begibt sich Prophet, der Anführer unserer Spezialeinheit, erneut auf die Insel, auf der zur Auslöschung der Invasion der Außerirdischen eine Atombombe gezündet wird. Wir erfahren auch im Ergänzungsspiel Crysis Warhead nicht weiter, was mit Prophet passiert ist.
In Teil 2 befinden wir uns nun als Marine Alcatraz mit unserer Einheit in einem Schiff auf dem Weg nach New York und werden kurz vor Liberty Island von Außerirdischen angegriffen, wobei uns, schwer verletzt, eben dieser Prophet rettet. Gezeichnet von der biologischen Verseuchung, die scheinbar von den Aliens auszugehen scheint, vermacht uns Prophet seinen Nanosuit 2.0, die uns das Leben rettet. Fortan ist dieses Teil von uns und wir rekonstruieren die in den Tiefen der Technik des Anzugs verborgene Geschichte um Prophet und der Alieninvasion. Mehrere Militärforscher, die uns zunächst für Prophet halten, schicken uns nun von Stadtteil zu Stadtteil um unserem Anzug diese wichtigen Informationen zu entlocken, aber auch um militärische Aktionen zu unterstützen. Dabei treffen wir zunächst auf eine private Miliz, die CELL, eines Großkonzerns, die ganz eigene Interessen verfolgt und natürlich auf die außerirdischen Invasoren. Nach und nach, zwischen Rettungsaktionen für Zivilisten und Liquidationsoperationen, decken wir immer mehr ein Komplott auf. Wer wirklich Freund oder Feind ist, wird sich zeigen.

Alles Neue Macht der Mai März

Nicht nur die wirklich Sehenswerte, wenn auch etwas konfuse Story, ist für Cryteks Verhältnisse neu, sondern viele, wenn auch kleine Details. Aber neu heißt leider auch nicht immer zwangsläufig gut.
So kehren wir mit Prophet zusammen den tropischen Gefilden den Rücken und kämpfen uns fortan durch die Betonwüste Manhattans. Dieser Schritt ist für das Spielgefühl an sich topp. Zwar wusste die trügerische Schönheit der tropischen Insel in Crysis ein ebenso besonderes Gefühl von Ruhe und Bedrohung zugleich zu erzeugen, doch das nahezu menschenleere Manhattan, die zerstörten Ladenlokale und die immer wieder zu findenden Sammelstellen in den Evakuierungszonen, die gepflastert sind mit Fotos von Vermissten und kleine Nachrichten an diese, erinnert nur zu sehr an die Bilder vom 11.9.2001. Auch die in Trümmern liegenden und einstürzenden Hochhäuser erzeugten bei mir permanent ein Gefühl der Bedrohung und des Unbehagens. Nie bin ich so vorsichtig durch ein Actionspiel gewandert, wie in Crysis 2. War das Geschehen auf den fiktiven Tropeninseln noch sehr anonym, so wirkt die Alieninvasion in New York umso intensiver und auch irgendwie näher. Dabei wird das Setting nie langweilig. Nach dem Betreten Manhattans über den Battery Park kämpfen wir uns über Hochausdächer, Straßenschluchten, U-Bahn-Tunnel und Bürokomplexe immer weitere Richtung Uptown, wobei einige Sehenswürdigkeiten New Yorks nicht fehlen dürfen.

Doch mit dem Settingwechsel kommt auch die größte Einschränkung des Spiels auf den Tisch. Das zerstörte New York ist nicht frei begehbar, ja es gibt in den meisten Level nichtmal weitläufige Umgehungsmöglichkeiten feindlicher Stellungen, wie noch in Crysis. Crytek folgt damit leider dem von mir gerne als Moorhuhnjagd bezeichnetem Trend. Anforderung wird nur durch Gegnermassen und nicht durch deren taktisches Vorgehen erzielt. Wir suchen Deckung und zerlegen alles, was auf uns zustürmt. Zwar ist Crysis 2 dabei noch weit von den Levelschläuchen in Call of Duty: Black Ops entfernt und auch die KI kann als solche bezeichnet werden (immerhin wird man tatsächlich mal flankiert oder bei massivem Beschuss suchen Gegner auch mal Deckung und ziehen sich zurück), dennoch fehlt eben die große Freiheit von Crysis. Gebäude können nur dann betreten werden, wenn dieses im entsprechenden Level vorgesehen ist. Die Spielmechanik weicht damit hinter die Story und der grafischen Präsentation zurück, wodurch Crysis 2 einem bisherigen Alleinstellungsmerkmal der Spiele von Crytek beraubt wird. Auch mangelt es der neuen Umgebung an (zerstörbaren) Objekten, die zu Spielereien mit der Physik verleiten. Autos und andere Gegenstände können zwar immer noch durch die Gegend getreten und geworfen werden, aber wie in Crysis oder damals Half Life 2 ist dieses nur eine nette Spielerei ohne wirklichen Nutzen für das Vorankommen. Wir können uns nicht verbarrikadieren oder Baumstämme einen Hügel hinunter direkt in ein Lager rollen lassen.
Nicht ganz neu ist der Nanosuit und dessen Funktionen, sowie die Anpassbarkeit der Waffen. Doch haben sich auch hier im Detail kleine Verbesserungen zu Crysis ergeben. So können wir nun Funktionen des Anzugs direkt via Tastenbefehl ausführen und müssen diese nicht erst umständlich auswählen. Zusätzlich gibt es nun neue Spezialfunktionen, wie den Bedrohungssucher, der die Flugbahn gegnerischer Projektile grafisch darstellt, oder den Tarnfeld-Sucher, der es ermöglicht getarnte Feinde schneller zu erkennen. Im Singleplayer können diese Funktionen durch abgesonderte Biomasse erledigter Aliens freigespielt werden, während im Multiplayer spezielle Erfahrungspunkte durch die Nutzung entsprechender Anzugmodule zu sammeln sind, die dann das Freischalten weiterer Module ermöglichen. Im Vergleich zum Vorgänger bietet Crysis 2 zudem das etwas umfangreichere Waffenarsenal mit den unterschiedlichsten Aufsätzen und Visiere, die je nach Situation direkt angepasst werden können.
Völlig neu hingegen sind die taktischen Empfehlungen, die im Visor, also dem taktischen Fernglas, eingeblendet werden. Diese Empfehlungen markieren Orte, wie Scharfschützenpositionen und Nachschubstellen oder Wege, wie Schleichpfade durch die Kanalisation. Erfahrene Spieler haben aber meistens die taktischen Möglichkeiten bereits analysiert, bevor diese überhaupt als Empfehlung angezeigt werden und damit ist dieses Feature maximal für Neueinsteiger interessant.

Grafik ist alles?

Wie schon geschrieben, Crytek ist besonders durch die grafische Präsentation der bisherigen Spiele (ausgenommen Far Cry Vengeance) in aller Munde gewesen. Far Cry bot DirectX 9.0c, Crysis war eines der ersten Nicht-Microsoftspiele mit DirectX 10. Und Crysis 2? Alle haben für den PC auf DirectX 11 und die damit verbundenen Vorteile wie Tessellation und Compute Shaders gehofft. Und dann die Enttäuschung. Nur DirectX 9. Ja, wirklich 9! 10 war gar nicht erst vorgesehen und die DirectX 11 Fähigkeit wird erst via Patch nachgereicht. Doch Crysis 2 sieht selbst unter DirectX 9 bereits atemberaubend aus und kann auch DirectX 11 Titel wie Bad Company 2 durchaus das Wasser reichen, gerade was die Wasseranimation und die Detailfülle von Figuren und Objekten angeht. Lediglich die Fauna und Flora sah im Vorgänger besser aus. Nicht auszudenken, was für ein Augenschmaus Crysis 2 unter DirectX 11 geworden wäre bzw. noch wird. Letztlich sieht es aber auch so schon auf dem PC bereits jetzt am besten aus, die PS3 und die Xbox 360 Version fallen doch deutlich in Puncto Schärfe und Farbbrillianz ab.
Doch was wirklich umhaut und gar nicht zwingend mit der Technik hinter der Grafikengine zu tun hat: In Crysis 2 habe ich etwas erlebt, was ich länger nicht so intensiv bei einem Spiel erleben konnte. Die Bildkomposition ist nahezu immer stimmig, Beleuchtung und grafische Elemente sind in nahezu jedem Abschnitt dicht an der Perfektion und einige Bilder, die ich als Screenshot für euch festgehalten habe, lassen fast schon einen ästhetischen Eigenwert erkennen. Wie lange es her ist, dass ich bei einem Spiel mit einem Blick aus einem virtuellen Fenster scheinbar ewig nur da stand und das Setting auf mich hab wirken lassen, kann ich gar nicht genau sagen. Was an Spielmechanik flöten gegangen ist macht Crysis 2 für mich durch einen besonderen ästhetischen Wert wieder weg. Dieses führt dann unweigerlich dazu, dass die eh schon sehr bedrückende Stimmung des Spiels einen doch so sehr in den Bann zieht, dass ich tatsächlich ohne es zu merken 6 Stunden am Stück im Singleplayer gespielt habe, obwohl ich eigentlich am nächsten Tag früh raus musste.

Cheaten bis der Arzt kommt!

Was ist der Unterschied zwischen Crysis 2 und Sonys PSN? Hackt man Sony, findet man empfindliche Daten im Plaintext, bei Crysis 2 kann man im Plaintext hacken.
Cheaten via Texteditor und Konsole im Multiplayer war tatsächlich bis zum aktuellen Patch ohne weiteres Möglich. Okay, Crytek ist in Sachen Multiplayer nicht soooo erfahren, der Multiplayermodus damals bei Crysis lief bei mir nie wirklich gut und auch Crysis Wars konnte nicht wirklich überzeugen. Crysis 2 hat nun einen Multiplayer bekommen der den eh schon recht üppigen Singleplayer ergänzt und langzeitig motivieren soll. Nur was nützt ein recht gut gedachter Multiplayer, wenn von Beginn an die Server voll sind mit =Hack0r= und seinen Kollegen? Wobei, gerade in der ersten Zeit habe ich nicht viele dieser Pappnasen zu Gesicht bekommen, da ohne erkennbare Gründe immer wieder die Verbindung zu den Servern abriss und mein Fortschritt, wie meine Freischaltungen nicht gespeichert wurden. Mit kleineren Tricks ließ sich der Multiplayer zwar halbwegs zocken, aber erst mit dem Patch 1.4 konnte das Cheaterproblem etwas eingedämmt werden. Erst jetzt konnte sich auch der Multiplayer von seiner guten Seite zeigen. Crytek erfindet hier aber das Rad auch nicht neu und hinter den vielfältigen Spielmodi verbergen sich in der Regel alte Bekannte, wie (Team)-Deathmatch (hier Team-Sofortaktion) oder Capture-The-Flag (hier: Finde das Relais). Auch das Rangsystem und die damit verbundenen Freischaltung von Waffen und Waffenaufsätzen ist inzwischen aus den meisten Genrevertretern bekannt. Spaßig wird der Multiplayer jedoch durch die Fähigkeiten des Nanosuit. Getarnte Gegner lassen sich nur mit der entsprechenden Anzugerweiterung oder der Nanovision erkennen oder sind auf Grund ihrer Geschwindigkeit im Energiemodus schwer zu treffen. Ich für meinen Teil habe trotz meiner doch recht ausgeprägten Shooter-Erfahrung sehr lange gebraucht um mit den neuen Mechanismen, die der Nanosuit so mit sich bringt, klar zukommen.
Eine weitere Interessante, wenn auch nur kleiner Variation im Multiplayer gibt es zudem: Ähnlich wie bei Call of Duty: Modern Warfare 2 und Call of Duty: Black Ops erhält man bei einer entsprechend andauernden Abschussserie auch in Crysis 2 Unterstützungsboni. Hier wurde jedoch den Campern ein Strich durch die Rechnung gemacht. Reicht es bei den anderen Titeln einfach, ohne selbst drauf zu gehen, eine entsprechende Anzahl Gegner umzunieten, muss man in Crysis 2 die nach dem Ableben fallen gelassene Erkennungsmarke einsammeln und kann erst dann bei einer bestimmten Anzahl hintereinander gesammelter Marken den Bonus wie Radar, Luftschlag oder Überladung des Nanosuit, was zu einer kurzfristigen Unbesiegbarkeit führt, ausführen. Um die Unterstützungsboni zu nutzen ist also Bewegung notwendig und dadurch kommt es teilweise zu eine etwas stärkeren Dynamik bzw. die pösen, pösen Camper haben eben nun gewisse Nachteile.
Die Maps im Multiplayer sind angelehnt an Orte, die wir schon im Singleplayer besucht haben und in der Regel für die Spieleranzahl gut ausgelegt. Teilweise fühlen sich die Karten etwas zu groß geraten an.

Was wir mochten:

Grafik – Grafisch ist Crysis 2 trotz DirectX 9 eine wirkliche Pracht. Zwar greift Crytek aus Performancegründen ordentlich in die Trickkiste, dennoch fallen die teilweise falschen Spiegelungen und verwaschenen Texturen im normalen Spielen nicht auf. Sollte demnächst wirklich der DirectX 11 Patch nachgereicht werden, so dürfte Crysis 2 wieder annähernd grafische Referenz erreichen.

Ästhetischer Eigenwert – Das zerstörte New York lädt ein, einfach mal auszuharren und die Bilder, die sich einem bieten, zu betrachten und sich in diesen zu verlieren. Nicht viele Titel eignen sich tatsächlich von ihrer vom Entwickler herausgegebenen Version als so etwas wie Kunst zu funktionieren. Crysis 2 bietet immer wieder die Möglichkeit virtuelle Momente einzufangen und, vielleicht nicht für jeden Spieler, das Spiel mal kurz Spiel sein zu lassen, Spielmechanik mal Alberts Lieblingsthema sein zu lassen und sich auf sich selbst zu konzentrieren. Der SingleplayerCrysis 2 hat nach einmaligem Durchspielen eigentlich keinen großen Wiederspielwert mehr. Dennoch werde ich, um vielleicht nochmals ähnliche Situationen zu erleben, vielleicht doch mal wieder reinschauen. Zum Glück können wir die bereits freigespielten Erweiterungen unseres Nanosuits gleich zu Beginn einer erneuten Kampagne nutzen, so dass wir schneller zu unseren virtuellen „ästhetischen Hot-Spots“ gelangen.

Multiplayer – Auch wenn er technisch zu Beginn wirklich für den Popo war, so übt der Multiplayer inzwischen eine recht große Anziehungskraft aus. Gerade durch die übermächtigen Funktionen und Möglichkeiten des Nanosuits ist einiges an Können erforderlich um wirklich erfolgreich gegen die Mitspieler zu bestehen.

Sound – Okay, seit Inception mag ich Hans Zimmer irgendwie wieder und muss sagen, dass sein Score zu Crysis 2 durchaus sehr passend ist. Die Boxen (oder wahlweise das Headset) haben aber auch neben dem Score ordentlich zu tun. Die Waffensounds kommen mit ordentlich Wumms daher und selbst in Stereo lassen sich die Gegner immer hervorragend lokalisieren. Besonders interessant ist, dass die Gegner mit entsprechenden Äußerung die Situation bewerten und bereits liquidierte Kameraden erst untersuchen und befragen, was ihnen passiert sein möge. So lässt sich akustisch die Situation und der Aufenthaltsort des Gegners ermitteln und damit auch ohne Blickkontakt die Situation einschätzen.

Skill needed – Der Singleplayer bietet bereits einen ganz ordentlichen Schwierigkeitsgrad. Via Patch soll jedoch die KI nochmals aufgebohrt werden. Unter diesen Umständen könnten auch erfahrene Spieler gefordert werden. Leider fehlen riesige und anspruchsvolle Bossgegner komplett und daher kommt Crysis 2 in diesem Punkt nicht an seinen Vorgänger mit seinem intensiven finalem Kampf auf dem Flugzeugträger heran. Dagegen fordert der Multiplayer das Können des Spielers durchaus heraus, da eben auch der Nanosuit in hitzigen Gefechten beherrscht werden will. Und wenn die Gegner dieses ebenso gut beherrschen, so geht es schnell heiß her.

Nicht gefallen hat uns:

Käufer als Beta-Tester – Direkt zum Erscheinungstermin herauskommende Patches sind kein gutes Zeichen. Und so krankt Crysis 2 bis heute an durchaus massiven Fehlern. Viele Spieler klagen über eine nicht funktionierende Onlineanmeldung bzw. eine nicht funktionierende Seriennummer. Lange wurden Teile des Fortschritts im Multiplayer nicht gespeichert. In einigen Menüpunkten sind zwei Musikspuren gleichzeitig zu hören und aktuell machen die Erweiterungen und Visiere der Waffen im Singleplayer Probleme. Sie verschwindet gerne mal der Laserpunkt im Reflexvisier oder leere Waffen können nicht nachgeladen werden, obwohl im Nachschubbehälter passende Munition bereit liegt. Es ist in letzter Zeit nichts Ungewöhnliches und auch nichts Unproblematisches, kleinere und auch größere Macken nach dem Erscheinen zu beseitigen und das Spiel gegebenenfalls sogar noch um weitere Features zu ergänzen. Bei Crysis 2 wurde aber scheinbar die Qualitätskontrolle unterbesetzt oder, wegen Einhaltens des Erscheinungstermins, komplett übersprungen. Das komplexe Titel fehleranfälliger sind, daran haben wir uns inzwischen gewöhnt, aber das streckenweise gar nichts geht, dass sollte einem Entwickler wie Crytek nicht passieren.

KopierschutzmaßnahmenCrysis 2 reiht sich bei den inzwischen gängigen Kopierschutzmaßnahmen mit ein. Dieser Schutz greift zweifach. Zunächst ist Crysis 2 DRM geschützt und muss bei der Erstinstallation online aktiviert werden. Diese Aktivierung ist mittels Revoke-Tool, das es wohl über EA zu beziehen gibt, jedoch reversibel. Wie aber inzwischen ebenso üblich muss Crysis 2 zum Onlinespielen mit einem EA-Konto verknüpft werden und an dieses ist der Key dann unauflöslich gebunden. Ob es ähnlich wie bei Bad Company 2 die Möglichkeit gibt, eine neue Onlinelizenz zu erwerben, wenn man das Spiel gebraucht kauft, war bisher nicht in Erfahrung zu bringen. Immerhin muss die DVD beim Spielen nicht im Laufwerk sein, was leider aber nur ein schwacher Trost ist. Es gilt die Regel: Wer das Spiel wieder verkaufen möchte, sollte sich ein extra Konto anlegen, dass gegebenfalls mit dem Spiel weitergegeben werden kann.

Grafischer Blender? – Crytek hat sich mit der Story durchaus Mühe gegeben. Aber letztlich versteckt sich das neuste Werk wieder in erster Linie hinter seiner Grafik und dabei wurden eigentliche Stärken der Vorgänger leider doch recht drastisch zurückgefahren. Wie einleitend schon geschrieben: Die Bewertung dieses Spiels war besonders aus diesem Grund nicht einfach. Viele von uns haben doch etwas anderes erwartet und viele von uns wurden doch recht heftig enttäuscht.

Davids Meinung:
Crysis 2 bekommt von mir trotz der auffälligen Schwächen noch diese hohe Wertung, da es im Detail doch sehr deutlich sein stärken ausspielt und die genannten Schwächen eigentlich für das gesamte Genre gelten, da nahezu jeder Titel inzwischen an ähnlichen Problemen krankt. Zwar ist es schade, dass Crytek nun ebenfalls einen Weg geht, den viele als Mainstream beschreiben. Aber letztlich war es Crytek, die mit Crysis einen großen Teil dieses Mainstreams definierten. Leider gibt es Tendenzen, die eben trotz deutlicher Kritik der Fanbase von den Entwicklern bzw. Publishern durchgesetzt werden. Zwar sollte bei Crysis 2 der PC die Leadplattform bleiben. Was diese Aussage wert war, können wir an dem fertigen Produkt sehen. Spätesten im Herbst wird ersichtlich, ob hieran eher EA oder Crytek schuld ist, denn mit Battlefield 3 erscheint spätesten der nächste Titel bei EA, bei dem der Entwickler, hier DICE, den PC als Leadplattform ausgerufen hat. Aber dennoch ist Crysis 2 kein schlechter Titel, ganz im Gegenteil: Trotz dieser Kritik bietet das Spiel neben guter Unterhaltung ein gewisse Plus, das einen Topptitel auszeichnen sollte und von der grauen Masse abhebt. Diesmal ist dieses für mich nicht in einer raffinierten Spielmechanik, innovativen Storyelementen oder besonders ausgereiften Grafiktechnik begründet, sonder vielmehr in der Bildkomposition und dem Gefühl, dass Crysis 2 bei mir nach dem Spielen hinterlassen hat. Einige Action-Spiele können eben mehr als nur Action und das zeigt Crysis 2 sehr eindrucksvoll.

[Galerie nicht gefunden]