Mai 092011
 

Als ich letzte Woche den kurzen Artikel „Nachschub für den Brotkasten“ schrieb, konnte ich es wirklich kaum glauben: Ein neues Spiel für den C64. Auf Diskette. Im Jahr 2011. Flugs habe ich den Publisher kontaktiert und um ein Rezensionsexemplar gebeten, welches mich wenige Tage später erreichte. Eine fast DIN A4-große Box mit zwei 5 ¼ (!) Zoll Disketten und einer gedruckten Anleitung. Mein Herz schlug Purzelbäume.

C64 auf 52 Zoll
C64 auf 52 Zoll
Da ich C64-Demos und Spiele zuletzt nur noch im Emulator auf meinem MacBook genossen haben kramte ich meinen knapp 20 Jahre alten 128er raus und baute selbigen zum Entsetzen meiner Frau im Wohnzimmer auf. Dank Scart-Kabel war das gute Stück in wenigen Minuten an meinen 52Zöller angeschlossen und der Startscreen meiner Action Replay erschien weniger Sekunden später.

Und dann begann der Trip in die Vergangenheit….

Teleporter
Teleporter
Nach einem etwas holprigen Start (der Loader hat meinen Fastloader zerschossen) ließ sich das Spiel dann manuell laden und wenige Sekunden später (was für ein gänsehauterzeugendes Geräusch so eine 1571-Floppy doch von sich gibt) erschien das Protovision-Logo mit einer gefälligen C64-Melodie auf meinem Bildschirm. Und die Pixel sind trotz Full-HD-Panel kleiner als gedacht. Zur Erinnerung: Full-HD hat 1920×1024 Pixel. Der C64 bietet im Multicolor-Modus mit 16 Farben stolze 160×200 Pixel.

Ein paar Joystick-Klicks später kommt ein kurzes Intro in dem eine ominöse Statue mir die Geschichte erklärt: Ein magischer Schädel, der für dein Heimatland von größter Wichtigkeit ist, wurde von dem gemeinen Dämon Warlord Gothar gestohlen! Als wäre das nicht genug, hat der Dieb auch noch deine Freundin Candy entführt! Deine Aufgabe ist es, den gestohlenen Schädel wiederzubeschaffen und Candy zu retten.

Der Schlüssel zum Erfolg?
Der Schlüssel zum Erfolg?
Und dann geht es auch schon los: Wir landen mit unserem Ball in einem Labyrinth, welches wir nach links/rechts und oben und unten befahren können. Nach oben geht es meist mit einem Trampolin, nach unten in der Regel ganz alleine. Gegen ein akzeptables Zeitlimit müssen wir unsere Kugel vom Eingang zum Ausgang befördern. Dabei gilt es Fallen und Gegnern aus dem Weg zu gehen, Hindernisse und Schluchten zu überwinden, Schlüssel zu finden, Türen zu öffnen oder sich den Weg über Teleporter und Transportröhren zu bahnen.

Das Ganze geht über 15 Welten mit jeweils 3 Leveln. Jede der Welten hat eine eigene Hintergrundmusik im typischen SID-Sound der 80er – Klasse. Die Hintergrundgrafiken sind hübsch in Multicolor gestaltet und versetzen den Spieler, wie auch die Musik knapp 20 Jahre in die Vergangenheit. Apropos Vergangenheit – das Spiel wurde wohl schon 1993 begonnen – damit war es wohl länger in Entwicklung als der neue Duke Nukem Shooter.

Gewöhnungsbedürftig ist dabei die Steuerung. Das mag zum einen davon kommen, dass ich lange Zeit keinen C64-Joystick mehr in der Hand hatte. Zum anderen ist es aber ein merkwürdiges Gefühl eine Kugel zu steuern die sofort aufhört zu rollen wenn ich den Joystick loslasse. Und wenn ich nach rechts springen will, muss ich den Stick erst nach oben reißen und dann nach rechts, diagonal ist nicht möglich. Und es sieht etwas merkwürdig aus, wenn die Kugel dann erst senkrecht nach oben springt um dann waagerecht nach rechts zu hüpfen.

Thorbens Meinung:

Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Review schreibe und wie ich das Spiel bewerten soll. Ein Test mit heutigen Maßstäben wäre m.E. nicht angemessen gewesen. Überhaupt fällt es mir sehr schwer, das Spiel objektiv zu bewerten. Denn wie der eine oder andere vielleicht schon bemerkt hat, sehe ich Retro-Spiele mit anderen, vielleicht mit rosa-roten Augen.

Jim Slim ist ein klassischen Jump’n Run alter Schule. Durchaus zu vergleichen mit Klassikern wie Stormlord, Hawkeye oder Giana Sisters – ohne aber deren Qualität zu erreichen. Schon C64-Spiele lebten von der Musik und Jeroen Tel oder Chris Hülsbeck sind in dieser Disziplin unerreichbar. Die Grafik von Jim Slim ist wirklich gelungen aber objektiv betrachtet fehlt dem Spiel das gewisse Etwas. Trotz Zeitlimit und schwer erreichbarer Zugänge fehlt der letzte Kick.

So muss jeder selber entscheiden ob er bereit ist für einen kleinen Trip in die Vergangenheit 20,00€ zu bezahlen. Wer auf Retrospiele steht und noch einen funktionstüchtigen 64er oder 128er zu Hause stehen hat – der sollte es durchaus wagen. Das Spiel macht Spaß und die Stimmung der späten 80er wird hervorragend wieder gegeben.

 

Daher meine persönlich, völlig subjektive Retro-Wertung: 7/10.

Wir bedanken uns bei Protovision für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsmusters.

Hier könnt Ihr das Spiel bestellen.

Testequipment
Testequipment

Nachtrag: Hier noch Bilder von der Verpackung und den Disketten:

Sim Slim C64