
Wer Einsamkeit kennenlernen möchte, muss seinen Dienst in Altersheimen und Betreuten Wohnanlagen machen. Die älteren Menschen sind, ich spreche aus Erfahrung, für jede soziale Interaktion sehr dankbar, honorieren Freundlichkeit und Einfühlungsvermögen wie es jüngere, im Leben stehende, voll funktionstüchtige Menschen niemals goutieren würden. Ihre Verwandtschaft kümmert sich oft einen Dreck um sie. Schauen vielleicht mal im Monat zwei mal vorbei. Meistens wegen Geldangelegenheiten, oder um die Pflicht zu erfüllen. Sie verziehen sich in die Vergangenheit. Reizarmut gefährdet ihr geistiges Seelenleben. Der Tagesablauf ist extremst routinisiert und schematisiert. Das körperliche Gebrechen ist der geistige Orientierungspunkt für ihr Dasein.
Es lässt sie an etwas anderes denken. Altern kann würdevoll geschehen. Aber wenn der Ehepartner verschwunden ist, wenn die Kinder ihr eigenes Leben führen, wenn nur noch die Erinnerungen Auslauf bieten, wenn das Leben nur noch ein Wartezimmer für den anklopfenden Tot ist, dann mutet das Älterwerden nur noch furchtbar an. Unglaublich ist oft für mich, mit welchem Durchhaltevermögen, mit welch stoischer Ruhe sie ihr Schicksal aushalten. Wie zurückhaltend die Klageworte oft sind. Wie Tapferkeit als Tugend gepflegt und gehegt wird. Wie schöne Momente ausgekostet werden. Ein Kaffeekränzchen wird zum Weltmittelpunkt und Vergnügungshöhepunkt einer Woche.
Ich habe enorm oft mit alten Menschen gearbeitet. Enorm viel zurückbekommen. Vom Leben durch sie so viel erfahren, was mir in meinem jüngeren Leben so viel Werte vermittelt hat. Eine Zeit lang in meinem Leben, habe ich mehr mit älteren Herrschaften als mit Jüngeren meine Zeit verbracht. Es ist eine Welt, die zeigt, was der schnelllebigen Welt fehlt. Ich will auch nicht weitere unnötige Worte verlieren, sondern euch ein Indie-Game vorstellen, das das Greisenalter unglaublich deprimierend einfängt. So hoffnungslos, entmutigend, niederdrückend habe ich das Siechtum niemals zusammengefasst bekommen. Es bleibt einem die Spucke weg. Und trifft.
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Hey, hier der Link zum Spiel:
http://www.newgrounds.com/portal/view/569867
Das "Spiel" schafft eine dichte Atmosphäre, wirklich eine kleine Indieperle die einen daran erinnert, mal wieder seine Oma zu besuchen :)
natürlich. den link habe ich absichtlich unterschlagen. zu faul gewesen. schrecklich…
danke bobundbob! mein indie-game-kamerad! :)
Ich weiß nicht ob ich mir das Spiel ansehen möchte. Dein Artikel ist ja schon deprimierend genug. Mit nur drei Absätzen schaffst du es, dass ich mich so schlecht fühle wie lange nicht. Ob das jetzt Kritik oder Kompliment ist, darfst du gerne für dich selbst entscheiden.
hm erst mal danke fürs lesen. und eigentlich sollte man als blogger ja vermeiden, schlechte laune zu verursachen. aber ich fasse es trotzdem als kompliment auf. es ist auch ein deprimierendes thema und das spiel schafft es, das in derselben tragweite kongenial zu erfassen. aber: ich wüsste nicht, wie etwas derart trauiges in optimistischeren farben malbar gewesen wäre. es ist wichtig, dass wir wissen, wie ü-80 menschen fühlen. und von dieser lebenswirklichkeit sollten wir uns etwas beibehalten. deshalb halte ich das spiel für sehr sehr wichtig. vllt. ging es mir auch nur zu nahe und ich habe das altern übertrieben apokalyptisch-niederschmetternd beschrieben. natürlich gibt es auch andere fälle. aber während meinen praxiserfahrungen habe ich eben so oft das angetroffen, was das spiel beschrieben hat. naja…