Jun 072011
 

Wir bei Gamgea lieben die E3 zwar heiß und innig, inhalieren die ganze Schar von spektakulären Infos wie Kamillentee bei einer verschnupften Rotznase, doch wenn die Pflicht ansteht, darüber schreiben zu müssen, krümmen sich erst mal die Finger beim halbherzigen Versuch, Tippübungen zu vollführen. Wir sind erschlagen und mattgesetzt. Außerdem: Warum über etwas schreiben, was die anderen ausführlicher, aktueller, objektiver machen? Warum über etwas schreiben, was ihr anderswo in aller Ausführlichkeit schon längst gelesen, aufgenommen und rezipiert habt? Warum die ganze Scheiße? Alljährlich staut sich dann eine Sinnkrise bei den gebeutelten Gamgea-Redakteuren auf. Wie bei mir grade. Warum tue ich mir das alles an? Warum nur? Wir grasen die anderen Websites ab. Selbst private, aus Hobby-Gelüsten entsprungene Blogs übertrumpfen sich im Gänse-Geschnatter mit aufeinanderfolgenden News-Meldungen. Da schauen wir neidisch zu und denken uns „Ach, du kacke. Die haben den Goldesel aufs Zeit scheißen umprogrammiert!“.

Nicht mit uns. Die „Wii U“ kennt ihr eh schon. Für euch schon ein alter Bekannter aus dem Familienalbum mit vergilbten Photos und rot angelaufenen Splatterfilm-Augen. Irgendwie eine Kombination aus iPad und Nintendo 3DS. Irgendwie klobiger. Altbackener. Wie aus Holz geschnitzt. Vom Design-Standpunkt betrachtet aus dem letzten Jahrhundert. Und geschätzte 2 kg schwer, wodurch die maximale Spieldauer aus Jugendschutzgründen auf 2 Stunden beschränkt ist. Als ich das Ding zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich, es sei ein neuer Handheld. Nur leistungsfähiger. Bis ich nach zig Stunden erfahren habe, dass sich dahinter noch ein auf dem Leistungsniveau von Xbox 360 und PS3 befindlicher Brotkasten befindet. Das beste Kaufargument: Wenn die blöde, nach „Germany’s Next Topmodel“ lechzende Freundin die Tür mit dem Rammbock aufsprengt, können wir uns zurücklehnen, müde lächeln, und unseren Spielfortschritt auf dem Tablet(t) fortsetzen. Ganz bequem. Und irgendwie interagieren Konsole und Controller umtriebiger als frisch verheiratete Liebespaare. Also kein Schweigegelübde beim Candlelight-Dinner. Für innovative Spiel-Ideen scheint die kooperative Merkel/Obama-Symbiose wie geschaffen zu sein. Zusätzliche Infos können auf dem Touch-Screen dargestellt werden. Dazu ist das Ding mit einem Bewegungssensor ausgerüstet. Ach warum ich schreibe ich das? Ihr wisst das eh schon alles!

Jedenfalls saß ich grade bei der Arbeit. Eine Team-Sitzung verzögerte sich. Ich rotzte schon meine Kollegen an und sagte ihnen, dass ich um 18:00 die Pressekonferenz von Nintendo sehen wolle. Die äußerten nur Unverständnis. Laut vor mich hin grummelnd, sagte ich nur: „Keiner versteht mich!“. Schließlich fand sie um 17:30 statt – also die Team-Sitzung. Ich stand zufrieden auf und ergab mich meinem Schicksal. Kurz vor 18:00 schließlich wieder zurück auf dem eingepfurzten, arsch-ergonomischen Büro-Sessel. Dann die nächste Schwierigkeit. Um Punkt 18:00 versagte nur an meinem PC das Internet. Ich seufzte, wechselte resigniert meinen Platz, was meine Kollegin als Affront wahrgenommen hat. Ellenlang erklärte ich ihr den Sachverhalt. Sie verstand mich nicht. Wahrscheinlich hält sie mich für ein Freak. Aber das tat sie schon am ersten Arbeitstag.

Endlich an einem anderen PC. Hochgefahren. Das Internet lief. Beruhigt schaltete ich den Live-Ticker an. Während des Anschauens der PK schrieb ich mit einem Achtel meines süd-ost-westlichen Gehirnareals (keine Ahnung, für was das normalerweise zuständig ist) einen Artikel für die Arbeit. Doch der Rest meines halb vor sich hin dämmernden Gehirns widmete sich Nintendo. Das nahm sich ganz hübsch aus. Spätestens nach einer Stunde verlor ich das Interesse und schaltete ab. Weil mir der Feierabend heiliger gewesen ist. Jetzt sitze ich hier und schreibe diesen Nonsens. Aber das nennt man offiziell die nächste Generation von Games-Journalismus.

„Wii U“ ist ganz toll. Und es sickerten auch Infos über ein Zelda HD durch. Aber das habt ihr wahrscheinlich schon woanders gelesen. Jetzt ein paar Trailer. Dazu bedarf es keines Wort-Recyclings. Bitte weiterlesen! Nachher schreib ich doch noch was informatives!

Die Spiele im Überblick:

Luigi’s Mansion 2: Wir erinnern uns. Der Bruder von Mario kommt über die Rolle als Sparring-Partner nicht hinaus und springt höchstens mal in die ehrenwerte Rolle als Hausfrau, von denen es gemäß der EU zu viele gibt. Deshalb springt der grün bemützte Langweiler, der nur deshalb exisitiert, damit Mario einen familiären Anstrich und damit mehr Tiefgang bekommt, wieder in das Geisterhaus. Sieht toll aus. Und das Original auf dem Cube machte schon viel Spaß. Ein von vielen unterschätztes Spiel mit hunderfältigen guten Ideen.

Mario Kart 3DS: Jetzt kommt die Pflichtübung für Nintendo. Neue Strecken hinklecksen, ein neues Item erfinden, das den Spielfluss hinderlich auf den Kopf stellt (ich sage nur „Blauer Panzer“) und fertig ist eine ordentliche Reinkarnation der faulresistenten, nicht rostenden Funracer-Formel. Viele alten Strecken finden Verwendung und auch Paragleiter feiern ihren Auftritt. Hoffentlich wird kein „Pilot Wings“ draus!

Kid Icarus: Uprising: Endlich das neue Kid Icarus. Viel zu lange unter Verschluss gehalten. Hier ein rasantes Video:

Ausblick auf das New Generation Zelda!

Übrigens wurde inoffiziell auch ein „Zelda HD“ implizit angekündigt. Die „Wii U“ befindet sich technologisch auf dem Niveau der Konkurrenz. Mit beeindruckenden, in Kirschblüten- und Kaikarpfen-Optik gehaltenen Tech-Demos wurde die Leistungspotenz unterstrichen. Nebenbei gesagt stand die Konferenz die ersten zehn Minuten ganz im Zeichen von Zelda. Die Edel-Reihe feiert ihren 25-jährigen Geburtstag. „Link’s Awakening“ soll es im DS-Store zum Download geben. Im Herbst „Four Swords“ umsonst. Doch ab in die futuristische Science-Fiction-Stanislav Lem-Zukunft: Ein neues Zelda würde in dieser Visualität ungefähr so aussehen – das sagen jedenfalls unsere Sterntagebücher:

Ob sich das „Coming into your living room 2012“ auf das Zelda HD oder auf die „Wii U“ bezieht? Wir hoffen: auf beides! Vielleicht ja nur auf Zelda HD und nicht auf „Wii U“. Möglich wäre in der Science-Fiction Glaskugel alles.

Es ist noch viel mehr passiert. Das könnt ihr bei der Konkurrenz wie z.B. 4players.de, kotaku.com, krawall.de & Co. nachlesen. Sogar die Ausnahme-Journalisten von Spiegel-Online haben einen Artikel über das Gaming-Tablet(t) gedichtet. Es lohnt sich. Klickt uns ruhig weg! Uns schert das einen Dreck. Wir schreiben eh nur aus Spaß an der Freude! Geht bitte weg hier!