
The cinema-chasing seems to be leading many games off the path of what’s most exciting about interactive entertainment: its power to engage the imagination through abstraction, by creating a visual language, by encouraging curious exploration and self-empowerment.
Diesen Fetzen habe ich einer Gamasutra-Analyse der E3 2011 entnommen. Und es stimmt. Die auf der Messe präsentierten Spiele sehen bestechend realitätsnah aus. Die Speerspitze bilden Hochkaräter wie Battlefield 3 oder Uncharted 3. Wir glauben unseren Augen kaum, wie glaubhaft die Wirklichkeit mit Copy & Past eauf den Bildschirm plagiatsverdächtig projiziert wird. In Zukunft müssen wir uns beim Spielen wohl alle zehn Minuten der Tatsache versichern, dass wir nicht aus Versehen die Tagesschau mit den aktuellsten, verstörenden Kriegsgeschehen angeknipst haben.
Gerade bei Battlefield 3 werden wir zum ungläubigen Thomas, weil wir nicht glauben können, das bald selber mit unseren eigenen Pranken spielen zu dürfen. In naher Zukunft! Auch Elder Scrolls V: Skyrim sieht mit seinen schwerfällig stampfenden Mammuts und den flügelschlagenden, Feuerfontänen speienden Eidechsen ziemlich realistisch aus. Daneben gibt es stilistisch die Nintendo-Fraktion. Liebevolle Cartoon-Grafiken mit einem hohen Niedlichkeitsfaktor.
Doch wo bleiben die abstrakten Spiele, die der Autor der oben vorangestellten Zeilen vermisst? Es gibt sie. Aber sie sind hoffnungslos in der Unterzahl. Eine Unterhaltungsform verträgt sich schlecht im Kommerzialismus mit abstrakten Elementen. Sie sind zu masseninkompatibel und werfen keine einträglichen Gewinne ab. Sie avancieren höchstens zu Nischenkultspielen, verehrt von einer kleinen sektiererischen Schar von Jüngern. Kommen wir gleich zu einem letzten Fahnenträger dieser aussterbenden Spezies, die im Vollpreis-Segment der Videospiele zur Zeit selten anzutreffen sind. Nur noch Indie-Spiele scheinen die Abstraktionsebene erklimmen zu wollen. Doch die erreichen kein Publikum, um mit großenm Rückhalt neue Trends zu setzen.

Die letzte Bastion: El Shaddei
Das Spiel sieht seltsam aus. Die Farben sind fragil, zerfließen wie in Fieberträumen und wechseln chamäleonhaft ihr Aussehen. Ein permantes Changieren taucht das Spiel in eine psychedelische, hypnotische Traumlandschaft. Genauso rätselhaft, enigmatisch ist das Gameplay. Denn der Spieler muss selbst herausfinden, zu welchen Aktionen und Angriffen der Protagonist in der Lage ist. Allein dieser Fakt hat in heutigen Videospielen einen Seltenheitswert. Wir wissen meist schon im Voraus, was uns erwartet. Geheimnisse sind keine Geheimnisse mehr. Hier schon.
Schon wird das Action-Adventure, oder was immer es am Ende ist, als Geheimtipp der Presse gehandelt. Es scheint auch nicht in die Kunstsparte degradiert werden zu wollen. Dazu hat es anscheinend auch zu viel spielerisches Potential. Ein ist sicher: Von Spielen wie El Shaddei haben wir auf der E3 viel zu wenig gesehen.
Aber: Abstrakt heißt nicht gleich Kunstspiel. Auch Killer 7 spielte mit diesen Stilelementen. Und war trotzdem ein vollwertiges, Spiel und kein elitäres Masturbationsobjekt für kunstwillige, prätentiöse Möchtegern-Intellektuelle, die das Medium für ihre selbstgefälligen Zwecke instrumentalisieren. Wobei ich nicht sagen will, dass “Kunstspiele” schlecht sind. Aber das ist ein anderes Thema. Mir geht es nicht nur um abstrakte Inhalte. Sondern auch um einen abstrakten Grafikstil. Ein Stil, der nicht nur die Realität widerspiegelt. Sondern sie verfremdet. Das gab es auf der E3 viel zu selten. Im Grunde genommen sahen alle Spiele auf der E3 wie eine Kopie des vorangegangenen Spieles aus. Das ist kein gutes Zeichen. Was wäre Kunst, wenn es nur den Naturalismus gäbe? Spiele tendieren dazu.
Denn Interaktivität verschwistert uns mehr mit der Fiktion. Die Grenze zwischen uns und dem Medium ist brüchiger, weniger fest. Deshalb haben es Videospiele vielleicht schwerer, die Realität hinter sich zu lassen. Wir agieren mit der Realität. In Videospielen interagieren wir auch. Leider viel zu selten mit dem Abstrakten. Vielleicht weil es uns schwerer fällt, in solche Welten einzutauchen. In Büchern und Filmen fällt es uns einfacher. Aus dem Grund, weil wir selber nicht in den Welten interagierend agieren müssen? Interaktion als Hindernis für Abstraktion?
Doch: Ein Glück ist die Abkehr von Technik-Gedanken. Nintendo kann es sich erlauben, eine Konsole zu veröffentlichen, die technisch auf dem Niveau einer Konsolen-Generation basiert, die vor 5/6 Jahren das Licht der Welt erblickte. Das ein gutes Zeichen!
Doch Vorhang auf für El Shaddei:
Ähnliche Artikel:
{ 2 comments… read them below or add one }
Cool – bin gespannt!
gefällt mir sehr! werde ich im auge behalten..