Der wohl bekannteste Satz zum Thema (Zero Wing, Sega Mega Drive)
Der wohl bekannteste Satz zum Thema (Zero Wing, Sega Mega Drive)

Die meisten PC-Spiele sind in Japanisch und Englisch entwickelt, also müssen für andere Länder oder Zielgruppen übersetzt werden. Das Übersetzen ist aber nicht ausreichend, da diese Spiele auch lokalisiert werden müssen. Die Lokalisierung von Spiele verbindet Elemente der audiovisuellen Übersetzung und Lokalisierung von Software. Oberste Priorität ist es die Gameplay-Erlebnis zu bewahren, d.h. man muss das „Look and Feel“ des Originals behalten. Neugestaltung von Menüs ist keine Option, die Übersetzer müssen die gleiche Anzahl von Zeichen in allen Sprachen behalten.

Bei vielen deutsch lokalisierten Versionen bekannter Games aus dem Ausland entbrennt irgendwo auf den zahlreichen Onlineforen zum Thema eine Diskussion: Ist die Übersetzung der Texte im Game nun gut oder schlecht? Passt die Synchronstimme zum Spielcharakter oder ist sie langweilig und ungeeignet? Seien wir ehrlich! Über Geschmack lässt sich herrlich streiten, ohne dass am Ende irgendein greifbares Ergebnis herauskommt. Heißt das jetzt, dass man die Lokalisierung eines Games letztlich gar nicht bewerten kann, weil alles eine Geschmacksfrage ist? Nein! Die Dinge sind ein bisschen komplizierter.

Das Nachprüfbare!

Es gibt natürlich bei lokalisierten Games-Versionen Dinge, die man nachprüfen kann: etwa, ob die geschriebenen Texte korrekt übersetzt wurden. Das Gamesportal Gamona hat im Januar 2011 einmal Beispiele zusammengetragen, bei denen das eher nicht der Fall ist:

  • „Wenn du mit Jonathans Vater gekämpft hast, ganz du uns doch zeigen, wie man die Macht von Vampirkiller entfesselt!“ (Castlevania 64),
  • „Er war meine beste Freundin.“ (Final Fantasy VII),
  • „Ich befürchte, dass sie bei der Steinchensuche entfahren wurde. Einfach weg. Meine Vermummung ist, dass die Oger sie entnommen haben“ (Oblivion).

Diese drei Beispiele mögen reichen, um zu zeigen, was gemeint ist. Hier gibt es eigentlich nicht viel zu diskutieren: Das sind Beispiele schlechter Lokalisierung. Sie wären es nur dann nicht, wenn sie im passenden Spiel als Stilmittel eingesetzt worden wären, was nicht der Fall ist. Eine nachprüfbar schlechte Lokalisierung sind auch vor Wörtern überquellende Textfelder. In solchen Fällen hat man schlicht vergessen, dass ein und dieselbe Aussage in verschiedenen Sprachen eine unterschiedliche Länge besitzt. Das kann bei arg begrenzten Textfeldern zum Problem werden, wenn man a) die Textfelder nicht für die Lokalisierung großzügiger plant oder b) den Übersetzer anweist, den Text zu kürzen, ohne dass er an Sinn verliert. Überquellende Textfelder sind ganz eindeutig schlechte Lokalisierung!

Andere Länder, andere Regeln

Schlecht ist eine Lokalisierung auch dann, wenn sie staatliche Vorgaben des jeweiligen Landes nicht beachtet, für die die lokalisierte Games-Version gedacht ist. In China bekommt man etwa schnell Schwierigkeiten, wenn man in einem Game Knochen oder Schädel zeigt. Der Staat sieht so etwas gar nicht gern und es nutzt wenig, wenn ein Game grundsätzlich Chancen auf einem Markt hätte, wenn ihm der Zugang zum Markt verwehrt wird. Jedes Land hat seine Tabus und Grenzen, etwa in Bezug auf Umgang mit Religion oder Sexualität oder aber bei der Darstellung von Gewalt. Wer das nicht berücksichtigt, lokalisiert schlecht, auch wenn eine nicht unerhebliche Anzahl von potenziellen Fans im jeweiligen Land das lokalisierte Spiel gerne spielen würde.

Bei Namen scheiden sich die Geister!

Langsam, aber sicher kommen wir in einen Bereich, in dem das Urteil, ob eine Games-Lokalisierung gut oder schlecht ausgefallen ist, nicht mehr so klar und eindeutig ist. Was ist beispielsweise mit Namen in einem Spiel?

  • Ist es in Ordnung, wenn in der lokalisierten Version des Spiels Diablo 2 plötzlich „Baumkopf Holzfaust“ als Bösewicht auftritt? Irgendwie ein bisschen lächerlich klingt der Name ja schon für einen Bösewicht, oder? Andererseits ist er korrekt geschrieben und enthält auch keinen Grammatikfehler. Insofern ist die Art der Lokalisierung hier eine Geschmacksfrage. Allerdings ist es gut möglich, dass „Baumkopf Holzfaust“ da bei einer Mehrheit potenzieller Nutzer durchfällt.

Bei anderen lokalisierten Namen wird heißer und kontroverser diskutiert: Soll man etwa Stormrage in World of Warcraft wirklich mit Sturmgrimm übersetzen? Spätestens hier beginnt für Lokalisierungs-Teams eine Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl verlangt und deren Ergebnis es selbst bei größter Sorgfalt nicht allen recht machen wird. Wie man es macht, macht man es falsch.

Bei Stimmen auch!

Synchronstimmen in Games sorgen ebenfalls nicht selten für heiße Diskussionen. Sächselnde oder Bayerisch sprechende Fantasy-Charaktere wie im Spiel Baldurs Gate 1 finden die einen witzig, während sich die anderen die Haare raufen. Ist das schlechte Lokalisierung oder einfach gewagt, aber gut?

Manchmal fällt das Urteil eindeutiger aus. Dann wirken die Synchronstimmen im lokalisierten Game auf viele Spieler langweilig, uninspiriert.

Auch ob eine Stimme langweilig klingt, ist letztlich Geschmacksfrage. Aber festzuhalten bleibt, dass professionelles Sprechen eine Kunst ist, die nicht jeder beherrscht. Die noch relativ junge Game-Industrie befindet sich hier in einem Lernprozess, bei dem die weitaus ältere Filmindustrie schon einige Schritte voraus ist. Die großen Filmstudios kennen das Geschäft mit Synchronisationen. Große Schauspieler haben stets dieselben Stimmen, weil Filmliebhaber bisweilen überaus sensibel reagieren, wenn ein- und dieselbe Person auf dem Bildschirm plötzlich mit fremder Stimme spricht. Manch ein Player auf dem Games-Markt hinkt da noch hinterher, weil Erfahrung fehlt oder bei kleineren Softwareschmieden vielleicht auch das Budget. Aber Synchronisation muss ja auch nicht immer sein.

  • Im bekannten Spiel Metal Gear Solid wurde etwa auf die Synchronisation des Charakters „Snake“ verzichtet. Die englische Originalstimme ist so bekannt, dass eine Synchronisation viele Gamer eher stören würde. Also werden Untertitel eingesetzt.

Was wird anders und was bleibt?

Diese Frage muss jeder, der ein Game lokalisiert, bei jedem Spiel neu beantworten. Er wird manchmal richtig mit seinen Antworten liegen. Manchmal vielleicht auch falsch. Sein Bestes geben muss er jedoch immer! Nicht jeder beherzigt das!

Über den Autor: Christian Arno ist der Gründer von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen, das sich auf Website-Lokalisierung spezialisiert. Folge Lingo24 auf Twitter @l24de.

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{ 13 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }

Nathaniel Juni 23, 2011 um 17:04

letztlich ist das auch einfach eine frage des budgets. vernünftige qualität bei lokalisierungen kosten halt geld. oder unnatürlich engagierte leute…
bei diablo 2 etwa fand ich hatte das schon einen charme mit den seltsamen namen… und Sturmgrimm ist eine gute Übersetzung für Stormrage (das im Original, da sollte man sich ncihts vormachen, genauso lächerlich klingt)

es ist aber wie bei Büchern und filmen. ich lese und schaue sie lieber im original… gerade wenn die filme/bücher von der sprache leben, also viele wortwitze etc aufweisen.
modern warfare kann man genauso auf deutsch spielen, mehr oder weniger sinn als im original macht das auch nicht… aber um die komik von einem Portal rüberzubekommen braucht man entweder viel geld für ne gute lokalisierung oder man lässt es wie es ist.

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XfrogX Juni 23, 2011 um 17:10

Bestes Lokalisierung war immer noch Monkey Island. Aber damals war der aufwand auch überblickbar. Ausserdem aht dort glaube nur eine Person übersetzt und ins spiel eingebaut. Somit ist natürlich auch alles aus einem Guss.

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Echtzeit Juni 23, 2011 um 17:25

Ja, der gute Boris Schneider war eine zeitlang für die Übersetzungen der LucasArts-Adventures zuständig und hat seine Sache wirklich außerordentlich gut gemacht! Allerdings ist es auch ein wenig unfair, das den heutigen Aufgaben gegenüberzustellen (gesprochene Sprache vs. geschriebene Sprache).

Antworten

Albert Juni 23, 2011 um 18:08

Hat er auch Sam & Max Hit – The Road auf Deutsch übersetzt? Soweit ich weiss hat das Spiel eines der schlechtesten deutschen Sprachausgaben.

Das Lokalisierungsproblem lässt sich jedoch relativ leicht beheben: Weniger Cutscenes und mehr Spiel, dann gibt es auch weniger Arbeit :p

ZABU Juni 23, 2011 um 20:54

Portal 2 hat mich positiv überrascht, dort finde ich die Deutsche Syncro sogar besser als die Englische.

Antworten

Albert Juni 23, 2011 um 21:42

Wie du sicherlich am Intro festgestellt hast, ist auch der Text nicht besonders pralle übersetzt, deshalb die frage.
Bei Monkey Island 2 kann man glaube ich von ihm sogar eine beschwerde über die vielen übersetzten Texte im Aktenschrank finden. ;-)

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David Juni 25, 2011 um 15:35

Sam & Max ist imho aber eines der Beispiele, bei dem die deutsche Synchro eben einen eigenen Kultstatus hat auch wenn sie gemessen an objektiven Maßstäben schlecht ist. Bei mir kommt noch hinzu, dass ich die beiden ersten Male Durchspielen Englisch nicht wirklich beherrscht hab. Somit hat das ganze auch noch einen gewissen Retroscharme auf mich.

Daraus hat sich bei mir eine von vielen belächelte Eigenart entwickelt: Ich schaue sämtliche Sachen (im Besonderen Serien wie Big Bang Theory oder How I met your Mother) zuerst auf Deutsch und dann erst auf Englisch. Für mich haben (gute wie schlechte) deutsche Synchros einen eigenen Charm und Humor und teilweise sind sie eigenständig, wie bei den Simpsons oder Futurama. Bei letzteren beiden ist imho die Synchro genauso gut wie das Original.
Ein kleines Beispiel: In deutschen Synchros werden aus deutschen Charakteren im Original meistens Skandinavier (z.B. Malcom mittendrin, Scrubs). Uter ist ja in der deutschen Synchro ein Schweizer, während im Original eben ein bayerischer Austauschschüler.

Eine Lokalisierung ist immer ein massiver Eingriff ins Original und daher kann ich hier schwer mit objektiven Maßstäben sagen, ob diese gelungen ist oder nicht.

Antworten

NachtPoet Juni 24, 2011 um 11:12

Gute Übersetzung ist eine Kunst für sich. Wie sagte unser Englischlehrer immer: "So nah wie nötig, so frei wie möglich". Eine 1-zu-1 Übersetzung funktioniert schon deshalb nicht, weil jede Sprache ihren eigenen Rhythmus hat, Feinheiten und Eigenheiten, welche einen Stimmungsvollen Text erst ausmachen und bei einer Wort-für-Wort-Übersetzung auf der Strecke bleiben.

Im Prinzip muss also ein Übersetzer selbst schon fast ein Autor sein, zumindest im Bereich Unterhaltung/Kunst. Und eine Übersetzung, die dann dem Original das Wasser reichen kann, braucht entsprechend Zeit.

Meinereins ist glücklicherweise des Englischen mächtig und bevorzugt Bücher, Serien und Spiele im englischen Original. Bis auf wenige Ausnahmen, wo mir die Übersetzung tatsächlich mal besser gefällt. Spontanes Beispiel aus der Serienwelt: "Pushing Daisies"

Antworten

Aoto Juni 24, 2011 um 12:34

eigentlich bevorzuge ich was die synchro berifft IMMER das original, d.h. da ich großer von von jap. RPGs bin, lass ich immer die japanische Synchro, aber die übersetzenden untertitel stell ich auf deutsch (natürlich nur wenn man überhaupt selbst auswählen kann)

generell muss ich nämlich sagen, dass ich zwar ganz gut englisch kann, aber gesprochenes komplett u. flüssig zu verstehen fällt mir doch sehr schwer, bzw. mir fehlt schlicht und einfach die erfahrung.

aber auch komplexe englische gespräche…. wenn ich an ar tonelico denke, da musste ich so viel im wörterbuch nachgucken, weil die englische sprache einfach extrem vielseitig is und es wie in jeder sprache (nur hier kommt mir noch mehr vor, vllt. weil ich die sprache nicht so gewöhnt bin) für in und das selbe/oder ähnliche worte, zig verschiedene wörter gibt.

vieles versteht man natürlich auch aus dem kontext, aber im großen undganzen erfordert das doch mehr übung /in der schule hatte ich immer ziemlich gute noten in englisch, da mir sprachen im allgemeinen mehr liegen als naturwissenschaften und anderes, aber auch weil ich einfach viel ragnarok online (mmorpg) gezockt und mit anderen englisch gesprochen habe)

naja, am ende is alles ne sache der übung, aber was ich damit eigentlich sagen wollte….. keine ahnung, aber so wie mir gehts wahrscheinlich vielen.

die übersetzung an sich finde ich bei den meisten spielen die ich spiele eigentlich ziemlich gelungen, wobei ich ja auch gar nicht weiss wie satz x jetzt im originalen auf japanisch geschrieben/gesprochen wird und was er da bedeutet – aber verständnis probleme hatte ich noch nie bei nem game

gerade bei jrpg's fidnen manche die jap. synchro-pieps-stimmen bei frauen/mädchen fürchterlich – ich hingegegen komm gut damit klar und außerdem, ist das in japan irgendwie normal – egal ob ich nen anime guck, nen jrpg spiel und ne "echte" person sehe und höre, piepsstimmen sind da wohl nix ungewöhnliches ^^

irgendwie hab ich das gefühl, ich bin vom thema leicht abgekommen…..?

Antworten

NachtPoet Juni 24, 2011 um 17:39

Ein wenig 8^) aber das erinnert mich an ein anderes Beispiel. Für "Prinzessin Momonoke" zum Bleistift wurde extra Neil Gaiman (preisgekrönter Schreiberling) engagiert, die englische Übersetzung zu überarbeiten, um sie stimmungsvoller zu machen.

Wenn man sich allerdings anschaut, welche immensen Textmengen in vielen aktuellen Spielen stecken, dann ist es an sich schon ein wunder, wie sauber doch die meisten Übersetzungen heutzutage sind.

Stefan Juni 23, 2011 um 20:56

*hüstel*
Also MEINER MEINUNG nach war die Sprachausgabe von Sam & Max auf deutsch keineswegs schlecht, für damalige Verhältnisse. Die Stimmen der Hauptprotagonisten waren professionell, Max wurde von Sandra Schwittau, der Stimme von Bart Simpson, gesprochen. Mirt haben die Stimmen damals gar so gut gefallen, dass ich bei der ersten Staffel der neuen Sam & Max gar extra viel länger auf die deutsche Version gewartet habe, weil die Originalsprecher wieder mit von der Partie waren. Die zweite Staffel wurde dann mit anderen Sprechern besetzt (eine UNSITTE!), und deswegen auch nicht mehr gekauft.

Ach ja, hier noch das DEUTSCHE Intro, schön trashig, aber cool:

[youtube onhEf13Vwd8 http://www.youtube.com/watch?v=onhEf13Vwd8 youtube]

Antworten

Albert Juni 23, 2011 um 21:17

Das ist aber nicht dein ernst oder? Das hört sich nicht wirklich gut an! Ich meine für mich hört es sich an wie eine Amateursynchro eines Pornos. xD
Es hat jetzt nicht so viel damit zu tun wer die Rolle spricht, sondern damit ob er/sie sich Mühe gibt. Die deutschen Sprecher in Sam & Max hören sich lustlos und langweilig an. Obendrein ist die Sprecherauswahl komplett unpassend. Ich belibe also dabei: Das ist eines der schlechtesten deutschen Synchros für ein Spiel, die tatsache, dass es eine frühe Synchro ist juckt mich da recht wenig.

Antworten

Echtzeit Juni 23, 2011 um 21:25

*lol* Also mir gefällt diese deutsche Synchro auch nicht so wirklich…

Aber ich spiele sowieso generell alles in der Originalsprache (deutsche Spiele auf deutsch, englische auf englisch usw.). Aber wenn man das Original nicht kennt und/oder des Englischen nicht mächtig ist, kann man sich ja vlt. dran gewöhnen.

Ich kann mir z.B. auch hin und wieder nen englischen Film/Serie auf deutsch anschauen, ohne dass ich Ohrenkrebs bekomme. Aber prinzipiell schaue ich eben auf englisch, wenn ich die Wahl habe.

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