Jul 192011
 

Die Entstehungsgeschichte von Pinball, oder Flipper wie man in Deutschland sagt, geht zurück bis ins Jahr 1777. Die erste Innovation war 1871 die „Plunger“ genannte Abschussvorrichtung für den Ball, die sich auch in modernen Geräten wiederfindet. Erst 1947 fanden die namensgebenden Flipperhebel ihren Weg auf die Tische, mit denen der Spieler zum ersten Mal direkt Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen konnte.

In einigen Regionen der USA (z.B. New York City) waren die Tische sogar lange Zeit verboten, weil sie von den Behörden als Glücksspiel klassifiziert wurden. Erst als ein Mitglied der AMOA (Amusement and Music Operators Association) dem Gericht 1976 bewies, dass Flipper mittlerweile Geschick statt Glück benötigen, wurde der Bann aufgehoben. Einige neuere Geräte ziert der Schriftzug „FOR AMUSEMENT ONLY“ (Nur Zum Vergnügen), womit die Legalität noch einmal betonen werden soll. Die wichtigsten Hersteller von Flipperautomaten von den Sechzigern bis in die Neunziger sind Bally, Gottlieb und eben Williams. Die Williams Pinball Classics-Sammlung erschien in den USA bereits im Jahr 2008 unter dem Namen Pinball Hall of Fame: The Williams Collection. Warum erst drei Jahre ins Land ziehen musste, bis sie es über den großen Teich schaffte, bleibt wohl das Geheimnis der Verantwortlichen.

Unser Fazit: Doch die Wartezeit hat sich absolut gelohnt! Egal ob ihr Liebhaber oder Neueinsteiger seid, diese kleine Sammlung von acht bis dreizehn Tischen (ja nach Konsole, s.u.) kann in allen Punkten voll überzeugen. Durch die Abdeckung von drei Jahrzehnten (70er bis 90er) sind die Williams Pinball Classics gleichermaßen als Geschichtsstunde von Interesse. Schon optisch ein Schmankerl, kann vor allem die Physik wirklich begeistern und auf die kommt es ja schließlich an! Einzig die Online-Komponente wurde versemmelt, aber für einen gemütlichen Abend mit Freunden vor dem Fernseher wird mehr als genug geboten.

9/10 – Großartig (Eine 9 ist eine hervorragende Errungenschaft. Es gibt kleinere Ungereimtheiten, die aber vernachlässigbar sind und das Gesamtbild nicht erschüttern können.)

Wir bedanken uns bei Deep Silver für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsmusters.

Williams Pinball Classics (PS2, PS3, PSP, Wii, Xbox 360 [getestet])
Entwickler: FarSight Studios
Publisher: System 3

Sämtliche Tische (bis auf einen) stehen von Beginn an zur Verfügung, doch nur zwei davon dürfen unbegrenzt gespielt werden. In die restlichen müssen Credits (Startkapital 15) gesteckt werden. Mehr virtuelles Geld erhält man, durch erfüllen diverser Aufgaben an den Flippergeräten. Zunächst müssen fünf Ziele erreicht werden, dann darf ein weiterer Tisch für den Freispiel-Modus freigeschaltet werden (was ebenfalls mit 100 Credits möglich ist), danach stehen weitere fünf Aufgaben bereit. Des weiteren lassen sich Texturen für die Bälle, ein Spiegelmodus (spiegelt die Tische horizontal) und eine Option zum abschalten der Tilt-Erkennung freischalten.

Die Arcade dient als dreidimensionales Auswahlmenü für die Flipper, insgesamt ist dieser Bereich in drei Räume unterteilt, Möglichkeiten die Tische selbst zu platzieren gibt es nicht. Im zweiten Modus darf man sich an der Williams-Herausforderung versuchen. Hier werden alle Tische der Reihe nach gespielt, wobei pro Gerät drei Versuche zur Verfügung stehen, eine vorgegebene Punktzahl zu erreichen. Schafft man dies zu irgend einem Zeitpunkt nicht, muss wieder von vorne begonnen werden. Als letzter Modus steht das Turnier zur Verfügung. Nach der Auswahl der Mitspieler (bis zu vier) und der Anzahl der Tische, wird um die besten Punktezahlen wettgeeifert.

Je nachdem, welche Konsole ihr besitzt, kommt ihr in den Genuss von mehr oder weniger Tischen. Lediglich für die PlayStation 3 und die Xbox 360 stehen alle dreizehn Tische zur Verfügung.

Tische in allen Versionen:

  • Gorgar (1979)
  • Firepower (1980)
  • Black Knight (1980)
  • Funhouse (1990)
  • Space Shuttle (1984)
  • Pin*Bot (1986)
  • Taxi (1988)
  • Whirlwind (1990)

Nur für PSP, Wii, PS3 und 360:

  • Jive Time (1970)
  • Sorcerer (1985)

Exklusiv in den Versionen für PS3 und 360:

  • Tales of the Arabian Nights (1996)
  • Medieval Madness (1997)
  • No Good Gofers (1997)

Was wir mochten:

Tischdesign und Abwechslung – Es spielt keine Rolle ob ihr eine Version mit acht, zehn oder dreizehn Tischen kauft, die vorhandenen Tische bieten ein breites Spektrum an Layouts und sorgen so für ordentlich Abwechslung. Dass hier ausschließlich reale Flippermaschinen umgesetzt wurden ist ein klarer Vorteil, denn die Qualität und Ausgewogenheit der Designs lässt keine Wünsche offen. Von der schlichten Eleganz der Siebziger Jahre, bis hin zu den furios blinkenden Monstern der Neunziger, wird für jeden Geschmack etwas geboten.

Lass uns physikalisch werden – Tatsächlich fühlt sich jeder Tisch ein wenig anders an und verfügt über Eigenarten, auf die man sich als Spieler erst einmal einstellen muss. Das Gefühl eines echten Tisches wird man nie vor einem Fernseher mit einem Joypad in der Hand erreichen, aber im Bereich des Möglichen wurde hier ganze Arbeit geleistet.

Der sprechende Erklärbär – Besser als jede Anleitung erklärt eine freundliche Stimme, mit visueller Unterstützung am lebenden Modell, alle Details der Flippergeräte. Auf jede Art, wie Punkte erreicht werden können, wird eingegangen. Das ist außerordentlich hilfreich und lässt keine Frage offen. Super!

Nicht gefallen hat uns:

Fehlender Online-Multiplayer – Braucht man eigentlich nicht unbedingt, sollte in der heutigen Zeit aber zum Standard gehören.

Mangelhafte Bestenliste – Es gibt diverse Leaderboards, doch diese lassen sich weder sortieren, noch in einen Modus schalten, der die eigenen Punkte denen der Freundesliste gegenüberstellt. Selbst ein Spiel aus dem Jahr 2008 MUSS das besser machen.

Jörgs Meinung:
Eines schönen Tages werde ich mir einen echten Flippertisch in die Wohnung stellen, doch bis es soweit ist, kann ich mir mit der Williams Pinball Classics-Sammlung ganz prima die Zeit vertreiben. Im Vergleich zum ebenfalls herausragenden Pinball FX 2 sind keinerlei Community-Funktionen vorhanden, was mich aber nicht weiter stört. Als Gegenpol zu den tollen Entwürfen der ZEN Studios, die so lediglich virtuell existieren, bieten die digitalisierten realen Tische ein ganz anderes Flair. Beide Spiele gehören in die gut sortierte Sammlung jedes Pinball-Fans.