Sep 102011
 

Nebst Briefmarkensammeln mit Sicherheit eines der Hobbies mit dem geringsten “Coolness-Faktor”. In Filmen und Serien oft als angestaubte Vater-Sohn-Tradition hingestellt, mit der gähnenden Aussicht auf dröge Nachmittage zu zweit in einem kleinen Boot und mit dem sanften Zirpen der Grillen im Ohr, ist es nur obligatorisch, dass heutzutage kaum ein junger Mensch mehr angelt. Und dennoch taucht das Angeln immer wieder in Videospielen auf. Hier trifft die virtuelle Moderne ausgerechnet auf eine prähistorische Tätigkeit fernab von jeglichen Trends. Was bringt einen Gamer dazu, sich in den atemlosen Pausen zwischen zwei Kämpfen hinzusetzen, und lächelnd die zarte Angel zu schwingen? Ist das interessant? Macht es Spaß? Ich habe mir einmal ein paar Angeleien innerhalb zweier größerer Publikationen angesehen und kann schon vorab sagen: Pixel machen Angeln nicht unbedingt besser.

Zelda bietet Angeln in vier Spielen an. Wo das Angeln in Links Awakening, dem allseits beliebten GameBoy-Spiel aus der Nachbarschaft, einem Spießrutenlauf glich und man sich mit Müh und Not durch all‘ die kleinen Fische drücken musste, um letztlich zu einem Herzteil zu kommen, war es in Ocarina of Time schon weitaus vielfältiger und gleichzeitig unübersichtlicher. Plötzlich konnte man die Fische nurmehr erahnen, es war ein Glücksspiel, an dessen Ende nicht, wie beim GameBoy-Titel, der schier unausweichliche Erfolg stehen musste. Wie viele Stunden ich erst verzweifelt, dann vor Wut keifend den Controller malträtiert habe, um an einen dicken Fisch zu kommen, weiß ich nicht, aber es waren definitiv zu viele. Als Lohn winkte nicht mal irgendeine großartige Waffe, sondern…. ach, ich will es gar nicht wissen, denn einen wirklich dicken Fisch hatte ich nie an der Angel. Entspannt hat es mich also in keinster Weise. Sollte ich jemals Kinder haben, werden wir jedenfalls definitiv keinen Angelausflug in das Zelda-Universum unternehmen.

World of Warcraft indes schlägt nicht die Richtung eines beweglichen Minispieles ein, das man gewinnen kann, sondern die eines schlichten Crafting-Aktes. Man muss nichts tun, als auf den Köder zu starren und zu warten, bis er sich bewegt, um dann stupide mit der Maus darauf zu klicken und sich seine oftmals schäbige Belohnung abzuholen. Witzigerweise erangelt man sich nicht nur Fische oder die unausweichlichen alten Stiefel, sondern beispielsweise auch Münzen oder Flaschen – wie man sich diese erangeln kann, erschließt sich mir nicht so ganz, aber vermutlich ist der Angelhaken magnetisch und/oder klebrig. Viele Spieler empfinden das warcraftsche Angeln als durchaus entspannend und es stimmt: das zarte Klicken dann und wann, nachdem man sekundenlang das sanft wiegende Wasser betrachtet und den Wellenbewegungen gelauscht hat, hat fast etwas Meditatives. Besonders dann, wenn man ohnehin auf eine zufällige Dungeon-Truppe wartet. Ich selber angle dort trotzdem nur sehr ungern, habe es eine zeitlang lediglich für die Gilde bzw. den entsprechenden Erfolg gemacht. “Starren, klicken, starren, klicken” ist nicht das, was ich mir persönlich unter einem MMORPG vorstelle.

Angeln als Minispiel oder als Beruf gibt es darüber hinaus bspw. Noch bei Fable 2, Legends of Legaia, EverQuest und einigen weiteren Videospielen. Vielleicht tatsächlich, um ein bisschen Frieden in die mordgeplagten Spiele zu integrieren, einen Ort der Ruhe zu bieten oder… um die Spieler zu frustrieren. Ich selber bin kein großer Angelfreund und wurde es auch durch diese Minispiele nicht. Doch wie sieht es bei euch aus? Legt ihr gerne zwischendurch eine Pause ein, um eure Angel auszuwerfen und friedlich im Schilf zu sitzen? Oder rotzt ihr beim Vorbeigehen lieber, so wie ich, in das Wasser, um direkt wieder eigene Wege zu gehen?