Nov 032011
 

Oder braucht es das eigentlich gar nicht? Schließlich erfindet sich ein Call of Duty in einer neuen Jahresausgabe auch nicht neu. Es wird an Stellschrauben gedreht. Marginal Modifiziertes wird als Dammbruch von Innovationen gepriesen. Doch es geht hier nicht um den Vorzeige-Shooter im Kommerz-Sektor. Es geht um das kürzlich angekündigte Grand Theft Auto V. Eine überfällige Bekanntmachung. Doch als Fan der Serie von Anfang an stellen sich doch skeptische Fragen und Ermüdungserscheinungen ein. Schließlich scheint das Innovationspotential der Serie bald erschöpft zu sein. Jahrelang pflegte die Reihe erfolgsverwöhnt die materialschlachtartige „Big is better“-Mentalität. Ist das Open-World-Prinzip nicht bald ausgereizt in seiner derzeitigen Verfassung?

Grand Theft Auto V kann seine Brillanz aus einer größeren, lebendigeren, pulsierenderen Stadt, einer noch fotorealistischeren Grafik, eines abwechslungsreicheren Radios, facettenreicheren Missionen und einer packenderen, hollywood-reiferen Storyinszenierung speisen. Die Spielräume sind klar vorgegeben. Rockstar Games will sich neu erfinden. Letztlich hat sich für mich seit dem GTA1 an der Serie wenig getan. Wir fahren durch eine immer detaillierter in Szene gesetzte Stadt, fahren nach A und B, lauschen zwischendurch den Radiosendern und finden uns kurz vorm Abschluss der Mission in schweißtreibenden Schusswechseln. Wahrscheinlich lag es an mir, aber nach einer gewissen Zeit langweilte mich Grand Theft Auto 4 zu Tode. An ein Durchspielen war nicht zu denken.

Keiner erwartet von Rockstar Games eine komplette Neuausrichtung. Das würde bei solch einem exorbitanten Blockbuster im wahscheinlichsten Falle in einer Katastrophe enden. Wahrscheinlich möchten sich die Entwickler in allen Belangen weiter steigern und noch „einen drauf setzen“. Vielleicht geht Rockstar Games auch den „bescheidenen“, aber klugen Weg: Der Konzentration. Für viele gilt GTA: Vice City als der beste Teil der Reihe. Es hatte die mit Abstand eigenwilligste, charakterstärkste und bunteste Welt, obwohl es nicht gleich drei Städte wie in GTA: San Andreas hatte.

Vielleicht irre ich mich auch, und die Entwickler schaffen es, uns zu überraschen. Die Worte der Pressemitteilung lassen das jedenfalls erahnen. Dort ist verheißungsvoll von einer „radical reinvention“ der Serie die Rede. Die Stadt Los Santos (Los Angeles) soll als Dreh- und Angelpunkt der Geschichte fungieren, inklusive des dazugehörigen Umlands samt Bergen und Küstengebieten. Und wieder geht es offenbar um die Geschichte eines Kleinganoven, der mit der Aussicht auf das große Geld eine Gangster-Karriere anstrebt. Grand Theft Auto IV konnte diese ausgelatschte, viel benützte Story-Ausgangslage dank einer Charaktervertiefung diversifizieren und abwechslungsreicher gestalten.

Die Frage ist auch, wie sich das Open World-Genre mit Teil V weiter entwickeln kann. Mit Red Dead Redemption gelang Rockstar eine erlesene Verfeinerung und Kultivierung des Genres. Die GTA-Spiele gelten zwar als Genre-Aushängeschilder, dennoch pflegten stets den größenwahnsinnigen, gigantomanischen Stil des Überbieten wollens. Hoffen wir, dass die Blase am Ende nicht platzt.

Und hier der Ankündigungstrailer. Falls noch nicht gesehen: