blaue pillen von frederik peeters erzählt von einer liebesbeziehung, in der die immunkrankheit aids große schatten wirft, am ende aber über die damit verbundenen zwänge und einschränkungen triumphiert. im zentrum steht folgender satz: “manchmal begegnet man menschen, die etwas ganz Besonderes sind. Die einem schon vom ersten Moment an vertraut scheinen….bei denen man sich nie wundert, wenn sie einem zufällig an der straßenecke begegnen und die einem unverhofft in den Sinn kommen, während man musik hört.”

das ist bezeichnend. denn das liebesglück lässt sich nicht von einer krankheit aufhalten, vielmehr setzt es sich über sie hinweg und erobert einen raum großer freiheit. deshalb steht aids auch nicht inhaltlich im mittelpunkt. es ist nur ein leidiger, aufpoppender störfaktor. in diesem buch geht es um solche menschen, die sich gefunden haben. dem voraus ging ein stakatto an zufälligen begegnungen. frederik ist 19 als er sie das erste Mal sieht: sie springt in einer lauen sommernacht ausgelassen, unbeschwert in den pool und nippt an ihrem sektglas.

trotz diesen nur einer wohlhabenden, in saus und braus lebenden jugend vorbehaltenen snob- und bonzen-eskapaden bewahrt sie ausdruck und stil. in den nächsten 6,7 sieben jahren sieht er sie hin und wieder, sie tauschen worte aus, verabschieden sich nach einem kurzen plausch jedes mal aber relativ schnell wieder . der austausch der unterschwelligen sympathien erreicht nie die grenze, hinter der eine intimiere, freundschaftlichere ebene wartet. dem zeichner gelingt es famos, seine gefühle und lebenslagen in die bilder zu projizieren. gerade die gesichter seiner figuren sind extrem aussdrucksstark. sie strahlen etwas auratisches aus und wirken lebendig über die papierne oberfläche hinaus. gerade sie, deren äußeres offenheit und zugleich verletzlichkeit offenbart, besitzt eine sehr einnehmende aura. und immerhin reden wir hier von figuren, die auf zeichenpapier skizziert sind! einmal, als sich die beiden vor ihrer eigentlichen beziehung begegnen, ist er in einer schwierigen, ihn bedrückenden lebensphase, während sie sich von seinem kurz angebunden, distanzierten verhalten verletzt fühlt.

die szene ist so stark, sowohl in zeichnerischer als auch wörtlicher hinsicht, dass man sich
wirklich als äußerer beobachter wähnt, der in das innere seelenleben der personen hineinleuchten kann. man ahnt, was sie denken, fühlen und versetzt sich so ohne größere schwierigkeiten in deren sequennzielles leben. am ende kommen die beiden, die sich immer wieder umschwirrt haben, endlich zusammen. dann, im entscheidenden moment, als die nächste stufe ihrer freundschaft knisternd, funkensprühend auf sie wartet, das coming-out. sie gesteht ihm, hiv positiv zu sein. auch ihr kind ist aids krank. wie reagiert man auf ein solches bekenntnis? der autor umreisst diese szene sehr bewegend. er fühlt sich in eine gedanklich schwer zu fassende situation gezwängt, ohne zu wissen, wie er sich verhalten soll. ein cocktail an aufbrausenden gefühlen durchschwirrt ihn, und er weiß nicht, auf welche er sich stützen soll, um die situation einigermaßen souverän zu meistern. er hat sie gern. sehr gern. doch das ist hart. letztlich reißt er sich zusammen und reagiert aus seinem inneren heraus. sie wagen eine beziehung, die von diesem unberechenbaren virus überschattet wird.

das sex-leben der beiden wird zum drahtseilakt und geduldsspiel. nie sex ohne kondom. anfangs berührungsängste, dann doch sich durch alle schwierigkeiten eine bresche schlagende vertrautheit zwischen beiden körpern. der autor führt uns in das thema aids wunderbar lebensnah hinein, und räumt mit einigen vorurteilen auf. er versucht zu verdeutlichen, was es heißt, eine aids-krankre frau zu haben, die ständig von dem peinigenden gewissen geplagt wird, schuld an der erkrankung ihres unschuldigne kindes zu sein, das die medikamentöse dauer- und allzeitbehandlung sein leben lang als unangenehmes anhängsel durchstehen muss. frederik hilft ihr über diese gewissensbisse und selbstvorwürfe hinweg, er bewundert sie ob ihrer stärke und emotionalen festigkeit und der leser kommt nicht umhin, diese bewunderung zu teilen.

ein hoch auf den reprodukt-verlag aus berlin!

Anm.d.Autors: wegen einer instabilen, dauernd in versenkung geratenden inet-verbindung musste der autor das zweiminüte zeitfenster des online-betriebs nutzen und diesen auf groß- und kleinschreibung pfurzenden text trotz allen germanistischen widerstrebens veröffentlichen. wir bitten die leseunfreundlichkeit dieses textes ehrerbietigst zu entschuldigen.

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{ 1 Kommentar… lese ihn unten oderschreibe selbst einen }

Holger Januar 25, 2012 um 11:05

Anm.d.Lesers: Ist dein Editor/Textverarbeitungsprogramm kaputt? Das geht nämlich auch offline! ;)

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