Jul 052012
 

Einige von euch werden es bestimmt schon gelesen haben: Der EuGH (Europäische Gerichtshof) hat auf Vorlage des Bundesgerichtshofs entschieden, dass gebrauchte Softwarelizenzen generell weiterverkauft werden dürfen. Darunter fallen auch im Internet erworbene und heruntergeladene Softwaretitel. Diese Entscheidung fiel in einem Rechtsstreit zwischen Oracle und der Münchener Firma UsedSoft, die eben wie ihr Name schon vermuten lässt, mit gebrauchten Softwarelizenzen handelt. Dem Urteil zu Folge tritt der Anbieter einer Software mit dem Verkauf einer Lizenz die Eigentumsrechte an den Kopien ab. Oder einfach gesprochen: Auch rein digital erworbene Software wird wie der Kauf einer CD bzw. DVD betrachtet. Das bedeutet daher, dass der Käufer einer gebrauchten Softwarelizenz denselben Anspruch wie der Erstnutzer hat und daher spätere Erweiterungen erhalten darf. Auch darf der Käufer die erworbenen Programme direkt von den Internetseiten der ursprünglichen Anbieter herunterladen. Mit einem Blick auf Steam und Origin stellt sich nun die Frage, können wir ab demnächst vielleicht endlich unsere digital erworbene Spiele ebenfalls weiter veräußern, wenn uns ein Spiel zum Hals heraushängt?

Anlass zu dieser Überlegung gibt folgender Sachverhalt, der im Zusammenhang mit der Urteilsverkündung an mehreren Stellen gemeldet wurde: Denn auch dann, wenn entsprechende Verträge einen Weitergabe der Lizenz untersagen, kann sich der Entwickler des Programmes dem Weiterverkauf nicht widersetzen. Bedingung ist lediglich, dass keine Kopie beim Verkäufer der gebrauchten Software zurückbleiben darf (und keine Volumenlizenzen aufgesplittet werden).

Und wie zu erwarten war, geht nun die Diskussion genau über diesen Punkt auch bei digital distribuierten Spielen los. Und leider muss ich hier gleich auf die Euphoriebremse treten, denn, auch wenn das aktuelle Urteil recht klar bezogen auf den Verkauf der Lizenzen ist, so wird leider nichts zu einer Accountbindung, wie sie bei Steam und Origin üblich ist, gesagt. 2010 hatte der BGH geurteilt, dass eine Accountbindung rechtens sei, auch wenn dadurch ein Weiterkauf unterbunden wird.

Doch haben wir hier nun einen Widerspruch: Der Entwickler darf den Weiterverkauf digitaler Software nach dem neuen Urteil nicht untersagen, macht dieses faktisch aber mit einer Accountbindung. Ob es in diesem Rahmen zu einer neuen Bewertungen kommen wird, ist offen. Hoffen dürfen wir aber, da mit dem Erstverkauf durch den Entwickler bzw. Publisher das weitere Verwertungsrecht abgegolten ist und demnach die Accountbindung technisch gesehen den Weiterverkauf, der ja okay ist, unterbindet. Und aus meiner Sicht dürfte die Übertragung eines Lizenzschlüssels von einem Steamaccount zu einem anderen technisch nicht sonderlich schwierig sein, kann man doch jetzt schon Spiele bei Steam an andere Nutzer verschenken (wenn das Spiel noch nicht auf dem eigenen Account aktiviert wurde). Beim Übertragen verliert ja automatisch der gebende Account den Schlüssel und das Spiel kann dort nicht mehr gestartet werden bzw. taucht im Account auch gar nicht mehr auf. Und so ist die Bedingung, dass bei der Weitergabe der Lizenz die alte Kopie beim Verkäufer gelöscht werden muss, kontrollierbar und technisch umsetzbar. Doch ohne eine rechtliche Klärung wird sich wohl keiner der Anbieter dazu bewegen lassen, die aktuelle Praxis zu ändern.

Aus diesem Grund bin ich gespannt, ob sich da doch noch etwas tut. Gamestar nach zu urteilen könnte durchaus Bewegung in die Sache geraten.
Auch wenn das irgendwann so weit sein sollte, die meisten Spiele auf meinen Origin und Steam Accounts sind dann so alt, dass man dafür eh nur noch ein paar Lutscher für bekommt. Doch ein bisschen Platz schaffen zu können wäre schon ganz schön.