Sep 182012
 

AGBs, die allgemeinen Geschäftsbedingungen, sind als Lesestoff vergleichbar mit den Leiden des Jungen Werthers von Göthe zur Schulzeit: auf Nachfrage bestätigt man denen, die es wissen möchten, dass man es ganz gelesen habe. Und jeder weiß, dass das nicht zwingend der Wahrheit entspricht. Doch während die Nichtlektüre des Gesamtwerkes von Göthe im schlimmsten Fall eine Bildungslücke bleibt, kann Unwissen über die Inhalte einmal zugestimmter AGBs zu viel Ärger führen. So hat man beispielsweise gegenüber Valve für die Nutzung von Steam sich einverstanden erklärt, dass nach Aktivierung eines Spiels (ob nun Retail im Laden erworben und digital gekauft) diese an den Account gebunden wird und dort verbleibt. Mit welchen Problemen diese Zustimmung jedoch verbunden ist, hat nun die Bundesverband unserer Verbraucherschützer in Form eine Abmahnung gegen Valve (erneut) aufgezeigt.

Steamnutzer werden es vielleicht mitbekommen haben, dass Valve Änderungen in den AGBs vorgenommen hat und man diesen als Nutzer nun zustimmen sollte. Was genau geändert wurde, weiß ich so genau gar nicht (siehe Beispiel am Anfang dieses Beitrages, ich hab ungefähr 1/4 des Werthers gelesen). Aber das ist auch gar nicht das Problem, sondern vielmehr, dass die Leute, die diesen Änderungen nicht zustimmen, keinen Zugriff mehr auf ihre erworbenen und teilweise im Laden für teures Geld gekauften Spiele haben. Die Verbrauchzentrale erklärte nun aber über ihre Sprecherin Carola Elbrecht dieses „Geschäftspraxis“ als rechtswidrig.

Das wäre in etwa so, als wenn ich im Laden ein Brettspiel kaufe und ich das Spiel nur im Geschäft unter Beobachtung des Verkäufers spielen darf. Ändert der Verkäufer seine AGB bleibt mir keine Wahl: Entweder ich stimme den Änderungen zu oder ich kann das Spiel nicht mehr nutzen, es verbleibt im Laden und den bereits gezahlten Kaufpreis erhalte ich auch nicht zurück.

Darüber hinaus wurde seitens der Verbraucherzentrale generell die Accountbindung und Steampflicht für Retailspiele kritisiert, wodurch diese Geschäftspraxis erneut ins die Suchscheinwerfer derer gerät, die hierin einen Verstoß gegen europäisches Recht sehen, was in einem anderen Fall bereits durch den europäischen Gerichtshof bestätigt wurde (wir berichteten).

Valve hat nun bis zum 26. September Zeit auf die Abmahnung zu reagieren und die Unterlassungserklärung zu unterzeichnen.

Update: Da war ich etwas zu schnell mit dem Veröffentlichen. Albert hat die offizielle Meldung des vzbv bei Facebook gepostet (hatte ich übersehen) und daraus geht hervor, dass Valve nicht nur wegen der AGB-Änderung abgemahnt wurde, sondern tatsächlich auf Basis des erwähnten Urteils des europäischen Gerichtshofes. Zusätzlich greift die Abmahnung die eine mögliche Wettbewerbsverletzung auf, die durch die Steampflicht von Retailtiteln besteht. Das bedeutet, dass es für Deutschland und ggf. für Europa zu dem im alten Artikel prognostizierten Rechtsstreitigkeiten kommen könnte oder gar Valve einknickt, was aber gleichzeitig massive Änderungen bei Steam bedeuten müsste. Wir dürfen also gespannt sein, wie Valve sich versucht aus der Sache heraus zu winden.

(via gamesindustry.biz)