Mai 192013
 

Gamecapturing, besonders wenn es darum geht alles in HD aufzunehmen, ist inzwischen nicht mehr ganz so fummelig, wie noch vor ein paar Jahren und auch inzwischen für den Normalsterblichen bezahlbar. Auf dem PC gibt es inzwischen ja sogar sehr gute und teilweise sogar kostenlose Software für diesen Zweck. Wer aber Spiele von einer Konsole in voller Pracht aufnehmen möchte, muss auf Hardware zurückgreifen. AverMedia, die taiwanesische Multimediatechnikfirma, hat mit dem Live Gamer Portable nun eine neue Capture-Lösung auf den Markt geworfen, die wir uns nun genauer angucken.

Wie der Name schon sagt, ist der Live Gamer Portable tragbar. Die Stromversorgung erfolgt über den USB-Anschluss, was heißt, ein nerviges Netzteil entfällt. Selbst bei einem festen Setup bedeutet das weniger Kabel. Generell fällt die Größe und das Gewicht sehr gering aus, dennoch ist die Verarbeitung gut, alles wirkt solide. Der eigentliche Clou im Sinne der Tragbarkeit ist, dass mit dem „PC-Free-Modus“ direkte Aufnahmen auf eine SD-Karte möglich sind. Dadurch unterscheidet sich der Live Gamer Portable von der Konkurrenz.

In anderen Punkten bietet der Live Gamer Portable alle wichtigen Standards der Konkurrenz von Hauppauge, Elgato oder Roxxio. Aufnahmen über HDMI sind mit 30 Bildern pro Sekunde in 1080p und damit FullHD möglich. Dabei wird alles gefressen, was über HDMI oder Komponentenkabel an die Box geliefert wird. Das bedeutet aber auch, dass HDCP geschützte Inhalte nicht aufgenommen werden können, was zu Problemen bei der Aufnahme der PS3 über HDMI und bei diversen Android basierten Geräten wie z.B. meinem Galaxy Nexus führen kann. Für die PS3 hat AverMedia jedoch ein Kabel beigelegt, das dieses Problem umgeht, in dem das Komponentensignal der PS3 genutzt wird. Im Vergleich zum digitalen Signal über HDMI kommt es aber über diesen analogen Weg zu einer gewissen Verschlechterung des Bildes, was aber kaum ins Gewicht fallen dürfte. Daher können alle Geräte, die mindestens über einen Komponentenausgang verfügen mit dem Live Gamer Portable aufgenommen werden, beginnend bei der Wii über die PS3, Wii U, PC und sehr wahrscheinlich auch den weiteren Next Gen-Konsolen. Aber auch digitale Receiver und BluRay-Player sind möglich.

Gute Videoqualität, aber Probleme mit einer stabilen Bildwiederholrate

Für die Komprimierung der Videos in ein von der Datengröße erträgliches Format setzt AverMedia auf einen H.264 Hardwareencoder. Als Ergebnis spuckt dann die Capturesoftware namens RECentral auf Wunsch Videos im MP4 oder TS-Kontainer mit einer Bitrate bis zu 60 Mbps aus.

Leider gibt es wohl Probleme mit der Bildwiederholfrequenz, die trotz entsprechender Einstellung scheinbar nicht zu 100 Prozent fest ist. Bei recht anfälligen Schnittprogrammen, wie Premiere CS, kann dieses zu Asynchronität von Bild und Ton führen. Tritt dieser Fall ein, so hilft aktuell nur eine Konvertierung in ein Video mit konstanter Framerate. Kostenlose Programme hierfür sind z.B. Handbrake oder Super.

Der Sound wird standardmäßig direkt über die Quelle aufgenommen, also per HDMI oder Komponente. Für ausgefallenere Setups gibt es auch einen analogen 3,5mm Klinkenein- und -ausgang. Daher kann unter anderem auch ein externes Mikro genutzt werden, jedoch ist diese nur mittels der Aufnahmesoftware in das Quellsignal mischbar, im PC-Free-Modus kann nur eine Soundquelle genutzt werden und sobald ein Mikro im analogen Eingang steckt, ist der Ingamesound stumm.

Der Clou: Ohne PC aufnehmen

Den PC-Free-Modus habe ich mit einer 32 GB SanDisk Ultra SDHC Karte getestet und kann sagen, dass dieser einwandfrei funktioniert, wie er soll. Die 32er SD-Karte ist bei vollen Einstellungen nach ca. 4 ½ Stunden Material proppevoll, weshalb hoffentlich bald auch die Option kommt direkt in MP4 encodiert aufnehmen zu können.

Die Software RECentral, die vor der Installation aus dem Netz geladen werden muss, funktioniert sehr gut und ist bereits recht ausgereift. Vom Vorgänger, der Live Gamer HD, wissen wir, dass AverMedia recht intensiv an dieser Software arbeitet und versucht Fixes und Verbesserungen zeitnah einzubeziehen.

Die Nutzeroberfläche ist für verschiedene Nutzergruppen bis hin zum erfahrenen Nutzer gut aufgebaut und bietet genug Hilfe für Einsteiger. Prinzipiell funktioniert es immer nach dem Prinzip: Video- und Audioquelle wählen, Ausgabeformat einstellen und auf „Bereit“ klicken, schon kann man aufnehmen. Für Erfahrene gibt es dann alle Einstellungsmöglichkeiten ohne viel Hilfestellung drumherum. Die Einstellungen von Bitrate etc. lassen sich bequem in Profilen speichern. Man findet alles recht flott. Lediglich die globalen Einstellungen, wie z.B. wo die Videos gespeichert werden sollen, ist etwas versteckt.


Mit einer nachgereichten Software kann der Live Gamer Portable zudem als Hardware in Streamingclienten, wie der Open Broadcaster Sofware genutzt werden, was bei mir zu deutlich stabileren Streams geführt hat.

Zum Lieferumfang des Live Gamer Portable gehören neben dem schon erwähnten PS3-Kabel noch ein AV-Adapter, um über Component aufzunehmen, ein 3,5mm zu 3,5mm Klinkenkabel für Audio, ein kurzes HDMI-Kabel, so dass ihr die Box direkt in bestehende Mediakompositionen einbauen könnt, das USB Kabel und eine kleine Tasche für die Box.

Fazit: Portabel, bei gutem Preis-Leistungsverhältnis

Insgesamt bietet der Live Gamer Portable viel für einen angemessenen Preis. An sich unterscheidet er sich weder von Preis, noch in vielen Punkten der Ausstattung von den Konkurrenzprodukten. Die Aufnahmequalität ist bei allen Produkten sehr ordentlich und oftmals nur in Nuancen zu unterscheiden. Ein deutliches Plus bietet natürlich der PC-Free-Modus. Und da sich in den Grundfunktionen die anderen Capturelösungen am Markt allesamt nicht so sonderlich voneinander unterscheiden, ist es also dieser Modus, der den Live Gamer Portable herausragen lässt. Und da er sonst wenig Schwächen zeigt und die Aufnahmesoftware gut funktioniert kann man getrost zusammenfassen: Wer eine Capturebox benötigt, die wenig Platz wegnimmt und tatsächlich den Namen entsprechend tragbar sein soll, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Einen noch genaueren Blick mit vielen Aufnahmen, die mit der Live Gamer Portable erstellt wurden, seht ihr in unserer Video-Rezension:

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